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Die "alten Dame" besucht das Gymnasium Eickel

Projekt mit dem Theaterlehrer Hartwig Müller

Den Anfang nahm alles, als ich zu Beginn des Jahres eine e-mail erhielt. Es wurde angeboten, dass der Theaterlehrer Hartwig Müller seine Kompetenz in Regie und Dramaturgie einer Schülergruppe zur Verfügung stellt, wenn man denn nun plant, ein Stück auf die Bühne zu bringen.

Gerade hatte ich mit den Schülerinnen und Schülern den „Besuch der alten Dame“ einer Analyse unterzogen, ein Besuch der Aufführung des Stückes am Bochumer Schauspielhaus stand für Mai auf dem Plan. Da dachte ich, es wäre gar nicht schlecht, das Drama einmal selbst zu inszenieren, zumal ich während der Reihe eine gewisse Spielfreude der jungen Leute erkennen konnte: Gerade die Stunden, in denen einzelne Szenen des Stückes gespielt und damit inszeniert wurden, waren aus meiner Sicht großartig.

So dachte ich also, es sei eine wirklich schöne Idee, und zudem eine Abwechslung im Schulalltag, Herrn Müller einzuladen. Doch zunächst galt es, die Schülerinnen und Schüler zu fragen, ob dies denn auch in ihrem Interesse sei und, auch wichtig in diesem Moment, wie finanzieren??? Herr Langmann, Klassenlehrer der 9c, hatte hier einen mehr als guten Vorschlag: Die Skifahrt war nicht ganz so teuer gewesen wie kalkuliert, sodass man den Überschuss, den man eigentlich an die Eltern zurückzahlen wolle, doch mit dem Einverständnis aller, hier investieren könne. Gesagt, getan. Die Schüler- und Elternbefragung fand volle Zustimmung. Doch es fehlte noch Geld, was wir, also die Klasse 9c, Herr Langmann und ich, beim Förderverein unserer Schule beantragten. Auch kein Problem.

So, nun ging es zum zweiten Planungsschritt: Wann sollte das stattfinden? Proben dauern schließlich … das konnte man also nicht so zwischendrin, mal nachmittags, machen. Hier brauchte es mindestens eine Woche, zumal Herr Müller auch extra dafür anreisen musste! Dem Theaterlehrer schlug ich vor, zum Schuljahresende an unsere Schule zu kommen. Doch in seinem Terminkalender blieb nur unsere letzte Schulwoche, die glücklicherweise mit der Projektwoche zusammenfiel.

Das schien mir dennoch etwas problematisch: Zum einen wusste ich, dass „meine“ Schüler somit an dieses Projekt Theater gebunden wären, zum anderen stand der Besuch der Chinesen in dieser Zeit an, sodass vier Schülerinnen per se nicht würden teilnehmen können. Doof.

Nach Rücksprache entschieden wir uns trotzdem für das Theater, Herr Müller schickte uns eine selbst gekürzte Fassung des Dramas, die Rollen wurden endgültig verteilt und die „darstellenden“ Schülerinnen und Schüler machten sich auch schon ans Lernen des Textes. Die Technik, die Kostüme, das Bühnenbild, das Klavier wurden mit weiteren Schülern der Klasse besetzt und das Team stand: 26 Personen konnten so in dem Bereich, der ihnen lieb war, mitarbeiten. 


Am Montag, 11.07.2017 reiste nun „unser Regisseur“ an: Und schon begann es! Nach einer Übung zum Einstieg startete die erste Probe. Interessant war, dass Herr Müller das Stück immer von Anfang an durchspielen ließ – an einzelnen Stellen wurde dann innegehalten, der Regisseur machte Verbesserungsvorschläge, spielte selbst, spielte mit, lobte, kritisierte, jubelte, war begeistert oder war noch nicht ganz zufrieden. Der einzige Ärger bestand meines Erachtens in dem deplorablen Zustand unserer Technik. So entschied man sich für ein Minimum an Nutzung dieser, beschränkte sich auf die reine Stimme, die auch ausreichte, und spielte Ton oder Musik, wenn nicht gerade der Flügel im Einsatz war, über einen Laptop mit Verstärker ein. Das Licht wurde so eingesetzt, dass es „auf dem Punkt“ war – nicht zu viele, aber äußerst wirkungsvolle Akzente. 


Wieder und wieder wurden an den folgenden Tagen die Szenen des Stückes durchgespielt, Ton und Technik verfeinert, Kostüme entwickelt, Bühnenrequisiten herangeschafft. Die Schülerinnen und Schüler waren alle bei der Sache und hatten aus meiner Sicht auch eine Menge Spaß, obwohl man mit fortgeschrittener Zeit auch merkte, wie anstrengend es für sie war.


Am Donnerstag gab es dann die Gelegenheit, das fast fertige Stück einer Probandengruppe vorzuführen: Die Chinesen kamen mit den vier fehlenden Schülerinnen der 9c zu uns in die Aula, zugegeben ein kleines, aber dennoch kritisches Publikum. 

Nun stand die Aufführung an: Freitag, 14.07.2017, letzter Schultag, Beginn: 8.30 Uhr.

Wir waren alle, wirklich alle, sehr aufgeregt. Würde alles glatt laufen, würde es den Klassen 9a und 9b gefallen, würden alle mit ihrer Leistung zufrieden sein? 

Vor der Aufführung gab es für die Schauspieler eine italienische Probe: Hierzu verteilten sich alle im Raum – und die Aula ist groß, sehr groß – und sprachen ihren Text, und zwar so laut, dass jeder im Raum ihn auch verstehen konnte! Anstrengend, aber durchaus effektiv.
8.30 Uhr. Nach einer kurzen Verzögerung, Herr Müller sprach noch mit allen Beteiligten, begann der Einlass. Aufregung hinter der Bühne, aber auch bei mir im Zuschauerraum, sicher auch beim Theaterlehrer.

Die Aufführung begann, die Schauspieler waren sehr gut, alle in ihrer Rolle, die Technik, also Licht und Ton, funktionierten, die Kostüme und das Bühnenbild stimmten, passten.


Alle, wirklich alle, gaben ihr Bestes. Daher gab es auch nach der Aufführung ein großes Lob des Regisseurs.

Leute, ihr wart wirklich super! Wie man in nur vier Tagen eine solche Leistung erbringen kann! Respekt!



Ich denke, ich kann an dieser Stelle nur meine größte Hochachtung für alle Beteiligten aussprechen. Hättet ihr mich nicht schon vorher alle im Unterricht überzeugt, würde ich es jetzt mit Herrn Müllers Worten sagen: „Mich haben die Schülerinnen und Schüler [auch] gewonnen. Es war eine schöne Woche, voller Überraschungen. Ich habe das Projekt sehr genossen“.

Und hier noch die letzten Worte des großartigen Mannes, der so viel aus euch herausgeholt hat: „Schön, wenn es nochmal liefe.“

Das wünsche ich mir auch. Ja, und vielleicht kommt es ja so, wie Herr Müller es angeregt hat. Vielleicht entsteht aus diesem Stück ja eine kleine Theatergruppe, die ihr Können noch einige Schuljahre auf der Bühne zeigen möchte.

Danke an alle Beteiligten! 


Antje Fehrholz