Raupe-Puppe-Schmetterling

Am 06.05.13 war es soweit. Auf Empfehlung des Futtermittelkonzerns"agrifirm" aus Neuss, kamen von einem Insektenlabor aus England ( Cornwall) 5 Schmetterlingslarven per Post bei der Klassenlehrerin Hildegard Herms- Westendorf in Märschendorf an. Die Larven befanden sich in einer kleinen Dose mit einer speziellen Nährstofflösung. Diese Dose wurde an einen hellen Ort im Klassenraum gestellt, erreichbar und sichtbar für alle Kinder der Klasse. Eine Anzahl von 5 Raupen ist eine überschaubare Menge, um die man sich gut kümmern kann, die aber auch viele Möglichkeiten zum Beobachten bietet. Spätestens jetzt lernten die Kinder die Regeln für den richtigen Umgang mit Raupen.

Nach einigen Tagen wurden die Raupen immer dicker und sie zogen um in ein Raupengehege. Zur Aufzucht erhielt die Klasse von der Firma ein komfortables Gehege zugeschickt. Dieser Behälter war leicht zu öffnen und man konnte die Tiere täglich füttern. Wichtig ist, dass einerseits genügend Luft herein kommt, das Gitter andrerseits dicht ist, sodass keine Raupe entwischen konnte.

Nachdem die Raupen in ihrem neuen Zuhause waren, wurden sie nun jeden Tag von den Kindern mit frischen Brennnesseln gefüttert. Da die Raupen nur zum Licht wandern, muss man beim Nachfüttern die frischen Brennnesseln immer aus der Richtung des Lichts vor die Raupen setzen, sondern finden sie ihr Futter nicht.

Während der Aufzucht häuten sich die Raupen mehrmals. Die Kinder konnten beobachten, dass die Raupen nun immer größer wurden. Jeden Tag wurde eine Raupe gemessen und die Länge wurde in einem Beobachtungsprotokoll festgehalten. Man konnte sogar manchmal beim Fressen Schmatzgeräusche hören. Diese Aufzuchtphase dauerte 15 Tage.

Nach Pfingsten fingen die Raupen an sich zu verpuppen. Wir legten einige Stöckchen ins Gehege, damit sich die Tiere daran aufhängen konnten. Auch dieses war für die Schüler faszinierend zu beobachten. Zunächst sind da ganz bewegliche Raupen, die dauernd fressen und immer dicker werden, und plötzlich dort Puppen, die ganz still nicht an unseren Stöcken hängen wollten sondern an der Gehegedecke. Animiert durch dieses einmalige Bild, wurden die Kinder plötzlich still im Klassenzimmer. Sie befürchteten, dass Lärm die Puppen stören würde und sie von der Decke fallen. Mein pädagogisches Können war plötzlich nicht mehr gefragt. Diszipliniert beobachteten die Kinder jeden Morgen die Puppen, registrierten jede Veränderung und schulten so ungewollt ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Nach ca. 9 Tagen schlüpfte der erste Schmetterling. Es war ein bewegener Moment und ein großes Glück, dass wir es während des Unterrichts beobachten konnten.

Edwin, ein sonst stiller Schüler, der bei diesem Beobachtungsversuch besonders engagiert war, sah, dass eine Puppe plötzlich zitterte und ein Schmetterling schlüpfte. Alle Kinder waren fasziniert von dieser Verwandlung, die ich selbst auch noch nie gesehen hatte. Nach 4 Tagen flogen dann 5 Distelfalter im Gehege herum. Gefüttert wurden sie mit Apfelstückchen und Blüten, die mit Zuckerwasser ständig beträufelt wurden.

Am 07.06.13 war es dann soweit. Die Kinder gingen ganz stolz mit dem Gehege auf den Schulhof. Der Reißverschluss wurde ganz langsam geöffnet und wir ließen sie in die Freiheit. Es ist für die Kinder eine unvergessliche Erfahrung, einen selbst aufgezogenen Schmetterling von der Hand in die Freiheit starten zu lassen. Zu erkennen, dass wir Menschen Verantwortung für unsere Umwelt haben und bewahrend mit ihr umgehen müssen, ist eine zentrale Kompetenz, die Schüler im Sachunterricht der Grundschule entwickeln sollen.

Wir möchten uns ganz herzlich bei der Firma „agrifirm" für die tatkräftige Unterstützung bedanken. Es ist gut zu wissen, dass sich Firmen engagieren und helfen, Natur, Ernährung und Landwirtschaft wieder „unfassbarer" für die Kinder zu machen.
Text und Bilder von der Klassenlehrerin Hildegard Herms-Westendorf