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Wenn die Not groß ist, kommt die Feuerwehr Nußloch und öffnet Türen und Fenster

veröffentlicht um 06.11.2017, 22:10 von Christian Kleindienst   [ aktualisiert: 06.11.2017, 22:10 ]

Der Nachbar hat sich seit Tagen nicht gezeigt, die Wohnung ist verschlossen, die Jalousien bleiben unten. Selbst auf heftiges Klingeln und Klopfen reagiert niemand. Was ist passiert? Ist der Nachbar verunglückt, liegt womöglich verletzt in der Wohnung, und benötigt dringend Hilfe? Ein typischer Fall, in dem die aufmerksamen Nachbarn die Polizei verständigen, und diese – dann vor Ort – die Feuerwehr rufen, um die verschlossene Wohnung zu öffnen.

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Aus so einer Situation wird also dann ein Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Nußloch, die mit einem Einsatzfahrzeug, mehreren Wehrleuten und dem notwendigen Gerät anrückt, um Polizei und Rettungskräften den Zugang ins Wohnungsinnere zu ermöglichen. Dabei ist das technische Arsenal der Wehrleute sehr umfangreich. Es beginnt bei einem eigentlich ganz simplen, aber doch ausgeklügeltem Werkzeug, mit dem sie eine einfach nur zugefallene, aber nicht verschlossene Haustür in Sekundenschnelle öffnen können.

Wenn das nicht reicht, also die Tür von außen oder innen abgeschlossen wurde, kommen Spezialwerkzeuge zum Einsatz. Wie diese fachgerecht gehandhabt werden, war Inhalt der jüngsten Übung der Freiwilligen Feuerwehr Nußloch, bei der jetzt rund 30 Wehrleute per Video, fachkundiger Erklärung und schließlich einer praktischen Übung geschult wurden.
Das Ganze läuft im Feuerwehrhaus an der Carl-Metz-Straße ab, und die Teilnehmer folgen konzentriert den Ausführungen des Kommandanten Bernd Rensch. Wer als Außenstehender die Vorträge und Vorführungen verfolgt mag sich denken, dass Türen und Fenster nicht wirklich sicher verschlossen werden können. Und auf die Möglichkeiten der Feuerwehr bezogen, stimmt das. „Wir kommen immer rein“, erklärt Rensch, und das muss die Feuerwehr schließlich auch – sei es bei einem Notfall wie beschrieben, oder einen Wohnungsbrand.
Abgestuft nach der vom Wohnungsinhaber verwendeten Schließtechnik wählen die Einsatzkräfte ihr Werkzeug aus. Spezielle „Abzieher“, die das Sicherheitsschloss herausbrechen, ohne die Wohnungstür zu beschädigen, oder auch komplexere Technik, um „einbruchsgesicherte Schlössen“ zu öffnen, dann leider auch oft verbunden mit einer Beschädigung des Türbeschlags.

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Reicht dies nicht aus, gehen die Feuerwehrleute auf die Suche nach Fenstern, die sich für eine Öffnung eignen, ohne rohe Gewalt anwenden zu müssen. Auch hier verfügen die Einsatzkräfte der Nußlocher Wehr über Spezialwerkzeug, mit dem die Öffnung eines Fensters ohne nennenswerte Beschädigung gelingt. Im Zweifelsfall ist es immer noch der geringere Schaden ein Fensterglas einzuschlagen, als mit Gewalt durch die Tür einzudringen.
Das ist dann allerdings die Ultima Ratio, wenn nichts anderes möglich ist. Ein großes Loch in die Tür zu sägen bedeutet zwar, dass der Wohnungsbesitzer später ein neues Türblatt kaufen muss. Aber wenn es um die Rettung von Menschenleben geht, ist dieser Preis nicht zu hoch. „Außerdem hat diese Methode den Vorteil, dass wir später das ausgesägte Loch mit einer Holzplatte verschließen können, und damit die Wohnung wieder gesichert ist“, erklärt der Feuerwehrkommandant. So oder mit weiteren, in der Ausbildung kurz erwähnten Methoden – wenn Not herrscht, finden die Wehrleute einen Weg ins Haus um Bewohner zu retten oder Feuer zu löschen.
Nach der Theorie folgt die Praxis: Die Wehrleute dürfen sich als „Schloss- und Fensterknacker“ üben, um im Ernstfall schnell und zielgerichtet genau die richtige Methode zum Eindringen in einer Wohnung wählen und diese dann auch fachmännisch ausführen zu können.

Text und Bilder: Udo Lahm

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