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Feuerwehr-Großeinsatz in Nußloch nach Balkon-Abbruch an Wohnblock

veröffentlicht um 11.07.2017, 00:38 von Christian Kleindienst   [ aktualisiert: 11.07.2017, 01:34 ]

So ein Großaufgebot an Rettungskräften hatte Nußloch noch nicht gesehen: Mehr als 25 Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und THW eilten am Montag kurz nach 18 Uhr mit Blaulicht und Martinshorn durch Nußloch zur Unglücksstelle in der Heidelberger Straße. An einem vierstöckigen Wohnblock hatte sich – ohne jede Vorwarnung für die Hausbewohner – ein kompletter Balkon im zweiten Obergeschoss aus der Verankerung gerissen und einen jungen Familienvater und sein Kind aus rund sieben Meter Höhe mit sich in die Tiefe gerissen. Der Balkon krachte zuerst noch auf den darunter liegenden des ersten OG, riss diesen mit und begrub schließlich am Ende auch noch den Balkon der Wohnung im Erdgeschoss.

Ein wahres Horrorszenario, dass nur durch äußerst glückliche Umstände relativ glimpflich ausging. Der 33-jährige Mann wurde verletzt, aber nicht lebensgefährlich, sein zweijähriges Kind, das sich mit dem Vater auf den Balkon befand, erlitt leichtere Verletzungen durch Splitter. Andere Hausbewohner hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht auf ihren Balkonen auf.

„Als ich den Alarm auf meinem Funkempfänger erhielt, war ich sofort unter Hochspannung“, beschreibt Bernd Rensch die ersten Sekunden nach dem Einsatzbefehl aus der Rettungsleitstelle, der exakt um 18:04 Uhr einging. Mit allen verfügbaren Kräften rückte die Nußlocher Wehr in die Heidelberger Straße aus, und traf auch als Erste der rundherum alarmierten Feuerwehren am Unglücksort ein. „Vor Ort habe ich mir sofort ein Bild von der Lage verschafft, die Männer haben sich inzwischen am Fahrzeug für den Einsatz fertig gemacht“, schildert Rensch die ersten Sekunden am Einsatzort. „Die Verletzten wurden schon betreut, aber es war anfangs nicht klar, ob vielleicht unter den Trümmern noch verschüttete Personen liegen“.

Doch die ersten Eindrücke am Unglücksort und die Aussagen der Hausbewohner ließen zumindest die Hoffnung aufkeimen, dass dies nicht der Fall war. „Wir sind dann mehrgleisig vorgegangen, zum einen die Sicherung des Hauses und der Bewohner, zum anderen mit der Prüfung, ob es doch noch weitere Opfer an der Unglücksstelle gibt“.

Der Nußlocher Kommandant konnte sehr schnell auf immer größere Unterstützung bauen. Die Wehren aus Sandhausen, Wiesloch und St. Leon-Rot, die DRK Bereitschaft Nußloch sowie Rettungswagen des Regel-Einsatzdienstes, das Technische Hilfswerk mit mehreren Einsatzfahrzeugen aus Wiesloch-Walldorf und Ladenburg sowie die Feuerwehr-Kollegen der Unterkreis-Führungstruppe. Eine insgesamt mehr als 80 Köpfe zählende Rettungstruppe. Dazu selbstverständlich Polizeikräfte aus Wiesloch, die mit einem Einsatzfahrzeug auch die ersten am Unglücksort waren.

Beim Einsatz lief dann alles wie immer wieder bei den Übungen trainiert: Einsatzbesprechungen mit allen Führungskräften, hier hervorragend unterstützt von der modernen Technik im Einsatzleitwagen aus Sandhausen, dazu hohe fachliche Kompetenz der THW-Helfer bei der Beurteilung der Bau-Sicherheit. Klare Vorgaben und Anweisungen von Einsatzleiter Bernd Rensch und schnelle wie präzise Umsetzung durch die bestens trainierten Männer der freiwilligen Feuerwehren.

Nach etwa 120 Minuten intensiver Prüfung und Absicherung des Unglücksortes konnten schließlich die herunter gebrochenen Betonplatten der Balkone zur Seite gezogen werden. Allen war die Erleichterung anzumerken als damit endgültig sicher war, dass darunter keine Verschütteten lagen. Die Absicherung des Gebäudes und der Balkontüren übernahmen die Nußlocher Wehrleute dann ebenso wie das Aufstellen eines Absperrzaunes, den Bauhof-Mitarbeiter (die auch in der Feuerwehr Dienst tun) auf kurzem Dienstweg heran schafften.

Neben den technischen Hilfeleistungen kümmerten die Wehrleute sich bei diesem Einsatz auch immer wieder um die vom Unglück betroffenen Hausbewohner, unterstützt von einem Feuerwehr-Seelsorger-Team vor Ort. Und auf dem Platz neben dem Feuerwehrhaus in Nußloch war zwischenzeitlich sogar ein Rettungshubschrauber gelandet, der allerdings dann zum Glück nicht benötigt wurde.

„Der Einsatz hat bewiesen, dass die Zusammenarbeit der Rettungskräfte hier in und um Nußloch hervorragend funktioniert“, zieht Bernd Rensch gegen 21:30 Uhr Bilanz. Und die beste Nachricht, dass bei diesem schrecklichen Unglück niemand zu Tode kam oder lebensgefährlich verletzt wurde, ist für ihn und seine Männer eine Bestätigung ihres unermüdlichen Einsatzes als freiwillige Helfer. (UL)

Eingesetzte Kräfte
  • Feuerwehr Nußloch (NUS 10, NUS 19-1, NUS 19-2, NUS 33, NUS 44-1, NUS 44-2, NUS 74)
  • Feuerwehr Sandhausen (SAN 11, SAN 19-2, SAN 23, SAN 44-1, SAN 51)
  • Feuerwehr Wiesloch (WIE 1-33, WIE 1-52)
  • Unterkreis-Führungsgruppe + Kreisführung + Unterkreisführung (LEI 1-19-2, LEI 3-10, ROT 11, St.LEON 19, HDM 10, BRÜ 19-1)
  • THW Ladenburg (Heros LAD 21/10, HEROS LAD 86/25)
  • THW Wiesloch/Walldorf (HEROS WIWA 21/10, HEROS WIWA 86/25)
  • Notärzte + Rettungsdienst
  • DRK Nußloch
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