III.   Szenario: IKEA-Homepark statt Hausausstellung


Wenn berichtet wird, dass hier IKEA angesiedelt werden soll, dann ist damit gemeint, dass die „Inter IKEA-Centre Group", eine 100-prozentige IKEA-Tochter, ein IKEA und einen Homepark auf dem bisher genutzten Areal der Hausaus­stellung plant. In diesem „Homepark” können unterschiedliche Unternehmen Flächen anmieten und von der Symbiose mit IKEA profitieren (in anderen Städten sind das Unternehmen wie: Saturn, Media Markt, ProMarkt, Decathlon, Toys´R´Us, KiK, Fressnapf, Chalet, rooms, Küchenstudios, Gastronomie-Firmen wie McDonalds oder auch OBI, Bauhaus, Praktiker als Baumarktvertreter):

Bei diesen Planungsvorhaben dient IKEA als Ankermieter und Besuchermagnet für die üblichen Discounter eines Einkaufszentrums.

Für Wuppertals IKEA-Homepark ist geplant:

   50.000qm - Parkplatz 
+ 25.500qm - IKEA-Möbelhaus
+ 21.400qm - HOMEPARK (= 7 Fachmärkte aus den Bereichen: Möbel, Konsumelektronik, Sportartikel, Fahrrad, Bürobedarf, Babyartikel, Matratzen, Lebensmittel, Küchen, Zoologischer Bedarf).

Homepark/Fachmarktzentrum (Stand der Liste 12/2011):
2.000qm - Elektronik
2.500qm - Küchen
2.500qm - Polstermöbel
1.100qm - Kleinmöbel
4.000qm - Sport
2.000qm - Motorrad/Zweiradzubehör
1.600qm - Fahrrad
2.500qm - Zoologischer Bedarf
   600qm - Matratzen
1.500qm - Babybedarf
  800qm - Lebensmittel

Der Investor IKEA Centre Goup erwirtschaftet durch das HOMEPARK-Konzept Miete. Die Ansiedlung dieser o.g. Fachmärkte wird zu weiteren Leerständen in den Innenstädten führen: ca. 230 MIO Kaufkraft soll der Standort Wuppertal-Nord erwirtschaften.

Konzept und Ausmaße eines solchen Vorhabens lassen sich sehr gut in Köln-Butzweiler studieren, das am 16.03.2009 ein Einkaufszentrum dieser Art eröffnet hat. Vergleiche hierzu auch IKEA-Koblenz. Außerdem weitere Quellen hier.

Allein IKEA ist in NRW 10mal vertreten und ist von - Wuppertal aus - 3x in einer Entfernung von 30km zu erreichen (Dortmund, Düsseldorf, Essen).

* Anmerkung, seit dem 29. Mai 2009:

Die Links/Verknüpfungen zum Thema
  • IKEA
  • Inter IKEA Centre Group (Deutschland)
  • IKEA Homepark
  • IKEA Expansion
  • sowie Standorten zu IKEA

wurden auf Wunsch der IKEA-Verwaltungs-GmbH von dieser Website entfernt.
Entsprechende Quellen muss sich der Leser
unter dem Thema IKEA und den entsprechenden Stichworten selbst "googeln".


Folgen von IKEA am Standort Wuppertal-Nord


In den „Leitlinien 2015” formuliert Oberbürgermeister Jung: „Bis zum Jahr 2014 soll das über 110.000 qm große Areal entwickelt sein und die massiven Kaufkraft­abflüsse im Möbelbereich sollen durch die Optimierung des eigenen Wuppertaler Angebotes kompensiert werden".

Die Schließungen namhafter Möbelhäuser wie Möbel Hellwig im mittleren und Pasche im oberen Preissegment können hier nicht gemeint sein, da ein Discounter wie IKEA deren Kundensegment nicht anspricht. Die Kunden dieser Fachhändler werden mangels vergleichbaren Angebotes in Wuppertal weiterhin in die umliegen­den Städte Witten / Haan, Bochum (Ostermann, Hardeck) bzw. Köln, Düsseldorf, Essen (gehobene Einrichtungshäuser) ausweichen.

Bleibt nur der Kaufkraftabfluss im unteren bis mittleren Preissegment - und die Frage ist IKEA bezüglich seiner Umsatzverteilung überhaupt ein Möbelhaus?

 

Stellungnahme von Oberbürgermeister Jung und Dr. Volmerig

Hierzu antworten Herr Oberbürgermeister Jung und Herr Dr. Volmerig:

"2. Bedarfsanalyse

Standortanalysen haben ergeben, dass Wuppertal unter einem massiven Kaufkraftabfluss in unterschiedlichsten Bereichen leidet; im besonderen Maße jedoch im Bereich des Möbelangebotes. Studien belegen, dass Wuppertal im Möbelsegment nur in der Lage ist, 65 % der Kaufkraft der Stadt zu binden, so dass massive Kaufkraftverluste nach Düsseldorf, Essen, Haan oder in andere umliegende Gemeinden zu verzeichnen sind. Dieser Trend wird durch die altersbedingte Aufgabe bestehender Möbelhäuser, wie der von Ihnen zitierte „Grüne Möbelmarkt“ oder das Einrichtungshaus Pasche, verstärkt. Hier gilt es gegen zu steuern."

Oberbürgermeister Jung und Herr Dr. Volmerig (aus der Stellungnahme vom 4. März 2009 an die Erlenroder Bürgergemeinschaft)



Einzelhandel und zentrenrelevantes Sortiment


IKEA macht 60-70% seines Umsatzes nicht mit Möbeln, sondern mit den innenstadtrelevanten Sortimenten! (Beispiel: Kerzen, Geschirr, Deko, Bettwäsche etc.; siehe hierzu Wikipedia unter Ikea, Überschrift Sortiment)

Das bedeutet, dass bei einem erwarteten Umsatz von etwa 70 Mio. Euro ca. 50 Mio. Euro auf Sortimentsbereiche entfallen, die dem innenstadtrelevanten Sortiment zuzuordnen sind und „lediglich” 20 Mio. Euro auf Möbel. Dieser Effekt verstärkt sich noch durch die „Satelliten“, die in dem so genannten Homepark überwiegend ebensolche Sortimente anbieten.

Anmerkung März 2012:
Im Durchschnitt erwirtschaftete 2009 ein IKEA-Einkaufshaus 73,3 Mio Euro. Ein neues großes IKEA-Einrichtungshaus lässt 100 Mio Euro Umsatzeinnahmen erwarten.

Frau Petra Hesser, die Deutschland Chefin von IKEA beschreibt im Oktober 2008, dass die Kaufzurückhaltung der Deutschen für die Möbelhauskette IKEA zu spüren ist: "Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr (gemeint 2008) ist der Marktführer in Deutschland  lediglich durch den Ausbau neuer Flächen gewachsen. ... Und Besserung ist nach Ansicht der Marktforscher nicht in Sicht. ... IKEA setzt daher trotz der aktuellen Marktschwäche weiter auf Expansion." Auch hier wird deutlich, dass es nicht wirklich um die die Erschließung neuer Märkte geht, sondern lediglich um Expansion auf Kosten anderer Betriebe. (Umverteilung)

Das Land NRW hat ein Gesetz (LEPro/LEPro NRW), das ein Ausbluten der Innenstädte bzw. des Einzelhandels verhindern soll, indem Einkaufszentren oder Einkaufshäuser, die innenstadtrelevante Sortiments verkaufen, nicht über eine Verkaufsfläche der innenstadtrelevanten Sortimente von über 2.500 Quadratmetern haben dürfen. IKEA fordert für Wuppertal lt. WZ-Berichten gut 7.000 Quadratmeter.

Was das für den Einzelhandel in der Umgegend hier bedeutet, liegt auf der Hand. Es gibt dazu etliche Beiträge, stadtplanerischer Überlegungen und Konzepte und gute Argumentationen im Internet zum Thema/Stichwort „innenstadtrelevante Sortiments, NRW-Gesetz", wobei gerade darauf hingewiesen wird und bekannt ist, welche einschneidende Veränderung diese Einkaufszentren für Städtekulturen haben. Außerdem weitere Quellen hier.

Die Stadt Bochum hat sich u.a. wegen ihres Masterplans der Förderung des Einzelhandels gegen die Errichtung eines IKEA-Hauses ausgesprochen.

Der ENNEPE-Ruhr-Kreis hat in seinem im Dezember 2010 veröffentlichten Positionspapier dazu Stellung genommen.


Weitere Fragestellungen sind zu diskutieren

  • Auch Angaben zur Schaffung neuer Arbeitsplätze schwanken. Das Neuerrichten eines IKEA-Homepark-Konzept wird gleichzeitig Arbeitsplätze im Innenstadtbereich vernichten: "Natürlich entstehen mit Ikea Arbeitsplätze, dafür fallen in anderen Geschäften welche weg. Ein einziger Ikea-Arbeitsplatz kostet bis zu vier andere Stellen", so die bis 2008 in Bayern tätige Landtagsabgeordnete Ruth Paulig.

  • Wie verhält es sich in Wuppertal, für das ja nun auch ein Regionales Einzelhandelskonzept vorliegt, und der Vorsitzende des bergischen Einzelhandelsverbandes, Herr Grunau, statuierte im September 2007, dass auf der „grünen Wiese” nicht weiterer Handel zuzulassen sei?

  • Lässt die Stadt Wuppertal ein Gutachten bezüglich der Errichtung eines solchen Gewerbeparks (IKEA–Homepark Konzept) von unabhängiger Seite erstellen?
 

Verkehr im Bereich Wuppertal-Nord

 

Aufgrund der eingangs genannten Veränderungen im Siedlungsbereich Wuppertal-Nord/Wuppertal-Oberbarmen kommt es bereits heute durch das hohe Verkehrsaufkommen zu Haupt­verkehrszeiten auf der Wittener Str. / Schmiedestraße zu langen Rückstaus. Ausweichstrecken wie Mollenkotten und Eichenhofer Weg werden als Umleitungen genutzt.

Rechnet man nun, basierend auf der Kalkulation für das Kölner-IKEA-Einkaufs­zentrum von 16.000 "Fahrzeugbewegungen (Solinger Tageblatt vom 30. Dezember 2008) am Tag, für ein Wuppertaler IKEA-Homepark Konzept mit der Hälfte der Fahrzeuge, ist klar, was das für die zweispurige Wittener Straße / Schmiedestraße als Zufahrt bedeutet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die zu berechneten 8.000 Autos (d.h. 16.000 An- und Abfahrten) sich nicht gleich verteilen, sondern schwerpunktmäßig montags bis freitags, in den Zeiten 17 bis 20 Uhr sowie samstags, zwischen 9 und 20 Uhr, zu erwarten sind.

Bisher von IKEA vorgelegte Konzepte mit Kreisverkehren an den Ausfahrten der A46 sind nicht geeignet, diese Verkehrssituation zu lösen. Aufgrund der kurzen Pufferbereiche der Abfahrten Oberbarmen von max. 300m würde es unweigerlich zu Rückstaus auf die vierspurige A46 kommen. Daran ändert auch der geplante Umbau des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord nichts, da er in den jetzigen Planungsversionen keinen sechsspurigen Ausbau der A46 vorsieht. Darüber hinaus wäre der erforderliche Ausbau der Wittener Straße / Schmiedestraße / Mollen­kotten (ähnlich den IKEA-Zubringerstraßen in Köln, Düsseldorf, Dortmund etc.) aufgrund der vorhandenen Bebauung und Infrastruktur nur mit erheblichem Aufwand (z.B. Brückenverbreiterung) möglich.


Weitere Fragestellungen sind zu diskutieren

  • Der Ausbau der Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord verzögert sich deutlich, nun werden Wunschzeiten des Ausbaus mit 2016-2019 angegeben. IKEA kommt nur mit dem Autobahnkreuz-Nord-Ausbau?

  • Das Asphaltmischwerk AM-NRW GmbH&CoKG hat seinen Probebetrieb aufgenommen. Genehmigt sind: 360 LKWs am Tag plus 80 LKWs in der Nacht. Auch dieses bedeutet eine deutliche Zunahme des Lastverkehrs - neben der neuerlichen Belastung durch weiteren Gewerbebetrieb - auf der Wittener Straße. Wie wird das grundsätzliche Problem der hanglagigen Wittener Straße, mit dem langsamen LKW-Verkehr und deren Rückstaus anwohner- und umweltgerecht gelöst?


Weitere Auswirkungen auf das Siedlungsgebiet

 

Die mit dem oben dargelegten Verkehrsaufkommen (sowie während der Bau­phase) auftretende Immissionserhöhung (Lärm und Schadstoffe) stellt für die Anwohner eine kaum zumutbare Belastung dar. Die Wohnqualität wird deutlich gesenkt. Das gilt besonders für die Bereiche Schmiedestraße, Kattenbreuken und Erlenroder Weg.

Die Natur wird nachhaltig gestört: Quellenbereiche, Brutgebiet des Mäusebussards, Hochwald und Biotop sind gefährdet. Ein Antrag auf ein Naturschutzgebiet (Sommer 2010) wurde abgelehnt.

Wir als Anwohner und Bürger sehen aber noch eine weitere große Problematik im Standort für dieses IKEA-Homepark Konzept:

An die Stelle der grünen Besiedlung „Hausausstellung” tritt das Szenario einer Beton- und Parkplatzarchitektur (man überzeuge sich gerne in Köln-Butzweiler) - unumkehrbar auf lange Zeit.

In anderen Städten, in denen IKEA-Häuser und auch IKEA-Homepark Konzepte realisiert wurden, befindet sich das IKEA-Areal im Gewerbe-/Industriegebiet (Vergleich der Standorte unter Zuhilfenahme der Flächennutzungspläne Dortmund, Düsseldorf, Köln) und nicht im Bereich von Wohngebieten.
Wir in Wuppertal hätten damit den ersten IKEA, der von mindestens drei Wohnbereichen umgrenzt wäre.



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