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Auch vor Publikum bewiesen DRK und die Feuerwehr Nußloch ihre Leistungsfähigkeit

veröffentlicht um 19.10.2017, 22:47 von Christian Kleindienst
Drehleiterrettung
Brustschmerz, ein Enge-Gefühl und ein fast unerträglich starker Druck im Brustkorb. Die Schmerzen strahlen in die Arme und Schulterpartie aus, vor allem auf der linken Körperseite. Auch Atemnot und starke Unruhe, begleitend von Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen. „Das sind typische Anzeichen für einen Herzinfarkt“, warnt Fabian Groß die aufmerksamen Zuhörer im Saal des Feuerwehrhauses. Der erfahrene und bestens ausgebildete Retter des Deutschen Roten Kreuzes, Einsatzbereitschaft Nußloch, weiß natürlich auch, was in solch einem Fall sofort zu tun ist, und erklärt es anschaulich den Besuchern. „Und selbstverständlich sofort die „112“ wählen, damit der Notarzt kommt!“ fügt er hinzu.

Bei der gemeinsamen Jahres-Hauptübung der Feuerwehr Nußloch mit dem DRK stand in diesem Jahr die enge Zusammenarbeit zwischen den Freiwilligen dieser beiden Organisationen im Mittelpunkt. Wie das in der Praxis aussehen kann, führten die Team der beiden Organisationen auf dem Gelände an der Carl-Metz-Straße in sechs verschiedenen Szenarien überzeugend vor. Und das begann gleich beim angenommenen Herzinfarkt. Der „Patient“ auf der Rettungsliege kann nicht durch das viel zu enge Treppenhaus zum Rettungswagen transportiert werden – so die Annahme bei dieser Übung. Also sind die Wehrleute mit der Drehleiter gefragt. 

Nach der Erstversorgung durch die DRK-Helfer und das Umbetten auf eine Spezial-Liege fährt draußen die Drehleiter vor. Rasch hat der Maschinist die Leiter ausgefahren und den oben angebrachten Rettungskorb direkt  außen vor dem Fenster des Saals in Position gebracht. Mit vereinten Kräften heben dann die Helfer drinnen den Patienten auf seiner Trage durch das Fenster. Ein Feuerwehrmann im Rettungskorb bringt die notwendigen Sicherungen an, und die Liege ist sicher befestigt und zum Herablassen auf den Boden bereit. Unten warten bereits weitere DRK-Helfer und Wehrleute, um das Herzinfarkt-Opfer weiter zu versorgen und in den bereitstehenden Rettungswagen zu transportieren. 

verunglückter Rollerfahrer
Kaum ist diese Übung erfolgreich abgeschlossen und alle Besucher wieder auf dem Platz vor dem Feuerwehrhaus versammelt, geht es mit den nächsten Übungs-Vorführungen weiter. Eifrig fotografiert von mehreren Pressefotografen und am Mikrofon moderiert von Christian Kleindienst als stellvertretendem Feuerwehr-Kommandanten, gilt es nun, einen gestürzten Motorroller-Fahrer zu retten, zu versorgen und in den Rettungswagen zu bringen. 

Darf bei einem gestürzten Zweiradfahrer von den ersten Helfern am Unfallort der Helm abgenommen werden? Ober können dadurch vielleicht schlimme Schäden an der Halswirbelsäule auftreten? „Den Helm nehmen wir als ausgebildete Unfallhelfer ab, weil wir wissen, worauf dabei zu achten ist“, erklärt Fabian Groß, während eine DRK-Mitarbeiterin dem „Verletzten“ eine schützende Halskrause anlegt. Auch Feuerwehrleute haben eine fundierte Ersthelfer-Ausbildung und verfügen damit dieses Know-how. Ansonsten rät Groß Ersthelfern sich auf die – hoffentlich – gelernten Notmaßnahmen zu konzentrieren, Verletzte gegebenenfalls mit einer Decke vor Wärmeverlust zu schützen und dem Opfer gut zuzusprechen bis professionelle Helfer vor Ort sind.

Auch in diesem Fall arbeiten die Freiwilligen eng zusammen: während das DRK den Verletzten versorgt, sicherte die Feuerwehr den Unfallort ab, richtet den Motorroller auf und warnt Verkehrsteilnehmer vor der Gefahrenstelle und einer Ölspur. Und so geht es dann bei der Hauptübung von Unfall zu Unfall weiter: Ein Verletzter ist vom Hallendach aus fünf Meter Höhe zu bergen. Ein Fall für die Feuerwehr, die diese Aufgabe souverän über eine an die Halle angestellte Leiter löst. Der Verletzte – hier war es eine lebensgroße Dummy-Puppe – wurde gut gesichert auf einer Trage langsam über die schräg gestellte Leiter herabgelassen. Unten warten dann die DRK-Helfer. 

Fettexplosion
Fettexplosion
Richtig heiß wird es an diesem sonnigen Tag dann kurz darauf: Papa hat den Topf mit Frittierfett auf dem eingeschalteten Herd vergessen. Wenig später entzündet sich das Fett im Topf mit lodernder Flamme, und dann kommt es, wie es kommen muss: Der Hausherr der aus Holzplatten grob zusammen gezimmerten Freilicht-Küche versucht, das Feuer mit Wasser zu löschen! Ein dramatischer Fehler, wie sich unmittelbar zeigt. Das Wasser im brennenden Fett führt zu einer Feuer-Explosion, meterhoch schlagen die Flammen aus dem Topf und gegen Wände und Decke. Im Ernstfall hätte sich der unkluge Koch sicher schwere Brandverletzungen zugezogen. Dass sich nun das Feuer auf die ganze Spanplatten-Küche ausbreitet, ist ohnehin nicht zu vermeiden.

Zum Glück ist diesmal die Feuerwehr nicht weit. Mit Blaulicht und Martinshorn saust das Löschfahrzeug an den rund 300 großen und kleinen, von der Explosion noch tief beeindruckten Besuchern vorbei zum Brandherd. Jeder der Wehrleute übernimmt seinen Part und nach nur zwei Minuten sind die Flammen gelöscht. 

Rettung eines verunfallten Autofahrers
Zum Abschluss zeigen DRK und Feuerwehr dann auch noch, wie ein auf der Seite liegendes Unfallauto mit Hydraulik-Scheren ausgeschnitten und die Insassen befreit und anschließend Notversorgt wurden. Der Freiwillige aus dem Publikum, der sich als „Unfallfahrer“ zur Verfügung gestellt und zuvor in das Auto gesetzt hatte, wurde schonend gerettet. Das bescheinigt er den Einsatzkräften am Ende, er habe sich bei der Aktion „jederzeit gut versorgt und vorsichtig behandelt gefühlt“.

Wärmebildkamera
Eindrucksvoll am Schluss dann auch der „Rauch-Raum“, in dem sich Besucher einmal ein Bild vom Szenario bei einem Brandeinsatz machen können. Ohne jede Sicht hilft nur der Tastsinn weiter. Oder eine Wärmebild-Kamera, mit der Menschen durch ihre Körpertemperatur auch in dichtem Rauch erkennbar werden. 

„Ein rundum gelungener Tag“, bedankt sich Feuerwehr-Kommandant Bernd Rensch am Ende bei allen Beteiligten, und die Besucher stimmen dem applaudierend zu.
Text und Bilder: Udo Lahm
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