Hans Martin Korrespondenz

1. Brief von Hans Martin an Johanna Wolff  5. August 1942

Hans Martin
Würzburg
Friedenstrasse 17/II.

den 5. August 1942

Hochverehrte Frau Wolff,

Im Januar 1941 wurde ich mit Ihren ausgewählten Gedichten "Wanderer wir" bekannt. Meine Braut schickte mir das Buch ins Feld und ich fand sehr viel Gefallen an ihm. Dass mir als einem schaffenden Musiker der Wohlklang der Sprache am besten gefiel, werden Sie kaum Wunder nehmen. Es steckt soviel Klang in den Gedichten "Von der Liebe", dass ich sofort einige von ihnen vertonte. So entstanden bis Sommer 1941 zehn Lieder für Mezzosopran mit Klavierbegleitung nach ihren Worten. Dann musste allerdings eine Ruhepause eintreten, weil die äusseren Umstände keine Arbeit mehr gestatteten.

Vor kurzem weilte ich nun in Urlaub, wo ich dann auch zum ersten Malie diese Lieder hörte. Sie fanden in dem engen Kreiss, da sie vorgetragen wurden, grossen Anklang.

Nun sagte mir eine Frau, der ich im Grunde Ihre Gedichte verdanke, ich würde Ihnen eine Freude bereiten, wenn ich Ihnen das mitteilte. Und so habe ich es gewagt an Sie zu schreiben, obwohl ich Sie zuerste um Verzeihung bitten müsste, dass ich diese Lieder ohne Ihr Einverständnis vertont habe. Aber zu einer Veröffentlichung der Lieder, die jetzt im Krieg nicht möglich ist, hätte ich um Ihre
Genehmigung einkommen müssen.

Ich habe nun noch die Absicht Ihre Kinderlieder zu vertonen.

Gerne würde ich Ihnen ein Lied nach Ihren Gedichten zukommen lassen, allein ich weiss nicht, ob Ihnen das auch angenehm wäre. Und ich würde es mir als grosse Ehre anrechnen, wenn Sie einige Worte an mich jungen Tonetzer richten würden.

Und in der Hoffnung Ihnen eine kleine Freude bereitet zu haben grüsse ich Sie mit deutschem Gruss ergebenst

gez. Martin
zur Zeit Unteroffizier
Feldpost Nr. 00811

Gesandt über / im Felde, den 5.08. 1942

An den Verlag
Gräfe und Unzer
Königsberg (Pr.)


Ich bitte Ihren werten Verlag beiliegendes Schreiben an Frau Johanna Wolff, die bei Ihrem Verlag ihre Werke veröffentlicht hat, weiterzuleiten.

Mit deutschem Gruss!

gez. Martin
Unteroffizier



Antwort

Orselina Locarno, 25.08.1942


Sehr geehrter Herr Martin,

Meine Frau, die im Augenblick etwas leidend ist, bittet mich, Ihnen bestens zu danken für Ihren Brief vom 5. ds Monats, der erste heute sonderbarerweise hier eintraf.

Sie freut sich immer, wenn Musiker ihre Lieder vertonen und gibt Ihnen gerne die Genehmigung dazu.

Neulich besuchte uns der jetzt sehr bekannt gewordene Komponist Sutermeer (Romeo & Julia ist ja in der Heimat über 20 Bühnen gegangen) der auch sehr von den Gedichten begeistert war. Nur er selbst vertont nie Lieder.

Wenn Sie in Würzburg sein sollten, so könnte Ihnen Herr Hans Schabert, früher bei dem VGA jetzt Main Frank Ztg. [Main Fränkische Zeitung], vielleicht die 3 Gedichtbände meiner Frau leihen, aus denen "Wanderer wir" nur ein kleiner "Auszug" sind. Es sind in den 3 Bänden noch viele "Liebes- und Kinderlieder". Wir können Ihnen leider kein ex. senden, weil alle Bücher meiner Frau vollständig vergriffen sind. Neuausgaben der Gedichtsbände werden aber zur Zeit kaum herausgebracht werden können.

Meine Frau würde sich herzlich freuen, wenn Sie ihr eine Ihrer Kompositionen zusenden würden und lässt Sie bestens grüssem.

Ihr sehr ergebener
Wolff

Da ich nicht weiss, ob Sie in Wbg sind, oder schon wieder durch die Feldpost zu erreichen sind, sende ich einen Durchschlag an diese Adresse



2. Brief von Hans Martin an Johanna Wolff 10. November 1942

Hans Martin, Uffz. F.P.Nr. 00811
im Felde, den 10. Nov. 1942

Sehr geehrte Frau Wolff!

Außerordentlich erfreut war ich über den netten Brief Ihres Gatten vom 25.8.42, den ich leider schon einige Wochen unbeantwortet mit mir herumtrage.

Entschuldigen Sie bitte dies lange Schweigen. Doch ich konnte nicht vor Sie treten, ohne mein Versprechen einzulösen, ohne Ihnen einige Lieder mitzusenden. Und das brauchte eine gewisse Zeit, bis ich sie durch meine Frau erhalten und dann eine Abschrift fertigen konnte.

Für die Genehmigung zur Vertonung Ihrer Gedichte danke ich Ihnen aus vollstem Herzen. Inzwischen befaße ich mich mit den Kinderliedern, in den letzten Sommertagen sind 9 Lieder nach Ihren einzigartigen Gedichten entstanden. Ich hatte viel Freude dabei. Drei Lieder wähle ich für Sie aus: "Volkslied", "Holdchen" und "An der Wiege". Ich hoffe, daß Sie bei dieser Musik Freude empfinden.

Diese Post wird längere Zeit auf dem Wege sein, doch bis zum Weihnachtsfest wird diese kleine Sendung in Ihre Hände gelangen. Mit ihr bringe ich Ihnen gleichzeitig den Gruß des deutschen Volkes an seine große Dichterin zu dem schönsten Fest der Heimat, das all unsere Sinnen in seinen Bann zieht, die wir in der Ferne weilen.


Hochachtungsvoll grüßt Sie mit dem Gruß der Deutschen

Ihr ergebener
Hans Hugo Martin



Muster der Widmung

Der Dichterin Johanna Wolff in Verehrung zugeeignet

Drei Lieder

für Mezzo - Sopran mit Klavierbegleitung
nach Gedichten von Johanna Wolff

komponiert von
Hans Hugo Marin


Antwort von Gustav Wolff

Orselina Locarno, 15.12.42

Sehr geehrter Herr Martin!

Meine Frau hat mit sehr herzlichem Danke Ihren Brief und die 3 Lieder bekommen, die wir demnächst von einer Sängerin vortragen lassen wollen. So viel ich so sehen kann, sind sie stimmungsvoll und dem Text gut angepasst. Meine Frau dankt herzlich dafür.

Hoffentlich geht es Ihnen im Felde gut! Die besten Wünsche begleiten Sie von uns für das neue Jahr!

Werden Sie einen Verleger finden können für die Lieder? Oder haben Sie eine Sängerin, die sie vortragen könnte um sie populär zu machen?

Es ist leider so in der Kunst, dass es nicht allein auf das Schaffen ankommt, sondern fast mehr auf das "Herausbringen" der Arbeiten!

Mit besten Grüßen meiner Frau

Ihr ergebener

gez. Wolff

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