Iron Curtain Trail 
2. Teil Grünes Band: Oebisfelde - Dreiländereck

 

Donnerstag, 8.09.2010

6.  Etappe von Bad Königshofen nach Kronach

Zwangsgeräumte- und ausradierte Dörfer

Tageskilometer:

118

Tageshöhenmeter:

1300


Tagessattelstunden:

9

Tagesfotos:

64

Tourkilometer:

699

Tourhöhenmeter:

7502

Toursattelstunden:

55

Tourfotos:

346


Route:

Wetter:

Unterkunft

 Bad Königshofen - Bad Rodach - Neustadt bei Coburg - Kronach


Vorwiegend wolkig und trocken, prima Radelwetter

Jugendherberge
Festung Kronach

















Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass Bad Königshofen ein attraktives Städtchen ist. Ein schöner mittelalterlich anmutender Ortskern gruppiert sich um den gemütlichen Marktplatz.




Bei schönem Wetter fuhr ich durch leicht hügeliges Gelände, vorbei an Wiesen, Feldern und durch bis ich dann zum Bayernturm. Der Turm ermöglichte der Bevölkerung schon vor dem Ende der DDR eine Blick über die "Zonengrenze" nach Thüringen.















Dann war ich mal wieder an der ehemaligen Grenze, dokumentiert durch einen Gedenkstein, "Zur ewigen Mahnung an die Teilung des deutschen Vaterlandes", und einige Grenzzaunbauteile.












Der nächste erwähnenswerte Stein war dann der Grenzstein "Dreiländereck". Schon während der Fahrt dachte ich darüber nach, welche Länder denn wohl gemeint sein könnten. Mir fiel nur Bayern und Thüringen ein. Die Lösung des Rätsels: Thüringen, Oberfranken und Unterfranken. So sind sie halt, die Bayern, die sich hier Franken nennen. ;-)



























Der weitere Weg durch schön herausgeputzte thüringische und fränkische Dörfer wurde mir durch Hindernisse wie Brückenbaustellen (hier durfte ich nach zähen Verhandlungen über die Kanthölzer balancieren) und 27-Loch-Betonplatten doch ein wenig erschwert.





















Nur im thüringischen Landkreis Hildburghausen gibt es drei sogenannte Wüstungen. Hierbei handelt es sich um ehemalige grenznahe Orte, deren Bewohner zwangsausgesiedelt wurden. Die Gebäude wurden abgerissen, sofern sie für die Grenztruppen nicht nutzbar waren. Von Erlebach, wo ich als nächstes vorbeikam, blieb nur der Dorfteich übrig.





Wenige Kilometer weiter erreichte ich die Wüstung "Billmuthausen". Auch dieses Dorf ereilte das gleiche Schicksal. Einigen Einwohnern gelang es noch mit ihren beweglichen Gütern über die Grenze nach Bayern zu flüchten. Der Rest wurde ebenfalls zwangsumgesiedelt. Nur der Friedhof und das Trafohäuschen blieben letztendlich von Billmuthausen erhalten. Der Friedhof, weil sich die ehemaligen Bewohner standhaft gegen die Schleifung wehrten, das Trafohäuschen weil die Grenztruppen den Strom benötigten.







































Jetzt war es nicht mehr weit bis Bad Rodach. In diesem schmucken Städtchen machte ich Mittagspause. Bei dem schönen Wetter hatte ich die Gelegenheit, das Mittagessen im Biergarten einzunehmen. Es gefiel mir hier so gut, dass ich mich nur widerwillig zu Weiterfahrt aufs Rad schwang.























Trotzdem kam ich dann wieder in Schwung und durchfuhr weitere durchaus ansehnliche Dörfer. Riesige Autobahn- und Brückenbaustellen unterbrachen abrupt diese Idylle.






Reste der ehemaligen Grenzmauer, welche miten durch ein Dorf gebaut wurde erinnerte dann doch wieder an den Grund meiner Radtour.










Da passte ein weiteres geschleiftes Dorf gut in Programm. Liebau. Durch eine undichte Stelle in Regierungskreisen erfuhr der Bürgermeister am Vorabend von der geplanten Räumung des Dorfes. Über Nacht packten die Liebauer all ihr Hab und Gut und flüchteten über die noch durchlässige Grenze nach Bayern. Wenn man sich vorstellt über Nacht alles verlassen zu müssen, was einem ans Herz gewachsen ist--Schrecklich.






















Nur noch wenige Kilometer und mein Tagesziel Kronach war erreicht. Die mittelalterliche Stadt mit ihrer gewaltigen Festung war schon von weitem zu sehen. Ein Eindruck von der riesigen Festungsanlage bekam ich dann als ich in der weitläufigen Anlage die Jugendherberge, welche nur einen kleinen Teil der Festung ausmacht.
















Nachdem ich vom Abendessen aus der Festungsgaststätte zurück kam, wirkte das alte Gemäuer dann doch recht bedrohlich. Gut, dass ich mir einen Schwedentrunk mitgebracht hatte, um die Angst zu vertreiben. ;-)