Deutsche, Russen oder Litauer?

Deutsche, litauische oder russische Staatsangehörigkeit?

Memelgebiet

Der 8. Paragraph der Memelkonvention besagte, dass die bisherigen Bürger Deutschlands, die im Memelgebiet wenigstens seit dem 10. Januar 1920 gelebt hatten und am Tag der Ratifizierung der Memelkonvention am 30. Juli 1924 das 18. Lebensjahr vollendet hatten, automatisch die litauische Staatsangehörigkeit erhalten sollten.

Im Vertrag über die Rückgabe des Memelgebietes vom 22. März 1939 zwischen Deutschland und Litauen war vorgesehen, die Frage der Staatsangehörigkeit später zu regeln. Doch schon am 23. März 1939 erließ Deutschland ein Gesetz, dass diejenigen Memelländer, die am 30. Juli 1924 litauische Staatsangehörige geworden waren und ihren Wohnsitz am 22. März 1939 im Memelgebiet oder in Deutschland hatten, wieder die deutsche Staatsangehörigkeit erhielten. Somit wurden alle Bewohner des Memelgebietes nach dem Anschluss zu Deutschen

Gebiet Tauroggen

Als Litauen (gesamte Baltikum) im Sommer 1940 an die Sowjetunion angegliedert wurde, erhielten alle in Litauen lebenden Optanten automatisch die sowjetische Staatsangehörigkeit. Somit verloren die Menschen wieder die deutsche Staatsbürgerschaft. Das traf auch für die Bewohner von Tauroggen zu.

Nach der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion hat ein großer Teil der Optanten den deutsch-sowjetischen Vertrag vom 10. Januar 1941 über den Bevölkerungsaustausch ausgenutzt. Viele von ihnen siedelten als Volksdeutsche nach Deutschland um und erhielten die deutsche Staatsangehörigkeit.

Bei der Umsiedlungsaktion von Februar bis März 1941 hat die Gemischte Kommission nach langen Verhandlungen folgende Merkmale zur Feststellung der Nationalität vereinbart:

„1. Die Konfession „lutherisch“ oder „evangelisch“ bestimmt im allgemeinen die deutsche Volkszugehörigkeit, soweit nicht im folgenden anders vereinbart.
2. Wenn diese Konfessionen in den Pässen verzeichnet sind, so ist selbst bei der Eintragung „litauische Volkszugehörigkeit“ die fragliche Person als deutsch anzuerkennen.
3. Wenn die Angabe der evangelischen oder lutherischen Konfession im Pass fehlt, so sind von den Umsiedlungswilligen andere Unterlagen (Geburtsurkunden usw.) zu fordern.
4. Durch andere Konfessionen, wie z. B. röm.-katholisch, griechisch-orthodox, wird die deutsche Volkszugehörigkeit nicht bestätigt, vielmehr sind andere Urkunden beizubringen, durch die ihre Volkszugehörigkeit bestimmt werden kann.
5. Wenn bei dem Familienoberhaupt oder einem Mitglied der Familie die deutsche Volkszugehörigkeit festgestellt wurde, so entfällt damit die Beibringung und Prüfung von Urkunden über die Volkszugehörigkeit bei den übrigen Familienangehörigen, da eine Umsiedlung nach Artikel 2 ja selbst dann erfolgen kann, wenn der Familienangehörige eine andere als die deutsche Volkszugehörigkeit besitzt. Es ist lediglich noch die Zugehörigkeit zu der fraglichen Familie zu prüfen und die Frage nach dem Wunsch zur Umsiedlung zu stellen...“

So war die Feststellung der Nationalität sehr weit gefasst, so dass es den Memellitauern, die evangelisch waren, und von denen viele auch echtes deutsches Blut in ihrer Verwandtschaft vorweisen konnten, nicht schwerfiel, ihr „Deutschtum“ zu beweisen und eine Genehmigung für die Ausreise als Volksdeutsche zu bekommen.