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Die Darstellung der Vertreibungsverbrechen in deutschen Schulbüchern

Vertreibung aus der Geschichte?

Im Jahr 1998 schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass die Vertriebenen eine zweite Vertreibung erleiden, die Vertreibung aus der Geschichte. Trifft diese Aussage auch heute noch zu? Wird nicht seit längerer Zeit intensiv über das „Zentrum gegen Vertreibungen“ und die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ diskutiert?

Sicherlich: Das Interesse an dem Thema Vertreibung ist gestiegen. Aber das historische Wissen ist ungenügend. Eine Allensbach-Umfrage hat ergeben: „Die unter 30-Jährigen wissen über Schlesien und das Sudetenland heute nicht wesentlich mehr als über afrikanische Länder.“

Darüber braucht man sich nicht zu wundern, wenn man betrachtet, wie wenig in den Schulbüchern zu den Themen Flucht, Vertreibung und Integration sowie über die Herkunftsgebiete der Vertriebenen steht. Was Schule und Unterricht, Lehrpläne und Schulbücher thematisieren oder wie sie es thematisieren, zeigt an, wie ein Thema politisch gewertet und beurteilt werden soll.

In den hessischen Lehrplänen aller Schulstufen ist das Thema Flucht und Vertreibung sowie die Integration verbindlich. Nach den Lehrplänen sollten sich eigentlich auch die Schulbuchautoren richten. Im hessischen Schulgesetz heißt es, dass Schulbücher vom Kultusministerium zuzulassen sind, wenn sie keine schwerwiegenden Fehler in der Sachdarstellung enthalten.

Kein Zweifel: Es ist  ein schwerer Fehler, wenn  ein Geschichtsbuch (Forum Geschichte, Band 4) nicht einmal angibt,  dass es bei Flucht und Vertreibung deutsche Opfer gegeben hat. Trotzdem wurde es 2003 für die Schulen genehmigt. Die meisten Schulbücher für Geschichte, die in hessischen Schulen benutzt werden, weisen mehr oder weniger erhebliche Mängel zum Thema Flucht und Vertreibung auf. (Auch in den anderen Bundesländern ist die Situation nicht wesentlich besser. Siehe Jörg Gauger, Deutsche und Polen im Unterricht, 2008)

Häufig wird das Geschehen verharmlost, z.B. in Zeitlupe, Band 2: „Alle Deutschen in den Gebieten östlich der neuen Grenzen sollten nach Deutschland umsiedeln… So wurden über 12 Millionen in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und nach Westen zu ziehen.“ (S. 132).

Die Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg ist eines der schlimmsten Kapitel des 20. Jahrhunderts. Über 14 Millionen Menschen waren betroffen, über 2 Millionen kamen bei Flucht, Verschleppung und Vertreibung ums Leben. Doch das „Kursbuch Geschichte“ bringt es fertigt, dieses Geschehen mit den enormen Auswirkungen auf  die Nachkriegszeit  mit 1 (einem) Satz und einer kleinen Karte abzuhandeln. Häufig wird der Eindruck erweckt, als sei die Vertreibung wegen der nationalsozialistischen Verbrechen gerechtfertigt, zumindest aber verständlich.

Tatsache ist, dass Deutschland mit dem 2. Weltkrieg ungeheures Leid über die Menschen gebracht hat. Aber die nationalsozialistische Schreckensherrschaft kann nicht dazu benutzt werden, die kollektive Vertreibung der Deutschen zu rechtfertigen. Kein Verbrechen, auch wenn es noch so groß ist, rechtfertigt ein anderes Verbrechen.

Im übrigen: Der SPD- Politiker Dr. Peter Glotz hat es treffend ausgedrückt, wo die Ursachen der Vertreibung liegen: „Die Geschichte hat nicht mit dem Nazis angefangen. Wer wirklich gegen Vertreibungen (und zwar zukünftige) kämpfen will, der muss die ganze Kette der Ursachen beleuchten. Der eigentliche Grund für Vertreibungen sind übertriebene Identitätssucht, Fremdenhass und Nationalismus. Da können die meisten europäischen Völker kräftig vor der eigenen Tür kehren.“

Nur eine wahrhaftige Aufarbeitung der Geschichte führt zur Versöhnung.

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Das Thema "Flucht, Deportation und Vertreibung der Deutschen" ist - wie ebereits erwähnt - bis heute nach so vielen Jahren der Vertreibung von fast 15 Millionen Deutschen aus ihren Heimatgebieten in Schulbüchern an deutschen Schulen nur ungenügend behandelt worden. Wir nehmen dies zum Anlass, im Rahmen dieses Forums Ihre Meinungen darüber zu erfahren und freuen uns auf Ihre Beiträge.

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Die Frage eines Schülers:
Wieso steht nichts in den Schulbüchern?

"Hallo, wir sollten in der Schule uns ein Thema aussuchen übern 2 Weltkrieg und ich habe halt die Vertreibung aus den alten Ostgebieten genommen nun gut dann wurden uns da halt die ganzen WUK Bücher hingepackt alles verschiedene aber im keinem dieser Bücher war etwas über die Vertreibung und ich habe noch nie was davon in einem WUK Buch gesehen wieso ist das denn ? Das ist ja schlimm wenn man sowas unterm Tisch fallen lässt es sind ja sehr viele durch die Vertreibung gestorben und ich finde es eine schande das sowas nicht in den Büchern vorkommt."

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Weitere Buch- und Themenhinweise:

Deutsche und Polen im Unterrricht

Vertreibung im Geschichtsunterricht
Flucht und Vertreibung
Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive von drei Nachbarn
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