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„Dr. Gustav Wertheim: ein Herner Fall“ - Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus in Herne und Wanne-Eickel am 26.01.2018

„Wie können Menschen zu Bestien werden?“ – diese Frage bleibt auch im Jahr 2018 noch immer unbeantwortet, wenn man sich mit den Verbrechen des NS-Regimes auseinandersetzt. Erinnerung wach zu halten zieht Fragen einer angemessenen Umsetzung nach sich: In diesem Jahr übernahmen die Schülerinnen und Schüler des Q2 Zusatzkurses Geschichte diese gleichermaßen verantwortungsvolle wie herausfordernde Aufgabe, die jährlich stattfindende Gedenkveranstaltung im Kulturzentrum Herne mitzugestalten.


Der dekorierte Teilnehmer des Ersten Weltkriegs und Repräsentant der jüdischen Gemeinde in Herne, Dr. Gustav Wertheim nahm sich am 18. November 1941 in seinem Haus an der Heinrichstraße 6 das Leben. Die Umstände und Hintergründe seiner Verzweiflungstat und dem Schicksal seiner Frau Martha wurden von den Q2 Schülerinnen und Schüler im Stadtarchiv detailliert recherchiert und für die diesjährige Gedenkveranstaltung aufbereitet. Den musikalischen Rahmen gestaltet der Unter- und Mittelstufenchor des Gymnasium Eickel unter der Leitung von Frau Jaskulsky.



In einer bewegenden szenischen Lesung von Schülerinnen und Schülers des Q2 Zusatzkurses Geschichte von Herrn Dr. Tautz in Zusammenarbeit mit Frau Greling und Frau Korell erzählten sie die Lebensgeschichte des Herner Arztes Dr. Gustav Wertheim und seiner Frau Martha. Auf der schlicht gehaltenen, dunklen Bühne erhielten Gustav und Martha Wertheim durch den beeindruckenden Vortragsstil der Schülerinnen und Schüler Gestalt; symbolisiert durch das Anzünden und das Erlöschen von Kerzen erhielten die Zuhörer, darunter Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, Henryk Banski von der jüdischen Gemeinde Bochum – Herne - Hattingen, Superintendent Reiner Rimkus (Evangelischer Kirchenkreis Herne) sowie Dechant Norbert-Johannes Walter (Katholisches Dekanat Emschertal), Einblicke in ihr Leben vor und während der Herrschaft des NS-Regimes.


Ihr Schicksal – stellvertretend für die 400 bekannten Opfer des NS-Regimes aus Herne und Wanne-Eickel – mahnt am Vortag des Internationalen Holocaust Gedenktag (27. Januar) zur Verantwortung und Menschlichkeit.


Text: K. Lochon-Wagner
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