Kindergeld und Diäten

Kindergelderhöhung 10€ - Diätenerhöhung 820€ - Wohlstand futsch!

November 2008 - ein Beitrag von Heinrich Oldenburg (Mitglied im Bundesvorstand)

Der Jubel über die Erfolge des Elterngelds hat mich zu ein paar Recherchen und Rechnungen animiert. Die Ergebnisse stimmen weniger fröhlich:

 
Da bis 2030 die Zahl der Erwerbstätigen (20 bis 63jährige) um rund 9 Mio. sinken wird, müssen die Sozialbeiträge steigen. Seriöse Studien rechnen bis 2030 mit 35 % Arbeitnehmerbeitrag. (Die Arbeitgeberbeiträge sollen lt. Politik in % konstant bleiben). Würde man also die heutigen Sozialleistungen GRV, GKV, PflV konstant halten wollen, dann ergäbe sich folgende Rechnung:
 

 2008: 15 EUR Stundenlohn, 170 Arbeitsstunden pro Monat:     Veränderung von 2008 auf 2030:  
 2.550,00 EUR  brutto pro Monat in 2008  4.021,09 EUR  brutto pro Monat in 2030
 -561,00 EUR  22 % Soz.-Abgaben  -1.447,59 EUR  35 % Soz.-Abgaben
 1.989,00 EUR  Lohn vor St. 2008  2.573,50 EUR  Lohn vor St 2030
 -147,33 EUR  LSt., Kl. II, Ki 0, ohne Kirchen-St.  -537,50 EUR  LSt. Kl.II, K 0, ohne KSt
 1.841,67 EUR  netto pro Monat in 2008  2.036,00 EUR  netto pro Monat in 2030

 

Anders ausgedrückt: Falls also die Bruttolöhne von 2008 bis 2030 mit gleichen Raten steigen wie das Wirtschaftswachstum, nämlich um 58 %, so werden die Nettolöhne trotzdem nur um 11 % zunehmen, weil die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung von, vorsichtig geschätzt, 22 % auf 35 % zunehmen werden.

 
Lohnentwicklung bis 2030 - Brutto 58 % mehr, netto nur 11 % mehr. Werden die Arbeitnehmer das mitmachen?
 
Und hierbei ist nicht berücksichtigt, dass der Rückgang der Aktiven fast vollständig zu Lasten der volkswirtschaftlich produktiven Bereiche gehen wird. Da die Zahl der Alten noch steigen wird, wird man Im Gesundheitsbereich nur eine geringe Reduktion der Beschäftigten erreichen können. Im Pflegebereich wird man eher mehr Aktive einsetzen müssen. Man bedenke, dass über 90 % aller Alten heute Kinder haben, und daher in der Anfangsphase ihrer Pflegebedürftigkeit noch lange in der Familie versorgt werden. Bis 2030 wird sich die Zahl der kinderlosen und auf Pflege angewiesenen Alten mehr als verdreifachen .
 
Ferner, beim Rückgang der Aktiven (Altersstufe 20-63) von heute 40 Mio auf 31 Mio wird die steigende Zahl auswandernder junger Fachkräfte stets ausgeblendet.
  • 2006: 150.000 minus bei 23.000 Einwanderern --> netto Minus 127.000 Aktive
  • 2007: 161.000 minus bei ? Einwanderern ---> netto Minus ca. 140.000 Aktive
  • 2008: 180.000 erwartetes Minus bei (Zahl der Einwanderer?) --> netto Minus ca. 160.000 Aktive
  • 2009...? 2010...?

Lt. Prognos haben 84 % der Auswandernden einen Hochschulabschluss. Bis 2030 könnte die Zahl der Aktiven durch Auswanderung um weitere drei bis vier Mio. sinken, und das ausgerechnet um die Qualifizierteren, die eine hochentwickelte Volkswirtschaft am dringendsten braucht. Dies sind nur die nackten Zahlen. Überhaupt nicht berücksichtigt wurden die durch die Krippenerziehung evtl. ansteigenden Kosten durch Entwicklungs-, Verhaltens- und Gesundheitsprobleme der Verbleibenden.


Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag von Erhard Lahni.

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