Kreisverband

Möchten Sie Näheres über den Kreisverband des Bundes der Vertriebenen Gross-Gerau erfahren, so empfehlen wir die Dokumentation der Heimatvertriebenen im Kreis Gross-Gerau "Geflüchtet, vertrieben, aufgenommen."


Grußwort
(zur Herausgabe der Dokumentation, September 1990)

Rund 15 Millionen Deutsche sind infolge des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben worden. Diese entwurzelten und ihres Eigentums beraubten Menschen
sind aber nicht, wie es Stalin erwartet hatte, zum so- zialen und politischen Sprengstoff geworden. Im Ge- genteil, durch ihre praktische Arbeit haben die Ver- triebenen bewiesen, daß es ihnen mit den Grundsätzen ernst war, die 1950 in der ,,Charta der deutschen Hei- matvertriebenen" verkündet worden waren. In dieser Charta verzichteten sie auf Rache und Vergeltung und versprachen, tatkräftig am Wiederaufbau Deutschlands und Europas mitzuwirken.
Die soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ein- gliederung von mehr als 10 Millionen Menschen ist eine historische Leistung, die von Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen gemeinsam erbracht worden ist. Dieser einmalige Vorgang sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Trotz ihres schweren Schicksals haben die Vertriebenen schon bald die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Dass die Voraussetzung für eine wirk- liche Freundschaft der Völker die Wahrheit ist, hat vor kurzem auch der tschechoslowakische Staatspräsi-

dent Vaclav Havel betont. Er sprach nicht nur das Unrecht an, das anderen Völkern im Namen des deutschen Volkes durch die Nationalsozialisten ange- tan wurde. Mit bewegenden \(orten nannte er auch das Unrecht, das den Deutschen durch die Vertreibung zu- gefügt worden ist.



Damit hat Havel wesentlich dazu beigetragen, den Weg zu einem gerechten Ausgleich zu ebnen. In der Tat: die Gespräche, die Sudetendeutsche und Tschechen seit dem politischen Umbruch unter dem Leitgedanken "Gemeinsam die Zukunft gestalten" geführt haben, lassen hoffen.
Es bleibt die Hoffnung, dass die Repräsentanten des polnischen Volkes bald dem Beispiel Vaclav Havels folgen und endlich ein klärendes Wort zur Vertreibung der Deutschen sagen.
Echte Versöhnung setzt auch die Beachtung des Rechts voraus. Mit Enttäuschung wird im jüngsten Pastoralbrief an die Heimatvertriebenen Katholiken die Behauptung
verzeichnet, "ein Eintreten für völkerrechtlich geregeltes Miteinander zwischen Polen und Deutschen sei nicht versöhnungsfördernd." Weiter heißt es in diesem Pasto-
ralbrief, der u. a. vom Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlings- und Vertriebenen- seelsorge, Weihbischof Gerhard Pieschl, unterzeichnet ist:
"Gerade wir Deutsche sind aufgerufen, alles zu tun, dass niemals wieder Unrecht zu Recht erklärt wird. Vertreibung der alteingesessenen Bevölkerung ist eine Verletzung
elementarer Menschenrechte, die nicht zu rechtfertigen ist, gleichgültig, von wem, wo oder wann sie geschieht. Heimatvertriebene wirken mit der Forderung nach Aner-
kennung der rechtlichen Gegebenheiten dem Eindruck entgegen, dass sich Vertreibung lohne; wenn man nur lange genug warte, werde dieses Unrecht schon zu Recht
erklärt. . ."
Mein besonderer Dank und meine Anerkennung gelten der Autorin, Frau Ortrud Becker, die keine leichte Auf- gabe zu bewältigen hatte.
Zu danken habe ich auch allen Damen und Herren, die mit Rat und Tat geholfen haben. Dank gebührt nicht zuletzt jenen Stellen, die uns finanziell unterstützt und damit die Herausgabe dieser Dokumentation ermöglicht haben: dem Kreis Groß-Gerau, der Kreissparkasse Groß-Gerau, der Volksbank Groß-Gerau, dem hessischen Sozialministerium und dem Bundesinnen-ministerium.

Möge das Buch viele interessierte Leser finden!

BdV-Kreisverband Groß-Grau