Bahnhof Ennepetal-Milspe

Das Bahnhofsgebäude in Ennepetal-Milspe ist Ausdruck für die Entwicklung der Verkehrs- und Wirtschafts-geschichte der Region und insbesondere der Stadt Ennepetal. Es dokumentiert eine frühe Phase des Eisenbahnbaus und lässt eine Entwicklung vom einfachen Stationshaus zu einem kleinstädtischen Bahnhof erkennen und nachvollziehen.

Zwischen dem schwierigen Streckenabschnitt Schwelm und Gevelsberg liegt der Bahnhof Ennepetal-Milspe (heute Ennepetal-Gevelsberg) nicht weit entfernt von dem als „Wunderbau“ bezeichneten Kruiner Tunnel, der zur Überbrückung des Zusammentreffens von Ennepe, Kölner Straße und der Bahnlinie dient.

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 Ansicht Milspe und Bahnhof um 1894 (Stadtarchiv Ennepetal)

Das Empfangsgebäude präsentiert sich heute im wesentlichen in seiner Erscheinungsform aus der Zeit 1898 bzw. 1908, nachdem in den Jahren vor 1885, 1898 und kurz nach 1900 entscheidende Um- und Anbauten vorgenommen worden waren.

Der Ursprungsbau stammt wohl aus der Zeit des Streckenbaus aus den Jahren 1846/47. Die Einmessung ins Kataster erfolgte 1851/52. Es handelte sich um einen einfachen eingeschossigen traufenständigen Baukörper über rechteckigem Grundriss. Er enthielt neben einem Büro für den Stationsvorsteher einen Wartesaal. Dieser ursprüngliche Kernbau steckt in dem heutigen mittleren Gebäudeteil und ist deutlich am Grundriss des Kellergeschosses abzulesen.

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 Bahnhof Milspe um 1900 (Stadtarchiv Ennepetal)

Als bereits 18 Jahre nach Eröffnung der Bergisch-Märkischen-Eisenbahnstrecke die Stationsgebäude auf den Bahnhöfen Schwelm, Milspe und Gevelsberg zu klein wurden, schrieb die Königliche Eisenbahndirektion 1865 die Arbeiten für Erweiterungsbauten aus. So entstand am Bahnhof Milspe von der Straße aus gesehen rechts, ein zweieinhalbgeschossiger giebelständiger Anbau. Er ist im Kataster von 1887/88 verzeichnet. Er enthielt im Erdgeschoss einen weiteren Wartesaal 3. und 4. Klasse und im Obergeschoss eine Wohnung für den Stationsvorsteher. Die Küche war in einem kleinen Anbau im Erdgeschoss untergebracht.

1898 erfuhr das Bahnhofsgebäude eine weitere entscheidende Veränderung mit der Überformung des ursprünglichen Stationsgebäudes. Der Plan hierzu wurde durch die Königliche Eisenbahndirektion in Elberfeld am 25.01.1898 aufgestellt . Er beinhaltet eine teilweise Aufstockung des alten Gebäudes sowie einen Vorbau zur Straße hin über vier Achsen sowie über die volle neue Geschosszahl.

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 Bahnhof Milspe mit 03 1073 Richtung Schwelm/Wuppertal (Stadtarchiv Ennepetal)

Sämtliche bis zu dieser Zeit errichteten und bis heute erhaltenen Gebäudeteile sind in Fachwerk gebaut. Ebenso zeigt der Bauplan von 1898 die noch heute vorhandene einheitliche horizontale Bretterverkleidung sowie eine senkrechte Verkleidung der Giebel.

Kurz nach 1900 wird das Bahnhofsgebäude um eine Schalterhalle mit Flur erweitert. Es handelt sich hierbei um einen eingeschossigen Anbau an das ursprüngliche Stationsgebäude von 1846/47.

Bis 1908 erfährt der Bau die letzten wesentlichen Veränderungen. Die Front zur Straße hin wird weitgehend begradigt, der Küchenanbau aus der Zeit von 1885 wird erweitert, so dass im Erdgeschoss eine Gaststätte ihren Platz findet. Bis auf kleine Veränderungen, wie dem Einbau einer Toilettenanlage, sind die Bauphasen um 1908 im wesentlichen beendet. Zu dieser Zeit stehen ebenfalls bereits die hölzernen Bahnsteig-überdachungen.

Der Bahnhof Ennepetal-Milspe mit seiner bewegten Baugeschichte gehört in seinen Ursprüngen zu den einfachen Stationshäusern wie sie zu Anfang der Eisenbahnära auf Durchgangsbahnhöfen gebaut wurden.


Quelle: Baudenkmäler in Ennepetal – Mit freundlicher Genehmigung Stadt Ennepetal


Schienenzeppelin in Milspe

1925 stellte Professor Franz Kruckenberg erstmals der Öffentlichkeit seinen revolutionären Plan eines Schienenzeppelins mit einigen Merkmalen der Luftfahrttechnik vor. Leichtbau und Antrieb durch einen Propeller am Heck des Fahrzeugs sorgten für eine futuristische Erscheinung.

Aber erst 1930 konnte er mit den ersten Bauarbeiten in einer Halle des Ausbesserungswerkes Hannover-Leinhausen beginnen. Anfang Mai 1931 begannen die geplanten Schnellfahrten und am 10. Mai 1931 fuhr der Schienenzeppelin auf der Strecke Plockhorst - Lehrte eine Geschwindigkeit von 205 km/h. 

Bei der Fahrt von Hamburg nach Berlin am 21. Juni 1931 erreichte der Schienenzeppelin die für damalige Verhältnisse sensationelle Rekordmarke von 230 km/h die noch 24 Jahre bestehen bleiben sollte.

Aufgrund dieses Erfolges fand eine Deutschland-Fahrt mit dem Schienenzeppelin auch durch das Ruhrgebiet statt. Von Berlin ging es über Magdeburg, Salzgitter, Kreiensen, Ottbergen, Altenbeken, Paderborn auch Richtung Hagen, Elberfeld, Barmen nach Düsseldorf. Die Presse kündigte entlang der Strecke den Schienenzeppelin an und es fanden sich  überall Schaulustige entlang der Gleise und auf den Bahnsteigen ein, so auch am Bahnhof Milspe.

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 Schienenzeppelin Bauart Kruckenberg durchfährt den Bf. Milspe am 26.6.1931 (Stadtarchiv Ennepetal)

Bleibt zu erwähnen, dass der Schienenzeppelin Anfang des Jahres 1934 letztmals umgebaut wurde und einen Motor vom Typ Maybach GO 5 erhielt. Im Juli 1934 war der Wagen letztmalig von Berlin nach Hamburg unterwegs und wurde im November des selben Jahres für weitere Versuchsfahrten für 10.000 Reichsmark an die Reichsbahn verkauft. Diese Fahrten fanden jedoch nie statt und der Schienenzeppelin wurde im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Berlin-Tempelhof abgestellt. 1939 war er so verrottet, dass keine museale Erhaltung mehr in Frage kam. Er wurde daher verschrottet.

Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie: wikipedia.org | Schienenzeppelin

 

Förderverein Bahnhof Ennepetal

Den Bahnhof Ennepetal (Gevelsberg) gibt es seit über 160 Jahren. Und das soll so bleiben. Der Förderverein Denkmal Bahnhof Ennepetal (Gevelsberg) e.V. setzt sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude ein. Informationen hier:

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Historische Aufnahmen des Bahnhofsgebäude im Einst&Jetzt Vergleich bitte hier klicken…

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