Leben und Werk

Caroline Johanna Wolff, geb. Kielich
aka Hanneken; aka Wolff-Hamburg aka Hanna Wolff



Foto: Archiv Tilsit [in einer höhere Auflösung bildarchiv-ostpreussen.de ]
aus Traute Englert's Buch, Die Meerwischer Volksschule in Tilsit


* 30. Januar 1858 Tilsit, Ostpreußen / heute Sowetsk, Russland
†  3. Mai 1943 in Orselina, Schweiz [begraben auf dem Bergfriedhof in Mergoscia]


Anmerkung:
in der Literatur wir fast durchgehend der 4. Mai 1943 als Todestag angegeben, einmal auch der 5. Mai; nach einer Auskunft der Gemeindeverwaltung Orselina ist der Todestag im Register aber mit 3. Mai. 1943 eingetragen. Inzwischen vom Zivilregister des Kanton Tessin in Locarno inzwischen bestätigt - 20-Jan-2009.

Caroline Johanna Wolff, geb. Kielich war eine in ihrer Zeit viel publizierende, publizierte und bekannte Schriftstellerin und seit 1897 mit dem Kaufmann Gustav Otto Wolff, Hamburg (1872 - 1943) verheiratet.

Ihre Eltern: Johann Adolf Kielich und Caroline, geb. Lukoschewitz

Gustav Otto Wolff
* 3-April-1872, Hamburg           
† 9-Mai-1943, Orselina, Schweiz

Gustav Otto Wolff war zu dieser Zeit Prokurist im elterlichen Betrieb. Später dann Partner des Vaters Otto Wolf und zuletzt Alleininhaber des Handelshauses. Gustav Wolff war gebildet, sehr sprachenbegabt und weit gereist. Er spielte in seiner Freizeit Geige und hat
hat sich Anfangs selbst schriftstellerisch betätigt u.a. ein Reiseführer Capri Bilder und Träumereien (1893), Die Beichte des Mönches (1898, mit einer Titelillustration von Fidus) und gemeinsam mit Johanna Wolff das Drama Ahasver [die Erzählung vom ewig wandernden Juden] (1899).

Die Eltern von Gustav: Otto Wolf [George M. Otto Wolff] und Ida, geb. Strube.

Johanna Wolff, die Tochter des Schumachers Adolf Kielich, hat schon im Alter von 6 Jahren den Vater und bald darauf die Mutter verloren. Die Stadtwaise wurde  von der Fürsorge zu einer Pflegemutter, der Nachbarin Frau Misch vermittelt. Sie war sehr streng zu dem Kind. Zu Essen bekam sie wenig. In dieser Zeit fand sie Halt und Unterstützung durch den Sohn Heiner Misch der Pflegemutter und ihre Klassenlehrerin Fräulein Bitt. Diese nahm sie (mit 12 Jahren, 1870) oft zu sich nach Hause, damit sie ihr beim Haushalt zur Hand gehen konnte.  Dafür bekam sie dann von ihr immer genug und immer etwas besonders Leckeres zu essen.


Mit 15 (1873) Jahren lernte sie einen jungen Prediger der christlichen Gemeinschaft der Mucher, Vater U(r)bschat kennen, der sie nach Memel zu seiner Frau und den Kindern brachte und als Haushaltshilfe beschäftigte. Er setzte sich sehr für ihre Aus- und Weiterbildung ein und sorgte dann auch dafür, dass sie nach seiner Versetzung eine Ausbildung (mit 17 Jahren ab 1875) als Kinderpflegerin (im Seminar für christliche Kleinkinderpflege) antreten konnte.

Im Jahr 1877 wurde Johanna als Diakonissin aufgenommen und für verschiedene Aufgaben im Mutterhaus und im Außendienst eingesetzt. Nach ihrem Austritt bei den Diakonissinnen war sie ab 1887 (mit 29 Jahren) als Rotkreuzschwester in Hamburg, später dann auch kurzzeitig in Wien tätig. In Hamburg lernte sie schon bald bei einem 9-monatigen häuslichen Pflegeinsatz im Hause Wolff für den schwer erkrankten und gelähmten Sohn Gustav, ihren späteren Ehemann kennen und schätzen.

Im Jahre 1897 (am 19. August) heiratete sie Otto Gustav Wolff, Hamburg (1872 – 1943) gegen den erklärten Willen der Familie von Gustav Wolff.

Johanna Wolff war neben Agnes Miegel die bedeutendste Vertreterin der ostpreußischen Frauendichtung. Sie wurde in ihren Werken von Friedrich Nietzsche, Detlev von Liliencron und Richard Dehmel beeinflusst. Wolffs erste Veröffentlichung waren im Jahre 1896 Namenlos - Frauenlieder. Ihren größten Erfolg hatte Johanna Wolff mit der Autobiographie Hanneken: Ein Buch der Armut und Arbeit (1913), später als Neuauflage in Hanneken: Ein Buch von Arbeit und Aufstieg umbenannt, mit einer Gesamtauflage von 55.000 Stück. Ferner veröffentlichte sie zahllose Gedichtbände, Schauspiele und Dramen. (Wikipedia) ... siehe Werke-Verzeichnis Johanna Wolff .



Am 30 Mai 1930 wurde Johanna Wolff die Ehrenbürgerschaft der Stadt Tilsit verliehen und anlässlich ihres Besuchs im Juni 1930 überreicht. Am 30. Januar 1943 wurde die Meerwischer Volksschule nach ihrer ehemaligen Schülerin in Johanna-Wolff-Schule umbenannt - heute heißt sie nur Schule (Nr.) 4. Auch eine Straße in Tilsit (heute: Sowetsk) wurde seinerzeit nach Johanna Wolff benannt (Wie heißt dies Strasse heute? Dort befindet sich(oder befand sich) u.a. Krönungsjubiläums-Stift, Orthodoxe Kirche, Taubstummenanstalt).

 

Zum 75 Geburtstag
(aus Nimm und Lies Februar 1933)


(in Arbeit)



Mehr über Leben und Werk in

Johanna Wolff - Leben und Werk
von Margarete Kudnig, 24 Seiten
Herausgegeben von der Landsmannschaft Ostpreußen, Abteilung Kultur (ca.1970)

und

Zwischen Hamburg und Ostpreußen
Das Phänomen des Grenzgängertums in der Autobiographie von Johanna Wolff (1858–1943)

von Anna Gajdis

in der Reihe Ost-West-Dialoge Band 6
Kulturelle Identitäten im Wandel. Grenzgängertum als literarisches Phänomen
(Hrsg.) Mirosława Czarnecka / Christa Ebert, scrîpvaz-Verlag, 15566 Schöneiche, 2006



Zur Entstehung der Kompositionen von Hans Martin nach Texten von Johanna Wolff
 
Die Lieder nach Worten / Gedichten von Johanna Wolf entstanden in einer Art Pendelverkehr zwischen der Heimat und dem Feld. Eine Mitbewohnerin in der Würzburger Wohnung Friedensstraße, Frau Münch, lieh ihrer Nachbarin Anna Zeitzschel regelmäßig Bücher zum Lesen. Darunter auch Romane und Gedichtbände von Johanna Wolff. Anna's Tochter Lilo war besonders von Johanna's Gedichten beeindruckt und schickte ihrem Verlobten Hans Martin die Gedichte, welche ihr besonders gefielen. Diese hat Hans dann im Feld postwendend vertont und die Noten mit der Feldpost zurück nach Würzburg geschickt.

In Würzburg musste dann Lilo's Vater der ehem. Hofopernsänger Gustav Zeitzschel seine Tochter beim Singen der neuen Lieder am Klavier begleiten.


Am Bildstöckl - gewidmet 'Meiner fernen Lilo'
Musik: Hans Martin Text: Johanna Wolff


Verzeichnis der 40 Lieder die Hans Martin von 1941 - 1948 nach Texten von Johanna Wolff komponiert hat.


Auf dieser CD mit Wiegen- und Kinderliedern von Hans Martin, eine Aufnahme aus dem Jahre 1990, sind u.a. die folgenden Lieder nach Texten von Johanna Wolff zu hören:

Holdchen
Junges Bübchen
Kra Krah
Luftballon
Maria singt
Mein Kindchen
Märzenschnee
Mäusetänzchen
Pitsch patch
Schlafe, schlafe
Sternlein
Vor dem kleinen Haus
Wiegenlied

[Bezug: Conventus-Musicus, Dettelbach Bestellnummer CM 1075]

Zahlreiche Gedichte von Johanna Wolff wurden vertont und wie ihr Mann Gustav in 1941 an Hans Martin schrieb, freue sie sich jedes mal darüber und ließe sich diese Lieder vorsingen. Außer Hans Martin hat u.a. auch der Komponist Raimund Rüter (ein Sohn Hugo Rüters) zwischen 1920 - 1931 einige Lieder vertont (zitiert nach WorldCat)

Im Ried (Schweers & Haake, Bremen [ca. 1920])
Holdchen (Tonger, Köln c 1931)
Mäusetänzchen (Tonger, Köln c 1931)
Luftballon (Tonger, Köln c 1931)

Auch Ursula Milthaler (1905–1982) hat (mind.) ein Gedicht von Johanna Wolff vertont und gesungen, Herzgetreu (Quelle) ... auch in USA sind einige Texte (übersetzt von WG ROTHERY) vertont worden.

Paul Semlies (1878 - 1930) Konrektor und Chorleiter der Meerwischer Volksschule vertonte folgende Lieder für seinen Schulchor

Deutsche Heimat
Holdchen
Volkslied
Vor dem kleinen Haus
Wiegenlied


aufgeführt anlässlich des Besuchs von Johanna Wolff in Tilsit, am 24. Juni 1930 in Tilsiter Bürgerhalle

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