Schreiberhau (Szklarska Poręba)

Heilstätte der Reichsbahn-Arbeiterpensionskasse I auf dem Moltkefels in Niederschreiberhau
heute Izerskie Centrum Pulmonologii i Chemioterapii"IZER-MED" Spółka z o.o. (Isergebirgszentrum für Pulmonologie und Chemotherapie)

Der nachfolgende Text und die Mehrzahl der Fotos entstammt dem Band "
Die Heilstätten Stadtwald bei Melsungen (Cassel) und Moltkefels in Nieder-Schreiberhau (Schlesien)
 errichtet von der Pensionskasse für die Arbeiter der Preussisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft". Berlin: Verlag Greve, 1904

Gesamtanlage

Die Heilstätte besteht wie ihre Schwesteranstalt bei Melsungen hauptsächlich aus drei Gebäuden — dem mit seiner 110 m langen Vorderansicht nach Süden gekehrten Hauptgebäude, dem östlich stehenden Kessel- und Maschinenhause und dem Wohnhause des leitenden Arztes welches durch die Zufahrtsverhältnisse bedingt vor dem östlichen Teile des Hauptgebäudes, 55 m von ihm entfernt und 15 m tiefer stehend errichtet worden ist. 
Im Gegensatz zur Heilstätte Stadtwahl bei Melsungen sind drei Liegehallen am Abhange vor der Mitte des Hauptgebäudes angeordnet, so zwar, dass sie den Blick von der Terrasse des Hauptgebäudes ins Tal nicht beeinträchtigen und von den Pfleglingen bequem erreicht werden können. Die vierte, zum kleineren Teil zweigeschossige Liegehalle ist an der Westseite dem Hauptgebäude angegliedert und steht mit dem Tageraum dieses Gebäudeflügels in unmittelbarer Verbindung. 


Ansicht um 1904 (rechts)






Fotos April 2013
Grundrissanordnung der Gebäude. 

Der westliche, weitaus grössere Teil des Hauptgebäudes wird von den Zimmern der Pfleglinge eingenommen; auch hier sind, wie in der Heilstätte Stadtwald bei Melsungen neben den Zimmern für vier, drei und zwei Betten sogenannte Einzelzimmer vorgesehen, die sich nebst einigen Zimmern für je zwei Betten in einem 28 m langen Bauteil befinden, der etwas zurücktritt und an der Talseite in ganzer Länge mit zwei übereinander liegenden Balkons ausgestattet ist. Diese Balkons, von denen der obere unter dem Schutze des entsprechend weit ausladenden Daches steht, sollen von den Pfleglingen gleichzeitig als Liegehallen benutzt werden. 

Im Erdgeschoss befinden sich hauptsächlich die Räumlichkeiten zur Untersuchung und Behandlung der Kranken und das Verwaltungsbureau. Zwei Krankenräume und ein grösserer Tageraum mit Blumenerker bilden den Abschluss des Erdgeschosses an der Südwestecke. 

Ein Trockenraum für Badelaken ist an der Nordseite nahe der Badeabteilung untergebracht und so reichlich mit Gestellen versehen, dass für alle Laken Platz vorhanden ist und jeder Kranke sein mit einer Nummer versehenes Badetuch selbst aufhängen kann. Weiterhin befindet sich nach Norden gelegen die Einrichtung zum Desinfizieren der Spuckgläser und Flaschen und am Fusse der Haupttreppe ein entsprechend eingerichteter Raum, in welchen, die von ihren Spaziergängen zurückkehrenden Kranken die Schuhe wechseln und nasse Schirme abstellen sollen. 

Das Dachgeschoss mit seinen hohen Giebeln ist durch die Anlage von Reservezimmern, einen nach Norden gelegenen Röntgen-Kabinet mit Dunkelraum und dadurch ausgenutzt, dass vier Zimmer und ein Bad für die Schwestern, sowie ein Logierzimmer eingerichtet wurden. Der die Schwesternräume enthaltende Teil befindet sich unmittelbar neben der Haupttreppe und ist durch eine Glaswand nach dem Korridor abgeschlossen. 



Liegehalle westlich des Hauptgebäudes / Blick von der Heilstätte zum Reifträger (April 2013)

Eine aus zwei Zimmern und einem Baderaum bestehende Wohnung des Assistenz-Arztes ist im I. Obergeschoss vorgesehen. Von den drei Tageräumen liegen zwei nach Süden und einer an der Westseite. Da es nicht selten ist, dass Kranke, die auf dein Wege der Besserung sind, sich gerne beschäftigen, sei es aus Liebhaberei oder in der Absicht, sich nützlich zu machen, so ist für solche Beschäftigungen ein besonders heller und luftiger Raum an der südwestlichen Ecke des II. Obergeschosses vorgesehen. 

Die Klosettanlagen sowie drei Waschräume der Pfleglinge und drei Räume, in welchen das Reinigen der Kleider erfolgt, befinden sich auf die Geschosse verteilt an der Rückseite des westlichen Bauteiles. Damit bei gutem Wetter das Bürsten der Kleidungsstücke im Freien erfolgen kann, wurden den Reinigungsräumen Balkons vorgelagert. 

Die Dienstzimmer der Schwestern liegen im I. und II. Obergeschoss neben der Haupttreppe. Der östlich angegliederte Bauteil dient hauptsächlich Wirtschaltszwecken; er ist durch ein Treppenhaus in zwei Hauptteile zerlegt, von denen der rechts liegende, dem Krankengebäude abgewendete Teil die Räume der Wäscherei und der linke die Kochküchenanlagen enthält.

 
Ansicht um 1921 / Ansicht frühe 1930er


Abb.: Chefarztzimmer (links) // Röntgenzimmer (rechts)

Über der Kochküche, die sich mit ihren Nebenräumen im Erdgeschoss befindet, liegt der für 100 Kranke eingerichtete Speisesaal mit dem grossen Anrichteraum, welcher mit der Anrichte neben der Kochküche durch zwei Speiseaufzüge in Verbindung steht. Um eine Verbreitung von Speisegerüchen zu verhüten, wurde zwischen dem Krankengebäude und dem Speisesaal ein gut lüftbarer Querflur angeordnet, welcher gleichzeitig als Kleiderablage dient und an der Südseite in einem Blumenerker endigt. Da der Speisesaal auch zur Abhaltung des Gottesdienstes benutzt werden soll, so ist an seiner Rückseite eine Altarnische vorgesehen, die durch einen Vorhang geschlossen gehalten werden kann.

Ein grosser Balken an der Südseite bietet den Pfleglingen Gelegenheit, aus dem Saal ins Freie zu treten. Die Räumlichkeiten der Wäscherei mit maschineller Einrichtung liegen, wie schon erwähnt, zur rechten Seite der Wirtschaftstreppe im Erdgeschoss und stehen mit einem östlichen Anbau in Verbindung, in welchem die Desinfektion der Wäsche- und Kleidungsstücke sowie der Betten stattfindet. Im ersten Obergeschoss wird die Wäsche gerollt, ausgebessert und geplättet; auch das Magazin befindet sich in diesem Geschoss. Ein Aufzug ermöglicht die bequeme Beförderung der Wäsche nach oben bezw. zur Ausgabe nach dem Erdgeschoss zurück. 


Tagesraum mit Panoramafenster (links) / Speisesaal (rechts)


Abb.: Vierbettzimmer (links) / Einbettzimmer (rechts)

Das zweite Obergeschoss desselben Bauteiles enthält die aus vier Zimmern, Küche, Speisekammer und Mädchengelass bestehende Wohnung des Hausmeisters und das ausgebaute Dachgeschoss darüber die Schlafräume für weibliches Dienstpersonal. Da dieses Geschoss mit anderen in gleicher Höhe befindlichen Bauteilen keinerlei direkte Verbindung hat, so ist die Isolierung des weiblichen Dienstpersonals in der denkbar vollkommensten Weise erreicht. Besondere Klosettanlagen sind sowohl für das Personal der Kochküche als auch der Waschküche vorgesehen.

In den Kellereien des Wirtschaftsflügels befinden sich die Vorratsräume mit einem Aufzug im Kartoffelkeller, sowie ein besonders eingerichteter Kühlraum mit Eisbehälter zur Aufbewahrung von Fleisch und Milch. Das eigentliche Krankengebäude wurde aus Ersparnisrücksichten nur soweit unterkellert, als es zur Unterbringung der Leitungen und der Warmwasserbereitungsanlage der Badeabteilung sich als nötig erwies. Im übrigen sind nur 60 cm hohe Hohlräume unter den Fussböden des Erdgeschosses angelegt worden, welche lediglich die Erwärmung der Fussböden bezwecken. 

Der inmitten des Gebäudes liegende Kesselraum enthält drei Cornwallkessel von je 35 qm feuerberührter Heizfläche. Rechts befindet sich das Kohlengelass und ein Keller und darüber die Wohnung des verheirateten Maschinenmeisters. An der linken Seite des Kesselraumes ist eine Werkstatt, ein Raum mit den Kesselspeisevorrichtungen und der Maschinenraum, in welchem der elektrische Strom erzeugt wird, angeordnet. Über dem Maschinenraume hat die Akkumulatorenbatterie Aufstellung gefunden. Eine Stube, Dusche. und Klosettanlage für den Heizer vervollständigen die Einrichtung des Hauses. 


Abb.: Liegehallen (links) / Küche (rechts)   |   Arzthaus (unten links) und zwei Ansichten vom Moltkefelsen auf Niederschreiberhau (unten rechts):


Ein ca.40 m langer begehbarer Kanal verbindet das Kesselhaus mit dem Hauptgebäude; er enthält die Dampf- und Kondenswasserrohre und die Hauptleitung fiir elektrischen Strom. 
Dem Kessel- und Maschinenhause wurde an der Bergseite ein kleiner Baukörper angegliedert, in welchem sich eine Zelle Ihr Deliranten und die durch Luftschichten gut isolierte Leichenkammer befinden. 

Das zweigeschossige Wohnhaus des dirigierenden Arztes enthält die gleichen Räumlichkeiten und Einrichtungen wie das Arzthaus der Heilstätte Stadtwald, nur ihre Gruppierung ist eine andere. 

Der konstruktive Aufbau der Gebäude: Mit Rücksicht auf die gleichartigen Verhältnisse sowohl hinsichtlich der freien Lage als auch des Zweckes der Baulichkeiten haben bei beiden Heilstätten dieselben Konstruktionen Anwendung gefunden. Hinsichtlich der verwandten Materialien ist insofern ein Unterschied zu verzeichnen, als zur Verblendung des Untergeschosses und zu einigen Architekturteilen nicht Sandstein, sondern Granit zur Verwendung gekommen ist, weil dieses Material zum grössten Teil auf der Baustellen gewonnen werden konnte. Auch für die hygieniseh-technischen Einrichtungen sind bei beiden Anstalten dieselben Grundsätze massgebend (…).“


Grundrisse (EG und 1. OG) / Lageplan



Kinderheilstätte der LVA Berlin Lenzheim in Oberschreiberhau




Izerskie Centrum Pulmonologii i Chemioterapii NZOZ w Szklarskiej Porębie





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