Rechtschreibreform

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Rechtschreibreform

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Wenn das richtige Schreiben zu einer Frage von Haß und Zorn wird. Kritische Theoretiker mit Klassenkampfattitüde wollten die Rechtschreibung vereinfachen, damit diese nicht zu "sozialer Ungerechtigkeit" führt. Sie sollte so einfach sein, daß auch der orthographisch Unbegabteste nicht durch erkennbar mangelhafte Schreibkünste auffällt und auf diese Weise seine Klassenzugehörigkeit preisgibt. Wie alle regulierenden Eingriffe zur Weltverbesserung endete auch dieser im kostspieligen Desaster. Der Steuerzahler zahlte, die Reformierer kosteten, aber es besserte sich nichts. Im Gegenteil.




Das Volk wurde zwar in Schleswig-Holstein gefragt, ob es diese Reform will. Aber auch nur dort. Und mit unerwünschtem Ergebnis.






Nach dem Volksentscheid 1998 in Schleswig-Holstein zur Rechtschreibreform. Das Volk hatte sich an der Urne mehrheitlich gegen die Reform ausgesprochen. Bald darauf erklärte der Landtag in Kiel parteiübergreifend das Votum des Souveräns für nichtig. Bürgerbeteiligung und demokratische Grundsätze gelten nichts, wenn politische Absichten gestört werden. Demokratie ist eine Illusion. Jedenfalls hier und sicher nicht nur.



Eine Buchstabensuppe, die dem widerwilligen Bürger mit Gewalt eingeflößt wurde.

Die Debatte wurde mit äußerster Heftigkeit geführt. Die Reformierer setzten sich am Ende durch, weil die über viele Jahre hinweg bereits versenkten Reformkosten nicht umsonst gewesen sein durften. Für ein solches Desaster hätte niemand politisch geradestehen wollen. Vernünftig ist die Reform bis heute nicht.


Auch nach Einführung der Reform bestand Unsicherheit über die schulmäßig korrekte Schreibung, denn der der Streit um das Wie und das Wieviel des Reformumfangs schwelte noch lange weiter.



Wiederholt wurde die Reform überarbeitet. Es gab mehrere Reformversionen.



Die Gekniffenen waren die Schüler, die die Reformwohltaten in allen Stufen auskosten durften ...



... aber schnell mitbekamen, daß in einem durchpolitisierten Staat alles revidierbar ist, wenn man die Revisionsinstanz auf seiner Seite hat.

Die vertrauten Schreibungen erlitten schwere Schäden, die für Sprachästheten erschütternd wirkten. Leichter zu verstehen oder zu behalten waren sie nicht. Die Schüler hatten es beim Schreibenlernen keineswegs leichter. Manche Zeitungsredaktionen preschten vor und wollten ihren Lesern zeigen, daß sich durch Anwendung der Reformregeln fast nichts im Textbild ändern würde. Bis heute aber sind die meisten Redakteure nicht in der Lage, "dass" und "das" bei Nebensatzeinleitungen korrekt auseinanderzuhalten - um nur ein Beispiel zu nennen. Es scheint sich in diesem Punkt schlechterdings eine gewisse Beliebigkeit einzustellen. Eine Vereinfachung für den Lesefluß ist das nicht. Womöglich aber Haß gegen die eigene Sprache.





Das Ausland lachte sich schlapp über die neurotischen Rechtschreib-Reform-Zwangshandlungen im deutschen Sprachraum.






Es wurde operiert, nochmals operiert und erneut korrigiert, bis die Kompromißnarben den Patienten rettungslos entstellt hatten. Die operierenden Ärzte waren Staatsbedienstete, die ihr Gehalt aus der Tasche des Steuerzahlers bekamen - unabhängig vom Erfolg ihres Tuns. Für diese Kultusminister und ihre Adlaten zählte nur, daß operiert wurde. So waren sie im Einsatz, tätig, aktiv und konnten ihre Bezüge rechtfertigen. "Politik ist Anmaßung plus Täuschung plus Geschäft plus Bestechung. Genauer: Anmaßung gesellschaftsgestalterischer Handlungskompetenz plus Vortäuschung der Notwendigkeit von umfassendem Aktivismus plus Geschäft mit der Bewirtschaftung des Neids plus Bestechungsspendabilität mit anderer Leute Geld." Dieses Zitat von Roland Baader beschreibt den Irrsinn des Rechtschreibreform-Treibens mit äußerster Präzision. Von einer "Mehrung des Nutzens" für das Volk, wie im Amtseid der Minister behauptet, ist auch hier weit und breit nichts zu sehen. Die Nutzenmehrung beschränkt sich wie so oft im Staat auf diejenigen, die aus der Steuerkasse mehr beziehen als sie in sie einzahlen.



Ein verheerendes Affentheater.



Rapunzels langes Haar. So schön hätte die Geschichte ausgehen können. Aber das häßliche Monster sitzt in der Wirklichkeit noch immer im Turm.



Wie immer, wenn sich eine Sache rational nicht mehr begründen läßt, wird sie von ihren Verfechtern mit religiösem Eifer verteidigt. Die Gegner werden zu Erzbösewichten stilisiert. Es ist dann von "Tabubruch" die Rede. Und in der Regel bald danach vom vierten Reich, das verhindert werden müsse.



Ohne Worte.



Die Hoffnung, die in der Bildunterschrift ausgedrückt ist, trügt, solange die Untauglichkeit der Reformvorschriften jedem Zeitungleser täglich schmerzhaft in die Augen springt. Verhässlichung der Wörter, sinnentstellende oder völlig sinnunklare Groß-, Klein-, Getrennt- und Zusammenschreibung - das Thema bleibt ein Wiedergänger.



Die Rechtschreibreform ist einer von jenen politischen Eingriffen, die einzelnen Industrien massive Sonderkonjunkturen bescherten. Hier den Verlagen und Druckereien. Schulbücher und Lehrwerke mußten neu gedruckt und gekauft werden, Romane wurden gesäubert (sofern sich ihre Autoren nicht dagegen verwahrten, was auch vorkam) und neu verlegt, Wörterbücher erschienen in ständig überarbeiteten Auflagen und wurden von den Rechtschreibaktualitätsbedürftigen brav erworben. Seitdem hat es weitere solcher Umsatzschübe gegeben, die politisch vorbereitet wurden. Man denke an den Reibach für die Solarindustrie und die Windkrafthersteller im Zuge des CO2-Klimaschuld-Projekts. Davon haben auch die Hersteller von Isoliermaterial und die Haus-Energiepaß-Zertifizierer profitiert. Man denke an den warmen Regen für Kanalsanierer, die ihn den EU-Vorschriften zum Grundwasserschutz zu verdanken haben. Oder an die Energiesparlampen-Industrie, nachdem die EU sich anschickt, Glühlampen zu verbieten. Oder an die Autohersteller, die via Abwrackprämie ein schönes Zubrot erhielten. Oder an die Hersteller von Verkehrsschildern, wenn unglaublich nötige, modernere, neue Symbole in die Straßenverkehrsordnung eingeführt werden. Oder an die strafbewehrte Änderung der physikalischen Standards bei Schnurlostelefonen. Oder an das Feinstaub-Schikaniertheater mit völlig sinn- und wirkungslosen Umweltzonen in den Städten. Oder die FCKW-Kampagne mit der Ozonloch-Schuldfiktion. Immer findet die Politik etwas neues. In allen Fällen wird jemand gezwungen: der Steuerzahler oder Hausbesitzer oder Konsument, und zwar zum Kauf, zur Anschaffung, zur Nachrüstung, zum Zahlen. Und immer geht es um ein vermeintlich höheres, heiliges Ziel oder die Abwendung einer angeblich großen, tödlichen Gefahr. So funktioniert totalitärer Kollektivismus. Wege finden, um denen, die etwas haben, wissen oder können, das Geld aus der Tasche zu ziehen und damit durch erzwungene Kaufakte die eigenen Amigos zu begünstigen. Wer an diesem Vorgehen politische Zweifel äußert, wird als kriminell, geisteskrank oder moralisch pervertiert gebrandmarkt. Oder alles zusammen.




Niemand braucht einen Rechtschreibrat. Niemand braucht Weltverbesserer. Niemand braucht Gutmenschen. Jeder kann schreiben lernen. Jeder Versuch, Anstrengungen zu ersparen, führt zur Bequemlichkeit, aber nicht zur Verbesserung. Und zum politischen Slapstick, zur Lächerlichkeit. Die Politikerpsyche zeichnet sich in der Regel dadurch aus, daß sie kein Gespür für peinliche oder lächerliche Situationen hat. Moralische Skrupel sind leider im gleichen Winkel des Bewußtseins angesiedelt. Wenn dieser fehlt, fehlt er.



Und es geht weiter. Spitzenfunktionäre eines Journalistenverbandes forderten im Jahr 2006, Sprachregeln für Journalisten zu erlassen. Unter anderem wurde verlangt, die Verwendung des Wortes "Gutmensch" zu verbieten.




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