1985.11 MC - Die Mikrocomputer-Zeitschrift #11

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Internationale Funkausstellung in Berlin


Bild 1. MSX-Computer von Philips
Sie fragen, weshalb mc darüber berichtet? Das kann ganz schnell beantwortet werden: Im Vorfeld der Messe ist bekannt gemacht worden, daß die Firmen, die zusammen den Standard MSX vertreten, MicroSoft Extended Basic, in Berlin einen neuen Anlauf nehmen werden um ihre Systeme in den Markt zu drücken. Außerdem gab es die eine oder andere Mikrocomputerfirma (vorzugsweise mit Produkten aus dem Heimbereich) die in Berlin ausstellen wollte, zum Beispiel die neu gegründete Firma Enterprise. Also gab genügend Anlaß, in Berlin die Szene in Augenschein zu nehmen.

Panasonic bringt beispielsweise einen Computer namens PX7 auf den Markt, der vor allem für den Heimbereich und dort wiederum auch zur Steuerung der etwa vorhandenen Audiovisionsgeräte über den I²C-Bus, den diese Geräte demnächst alle eingebaut haben werden, eingesetzt werden kann. Der Computer ist dabei in der Lage, seine Video-Bilder mit Video-Bildern aus einer anderen Quelle (Recorder zum Beispiel) zu mischen und ebenfalls die Töne. Computergesteuert kann man seine Video-Clips selbst konstruieren. In HiFi-Qualität. Reinrassiger Computer ist er natürlich auch.


Bild 2. BTX und Siemens mit Bitel
Zum Stichwort MSX: Philips hat sich auf MSX eingelassen. Es wurde eine ganze Palette von Computermodellen gezeigt, modern im Styling und solide in der Technik. Wenn diese Firma jetzt auch noch den Mut hätte, diese Computer breit anzubieten und etwas geschickter zu vermarkten als die Vorläufer der Heimcomputer bei Philips, dann kann aus MSX etwas werden. Es sei nochmals gesagt, daß MSX ein Computer- und Software-Standard ist, basierend auf Z80-Rechnern mit Farbgrafik-Controller (von Texas instruments), der für den gehobenen Heimcomputeristen interessant ist. In der Leistungsfähigkeit etwa vergleichbar mit dem C-64, in der Aufbaufähigkeit aber diesem weit überlegen und in der Programmierbarkeit (Benutzeroberfläche) ebenfalls glatter gestaltet, wird ein MSX-Gerät meist knapp unter 1000 DM gehandelt. Mit Steckmoduln wie früher bei Atari, können Spiele und Standard-Software-Komponenten eingebracht werden. Mit Floppy-Laufwerken. werden. die MSX-Computer CP/M-2.2-kompatibel. Es gibt aber auch ein eigenes MSX-DOS. Auf einer Pressekonferenz in Berlin betonten die MSX-Anbieter, daß der Standard laufend dem Fortschritt in der Computertechnik angepaßt wird. Zum Beispiel wird es ein mit MSX-1 kompatibles MSX-2 geben, daß verbesserte Grafik beherrscht und nun schon in der Grundversion die Darstellung von 80 Zeichen pro Zeile erlaubt. Darüber hinaus sind in 48 KByte ROM (bisher 32) viele zusätzliche Befehle enthalten. Es lohnt sich bestimmt, einmal im Kaufhaus oder anderswo ausgestellte MSX-Geräte auf ihre Leistungsfähigkeit hin anzuschauen.


Bild 3. Enterprise, neu auf dem Markt
Schneider war mit seiner ganzen Produktpalette auf der Funk-Ausstellung und hatte stets umlagerte Stände. Mancher Computeranbieter in der Bundesrepublik wäre froh, wenn er wüßte, weshalb Schneider so erfolgreich mit seinen Computern in den Markt eindringen konnte.

Die Firma Enterprise zum Beispiel bietet ebenfalls frisch aus UK auf den deutschen Tisch einen pfiffigen Z80-Computer gleichen Namens an, also einen Mitbewerber in der Home-Klasse. Farbe, Joy Stick sind eingebaut.

Im professionellen Bereich gab es die PCs vorzugsweise im Kommunikationswesen zu sehen. Siemens zum Beispiel verband seinen PC-D mit Bildschirmtext-Editier-Stationen, deren Informationen dann PC-gerecht dargestellt wurden. Es gibt eine Version des PC-D, die direkt am BTX-Netz arbeiten kann. Dafür gibt es einen Farbmonitor mit eingebautem BTX-Decoder.










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Ralf Gerhardt

Eigenwilliges Basic

Einsteiger-Erfahrungen mit dem Enterprise-128

Der Enterprise-128 ist ein Heimcomputer, der vor allem unter Computer-Neulingen Abnehmer finden dürfte. Wie ein Einsteiger mit diesem neuen Produkt auf dem Heimcomputer-Markt tatsächlich zurechtkam, schildert der folgende Bericht.

Da steht er nun, der schwarze Karton mit der einladenden Keyboard-Abbildung und dem Schriftzug „Enterprise One Two Eight". Mit diesem Rechner also soll mir der Einstieg in die Welt der Computer gelingen...

Zunächst einmal besteht die Schwierigkeit, aus den verschiedenen Einzelteilen eine Einheit zu schaffen und diese zum Leben zu erwecken. Vier Handbücher kommen in Frage, mir dabei zu helfen. Welches für diesen Zweck das richtige ist, bleibt auf Grund der einheitlichen Titelgestaltung vorerst unklar. Der Zufall muß weiterhelfen! Die Wahl fällt auf eine DIN-A4-Mappe, die sich prompt als ungeeignet erweist. Sie enthält eine Fülle von Daten über das Computersystem: Die Palette reicht von Anregungen für den Händler über die Beschreibung der Werbekampagne bis zum Hinweis auf einen „Enterprise-Club". Verwirrend an diesen Informationen sind für den Einsteiger vor allem zahlreiche Fachausdrücke und Abkürzungen wie „kompatibel", „TAB-setting", „RGB", usw. Mit der Bemerkung, daß an eine serielle Schnittstelle ein Drucker angeschlossen werden kann, läßt sich wesentlich mehr anfangen.


Cursor-Bewegung per Steuerknüppel: Der Enterprise-128 mit
128 KByte RAM und Z80-CPU
Das zweite Heft ist dann das richtige: der „Setting-up Guide", sowie das Lehrbuch und das Begleitheft zur Demonstrationskassette in Englisch. Da es sich aber um recht einfaches Englisch handelt, läßt sich mit dem Material gut arbeiten. Probleme treten jedoch beim Verbinden der einzelnen Elemente auf: Die mitgelieferten Kabel entsprechen nicht den Abbildungen im „Guide". Mit dem für den TV-Anschluß vorgesehenen Kabel lassen sich Keyboard und Monitor nicht verbinden, wohl aber mit einem, das in der Beschreibung gar nicht erwähnt wird. Auch das Verbindungskabel für den Kassettenrecorder stimmt mit der Skizze nicht überein: Die richtige Darstellung erscheint erst auf einer späteren Seite.

Mit Demo-Kassette

Zwar lassen sich Keyboard und Kassettenrecorder nun verbinden (das Symbol auf dem Bildschirm zeigt an, daß die Programme geladen werden), die Übertragung in den Computer gelingt mit diesem Gerät aber nicht. Erst die Verwendung eines anderen Recorders ermöglicht das Abspielen der Kassette. Um den Anschluß möglich zu machen, mußte das Verbindungskabel mit einem Cinch-Stecker für die Buchse des Recorders versehen werden.

Verwirrung dann beim Laden der Programme: Das „drawing pad" soll die Grafikmöglichkeiten des Computers demonstrieren. Ein „pen" kann laut Beschreibung durch das Drücken bestimmter Tasten zum Zeichnen benutzt werden. Aber nur eine dieser Tasten führt zu einer Veränderung auf dem Schirm. Schwierigkeiten gibt es auch beim Texteditor „Wordprocessor". Beim Einstieg in das Programm reagiert der Computer mit einer Fehlermeldung („ungültiges Datei-Format"). Zudem bereitet der Ausstieg aus dem Programm Schwierigkeiten. Daß dies schließlich durch Drücken der Funktionstaste 8 und „Enter" gelingt, ist eher zufällig als gewollt. Das letzte Beispielprogramm schließlich erscheint völlig verzerrt auf dem Bildschirm.

Didaktisches Handbuch

Viele Gedanken hat man sich bei Enterprise zum Handbuch gemacht. Das Buch ist didaktisch sehr gut gestaltet. Zu Beginn wird mittels eines Grafik-Programms versucht, beim Einsteiger die Lust auf mehr zu wecken. Beim Abtippen des Programms mußte ich jedoch feststellen, daß beim Drücken von Satzzeichen und den Buchstaben y und z auf dem Bildschirm etwas ganz anderes erscheint. (Der Grund ist, daß unser Testgerät zwar mit einem deutschen Betriebssystem, aber noch mit einer englischen Tastatur ausgerüstet war.) Dieser Mißstand blieb Ursache für zahlreiche Fehler beim Abtippen.

Was bei den Programmen auffällt, ist der große Anteil an Kommentarzeilen. Sie bestehen aus Bemerkungen zu den einzelnen Basic-Schritten und machen zum Teil die Hälfte des Programms aus. Die Tatsache, daß das Abtippen dieser Zeilen viel Zeit kostet, verführt dazu, sie einfach wegzulassen. Unerfreulich ist, daß mühsam eingetippte Programme zweimal durch Wackelkontakte am Netzteilstecker gelöscht werden.

Im Kapitel über „graphics" tauchen dann schwerwiegendere Probleme auf. Drei Programmbeispiele laufen nicht. Der springende Punkt ist dabei jeweils das £-Zeichen, das im deutschen Zeichensystem nicht vertreten ist. Die Annahme, daß das dafür erscheinende „§" dasselbe bewirkt, ist falsch. In einem späteren Kapitel wird beiläufig erwähnt, daß „£" durch # zu ersetzen ist. Erst jetzt kann eine ganze Reihe von Programmen zum Laufen gebracht werden. Solche Ungereimtheiten sind nicht gerade motivationsfördernd.

Eine ganze Reihe von Befehlen wird vom Computer nicht ausgeführt oder mit einer Fehlermeldung quittiert. Zum Teil war ich dafür allerdings selbst verantwortlich: So setzen zum Beispiel bestimmte Grafikbefehle die Anweisung „graphics" voraus, „video:" bewirkt nur mit Doppelpunkt etwas, die Anweisung „step x" versteht der Rechner ohne Leerraum nicht.

Zum Teil bleibt aber auch unklar, wieso die Maschine bestimmte Befehle nicht ausführen kann: Auf den Befehl „print usr (test, 2)" - als Ergebnis sollte die Ziffer 4 erscheinen - reagiert der Computer mit einer Fehlermeldung, auf „set ink red" folgt lediglich „ok"; „print store(6)" druckt nicht wie geplant eine gespeicherte Zahl aus.

Für Klarheit hätte des öfteren auch die Kenntnis der Fehlermeldungen und ihrer Bedeutung sorgen können. „Errors" werden aber erst in einem der letzten Kapitel besprochen.

Am Ende des Handbuchs befindet sich auch die „Reference Section". Hier werden alle Basic-Befehle zusammengefaßt. Dabei werden auch Anweisungen besprochen, auf die in den vorangegangenen Kapiteln nicht eingegangen worden war. Sie sind zum Teil nur unzureichend beschrieben, Beispiele fehlen: Befehle wie „image", „look", „line input" bleiben unklar.

Unüblicher Basic-Dialekt

Der Enterprise-128 ist insgesamt ein einsteigerfreundliches Computersystem. Insbesondere das Handbuch ist didaktisch gut durchdacht. Unnötige Fehler und vermeidbare Unklarheiten trüben aber das Bild. Enttäuschend ist schließlich, daß die erlernten (ANSI-)Basic-Befehle nicht auf andere Systeme angewandt werden können: Die von uns getestete Basic-Version meldet zwar alle Fehler in Deutsch, was recht außergewöhnlich ist, besitzt andererseits aber zahlreiche Befehle, die in ihrer Syntax vollkommen von der aller anderen marktgängigen Computer abweicht, was u. a. die Übernahme von Basic-Listings aus Büchern und Zeitschriften sehr erschwert.

Kurzdaten

CPU: ZB0A/4 MHz
RAM: 128 KByte, max. 4 MByte
ROM: 48 KByte (mit Basic-Cartridge und Exos-Betriebssystem)
Schnittstellen: Centronics-Druckeranschluß, RS-232 (V.24), Netzwerk, 2 Joystickports, 2 Anschlüsse für Kassettenrecorder, Schacht für 64 KByte ROM, 64poliger Bus (mit 22 Adreßleitungen)
Grafik: 672×512 Punkte, 256 Farbtöne
Tastatur: 69 Tasten ohne Druckpunkt, Cursor-Steuerung mit Hebel, 8 Funktionstasten
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