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1918 bis 1945

Nachkriegszeit

Nach dem 1. Weltkrieg gingen die Mitglieder zum reinen Kleingartenbetrieb über. Wenige nur gaben den Garten wieder auf, der ihnen in schweren Zeiten zusätzliche Lebensmittel gebracht hatte.

Am 01.04.1920 unterzeichnete der damalige Vorsitzende Herr Maximilian Zänker einen Pachtvertrag mit Frau Hilma Starke. Der Pachtvertrag beinhaltete das bereits kleingärtnerisch genutzte Gelände Richtung Wernerstraße. Der Pachtpreis wurde auf jährlich 940 Mark festgelegt. Als Entschädigung erhielt Frau Starke 1.000 Mark von der Sparte, die in Raten mit Verzinsung von 6% abgezahlt wurden.

Am 30.09.1921 erfolgte ein Pachtvertrag für die Weiterverpachtung des vom königlichen Staatsfiskus erpachteten  früheren Ostragut - Feldes am linken Weißeritzufer. Diese Gärten am „Langen Weg“ waren nun fester Bestandteil der Sparte geworden.

Am 22.08.1922 wurde der Verein dann im Vereinsregister unter der Nummer 749 eingetragen.

Einige Gärten des „Mittelweges“, die an das Feld grenzten, erhielten zu ihrem bisherigen Gelände einen Garten am „Langen Weg“. Beide Gärten waren durch eine Treppe verbunden. Zusammen hatten sie die Form eines schmalen Streifens. Auf der Quittung von 1921 wird der neue Gartenteil noch als Feld bezeichnet.

 

Inflationszeit

In dieser Zeit besaß der Kleingarten für viele Familien eine besondere Bedeutung für die Sicherung der Ernährung. Das Geld verfiel in seinem Wert täglich. Der Verdienst, am Vortag ausgezahlt, war am nächsten Tag bereits völlig wertlos. Nahrungsmittel davon zu kaufen, war ein Glücksspiel und oft unmöglich.

So erreichte auch die Pacht für den Kleingarten unglaubliche Summen.

April bis September 1922:    63,20Mark

Für November 1923:             2,5 Milliarden Mark

Im gleichen Jahr bestand Kündigungsgefahr für die Mitglieder auf dem oberen Gelände. Das dürfte die Ursache sein, dass am 01.10.1922 und am 13.03.1923 Kaufverträge mit den damaligen Besitzern oder deren Erben abgeschlossen wurden.

Der Verein besaß damit 16.624 qm Eigentumsland. Um das Land zu erwerben, nahm der Verein ein Darlehen auf.

Das Vereinsvermögen setzte sich nun zusammen aus:

1.     dem Grundbesitz

2.     dem Inventar und

3.     dem jeweiligen Kassenbestand

 

Die Jahre nach der Inflation

Um das Darlehen zum Kauf des Eigentumslandes abzahlen zu können, wurde 1925 der Beschluss gefasst, dass jedes Mitglied des Vereins die Pflichtsumme von 200,00RM dem Verein zinslos zur Verfügung stellen muss.

Das löste manchen Kampf aus, denn diese Summe war für damalige Verhältnisse sehr viel Geld. Sie konnte in jährlichen Raten von 20,00RM abgezahlt werden. Bei Ausscheiden des Mitgliedes konnte der Betrag zurückgezahlt werden, sobald es die Geldmittel des Vereins gestatteten.

Im Jahre 1933 konnte die letzte Hypothek aus dem Kauf des Geländes gelöscht werden.

1928 wurde ein Vereinsheim anstelle der alten Schutzhütte errichtet. Es bildet den vorderen Teil (Gastraum) unseres Spartenheimes.

 

Zeit des Faschismus

1934 erhielt der Verein den neuen Namen:

„ Kleingärtnerverein „Erholung I“ e.V., Dresden Löbtau

In Dresden-Mickten hatte sich ein Verein ebenfalls den Namen „Erholung“ gegeben.

 

Die faschistische Zeit brachte neue Regelungen:

1.    Der Verein war nun Mitglied der Stadtgruppe Dresden und der Landesgruppe Sachsen im
    Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler e.V.
2.    Laut Satzung war die Nutzung des Kleingartens im Sinne der Verbundenheit von Blut und
    Boden als Grundlage für Staat und Volk zu gewährleisten.
3.    Der Vorsitzende wurde nun zum Vereinsführer. Er war alleiniger Vorstand und wurde vom
    Stadtgruppenführer berufen. Einen mehrgliedrigen Vorstand gab es nicht mehr. Der
    Vereinsführer bestimmte allein nach Anweisungen des Stadtgruppenführers. Lediglich die
    Mitgliederversammlung konnte mit Stimmenmehrheit entscheiden.
4.   Das Kleingartenwesen war nach Anweisungen des Reichsbundes nach dem Grundsatz
    „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ zu entwickeln.

 

1934 verschwand das sogenannte Gewerbeland an der Columbusstraße und hinter den Häusern der Wernerstraße mit seinen alten Schuppen und Gerümpelecken (Lumpenhandlung, Grabsteinfirma, Abstellen von Karussellwagen usw.) durch Anlegen weiterer Gärten. Dadurch wurde das Gesamtbild  der Anlage abgerundet und außerdem wertvolles Land gewonnen.

 

1937 wurde durch Errichtung einer neuen Abortanlage der Verbesserung der Gartenanlage weiterhin gedient und ein behördlicher Anstoß beseitigt.

Durch Einsatz des Arbeitsdienstes an 20 Arbeitstagen im Jahre 1938 wurden sämtliche Wege der Anlage mit Kies belegt.

 

Der Bezug einer Kleingärtner – Fachzeitschrift war Pflicht jedes Mitgliedes.

Für die Kleingärten wurden Inventarverzeichnisse verlangt.

 

1938 umfasste das Pachtland                 27.680 qm,

die Gesamtfläche der Anlage                 44.304 qm,

für Gebäude und Freiflächen fielen         3.104 qm

weg.

 

Zeit des 2. Weltkrieges

Der 2. Weltkrieg forderte auch unter den Vereinsmitgliedern seine Opfer.

Der Vereinsführer Herr Gola war SA – Führer und setzte auch in der Sparte die Politik der Nationalsozialisten durch. Gegen Ende des Krieges wurden einige Vereinsmitglieder verhaftet, weil sie im Garten Feindsender gehört hatten.

In unserer Sparte gab es auch einen illegalen Sender, der durch Verrat von den Nazis ausgehoben wurde.

Wieder übernahmen die Frauen und älteren Kinder die Bestellung der Gärten, weil der Vater an der Front oder im Krieg gefallen war.

Der Garten erhielt erneut die wichtige Aufgabe, für die Ernährung der Familien beizutragen, denn Lebensmittel wurden im Laufe des Krieges immer knapper. Sie waren auf Lebensmittelkarten erhältlich und deckten kaum den nötigsten Bedarf.

 

Die Bombenangriffe auf Dresden rissen auch in der Umgebung der Gartensparte Lücken in die Häuserzeilen, so auf der Columbusstraße. Die freien Flächen sind heute noch vorhanden.

Stark zerstört wurden auch die Kesselsdorfer Straße und die Löbtauer Straße. Das Löbtauer Rathaus an der Weißeritzbrücke und der bekannte „Dreikaiserhof“ waren nur noch Ruinen. Die Friedenskirche auf der Wernerstraße fiel ebenfalls den Bomben zum Opfer.
 
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