Nosferatu Reporte


Der Gruselfilm.


Heinrich Galeen hat unter dem Titel "Nosferatu" für die Prana-Film G.m.b.H. "eine Symphonie des Grauens" geschrieben, wie sie im Film bisher wohl noch nicht gezeigt wurde.

Es ist merkwürdig, welche ungeheuere Anziehungskraft das Gruselige besitzt, obwohl doch ein jeder möglichst wenig davon wissen will. So nahegelegen die Trickmöglichkeiten des Films auch die Ausnützung dieses beliebten Elements erscheinen lassen, so sind doch fast alle bisherigen Versuche mehr oder minder mißglückt. Gerade die Schärfe der photographischen Platte verlangt nämlich für derartige Filme eine Präzisionsarbeit, wie sie im allgemeinen eben nicht geleistet werden kann. An diesem Film, in dem bereits drei Monate Arbeit steckt, wird man auf künstlerisch und technisch neuen Wegen versuchen, das Filmbild auch für Stoffe E.Th. Hoffmanns oder Poes nutzbar zu machen. Die Namen dieser Schriftsteller bedeuten nicht nur einen vagen Vergleich; denn es liegt der Prana-Film absolut fern, die billige Wirkung von Schauerromanen zu erzielen, vielmehr soll die Wirkung nicht durch eine unsinnige Handlung zerstört, sondern durch eine sinnvolle gehoben werden. Der "Nosferatu" ist eine sagenhafte Figur, ein Sinnbild des Todes. Sein Eingreifen oder Erscheinen bedeutet Schicksal. Hier ist ein junges Mädchen, das durch ihn Ueberwinderin des Todes werden soll.

Im scharfen Licht der Jupiterlampen ist freilich das Spukhafte seines geheimsten Reizes entkleidet. Und so grauenvoll Max Schreck mit seinen rotummalten Augen, seinem künstlich zahnlos gemachten Mund, seinen Krallen an den Händen auch aussieht, so bleibt er doch mehr oder minder Schauspieler, wenn auch guter Schauspieler. Andererseits jedoch war die peinliche Realistik eines Rattenrudels, das pfeifend aus dunklen Löchern kam, kaum zu überbieten.

Der Film, von dem einzelne Teile in der Hohen Tatra aufgenommen sind, zeigt, nach den Photos zu urteilen, eine Reihe wundervoller Szenen, keineswegs durchweg und nur grauenvoll, sondern auch mit vielen freundlichen, malerischen und lieblichen Bildern durchsetzt, allzu Realistisches gedämpft durch Rückverlegung der Handlung in die Biedermeierzeit.

Der Nosferatu, der bereits nach Amerika verkauft ist, verschlingt allerdings beträchtliche Summen, die aber durch die Sorgfalt, die T.W. Murnaus Regie aufwendet, sich sicher lohnen werden. Die Bauten und Kostüme stammen von Grau, die Photographie hat F.A. Wagner übernommen und man steht bereits im Begriff, ein eigene Musik durch Dr. Hans Erdmann schreiben zu lassen. Von den bekannteren Hauptdarstellern, die nicht nach klangvollen Namen, sondern nach Eignung, nach Typen gewählt wurden, seien noch Greta Schröder, Gustav von Wangenheim und John Gottowt genannt. Der Film (Berlin) vol. 6, no. 42, 16 Oct 1921, p. 54.

Anonymous
Nachtaufnahmen zu "Nosferatu"


Am Donnerstag wurden im Jofa-Atelier die letzten Scenen des Pranafilms "Nosferatu" gedreht. U.a. war im Freien ein Teil des Hafens Galatz aufgebaut. In malerischer Anordnung lagen alte Weltmeer-Segler vor Anker, und am Kai lagen Ballen und Fässer, Hafenarbeiter taten ihre Arbeit -- auf allen schien der Druck von etwas Unheimlichem, Grauenhaftem zu lasten --, und in gespensterhaftes Licht getaucht, in pechrabenschwarzer Nacht, machte die Scene selbst auf den Fachmann hervorragenden Eindruck, der gewöhnt ist, hinter die Kulissen des Films zu schauen. -- Unweit der Segler stand ein Flugzeug auf dem Erdboden; der Motor gab dem Propeller Schwung, und -- im Hafen blähen die Segel sich mächtig, und die Fähnlein und Wimpeln flattern lustig im Wind. -- Wie immer, wird auch hier jede Scene, bevor sie dem Regisseur Murnau kurbelreif übergeben wird, vom künstlerischen Direktor der Firma, Herrn Albin Grau, nach psychologischen und malerischen Grundsätzen bis ins einzelne hinein peinlich durchgearbeitet, vor dem Aufbau in künstlerischer Zeichnung zu Papier gebracht. Jede Geste, jedes Kostüm (um 1840 herum), jeder Schritt und jede Bewegung muß nach den Gesetzen psychologischer Wirkung auf den Zuschauer abgezirkelt sein. Grau und Murnau leisten dabei eine beachtenswerte Filigranarbeit, ohne das Großzügige ihres Werkes außer acht zu lassen.

Der Film (Berlin) vol. 6, no. 43, 23 Oct 1921, p. 24.
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