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Frankreich

Hallo mein Name ist Amelie Kramer, ich bin 14 Jahre alt und gehe in die 9c. Mein Bruder Fabian aus der Q1 hat vor zweieinhalb Jahren einen Schüleraustausch mit einem Franzosen gemacht. So wie kleine Geschwister manchmal sind, wollen sie alles nachmachen, also habe ich mich an den Computer gesetzt und nach einer interessanten Anzeige einer Französin gesucht. Schnell gefiel mir die Anzeige von Anais; sie war genauso alt wie ich und hatte auch die gleichen Interessen, so dass ich sofort auf ihre Anzeige geantwortet habe. Sie hat eine große Schwester namens Chloe, einen großen Bruder namens Alexis und einen kleinen süßen Hund namens Snowy. Sie wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von Paris und wir waren uns schnell einig, dass wir uns schon bald gerne mal persönlich kennenlernen wollen.

Anais kam zuerst für 2 Wochen zu mir, in der Zeit als Samson, der Austauschschüler meines Bruders, auch noch bei uns war. Das war kurz vor den Sommerferien vor 2 Jahren. Ich freute mich schon sehr, sie endlich mal richtig kennenzulernen, denn bisher kannte ich sie ja nur von Fotos und Emails, die wir ausgetauscht hatten. Erst wusste ich nicht, was ich mit ihr reden soll, weil ich sie ja noch gar nicht richtig kannte und unsere Sprachkenntnisse natürlich noch nicht so gut waren. Also habe ich ein Kartenspiel geholt, was nicht schwer zu erklären ist und wir haben uns auch ohne viele Worte gleich gut verstanden. So ging der erste Tag ziemlich schnell vorbei und abends im Bett ist mir schon aufgefallen, dass wir wirklich sehr gut zusammen passen und daraus eine schöne und lang anhaltende Freundschaft werden könnte.

Am nächsten Tag ging es in die Schule, wo Anais natürlich nicht viel verstehen konnte. Wir machten auch viele Ausflüge und die 2 Wochen vergingen wie im Flug.

In den Herbstferien 2017 war es endlich soweit und ich flog zusammen mit meinem Bruder nach Paris, da er die Herbstferien ebenfalls bei seinem Austauschschüler verbringen wollte. Zum Glück wohnt seine Familie auch nicht ganz so weit von Paris entfernt. Am Flughafen wurden wir von Anais und ihrem Vater abgeholt und zuhause wurden wir von Anais Mutter sehr nett begrüßt und es gab direkt einen kleinen Snack. Später wurde Fabian von seiner französischen Familie bei Anais zuhause abgeholt.


Das war für mich sehr schön, da ich zunächst nicht so alleine war. Abends kamen die Geschwister von Anais nach Hause, die auch super lieb und nett sind, genauso wie ihre Eltern.

Die erste Woche waren wir bei Anais zuhause und haben oft zusammen im Garten Fußball gespielt oder waren in ihrem Jacuzzi. Natürlich haben wir auch einige Ausflüge gemacht, z.B. zum Schloß Versailles und nach Paris, um uns den Eiffelturm, Notre Dame und auch die Mona Lisa im Louvre anzusehen.

In der zweiten Woche sind wir dann zusammen in den Urlaub nach Lacanau gefahren, was ca. 6 Stunden mit dem Auto entfernt ist und wo die Großeltern ein Ferienhaus haben. In der Zeit war auch Halloween, was in Frankreich mit der ganzen Familie oder mit Freunden meist groß gefeiert wird, so dass auch noch 2 Cousinen von Anais dort waren. Die waren total lustig und alle haben mich sofort herzlich begrüßt und mit offenen Armen aufgenommen. Wir haben dort sehr viel Quatsch gemacht und hatten wirklich sehr viel Spaß zusammen. Auch die Großeltern sind total lieb und ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Anais‘ Vater hat auch sein Motorboot auf einem Anhänger mitgenommen, so dass wir damit dort etwas auf dem Meer rumfahren konnten und ich sogar mal ans Lenkrad durfte. Wir sind mit dem Boot zur ‚Dune du Pilat‘ gefahren, das ist eine große Sanddüne, wo wir natürlich auch ausgestiegen und rumgelaufen sind. Wir haben uns auch auf einem Luftkissen von dem Boot ziehen lassen


und ich habe versucht zu surfen, was gar nicht so einfach ist. Es war zwar sehr kalt, aber es war natürlich trotzdem ein Riesenspaß. Meine Eltern haben mich am Ende der Herbstferien dann in Lacanau abgeholt und auf dem Heimweg haben wir noch meinen Bruder bei seiner Familie eingesammelt. Das war mein erster Aufenthalt bei Anais in Frankreich und es hat mir sehr gut gefallen, so dass wir es beide auf jeden Fall wiederholen wollten.

Als ich dann das zweite Mal nach Frankreich gefahren bin, war ich für 4 Wochen bei Anais und musste dort auch in die Schule, da es nicht in der Ferienzeit war. In der Schule haben mich alle sehr nett empfangen, nur habe ich anfangs fast nichts verstanden, aber nach ein paar Tagen ging es dann schon etwas besser.

Anais und ich verstehen uns echt sehr gut und sie ist fast wie eine Schwester für mich. Zur Schule sind wir immer mit dem Fahrrad gefahren. Der Hinweg war sehr schnell und einfach, aber der Rückweg hat wegen der vielen und besonders steilen Hügel lange gedauert. In der Schule durfte man nichts zu Trinken dabei haben und keine Hosen mit Löchern tragen. Die Schüler werden von den Lehrern auf dem Schulhof vor dem Unterricht abgeholt und jeden Dienstag genauso wie jeden Freitag musste die Schul-Uniform getragen werden. Die Schule ging meist bis 16 h und wir aßen bis auf mittwochs immer in der Schule. Am Mittwoch war nur ein kurzer Schultag, da sind wir dann immer zu den Großeltern zum Mittagessen gegangen. Die Mädels aus Anais‘ Klasse waren sehr nett und während meiner Zeit dort konnte ich sogar an einem Klassenausflug zum Mont Saint Michel teilnehmen. Das ist eine kleine Insel in der Normandie, die wir über das Wattenmeer zu Fuß besucht haben, was sehr lustig war, da wir immer wieder im Watt eingesackt sind und die ganze Zeit lachen mussten.

Zuhause ging ich am Nachmittag meistens mit zu Anais‘ Hobbys wie Fußball und Tennis oder wir machten zuhause etwas zusammen, aber Anais hatte auch immer viele Hausaufgaben zu erledigen und ich machte dann auch etwas für die Schule.

Cool war natürlich auch, dass wir wieder mit dem Motorboot gefahren sind, diesmal auf der Seine direkt am Eiffelturm vorbei, das war ein wirklich tolles Erlebnis.


Durch diesen Austausch habe ich viel gelernt, bin selbständiger geworden und denke auch, dass ich meine Französischkenntnisse verbessern konnte, aber vor allem habe ich eine sehr gute und superliebe Freundin dazu gewonnen.

Auch in diesem Jahr haben wir uns nochmal gegenseitig für jeweils 2 Wochen besucht und es war wieder eine sehr schöne Zeit. Ich habe sogar eine Auster probiert, da meine französische Familie diese sehr gerne mag, aber mein Geschmack war es eher nicht. Am 15. Mai waren wir am Eiffelturm zum 130. Jahrestag und da gab es eine Lichtershow und Musik, was mir sehr gut gefallen hat.


Wir fuhren auch wieder mit dem Motorboot über die Seine und ich durfte mal wieder kurz lenken,


allerdings hat uns dann die Polizei angehalten. Ohje, da hatte ich ein ganz schlechtes Gewissen, aber wir haben nochmal Glück gehabt und Anais‘ Vater wurde nur verwarnt. Einmal waren wir auch in einem Schwimmbad mit Blick auf den Eiffelturm, das war ziemlich cool.

Dieses Mal bin ich zusammen mit Manju aus der Parallelklasse mit dem Zug nach Frankreich gefahren und das hat sehr gut geklappt.

Schon jetzt freue ich mich, wenn Anais und ich uns auch im nächsten Jahr wieder gegenseitig besuchen werden und ich hoffe, dass unsere deutsch-französische Freundschaft auch noch besteht, wenn wir älter sind und vielleicht auch mal irgendwann eigene Kinder haben.

Amelie
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