Die Reise
 

Es war die Zeit der Heuschreckenschwärme. Zu Tausenden wurden sie von dem heißen Westwind durch die Wüste getrieben. Ein schwarzer Streifen, vielleicht hundert, manchmal auch dreihundert Schritt breit, aber in seiner Länge nicht mit dem Auge abzusehen.


Das Durchqueren dieses wimmelnden, lebendigen Hindernisses stellte die Gruppe immer wieder vor große Schwierigkeiten. Die wenigen verbliebenen Packtiere, die kleinen Kinder und einige der schreckhafteren Frauen drohten immer wieder in Panik zu fallen. Die Ältesten und die Führer mußten ihre ganze Autorität und Erfahrung einsetzen, um die Karawane, 20 Familien mit insgesamt 600 Menschen, auch nur ein kleines Stück am Tage weiterzubringen. Die Abende jedoch waren Feste. Nur in dieser Zeit brauchte sich keiner in der Gruppe Sorgen um seine Nahrung zu machen. In dieser Zeit glaubte jeder, daß die Götter den ganzen Weg ihrer Reise bei ihnen wären.


Wie lange sie schon unterwegs waren wußte von den heute Lebenden keiner mehr. Selbst den Ältesten war ihr Amt erst im Laufe der Reise zugefallen. Auch von Ihnen kannte keiner ihre Heimat. Aber sie hatten den großen Führer erlebt. Damals kurz vor seinem Tod, als er die Gruppe versammelte, um ihnen noch einmal vom Ende der Reise zu erzählen. Von reichen Weiden, fettem Ackerland, von mildem Klima und von Wasser, das vom Himmel fiel hatte er gesprochen. Von einem Versprechen der Götter. Einem Preis, der nur durch die Entbehrungen und Gefahren der Reise verdient werden könne.


Seitdem folgten sie seiner Vision. Nicht alle hatten den Weg damals fortsetzen wollen, viele blieben zurück oder versuchten umzukehren. Die Besten und Tapfersten aber, so sagten die Ältesten, zogen weiter. Die, die den versprochenen Preis am ehesten verdienten.