Sanatorium Dr. Brehmer


Das Sanatorium von Dr. Brehmer im niederschlesischen Görbersdorf ist die erste Lungenheilstätte der Welt.


Im Jahre 1854 übernahm Dr. Brehmer im niederschlesischen Görbersdorf die erste Kaltwasser-Heilstätte, die von seiner Schwägerin Marie von Colomb (die wiederum eine Nichte des Generalfeldmarschalls von Blücher war) im Jahre 1849 gegründet worden war. Das Görbersdorfer Sanatorium kann als erste Heilstätte seiner Art im Deutschen Reich angesehen werden. Dem schlesischen Vorbild folgten viele Heilstätten nach ähnlichem Prinzip. Die Bilder ähneln sich in Deutschland wie in Polen: Die historisch bedeutsame Anlage Görbersdorf liegt seit Jahren brach und ist Verfall und Vandalismus preisgegeben, zuletzt sorgte 2008 ein Großbrand für Aufregung, der große Teile der Sanatoriumsruine zerstörte. Es gibt aber ein ehrgeiziges Projekt für den Wiederaufbau, dass dringend Spender sucht: http://www.sokolowsko.org/

Jaroslaw Budyta stellte mir tolle HDR-Ansichten der Ruine für diese Seite zur Verfügung.

Außerdem besuchte ich im April 2013 die Heilstätte. Derzeit versucht eine Stiftung, das stark zerstörte Gebäude zu retten - Spenden erbeten!

Sanatorium Dr. Brehmer Görbersdorf





Text aus: Busch, H. K. (1875): Die Görbersdorfer Heilanstalt des Dr. H. Brehmer - Berlin: Enslin. IV. Kapitel. Einrichtungen der Heilanstalt des Dr. Brehmer. 

"Wir wenden uns jetzt zur Darstellung der in der Heilanstalt in Görbersdorf angewendeten Kurmethode und was damit zusammenhängt. Da Görbersdorf nicht zu den sogenannten Bade- oder klimatischen Kurorten im gewöhnlichen Sinne zählt, so findet hier auch nicht wie anderswo eine bestimmte "Saison" statt, die etwa von Mitte Mai ab bis Ende September dauert, sondern man findet das ganze Jahr hindurch Aufnahme in der Heilanstalt, wenn wir auch eingestehen müssen, dass die Sommermonate die Zeit der höchsten Frequenz sind. Patienten finden daher jederzeit Aufnahme, da jedoch im Vorfrühling die Schwindsucht gewöhnlich die stärksten Fortschritte zu machen pflegt, so ist es jedenfalls gerathen, wenn die Witterung es irgend gestattet, so früh als möglich die Heilanstalt in Gärborsdorf aufzusuchen, damit man die für den Patienten gefährlichste Zeit schon in der Heilmealt zubringt. Hat man einen oder zwei Tage in Görbersdorf verweilt und sich etwas von den Strapazen der Reise erholt, so erfofgt die erste Untersuchung des Patienten seitens des dirigirenden Arztes, Herrn Dr. Brehmer; mich etwa acht Tagen oft eine zweite, ausgeführt von einem der drei Assistenzärzte, Herrn Dr. Dettweiler, Dr. Greveler oder Dr. Sokolowski. Bei diesen ersten Untersuchungen erhält nun der Betreffende von Dr. Brehmer auch zugleich Anweisungen über sein Verhalten, über den Aufenthalt in der frischen Luft, ob in sonniger oder schattiger Waldluft, über das Ersteigen der Berge und das Ausdehnen der Spaziergänge, welches sich leicht von den Aerzten bestimmen lässt, da die meisten Plätze nach und nach mit verschiedenen Namen belegt sind u.dergl.m.

Der Wirthshausbesuch ist aufs strengste untersagt; einmal deshalb, weil man sich dadurch den so nothwendigen Aufenthalt in der frischen, wohlthuenden Gebirgsluft schmälert und dafür die schädliche, von Tabaksrauch und sonstigen der Gesundheit nachtheiligen Dünsten angefüllte Luft der Bierstuben einathmet; zum andern, weil nicht selten die Kranken sich über ihren Zustand leicht hinwegsetzen und bis spät in die Nacht hinein sich am Biergenuss erfreuen, wodurch sie natürlich einen argen Fehler in der ihnen vorgeschriebenen Lebensweise begehen, ihre Heilung nicht blos unterbrechen, sondern auch wol gar unmöglich machen. Darum kann man einem Brustkranken nicht dringend genug rathen, doch ja mit der strengsten Gewissenhaftigkeit den Vorschriften der Aerzte nachzuleben. Ein kleiner Fehler rächt sich zu häufig durch die allerschlimmsten Folgen. Kann aber jemand einmal seine Natur nicht soviel beherrschen, sondern muss sich Extravaganzen hingeben, der sei dann später auch ehrlich genug, den Misserfolg seiner Kur sich selbst zuzuschreiben und nicht, wie es leider haufig genug geschieht, der Heilanstalt. Wer den ärztlichen Vorschriften durchaus nicht Folge leisten kann, der sollte billigerweise von vorneherein auf einen günstigen Kurerfolg verzichten und eine Hellanstalt nicht besuchen.

 







Villa Rose (für betuchtere Kranke, Extrabau im Anstaltspark; links) //  Wintergarten (rechts)


Liegehalle (links) // Douche im Park (rechts)



Wintergarten (links) // Pavillon an der Douche (rechts)

Das weiße Haus (Vordergrund), Neues Kurhaus (Hintergrund) links // Douche-Gebäude im Park (rechts)









Dr. Brehmers Wohnhaus (links) // Humboldttempel im Anstaltspark (Mitte) // Gesamtansicht (rechts)


Forsthaus (links) und Wanderhütte Getrudsruh/Hermannsgrotte (rechts) im Anstaltspark

Die Zeichnungen sind dem folgenden Band entnommen:

Aeskulapdenkmal (links) und Schönleinplatz (rechts)


Schönleinplatz (links) und Villa Rosa (rechts)












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Andreas Jüttemann,
16.07.2014, 02:31
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