Elfen
 

In früheren Tagen konnte man, wenn man aufmerksam war, im Wald, dort wo sich selten ein Mensch hin verirrt, auf einer einsamen Lichtung manchmal noch Zeichen der Alten oder Elfen entdecken. Eine Locke Haar, eine seltsam geformte Halskette, vielleicht von einem Koboldmädchen beim Tanz verloren, ein zerbrochenes Musikinstrument, Bänder, Schleifen und andere Dinge, wie sie auch nach einem Dorffest am nächsten Morgen, wenn auch von gröberer Qualität, auf dem Tanzplatz liegen. 


Die Feste der Elfen waren berühmt damals. Man sagte, daß das Feiern und die Lustbarkeiten mit nichts vergleichbar seien, was an den großen Fürstenhöfen in den fernen Städten geboten wurde. Trotzdem war es gefährlich, sich nachts einem solchen Fest zu nähern. Zwar taten die Elfen niemandem etwas zu leide, man wurde zu Speise und Tanz eingeladen und hatte auch, manchmal, ein Abenteuer mit einem Elfenmädchen. Erwachte man aber am nächsten Morgen, so stellte man fest, dass zu Hause oft viele Jahre vergangen waren und nur noch die alten Leute einen vom Hörensagen kannten.


Die Weisen an den Universitäten glauben, dass dies an einer besonderen Eigenschaft der Elfenwelt läge. Diese Welt sei nicht etwa Teil der unseren, sondern existiere neben oder, wie manche sagen, unabhängig von ihr. Obwohl vieles dort unserer alltäglichen Erfahrung entspreche, gälten dort doch einige der gewohnten Regeln nicht. Die zeitliche Abfolge der Ereignisse im Elfenreich sei für unsere Sinne nicht wahrnehmbar. Alles scheine gleichzeitig zu geschehen. Es gebe keinen Anfang und kein Ende. Jeder Tanz, jeder Gesang, alle Wahrnehmungen würden unmittelbar erfahren. Nur die Schwäche des menschlichen Geistes, der diese Eindrücke nicht verarbeiten kann, bringe es mit sich, das in der Erinnerung das Geschehen, wenn auch nur verschwommen, an bekanntes, wie zum Beispiel ein Dorffest, angeglichen werde. - Diese Einschätzung kommt, bedenkt man, daß sie in den Köpfen blasser, vergeistigter Gelehrter entstand, der Wahrheit sehr nahe.


Dennoch gibt es immer noch Berührungspunkte. In meinem Dorf erzählt man die Geschichte eines jungen Mannes, der von einem solchen Elfentanz ein Kind mitbrachte. Wie man sagt, in dieser einen Nacht mit einer Elfenschönheit gezeugt, geboren und bis zu einem Alter, das unserem sechsten Jahr entspricht, herangewachsen.


Die Gelehrten meinen nun hierzu, daß bei bestimmten Mondkonstellationen, ich kann mich nicht erinnern, ob Vollmond im Sternbild der Jungfrau oder Neumond in dem des Wassermannes, eine Verbindung zwischen Menschen und Elfen möglich sein könne. Sie schränken jedoch ein, das sich ein solches Abenteuer nur zwischen Elfenmädchen und jungen Männern abspielen könne. Frauen seien wegen ihrer mangelnden geistigen Aufnahmefähigkeit nicht in der Lage, mit Elfenmännern zu schlafen.


Und hier liegen sie völlig falsch. Es kommt wahrscheinlich viel häufiger vor, dass ein geiler Elf eine Dorfschönheit verführt, als das ein tollpatschiger Bauernlümmel auf einem Elfentanz ein besoffenes Elfenfräulein vögelt. Nur hat noch keine je etwas von einem solchen Erlebnis erzählt, schon gar nicht einem vertrockneten Privatgelehrten.