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Aus der Geschichte von Kirche und Gemeinde

Die Evangelische Kirche in Rumburg wurde in den Jahren 1775-78 erbaut und hat wie manch anderes Gotteshaus dieser Gegend eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich als kath. Kapelle dem Hlg. Nepomuk geweiht, wurde sie bereits nach 9 Jahren durch Kaiser Joseph II. säkularisiert und verkauft. Um 1800 kam ein zweistöckiger, unterkellerter Anbau hinzu, der zeitweise als Wohnhaus genutzt wurde. Die Kirche wurde zunächst zum Lagerraum, später zum Stall und – nach Einzug einer Geschossdecke – sogar zum Tanzsaal.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich mit dem Aufschwung der Textilindustrie in Rumburg und Umgebung Arbeiter und Unternehmer aus dem protestantischen Sachsen an. Zunächst besuchten sie weiterhin die Gottesdienste in den benachbarten sächsischen Gemeinden, da die nächste evangelische Gemeinde auf böhmischem Gebiet 9 Wegstunden entfernt war. Bald kam der Wunsch nach einer eigenen Gemeinde und einem eigenen Gotteshaus auf. 1860 kaufte der Fabrikant H.L. Dittrich die Kirche samt Anbau und Grundstück, um sie ein Jahr später an die neugegründete Evangelisch-lutherischen Gemeinde weiter zu verkaufen. 1862 konnte die Kirche unter großer Anteilnahme der Christen aus den anliegenden sächsischen Gemeinden eingeweiht werden.

Die Orgel wurde 1863 von den Gebrüdern Reiß aus Neugersdorf, Sachsen erbaut. Sie ist die einzige erhaltene Orgel dieser Firma auf tschechischem Gebiet und steht heute – wie auch Kirche und Anbau – unter Denkmalschutz.

2 Glocken des ursprünglichen Geläuts von 1862 mussten im Ersten Weltkrieg abgegeben werden. Als 1930 ein neues Geläut angeschafft wurde, ging die verbliebene dritte Glocke an die Friedhofskapelle Nixdorf. Vom Geläut aus dem Jahre 1930 blieb nur die mittlere, die sogenannte Friedensglocke erhalten.

Bereits kurz nach ihrer Gründung galt das Bemühen der Gemeinde vor allem der Errichtung einer evangelischen Schule. Zu diesem Zweck wurde wenige Hundert Meter unterhalb Kirche ein Grundstück gekauft und hier 1876 ein Schulhaus errichtet. Die evangelische Schule bestand bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Seitdem ist das Gebäude Pfarrhaus.

Im Laufe der Zeit entstanden 5 weitere Predigtstationen. Das Rumburger Pfarramt war damit für die große Fläche von 276 km2 mit 32 Orten zuständig.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges wurde wiederum zu einer großen Umbruchszeit auch für die hiesige Gemeinde. Von den 2700 fast ausschließlich deutschen Mitgliedern, die der Gemeinde mit ihren Predigtstationen 1945 angehörten, ist fast niemand in Rumburg und Umgebung geblieben.

1948 entstand in Rumburg eine kleine Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, die die Kirche wie auch das ehemalige Schulgebäude mit Pfarrwohnung und Gemeindesaal übernahm. Kern der neuen Gemeinde bildeten tschechische Remigranten, deren Vorfahren nach 1620 vor der Rekatholisierung ins polnische Zelow geflüchtet waren.

Mehrere der ursprünglichen Predigtstationen wurden in den folgenden Jahren aufgelöst, andere kamen hinzu. Heute werden Česká Kamenice als Predigtstation und Varnsdorf als selbständige Gemeinde von Rumburg aus betreut.

Der 2.8.2003 war für die Rumburger Kirche in weiterer tiefer Einschnitt. In der Folge eines Einbruchs kam es im Kirchenanbau zu einem verheerenden Brand, der auch auf die Kirche übergriff. Es entstand ein Schaden von etwa 7 Millionen Kronen. Sämtliche Holzkonstruktionen wurden entweder durch das Feuer zerstört oder das Löschwasser beschädigt, die Glocke ist zum Teil geschmolzen und zerbrochen. Turm und Turmknopf sind heruntergestürzt. Die Orgel wurde beträchtlich beschädigt.

Mit dem Wiederaufbau wurde im Jahre 2004 begonnen. Heute lädt die Kirche mit ihrem neugestalteten Inneren wieder zu Gottesdiensten, aber auch zu Konzerten, Theater und anderen Veranstaltungen ein.

Dankbar sind wir für die vielfältige Hilfe, die wir über Grenzen hinweg erfahren haben – aber auch für viele Begegnungen, Kontakte und Verbindungen, die dadurch gewachsen sind.

So wurde der Wiederaufbau der Kirche für unsere Gemeinde zu einem Neubeginn.


Domeček „Na Kopečku“ – Teehaus im Kirchenanbau

2005 entstand der Verein dokořán Rumburk mit dem Ziel, den historischen Anbau der Kirche nach Brand und Wiederaufbau für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir wollen die Türen und das Areal rund um die Kirche für Leute öffnen, die Lust auf Begegnung haben und sich aktiv am kulturellen Leben der Stadt beteiligen wollen – deshalb der Name „dokořán“ – weit geöffnet.

2007 konnte der Kirchenanbau als Domeček „Na Kopečku“ (HäuschenAuf dem Hügel“) offiziell eröffnet werden und bietet seitdem mit seinem Teehaus und seinen Programmen Raum für Begegnung und Kultur.

Jeden Mittwoch ab 19 Uhr finden die sog. „čajové středy“ statt – Konzerte, Reiseberichte, Lesungen, Vorträge, Gespräche ...

Zur Tradition ist inzwischen das Kleinkunstfestival jeweils am zweiten Juniwochenende geworden.

Das Teehaus dient zugleich als geschützter Arbeitsplatz. Das heißt, dass hier Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen teils längerfristig, teils im Praktikum arbeiten, Gelegenheit erhalten sich auszuprobieren, etwas Neues zu lernen. Für Manche ist das die erste Arbeitsstelle überhaupt. Wir empfinden dies als Bereicherung und Weiterführung unseres ursprünglichen Gedankens: einen offenen Raum schaffen, in dem Menschen entdecken können, was in ihnen und auch in den anderen steckt.


Familienzentrum und Kirchlicher Kindergarten Klíček

Im Herbst 2013 wurde im Rumburger Pfarrhaus der Kirchliche Kindergarten Klíček eröffnet.

Vorausgegangen war Anfang 2012 die Gründung eines Familienzentrums mit einem Vorschulkinderkreis und weiteren Angeboten für Kinder und Familien.

Gegenwärtig hat der Kindergarten 24 Plätze für Kinder im Alter von 3-6 Jahren. In Ausnahmefällen können auch Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensjahr aufgenommen werden. Träger ist die Pfarrgemeinde der EKBB in Rumburg.

Grundstein der pädagogischen Arbeit ist die bedingungslose Annahme eines jeden Kindes in seiner Einzigartigkeit. Wir alle sind verschieden, jeder hat sein eigenes Tempo. Jedes Kind ist mit seinen starken und schwachen Seiten eine Bereicherung für die Gruppe. Ziel ist es, die Kinder dabei zu unterstützen ihre Gaben zu entdecken und zu entfalten.

Auf dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes ist auch Integration ein wichtiger Aspekt. Es geht uns darum, den Kindern zu helfen einander zu verstehen, sie mit Respekt ihrer Andersseins anzunehmen und in ihnen soziales Einfühlungsvermögen zu wecken. Zusammen mit der Pfarrgemeinde bemüht sich der Kindergarten, Kinder einzubeziehen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft, der sozialen Stellung der Familie oder ihrer gesundheitlichen Situation benachteiligt sind.

Wir verstehen die Welt als Geschenk Gottes, das den Menschen anvertraut ist und für das sie Verantwortung tragen. In den Kindern ein Gefühl für die Schönheit der Natur zu wecken ist ein Weg, zu solcher Verantwortung zu führen. Wir legen deshalb Wert auf Ökologie sowohl in der Einrichtung des Kindergartens als auch im pädagogischen Programm.

Ein Teil des Kindergartens wird in den Nachmittagsstunden und am Wochenende weiterhin als Familienzentrum für verschiedene Kreise und Veranstaltungen genutzt.

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