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Politik, Ökonomie, Kultur


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Beziehungen (I)

[06-03-07] Beziehungen muß man haben. Oder auch nicht.

Eines der Gesetze, um Erfolg zu haben und sich durchzusetzen in der modernen Leistungsgesellschaft, lautet merkwürdigerweise, dass es auf die eigene Leistung gar nicht so sehr ankommt. Dafür aber auf diejenige anderer, zu denen man irgendwie ein „gutes Verhältnis“ zu haben hat.

Das geht schon los bei der lieben Mutter, die den einen Zögling etwas mehr fördert, weil sie ihn abgöttisch liebt, den anderen aber nicht ganz so, weil er sie an irgendwelche dunklen Stunden in der Vergangenheit erinnert. Oder weil sie seine Nase eben nicht so mag wie die des Lieblingskindes.

Das geht weiter beim Familienvater, der die ganze lästige Erziehung lieber Weib und (Schwieger-) Mutter überlässt, aber sich im Ernstfall sofort zum Schuldirektor bewegt, um etwas „Druck“ zu machen zugunsten des momentan etwas schwierigen Kindes. Ein guter Direktor denkt natürlich auch an seine immer klamme Institution und kommt dem leidgeprüften Vater angesichts der versprochenen Spende für den neuen Turnsaal oder mehr naturwissenschaftliche Fächer gerne entgegen.

Wie das im späteren Leben weitergeht? Genau so. Schon beim Drücken der Schulbank ist es nicht unerheblich oder eben „leistungsrelevant“, neben wem man zu sitzen kommt. Und das ist auf der Universität auch nicht anders – „Kontakte“ zur Umgebung des prüfenden Professors oder wenigstens zu einigen erfahrenen Kommilitonen, die ein paar Prüfungstipps parat haben, zahlen sich aus. Ganze Kompendien mitsamt mündlichen Prüfungsfragen plus gebotenen Antworten sollen so schon von Studentengeneration zu Studentengeneration weiter gereicht worden sein. (Nebenbei gesagt einer der Gründe, warum schon lange tot gesagte schlagende und nicht schlagende „Verbindungen“ munter überleben.)

Und dann der Beruf. Einen guten zu bekommen, hängt schon wieder von Papa oder Onkel oder Professor ab. In Deutschland geht das alles eher „unter der Hand“ vonstatten, in anderen Ländern mehr als offenes Geheimnis. (Darüber demnächst mehr.)

Wie das Leben so spielt
[18-08-06] Folgendes verdanken wir dem Hinweis bei Volker Weber. "So, I went through 3 security checks but some unlucky individuals went through more if they were randomly selected. The security line was long, 2-3+ hours each. The first line was for checking in luggage, which was your only chance to check in everything and only carry on what was allowed (many people tried cheating this). The second line was the first security check to get into the terminals with x-rays, pat downs, and hand searches into your only plastic bag. This is also where a great deal of goods were thrown away. There was a trashbag on the floor full of cell phones, ipods, cameras, jewelry, razors, notebooks, usb sticks, key fobs, lipstick, some really expensive pens, and many other items that would be hard to throw away." More ...

Wikipedia, Google etc.:
Informationsdiktatur im Web?

[16-08-06] Suchmaschinen ersetzen heute den Gang in die Bibliothek oder sonstige aufwendige Recherchen. Das hat Vorteile. Doch was ist mit der Qualität der solcherart zustande gekommenen Ausbeute? In den USA zweifelt man inzwischen an der Zuverlässigkeit dessen, was bei Google, Yahoo oder MSN „gefunden“ wird. Denn immer öfter verweisen die Fundstellen gleich zu Anfang auf Wikipedia-Einträge. Die alternative Enzyklopädie „von unten“ – basis-demokratisch und jedermann offen sollte sie sein – ist auf dem besten Wege, sich in das Gegenteil ihres Ideals von einst zu verwandeln: Wenn man an prominenter Googlestelle immer wieder auf Wikipedia verwiesen wird, dann hat sich der Schein von Pluralität, womöglich „Gegen-Information“, aufgelöst – Wikipedia dominiert alles andere.

Das war vor der Einrichtung dieser Online-Enzyklopädie noch anders, auch andere Quellen hatten eine Chance, Gehör zu finden. Da die meisten Konsumenten von Suchmaschinen nur auf den ersten oder zweiten Eintrag klicken, schlummert alles, was weiter unten aufgelistet wird, den altbekannten Archivschlaf. Die Konsequenzen dieser Entwicklung? Informationsbeschaffung war noch nie mehr als der Auftakt zu etwas Nachdenken und dem Ziehen von Schlüssen, zu Wissen statt purer Information. Daran hat sich auch im Internetzeitalter nichts geändert.

Auf ihrer jüngsten Wikimania-Konferenz im Juli haben sich die Macher Qualität statt Quantität auf die Fahne geschrieben. Jimmy Wales, Wikipedia-Gründer: “That could mean quality control — making sure the information is accurate — and it could mean a clearer presentation, or more information.” Ein mehr an Informationen, bessere Präsentation und Kontrolle allein werden nicht viel ausrichten. Denn Falschmeldungen wie die über das explosionsartige Wachstum von Elefanten in Afrika, die zur Sperrung von 20 Wikipedia-Einträgen führten, sind nicht das eigentliche Problem. Die Schnellsuche und die Beschränkung auf eine Quelle, selbst (oder gerade?) wenn sie von vielen Amateuren zusammengestellt wurde, gilt es zu überwinden. Vielleicht haben die Wikipedia-Organisatoren eine Ahnung davon: Eines der nächsten Projekte mit dem Namen „Wikiversity“ soll eine Online-Universität mit vielen Materialien aufbauen.

[Cross-posted in www.zazamedia.typepad.com]

 

Geheimnisse der Kochkunst

[09-08-06] Zu den wirklich wichtigen Dingen des täglichen Lebens gehört bei allen Widrigkeiten des Laufs der Welt zweifellos die Nahrungsaufnahme. Und dieser geht die Nahrungszubereitung voraus. Zu diesem Thema lesen wir in „Rätsel und Geheimnisse der Kochkunst – Naturwissenschaftlich erklärt“ von Hervé This-Benckhard: „Wie soll man es anstellen, daß möglichst viel Fleischsaft im sautierten oder gegrillten Fleisch bleibt? Eine Möglichkeit besteht natürlich darin, nicht zu heiß zu braten: je geringer die Bindegewebskontraktion, desto geringer der Saftverlust. Aber auch das Gegenteil ist richtig: Brät man bei sehr starker Hitze, dann verkürzt sich die Garzeit, so daß nur eine geringe Menge Fleischsaft austreten kann.“ (München 2002, Seite 107) Eindeutig naturwissenschaftlich präzise.

Wohnungsverhältnisse - Leben auf
engstem Raum - ein Blick in die Gegenwart
[UPDATE 06-08-06 / 21-05-06] So wird es also sein, das Leben in der nahen Zukunft. Für viele ist es schon jetzt Realität, wie Fotos aus Sozial(!)wohnungen aus Hongkong belegen: 100 mal Elend auf engstem Raum. Look at: http://photomichaelwolf.com/100x100/

Africans pay $1,800 for 1GB of data
[UPDATE 06-08-06 / 19-05-06] Wer verdient an der Armut? Geschäfte mit der Mobilkommunkation zählen inzwischen zu den wahren Goldgruben auf dem afrikanischen Kontinent. Weil es an bezahlbaren Festnetzalternativen fehlt, haben sich viele Leute dort ein Mobiltelefon zugelegt - und zahlen kräftig dafür. CNN berichtete: "African Internet users pay on average 90 times what Americans pay, crippling efforts by the world's poorest continent to become competitive, a senior Kenyan official said. Internet users in America pay $20 for one gigabyte of data per month, but people in Africa pay about $1,800 for the same amount of data, Minister for Information and Communication Mutahi Kagwe said in a speech read on his behalf by Permanent Secretary Bitange Ndemo. That's partly because the infrastructure-strapped continent spends millions of dollars every year to route data and voice traffic from one African country to another through Europe or North America, Kagwe said. "The only undersea fiber optic cable to connect several African countries and the rest of the world ... remains the most expensive in the world and contributes to the high costs of bandwidth in Africa," Kagwe told participants at the Africa Information and Communication Technology conference."

Intel Ahead: Mehr tun für die Dritte Welt - zum eigenen Vorteil
[02-05-06] Nicholas Negroponte vom MTI geht schon seit einiger Zeit damit hausieren: Ein 100-$-Laptop soll es vor allem Kindern in den unterentwickelten Staaten erlauben, sich IT-mäßig fortzubilden und Anschluß an das Internet zu bekommen. Allerdings wartet man noch immer auf konkrete Taten. Nun kommt Intel mit einer neuen Initiative heraus: Unter dem Titel "World Ahead" will Intel eine Kampagne für einen Laptop unter 400 $ und ein mit einer Milliarde Dollar unterstütztem Ausbildungsprogramm für Lehrer in Sachen Wireless Internet Access ausrichten. Damit würde Intel seine Ausgaben für solche Initiativen verdoppeln. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch: Intel hat Marktanteile im Chip-Markt verloren, und Konkurrent AMD hat sich bereits für ähnliche Initiativen wie die von Negroponte ausgesprochen. Negroponte selbst meinte: "Anything is better than nothing. But teacher training is the slowest way to improve global education and reaches very few rural, remote teachers in very poor places." - Schon seltsam, dieser Streit zwischen den Freunden der Dritten Welt, noch bevor irgendwas Konkretes passiert ist. Nur ein weiterer Fall von Selbstprofilierung? 

Murder in New York: Killers and Their Victims in the Five Boroughs
[30-04-06] Auch schon mal ein komisches Gefühl gehabt in New York? Spätestens abends nach 22 Uhr? Irgendwo auf ein Taxi wartend? Mal wieder gibt die New York Times Trost und Rat. "Between 2003 and 2005, 1,662 murders were committed in New York. Men and boys were responsible for 93 percent of the murders; their victims tended to be other men and boys; and in more than half the cases, the killer and victim knew each other." Das beruhigt nur für ein Weilchen. Wer mehr wissen will: Die kleine Meldung garniert mit einer hübschen Karte der Stadt, wo man ein bißchen mehr aufpassen sollte:
www.nytimes.com/packages/html/nyregion/20060428_HOMICIDE_MAP.html

Air Force One attacked ...
23-04-06] In den USA ist ein Video aufgetaucht, daß eine Spray-Attacke auf die Air Force One, das Flugzeug von President George W. Bush, zeigt. Brachte die Air Force wegen seiner Authentizität etwas durcheinander. Ausschnitte plus Kommentar gibt's hier zu sehen: http://news.yahoo.com/s/ap/20060422/ap_on_hi_te/air_force_one_hoax

[das lexikon] Die Menschen
[20-04-06] Wahrscheinlich wird es wieder niemandem auffallen: Aber wenn unsereins, der normale Staatsbürger, von ganz oben tituliert wird, dann immer mehr in der Form als "Mensch". "Die Menschen" draußen im Lande verstünden dies sehr gut, jenes dagegen aber nicht - so stürmen die Talkshow-Redner und Nachrichtensprecher jeden Tag auf ihr Publikum ein. Dieses wiederum goutiert die Dauerberieselung, fühlt sich womöglich geehrt. Mensch, das sind doch wir alle! Weit gefehlt! Denn was verbindet den Bewohner einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Stuttgart-Mitte oder einer Drei-Raum-Wohnung in Berlin-Neukölln mit jenen Herrschaften dort oben? Eigentlich nichts. Außer, daß sie alle aus Fleisch und Blut und blasser Hautfarbe bestehen. Aber das war es dann schon. Alles andere, die Ernährung, die Eß- und Trinkgewohnheiten, die Ansprüche an Information (FAZ versus BILD), die finanzielle Absicherung gegen Krankheit und Alter, eigentlich alles - konkret betrachtet - deutet mehr auf unüberwindbare Gräben hin. Das Schöne für die da Oben - eben auch nur "Menschen" - ist es nun mal, daß die da Unten - genauso "Menschen" - irgendwie kaum Probleme mit diesen signifikanten Unterschieden haben. Und was hilft ihnen dabei? Eben die Ansprache als "Menschen". Als wären alle aus dem gleichen Material beschaffen. Warum nicht gleich die Ansprache als "Lebewesen"? Mit denen - Katzen, Hunden, Papageien, Nilpferden etc.pp. - haben wir doch auch so manches gemeinsam. Oder doch nicht?

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Hartmut Wiehr ist Fachjournalist und Buchautor. Er ist per E-Mail zu erreichen über: hwiehr@zazamedia.com.

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