Tradition seit 1864

Strahlender Beginn. Das Kremser Hochschülerkränzchen wurde im Jahre 1864 zum ersten Mal von einer Vereinigung Kremser Studenten veranstaltet und erfreute sich seit jeher größter Beliebtheit in der Kremser Gesellschaft. So wurde es über die Jahre rasch zum jährlichen Faschingsfest der akademischen Jugend. Die Veranstaltung, welche jeweils am 01. Februar würdig gefeiert wurde, zählte zu den glanzvollsten Ballfesten des Faschings und wurde daher ab 1899 vom Verein deutscher Hochschüler zu Krems in alter Tradition weitergeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die beliebte Tanzveranstaltung durch die Kremser waffenstudentischen und nationalfreiheitlichen Korporationen als Chremisenball wieder ins Leben gerufen. Seit 150 Jahren besteht dieses wohl älteste Kremser Ballfest nun. Sohin gilt das nunmehrige Kremser Farbenkränzchen vermutlich auch als der älteste Couleurball Österreichs.

Um die Jahrhundertwende und auch noch viele Jahre danach stand in Krems für größere repräsentative Tanzunterhaltungen nur der Saal im Gasthof zum „Goldenen Hirschen“ zur Verfügung. Um die festliche Gestaltung des Saales bemühte sich das Festkomitee mit Unterstützung eines rührigen Damen-Komitees. In dem mit studentischen Farben und Emblemen festlich geschmückten Saal schwebte unter den Augen zahlreicher Ehrengäste und prominenter Persönlichkeiten eine froh-beschwingte Tänzerschar über das Parkett.

In Ihrer Ausgabe vom 8. Februar 1920 berichtete die Land-Zeitung wie folgt:

„Das Kränzchen des Vereines Deutscher Hochschüler ist von jeher eine der ersten gesellschaftlichen Veranstaltungen unserer schönen Donaustadt gewesen… Am 31. Jänner 1920 war es wie ein Aufatmen und erneutes heißes Bekenntnis der Jugend an das wieder gefundene Leben. Eine fast weihevolle Stimmung herrschte, als sich im ersten Walzer die Paare fanden und in rhythmischem Reigen vergaßen, was Leid und Sorge brachte… Der Besuch war ein ungemein zahlreicher und bestätigte die Sympathien, die dem Vereine von den ersten Gesellschaftskreisen entgegengebracht werden… Das gesellschaftliche Bild war ein anregendes und sehr farbenprächtiges. Die blumigen Toiletten der Damen kontrastierten in der angenehmsten Weise mit dem eleganten Schwarz der Herrenkleidung. Der rein akademische Charakter des Festes wurde durch die vielen Vertreter der Wiener Kooperationen, die fast sämtliche in Flaus und Cerevis erschienen waren, betont.
Wir glauben, daß das Kränzchen des V.D.H. als eines der gelungensten bezeichnet werden kann und hoffen, im nächsten Jahre unsere akademische Jugend und ihre Freunde bei der gleichen Veranstaltung mit den lieblichen Töchtern unserer Stadt im Tanze vereint zu finden.“

Unruhige Zeiten.
Bereits ab 1934 musste das Kränzchen unter dem äußeren Druck des Ständestaats und wegen des Verbots der Pennalien sistiert werden. Als im Jahre 1938 im Zuge der NS-Gleichschaltung des gesamten Vereinswesens auch die akademischen Korporationen zur Auflösung gezwungen waren, hatten ihre früheren festlichen Veranstaltungen keinen Platz mehr in den neuen Verhältnissen. In den Jahren des Weltkrieges und der darauf folgenden neuerlichen Unfreiheit unter der sowjetischen Besatzungsmacht war an eine Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit lange nicht zu denken.

Kremser Farbenkränzchen
Die Wiedergeburt.
Erst nach Abzug der Besatzungstruppen und der Herstellung der heutigen demokratischen Strukturen, konnte sich das Vereinsleben neu entfalten. Mit ihm feierte auch das Hochschulkränzchen seine glanzvolle Wiederauferstehung. Zum ersten Mal seit 1933 veranstalteten im Jahre 1957 der Verband Kremser Akademiker Chremisia und die Jungmannschaft Kremser Mittelschüler Rugia wieder ein solches Ballfest. Dieses – bald auch von den beiden anderen Mittelschulverbindungen Arminia und Wachovia sowie vom Turnverein Krems mitveranstaltet – wurde als „Chremisenball“ wieder ein fester Bestandteil und festlicher Höhepunkt des Kremser Gesellschaftslebens, wozu auch der Rahmen des Kremser
Stadtsaales und das Service des Parkhotels Krems beitrugen. Der Chremisenball konnte bis zum Jahr 2003 weiterhin im Kremser Stadtsaal würdig gefeiert werden. (Foto: Chremisenball 1968, © VoglauerKG)

Kremser Farbenkränzchen
Angesichts sinkender Teilnehmerzahlen an größeren klassischen Ballveranstaltungen, wurde in den folgenden Jahren das Konzept leicht adaptiert und um das heimatliche Element Tracht erweitert. Ab dem Jahr 2008 wurde nun also ein kleinerer Korporationsball in Tracht unter dem einstigen Namen Farbenkränzchen im Gasthaus Klinglhuber organisiert. Da das neue Konzept der Veranstaltung wieder auf regen Zuspruch stieß und dadurch das Gasthaus für das Farbenkränzchen 2010 beinahe zu klein wurde, entschloss man sich, das Kränzchen künftig wieder auf eine breitere Basis zu stellen und den Sprung in den weitaus größeren Kremser Stadtsaal zu wagen. Man musste allerdings ernüchternd feststellen, dass der in die Jahre gekommene Stadtsaal dem eleganten Stil und heimatlichen Charme des Kränzchens nicht mehr gerecht werden konnte. So sah man sich gezwungen, sich 2013 erneut um einen geeigneten Veranstaltungsort umzusehen. Mit der Mauterner Römerhalle fand man jedoch rasch ein würdiges Ambiente, das gediegenes historisches Flair mit zeitgemäßer Ausstattung zu verbinden weiß. Somit stand im Jahr 2014 dem 150-jährigen Jubiäum nichts mehr im Wege. Das Kränzchen konnte in diesem Jahr mit Stolz auf eine glanzvolle traditionsreiche 150-jährige Geschichte zurückblicken.