Bahnhöfe


Bahnhofsschilder

Musterblatt Z 289 (Epoche I)

Die ersten bekannten Standards für Stationstafeln wurde im Musterblatt 289 aus dem Jahr 1860 genennt. In dieses Musterblatt wurde unter anderem die Ausstattung
von Bahnhöfen zusammengefasst, in dem die in Deutschland verbindlichen Streckenausrüstungsgegenstände erfasst waren. Darunter fielen auch die so genannten Stationstafeln: In 1,97 Metern Pfahlhöhe befand sich eine 22 Zentimeter hohe Holztafel, auf welche der Ortsname mit schwarzer Farbe auf
weißen Grund gemalt war. Zusätzliche Zierleisten und verschnörkelte Einfassungen
werteten das einfache Stationsschild vielerorts fast schon zu einem Kunstwerk auf.

An Bahnhöfen der Epoche 1 sind häufig die Bahnhofsnamen als aufwendig
in Stein gemeißelte Inschriften am Empfangsgebäude zu finden; diese
wurden der besseren Lesbarkeit halber oft noch mit schwarzer Farbe ausgelegt.
Dabei verwendete man meistens eine sogenannte Antiquaschrift mit Serifen, die natürlich auch ein wenig an die alten römischen Inschriften erinnern sollte („Serifen“ sind die kleinen Querstriche oben und unten an den Buchstaben).
Frakturschriften waren im vergangenen Jahrhundert gar nicht so weit verbreitet. Auch auf Bahnhofsschildern waren sie nur höchst selten zu finden. Der Grund ist einfach, denn mit der guten Lesbarkeit aus einem fahrenden Zug ist es bei ihnen nicht besonders weit her. Da diese Schriften jedoch als typisch deutsch angesehen wurden, erlebten sie nach der Jahrhundertwende (1900) einen gewissen Aufschwung.

Eine weitaus größere Rolle spielten dagegen die Groteskschriften (auch
„serifenlose Antiqua“ genannt) in den verschiedensten Ausprägungen. Hier ist die Strichstärke bei allen Buchstabenelementen fast gleich. Sie waren auch bei Bahnhofsschildern von Anfang an weit verbreitet; auf alten Fotografien
sind sie am häufigsten zu sehen. 
Auffällig ist dabei die häufige Verwendung sehr schmaler Buchstaben.
Besonders einheitlich ging es dabei nicht zu, die verwendeten Schrifttypen
konnten leicht von Bahnhof zu Bahnhof variieren.

Eisenbahn-Bau- und -Betriebsordnung der Deutschen Reichsbahngesellschaft von 1928 (Epoche II)

Auch in der Eisenbahn-Bau- und -Betriebsordnung der Deutschen Reichsbahngesellschaft von 1928 war die Ausrüstung der Bahnhöfe mit Namensschildern festgeschrieben: „Auf den dem Personenverkehr dienenden Bahnhöfen und Haltepunkten ist der Name in einer den Reisenden ins Auge
fallenden Weise anzubringen.“

Schrift
In der DIN-Norm DIN 1451 wurde 1931, zunächst als Vornorm, ab 1936 als Norm die sogenannte DIN-Schrift für die Bereiche Technik und Verkehr genormt. Die Schrift geht auf die preußische Musterzeichnung IV 44 von 1906 zurück, die von den Preußischen Staatseisenbahnen für Beschriftungen von Schienenfahrzeugen normiert wurde. Der Ingenieur Ludwig Goller (1884–1964), Angestellter der Firma Siemens, war ab 1925 als Vorsitzender des DIN-Ausschusses für Zeichnungen verantwortlich für die Entwicklung der Norm. Zwar stand dabei vor allem ihre Leserlichkeit im Vordergrund, dennoch sollten alle Striche die gleiche Stärke haben, was im Widerspruch zur traditionellen Typografie steht. Die DIN 1451 umfasste zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung 1931 die schriftarten Engschrift, Mittelschrift und Breitschrift.

DIN / TGL (Epoche III/IV)

Seit 1949 prägten bei der Deutschen Bundesbahn die Empfehlungen der DIN
und bei der Deutschen Reichsbahn die TGL-Vorschriften die Schriftform und Größe
der Bahnhofsschilder, sobald diese einer Erneuerung bedurften.

In der DDR übernahm das Schilderwerk Beutha (ehemals Emaillierwerk Segor Stollberg/Sa.) die Fertigung von Emailleschildern für die DR. Die gewölbten Blechtafeln aus der Vorkriegszeit wurden durch gefalzte Rechtecktafeln ersetzt. Anfangs noch 60 Zentimeter hoch und mit Groß- und Kleinbuchstaben, wurden mit Beginn der 1980er-Jahre die Tafeln aus Kostengründen in der Höhe auf 55 Zentimeter reduziert. Der Ortsname wurde in nur noch 35 Zentimeter großen und vier Zentimeter breiten Großbuchstaben auf die Emailleschilder aufgebrannt. Zuständig für die Schilderbeschaffung waren die Hochbaumeistereien.

Da die Länge der Blechtafeln auf 1,50 Meter beschränkt war, mussten bei längeren
Ortsnamen mehrere Tafeln aneinandergereiht werden. Sofern die Emailleschilder nicht an Gebäudewänden angeschraubt werden konnten, dienten Beton- oder Holzpfähle als Ständer.

Als die DR ihre Schilder gestaltete, galt dafür die DV 675 "Dienstvorschrift für die Information der Reisenden" (IVO). Dort ist im Abschnitt I die Gestaltung der Schilder geregelt. Im Anhang II geht es um die Form, Farbe und Größe der Schrift. Für die Schrift galt TGL 0-1451. Diese war basiert auf DIN 1451.

Vom Ende der fünziger Jahre an bemühte sich die DB erstmals um ein
einheitliches Erscheinungsbild ihrer Bahnhöfe. Aus dieser Zeit stammen die
bekannten Schilder mit den in Versalien (Großbuchstaben) geschriebenen
Bahnhofsnamen, die auch heute noch sehr oft zu finden sind. 

Geschäftsbereich Personenbahnhöfe (Epoche V)

Bis 1992 hat ein Standard immer erhalten – schwarze Schrift auf weißem Untergrund.
Erst mit Bildung des Geschäftsbereichs Personenbahnhöfe gab es eine Übergangszeit, als auf vielen Bahnhöfen 35 Zentimeter hohe Kunststofftafeln mit vier Zentimeter breiten, pastellblauen Umrandungen (RAL 5024) erschienen. Die Bahnhofsnamen blieben unverändert Schwarz auf Weiß, anfangs in Großbuchstaben, später auch in Groß- und Kleinschreibung. Damit begann die „Neue Bahn“, in Ost und West auch bei der Bahnhofsbeschilderung ein neues und zeitgemäßes Erscheinungsbild einzuführen. Die Kunststofftafeln ließen sich zudem gut anordnen und beleuchten.

Die Schilder mit der blauen Umrahmung ersetzen in Epoche V bei Neubauten und Renovierungen  ihre älteren Vorgänger.

Wegeleit- und Informationssystem für Personenbahnhöfe der Deutschen Bahn (Epoche V-VI)

Motiviert durch die neue „Kundenorientierung“ der Deutschen Bahn AG entwickelte
die Frankfurter CDC Design GmbH ein „Wegeleit- und Informationssystem für
Personenbahnhöfe der Deutschen Bahn“.
Zur besseren Les- und Erkennbarkeit ist man von der bisherigen Kennzeichnung
der Schilder abgerückt und hat sich für ein Negativbild mit weißer Schrift auf dunkelblauem Grund entschieden, wie es auch international verbreitet ist. 
Die ersten Bahnhöfe mit den neuen Bahnhofsschildern wurden Aschaffenburg und Westerland.
Mit dieser Beschilderung einher ging anders als bisher das Anbringen der Schilder parallel zum Bahnsteig. Mit den quer zum Bahnsteig angebrachten Stationsschildern an Lichtmasten oder Bahnsteigdächern war für den Reisenden eine wesentlich bessere Lesbarkeit des Ortsnamens aus fahrenden Zügen heraus möglich.  

Die heutige DB Station&Service AG hat eine nationale Bahnnorm für das Bauen von Personenbahnhöfen definiert: die Richtlinie 813 „Personenbahnhöfe planen“. Es gibt das „Ausführungshandbuch 81393 (Design Manual) Wegeleit- und Informationssystem".


Quellen:
  • MIBA 1997-03 (Beschriftungen, pag. 48-50)
  • Modelleisenbahner 2014-06

miba 2010-6
Epoche I-III

Perleberg, Bahnhofsschild, 6. September 2007 (Foto: T. Voekler, Wiki Commons)

Das Bahnhofsschild Quedlinburg am dortigen Bahnhof. Angebracht an Gebäuden des "Areal B" am Gleis 1, 8. Februar 2009 (Foto: Andreas Werner, Wiki Commons)

Bahnhofsschild Bad Herrenalb, 15. Juli 2009 (Foto: JuergenG, Wiki Commons)

Bahnhofsschild Niedergoerne am Stellwerk, 18. Juli 2010 (Foto: Mef.ellingen, Wiki Commons)

Epoche III-V

Bahnhofsschild Witten-Annen-Nord (Foto: Christian Lukas, Wiki Commons)

Epoche V

Bahnhofsschild in Oranienburg, Brandenburg, 3. Juli 2008 (Foto: Jared Preston, Wiki Commons)

Epoche V-VI

Bahnhofstafel am Bahnhof Inningen, 2006 (Foto: 18041992, Wiki Commons)


Foto von ein Muster mit DIN 1451's DIN-Engschrift font (Public domain, Wiki Commons)


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