Monumentale Erdwerke im Braunschweiger Land



Erdwerk von Wittmar. Die Umfassungsgräben zeichnen sich auf diesem Luftbild von Andreas Gruettemann vollständig als Bewuchsmerkmale ab.

Bildrechte: © Andreas Grüttemann, Braunschweig, 2011.



Das EWBSL-Projekt

Zwischen 1998 und 2009 wurde im östlichen Niedersachsen zwischen Braunschweig, Schladen und Schöningen eine außergewöhnliche Konzentration von jungsteinzeitlichen Erdwerken mittels Luftbildprospektion und Testgrabungen untersucht.

Seit 2008 werden auf dieser Website die wesentlichen Ergebnisse des EWBSL-Projektes (»Erdwerke im Braunschweiger Land«) zusammengefasst und neue Forschungsergebnisse vorgestellt. Verschiedene thematische Exkurse behandeln übergeordnete Fragestellungen.

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Erdwerken und ihrer Interpretation bietet die 2009 erschienene Abschlusspublikation des Projektes >.




Unter dem Begriff Erdwerk werden für die Epoche der Jungsteinzeit (Neolithikum) aus Gräben, Wällen und z.T. Palisaden bestehende Einhegungen verstanden. Ihr Nutzungszweck ist auch nach mehr als einhundert Jahren archäologischer Forschung noch nicht vollständig geklärt.

Erdwerke werden in Mitteleuropa vom Beginn des Neolithikums an (Linienbandkeramik, ab ca. 5300 v. Chr.) bis mindestens 3000 v. Chr. von unterschiedlichen Kulturen errichtet. Das architektonische Erscheinungsbild variiert dabei sehr stark: Die Größe schwankt zwischen 0,5 und 90 Hektar Fläche, mal handelt es sich um einfache Grabenringe, mal um komplexe Systeme aus bis zu 5 Gräben, Palisaden und aufwändigen hölzernen Torkonstruktionen.

Die größten Anlagen entstehen fast ausschließlich in der Zeit der Michelsberger Kultur zwischen 4200 und 3500/3300 v.Chr.; sie werden ab einer bestimmten Flächengröße und Grabenlänge als »monumentale Erdwerke« bezeichnet.

Ab 1998 führte eine intensive luftbildarchäologische Prospektion unter Leitung der Bezirksarchäologie Braunschweig Jahr für Jahr zur Entdeckung neuer Erdwerke im Arbeitsgebiet. Bisher konnten in dieser Region von nur ca. 600 Quadratkilometern Ausdehnung mehr als 30 Erdwerke bzw. Grabenanlagen lokalisiert werden. Etwa zwei Drittel aller Objekte zählen zur Gruppe der monumentalen Erdwerke, eine außergewöhnlich hohe Zahl. Die monumentalen Erdwerke des Braunschweiger Landes bilden zur Zeit die dichteste Konzentration dieses Bautyps im mittel- und westeuropäischen Raum. Angesichts dieser Ballung müssen die bisherigen Interpretationsansätze völlig neu überdacht werden.

Gleichzeitig mit der Prospektion aus der Luft wurden im Rahmen des EWBSL-Projektes an verschiedenen Erdwerken Testgrabungen mit dem Ziel vorgenommen, datierbares Material sowie erste Informationen über die Eigenschaften der Umfassungsanlagen zu gewinnen. Für fast alle Anlagen konnten darüber hinaus mithilfe entzerrter Luftbilder Grundrisse rekonstruiert werden, die weitergehende Aussagen zur Bauform ermöglichen. Begleitende naturwissenschaftlichen Untersuchungen wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Begriffsklärung >

 

Blick vom Erdwerk bei Groß Vahlberg auf Schöppenstedt und den Elm. Im Hintergrund die Emissionswolke des Kraftwerks Buschhaus bei Schöningen.

Bildrechte: © Dirk Fabian 2011.



Aktuelles


Letzte Site-Aktualisierung: 04.05.2016


05/2016  Download der Abschluss-Publikation

Dank des Entgegenkommens unseres Verlegers Dr. Bert Wiegel (VML Verlag Marie Leidorf >) können wir die als Print vergriffene Abschluss-Publikation des EWBSL-Projektes nun als Download zur Verfügung stellen. Sie finden den Link unten auf der Seite EWBSL-Projekt >.



11/2012  Erdwerk Eitzum: Zu Ende gebaut!

Im Verlauf des EWBSL-Projekts bestand bei zwei Erdwerken der Verdacht auf einen Abbruch der Bauarbeiten vor der Vollendung des jeweiligen Grabenrundes. Im Fall der Anlage von Jerxheim 8 stellte sich aber heraus, dass es sich bei dem vermeintlich unvollendeten Bauwerk um eine geologische Störung handelt der Fall wird hier > vorgestellt.
Beim zweiten Kandidaten, Eitzum (siehe auch Bild unten), schienen alle bisherigen Luftbilder für ein Abbrechen des Grabenverlaufes in beiden Richtungen zu sprechen. Störungen in der Bodenstruktur verhinderten jedoch eine endgültige Klärung (Geschwinde/Raetzel-Fabian 2009, 31ff., Abb.13). Eine neue Aufnahme von Andreas Grüttemann zeigt nun, dass sich die Gräben im Nordwesten der Anlage unmittelbar südlich eines Feldweges fortsetzen. Auch im Südosten scheint eine Fortsetzung von zumindest zwei Gräben in Richtung Waldrand vorhanden zu sein. Offen bleibt, ob der Außengraben im Süden der Anlage zur Ausführung kam. Möglicherweise schwenkt er hier leicht nach Süden aus und entzieht sich im Bereich einer Bodenwanne der Beobachtung.



07/2012  Exkurs: Luftbildauswertung - Erdwerk für 10 Minuten >



07/2012  Neue Entzerrung des Erdwerks von Wittmar >


 
12/2010  Bestattung der Baalberger Kultur bei Werlaburgdorf >.



08/2009  Monumentales Erdwerk bei Sambleben

Neue, durch Andreas Grüttemann erstellte Luftbilder bestätigen die bereits vermutete Zugehörigkeit des Doppelgrabensystems bei Sambleben zur Gruppe der monumentalen Erdwerke. Bisher war der Grabenverlauf nur im Osten des Erdwerks auf einer kurzen Teilstrecke dokumentiert; auf den neuen Bilder zeigt sich nun in 470 m Entfernung ebenfalls auf einem kurzen Abschnitt der westliche Teil der Umfassung.