Fahrsportkunde

Kleine Fahrsportkunde
(in Anlehnung an Reit- und Fahrverein St. Martin Greven-Bockholt e.V., Greven2009.de)
 

Ähnlich wie die Military (Vielseitigkeit) des Reitsports kennt der Fahrsport drei Disziplinen:

  • Die Dressur
  • Die Marathonfahrt oder Geländeprüfung
  • Das Hindernisfahren (von den Fahrern auch "Kegelfahren" genannt)

Im Gegensatz zum Vielseitigkeitsreiten werden die jeweiligen Einzeldisziplinen im Fahrsport als separate Prüfung ausgefahren, so dass in jeder Teildisziplin ebenfalls ein Sieger ermittelt wird. Die "ungekrönten Könige" eines Fahrturniers sind die Sieger der kombinierten Prüfungen – die Besten in der Gesamtwertung der drei Teilprüfungen.

Im Fahrsport werden Fahrprüfungen in vier unterschiedlich schweren Klassen ausgetragen: Für die Einsteiger gibt es die Fahrprüfungen der Klasse E, für Anfänger werden Prüfungen der Klasse A angeboten.

Die mittelschweren Prüfungen der Klasse M sind für die fortgeschrittenen Fahrer und Gespanne gedacht.

In der Klasse S, also den schweren Fahrprüfungen starten dann die Fahrer, die ihre Gespanne schon komplett nach den Anforderungen im Fahrsport ausgebildet haben.

Natürlich gibt es unterschiedliche Aufgaben in den einzelnen Klassen. Es sind nicht nur die Dressuraufgaben unterschiedlich, auch die aufgebauten Hindernisparcoure beim Hindernis-fahren und die ausgeflaggten Hindernisse (so werden die Tore A-F in den festen Hindernissen genannt) in den Geländerprüfungen fallen unterschiedlich aus.

Die Dressur

Grundlage der Pferdeausbildung

Um Pferde/Ponys solide auszubilden, müssen nicht nur die Reiter sondern auch die Fahrer ihre vierbeinigen Sportkollegen dressurmäßig arbeiten. Die Dressur besitzt im Turniersport einen außergewöhnlichen hohen Stellenwert. Die Pferde sollen in allen Gangarten eine höchst mögliche Durchlässigkeit zeigen, die sich dann in der Selbsthaltung, dem Takt, der Losgelassenheit und dem Schwung zeigen, wobei die weiche, sichere Anlehnung am Gebiss jederzeit beibehalten werden soll.  In den Wendungen gilt es Stellung und Biegung zu erreichen, das heißt, das Pferd soll in seiner Längsachse in Richtung der Wendung gebogen sein.

Pferd und Fahrer stellen sich vor

Im Gegensatz zum Reiter, der mit seinem gesamten Körper auf das Pferd einwirken kann, stehen dem Fahrer nur Leinen (Zügel haben die Reiter) und die Peitsche zur Verfügung. Deren richtiger Gebrauch fließt ebenfalls in die Bewertung mit ein. Aber auch das exakte Fahren der Figuren ist ein wichtiges Kriterium in der Beurteilung der gefahrenen Dressur-aufgabe. Die Bedeutung der Dressur lässt sich insbesondere daran ablesen, dass mit einer guten Vorstellung ein sicheres Fundament gelegt ist, in der Gesamtwertung auf einen der vorderen Ränge zu fahren.

Die Wertung der Dressur

Die Gespanne erhalten je nach gezeigter Leistung eine Wertnote zwischen 0 (schlechteste Wertnote) und 10 (beste Wertnote) für die jeweiligen Einzellektionen. Die Summe der einzelnen Lektionen und der Note für den Gesamteindruck ergibt die erreichte Punktzahl. Der Fahrer mit der höchsten Punktzahl gewinnt die Dressur.

Für die kombinierte Wertung werden diese Punkte nach einem bestimmten Rechenmodus umgewandelt in Strafpunkte: je niedriger die Strafpunktzahl desto besser. Die Strafpunkte sind schon mal die Grundlage für die kombinierte Wertung.

Wer eine Wertnote kleiner 5,0 erhält, der darf nicht im Gelände und i.d.R. auch nicht im Hindernisfahren starten.

Begriffserklärungen

Durchlässigkeit: damit ist ein korrekt ausgebildetes, geschmeidig gehendes, an den Hilfen – hier unsere Fahrerleinen – stehendes Pferd gemeint
Selbsthaltung: vergleichbar mit dem geradestehen und – gehen bei Menschen ohne dabei steif zu wirken.
Takt: wie das Wort schon sagt wird erwartet, dass das Pferd "taktrein" geht. Der Schritt ist dabei ein Viertakt, der Trab ein Zweitakt, der Galopp (wird in der Fahrdressur nicht gefahren) ist ein Dreitakt –Taktunreinheiten kann man eigentlich recht gut erkennen.
Losgelassenheit: ist ein entspanntes (auch psychisch) und willig mitarbeitendes Pferd
Schwung: zeichnet sich aus durch eine kraftvoll abfußende Hinterhand; je länger die dadurch entstehende Schwebephase, umso größer der Schwung – am besten ist dies im Trab zu erkennen
Weiche, sichere Anlehnung: Verbindung von Fahrerhand zum Pferdemaul

 

Die Marathonfahrt - Action pur auf jedem Fahrturnier

Jedes Gespann hat eine in drei Teilabschnitte gegliederte Strecke zurückzulegen, genannt Phasen. In der Phase A (erste) und der Phase E (die letzte, in der stehen auch die festen Hindernisse) ist die Gangart beliebig. In der Phase D ist Schritt vorgeschrieben. Wer sich nicht daran hält, der wird mit Strafpunkten belegt.

In den einzelnen Streckenabschnitten sind zu erreichende Zeiten bei einer vorausgesetzten (und verlangten) Durchschnittsgeschwindigkeit vorgegeben. In der A- und E-Phase gibt es eine "Bestzeit" und eine "erlaubte Zeit". In der D-Phase gibt es nur die Bestzeit.

Wird die verlangte Geschwindigkeit nicht eingehalten, führt das zwangsläufig zu einer Zeitüber- oder Zeitunterschreitung. Jede angefangene Sekunde wird mit 0,2 Strafpunkten für Überschreiten der erlaubten Zeit und 0,1 Strafpunkten für das Unterschreiten der Bestzeit geahndet.

Höhepunkt der Fahrt ist das letzte Teilstück (Phase E) – die Geländestrecke mit den festen Hindernissen. Die Tore innerhalb der Hindernisse sind gemäß der aufsteigenden Buchstabenfolge (A- max. F) möglichst schnell zu durchfahren. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass nicht ein Tor durchfahren wird, bevor es wirklich an der Reihe ist – auch von hinten (also falsch herum) darf solch ein Tor nicht durchfahren werden. Wird dieses "Falschfahren" korrigiert, bekommt der Fahrer "nur" Strafpunkte. Korrigiert der Fahrer seinen falschen Weg nicht, führt dies zum Ausschluss.

Da jedes Hindernis zu Strafzone deklariert ist (mit Trassierband abgesteckt und mit einer Ein- und Ausfahrt versehen), wird die gemessene Durchfahrzeit mit 0,2 Punkten/Sekunde in Strafpunkte umgerechnet.

Sieger dieser Prüfung ist das jeweilige Gespann mit dem geringsten Strafpunkte-Konto, das im Übrigen in gleicher Höhe zur Wertung der kombinierten Prüfung addiert wird.

 

Das Hindernisfahren – vergleichbar mit den reitsportlichen Springprüfungen

Es gilt gleichermaßen einen vorgeschriebenen Parcours fehlerfrei und möglichst schnell zu absolvieren. Die Hindernisse bestehen aus Toren, die begrenzt werden durch Kegel mit abwerfbaren Bällen. Die Torbreite richtet sich jeweils nach der Spurbreite des gestarteten Wagens, zuzüglich einer Toleranz-Zugabe von Minimum 20 cm, je nach Schwierigkeits-klasse der ausgeschrieben Prüfung.

Wie im Springsport sind auch hier Mehrfach-Hindernisse zugelassen.

Für jeden Abwurf eines Balles oder des Umwerfen von Teilen eines Mehrfach-Hindernisses erhält das Gespann 3 Strafpunkte.

Die Überschreitung der erlaubten Zeit führt mit jeder angefangenen Sekunde zu weiteren 0,5 Strafpunkten.

Die Summe der "erfahrenen" Strafpunkte geht ebenfalls in die Wertung der kombinierten Prüfung ein.

 

Die Kombi-Prüfung

Wie oben bereits gesagt, sind die Besten in der Gesamtwertung der Teilprüfungen die „ungekrönten Könige“ eines Turniers: die Sieger und Plazierten der kombinierten Prüfung.