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Rezensionen und sonstige Kritik




1.

Jens Herzer bespricht den Aufsatz Eine echtheitskritische Frage zum Stil und Inhalt von 1Thess 1,5–8 (in: Peter Arzt-Grabner, Christina M. Kreinecker (Hg.), Light from the East: Papyrologische Kommentare zum Neuen Testament. Akten des internationalen Symposions vom 3.–4. Dezember 2009 am Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Universität Salzburg, Wiesbaden 2010, 91–113) in der Theologische[n] Literaturzeitung 136 (2011, 884) wie folgt:

Günther Schwab untersucht ‚Eine echtheitskritische Frage zum Stil und Inhalt von 1Thess 1,5–8‘ (91–113). Ein Vergleich dieses Textes mit 1Kor 1,4–9 führt aufgrund sprachlich-stilistischer Abweichungen zu der Vermutung, das Proömium des 1Kor könnte von einem Redaktor verfasst worden sein (100). Ein weiterer Vergleich mit Lk 1,1–4 stellt eine Affinität zur lukanischen Sprache fest und führt zu der in Frageform gekleideten These, dass ‚Lukas oder ein Lukaner der Autor von 1Thess 1,5–8 gewesen‘ sei (110).  Ohne dass dem Profil des Bandes entsprechend Papyrusdokumente eine Rolle spielen, [1*] wirft Schwab mit seiner Argumentation die grundsätzliche Frage auf, wie sich die Autorschaft eines neutestamentlichen Briefes oder Briefteiles zuverlässig begründen ließe. [2a*] Für deren Beantwortung Kriterien zu finden, dürfte jedoch schwierig sein, [2b*] da die Entstehungsprozesse der paulinischen Autographen nicht mehr nachvollziehbar sind.

Kommentar: Die Vermutung, dass das Proömium des 1Ko nicht schon der ursprünglichen Fassung des 1Ko angehört hat, sondern erst später von einem Redaktor eingefügt worden ist, habe ich nicht mit „sprachlich-stilistische[n] Abweichungen“ dieses Proömiums von 1Thess 1,5–8 begründet.  Vielmehr mache ich das Zusammentreffen der folgenden drei Umstände geltend: (1) die große sprachliche und inhaltliche Ähnlichkeit zwischen 1Ko,4–9 und 1Thess 1,2a; 5–8 (92–94); (2) die gegenüber jenen Versen des 1Thess gesteigerte Betonung der Perfektion der Gemeinde (94); (3) den seit der Antike den Exegeten Verlegenheit bereitenden inhaltlichen Kontrast zwischen dem Proömium des 1Ko und dem Rest dieses „Briefes“, worin „Paulus“ fortlaufend Fehler der Gemeinde rügt (93–101). 1Thess 1,5–8 passt inhaltlich (und sprachlich) bestens zum Rest des 1Thess, 1Ko 1,4-9 passt aber inhaltlich schlecht zum Rest des 1Ko. Ich schrieb (92–93):

 „Der Passus im NT, der den Versen 1Thess 1,2a und 1,4–7 sprachlich und inhaltlich insgesamt am nächsten steht, ist das Proömium des ersten Korintherbriefs. Setzt man die Integrität des 1Kor, gegen die viele Indizien sprechen, [Fußn.] nicht a priori voraus, ist die Möglichkeit ernst zu nehmen, dass 1Kor 1,4–9 eine redaktionelle Zutat ist, deren Vorlage die Verse 1Thess 1,2a; 1,4–5; 1,7; 1,10; 3,12–13; 5,23; 2,12d–f waren. [Fußn.] Diese Zutat stünde in enger Nachbarschaft zur ‚unzweifelhaft nachpaulinische[n] Erweiterung der Adresse in 1Kor 1,2.‘ [Fußn.] Der Grund für diesen Verdacht: Der 1Thess hat ein Vorwort, dessen Tenor gut zum Rest des Briefes passt. Beim 1Kor ist dies nicht bzw. erst nach einer angestrengten Exegese der Fall. [Fußn.] Dabei hat jeder Vers von 1Kor 1,4–9 eine inhaltliche und/oder sprachliche Parallele im 1Thess.“ 

Alle modernen Einleitungen und Kommentare behandeln die Echtheit der Sieben (= Rm, 1Ko, 2Ko, Gal, 1Thess, Php und Phm), als handle es sich um eine sichere, nicht zu hinterfragende Erkenntnis. Wenn „paulinisch“ in 2b* so viel wie „Paulus zu Recht oder zu Unrecht zugeschrieben“ bedeuten soll, begründet 2b* das Zugeständnis von 1*–2a*, dass die Echtheitsannahme nicht für zuverlässig begründet gelten kann. Das Urteil der sehr hohen Echtheitswahrscheinlichkeit war bei jedem der sieben „protopaulinischen“ Texte bislang nur eine übliche, nicht eine rational begründete Voraussetzung für die Kommentierung dieser Texte. (Die üblichen Echtheitsargumente sind hinfällig; siehe dazu bes. Halbband A, 33–39; 89–134; 152–156; 349–361, Halbband B, 21–64.)

Soll „paulinisch“ in 2b* für „von Paulus stammend“ stehen, enthält 2b* eine Petitio principii.

Unabhängig von Jens Herzers Aussageabsicht bleibt festzuhalten: (1) Es spricht nicht gegen Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer Frage, wenn ihre Beantwortung schwierig ist. (2) Es ist nicht die Raison d’être philologischer Echtheitskritik, „Autorschaft […] zuverlässig [zu] begründen“. Zu den a priori möglichen Untersuchungsergebnissen zählt auch, dass die paulinische Herkunft des ersten Thessalonikerbriefs oder eines anderen „protopaulinischen“ Textes zweifelhaft oder unwahrscheinlich genannt zu werden verdient. (3) Die Paulusbriefforschung vermag ihre Hypothese der hohen Echtheitswahrscheinlichkeit der „Protopaulinen“ nicht direkt zu verifizieren. Sie sollte sich an eine breit angelegte Untersuchung der Frage machen, ob und wie sich die Hypothese, jeder der sieben „protopaulinischen“ Texte gehe (von eventuellen kleinen Interpolationen abgesehen) mit (sehr) hoher Wahrscheinlichkeit auf Paulus zurück, vielleicht falsifizieren lässt. Dass es in der Vergangenheit vereinzelte Gelehrte wie Bruno Bauer, F.C. Baur, W.C. van Manen unternommen haben, einige oder alle diese Briefe als unecht zu erweisen; dass ihnen mehrere Gelehrte ablehnend geantwortet haben; und dass seitdem der Mainstream der Neutestamentler die Frage durch diese Ablehnungen für entschieden erachtet –: dies alles schließt nicht aus, dass es auf dem Gebiet der Echtheitskritik an den angeblich echten Paulusbriefen heute noch Gewichtiges zu entdecken gibt und dabei auch manche alte Argumente gegen die hohe Echtheitswahrscheinlichkeit dieser Texte entscheidend verbessert werden können. 



2.

John Paul Heil stellt die beiden Halbbände kurz in Theological Studies 73 (2012, 498) vor. 



3.

Den Aufsatz Eine echtheitskritische Frage zum Stil und Inhalt von 1Thess 1,5–8 bespricht Guillaume Tedeschi in Chronique d’Égypte 87 (fasc. 173, 2012, 197–200, 199):

G. Schwab („Eine echtheitskritische Frage zum Stil und Inhalt von 1Thess 1,5-8“, pp. 91-113), qui a par ailleurs remis en question l’attribution à Paul (souvent acceptée) de la Première Épître aux Thessaloniciens, en analyse ici le premier chapitre. L’auteur accepte le rapprochement entre les versets 2 et 4-7 et le début de la Première Épître aux Corinthiens, dont Paul est généralement reconnu comme l’auteur, mais il note que ce second passage présente l’Église de Corinthe d’une manière qui ne correspond pas au reste de la lettre, ce qui serait l’indice d’un ajout rédactionnel non paulinien. Il montre également la proximité entre I Thessaloniciens 1:5-8 et l’introduction de l’Évangile de Luc. L’auteur conclut que les trois passages (I Thessaloniciens 1:2-8, I Corinthiens 1:4-7 et Luc 1:1-4) sont fondamentalement lucaniens, tant sur le plan du fond que de la forme. Si le dernier mot n’a certainement pas été dit sur l’attribution à Paul de I Thessaloniciens, les parallèles proposés sont indéniables, et mériteront d’être pris en compte dans les prochaines études de cette question.


4.

Otto Zwierlein: Petrus und Paulus in Jerusalem und Rom: Vom Neuen Testament zu den apokryphen Apostelakten, Berlin, Boston 2013 (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte; 109), 134, Anm. 96 (Sperrung von ihm): 

Über Verfasser, Struktur, Gedankengang und umstrittene literarische Einheitlichkeit des Philipperbriefes unterrichten ausführlich U.B. Müller 5–16 und E[c]key 9–20. Schwabs Versuch, den Philipperbrief im Anschluß an F.C. Baur (Paulus, 2. Teil, 21867, 50–88) und andere einem späteren „pseudepigraphischen Imitator“ des Paulus zuzuschreiben (201–345), kann – trotz des umfangreichen Vergleichsmaterials, das gesammelt und analysiert wurde – nicht überzeugen. Die Schwierigkeit, beim Vorliegen sprachlicher Parallelen die Verlaufsrichtung der Imitation zu bestimmen, ist bekannt. Die unspezifische, beinahe beliebige Möglichkeiten durchspielende Verfahrensweise, mit der in dieser Arbeit die Abhängigkeit des Philipperbriefs von Kol, 2Thess, Röm, 1Thess, 1Kor, Apg und Gal (so die Reihenfolge der Untersuchung) wahrscheinlich gemacht und etwa S. 340–343 der Passus Phil 2,19–24 als ein „nachträglicher Einschub von ‘tritopaulinischer’ Hand“ (343) erwiesen werden soll, muß leider als unzulänglich beurteilt werden – selbst unter der Voraussetzung, daß im angekündigten 2. Band noch Vergleiche mit Phlm und 2Kor „nachgereicht“ (s. Anm. 354) und der im 1. Band im Vordergrund stehende „intertextuelle sprachliche Vergleich“ durch eine „intratextuelle Betrachtung des Inhalts“ (82) ergänzt werden wird. Die im folgenden zu besprechende Abhängigkeit Phil 2,16–18 / 2Tim 4,5–8 kommt bei Schwab nicht in den Blick.

14. April 2013:
Hierzu vorerst nur zwei Bemerkungen:

Ich vermute die Abhängigkeit des Kolosserbriefs vom Philipperbrief, nicht die des Philipperbriefs vom Kolosserbrief: Siehe Halbband A, S. 232, § 2.4.4. 

Bezüglich Php 2,19–24 siehe die Corrigenda zu den Seiten 340–343 des Halbbands A. Auf diesen Seiten hatte ich die andere mögliche Verlaufsrichtung der Imitation tatsächlich zu wenig bedacht.

1. Juni 2013:

1. Worauf sich Otto Zwierlein bezieht, wenn er das "[D]urchspielen" von "beinahe beliebige[n] Möglichkeiten" kritisiert, ist mir noch nicht ganz klar. Falls er mir auf meine Nachfrage antwortet, werde ich die folgenden Ausführungen wohl um einige Präzisierungen ergänzen können.

2. Deutlich ist, dass Zwierlein sein vorbehaltloses Vertrauen in die Echtheit des Philipperbriefs für wohlbegründet hält, meine Zweifel an der Echtheit für nahezu willkürlich begründet. Die Formulierung beinahe beliebig bedeutet so viel wie: nahezu völlig unzulänglich. Ich entnehme der Kritik die Hauptaussage, ich sei, von unwesentlichen Ausnahmen abgesehen, bei der Begründung meines Verdachts willkürlich vorgegangen. Die Verwendung des Wortes durchspielen in diesem Zusammenhang lässt den Begriff Spielerei assoziieren, und die Betonung (Spationierung) des Wortes Möglichkeiten fördert die Interpretation, es handle sich um bloße Möglichkeiten, für die nichts Bedenkenswertes spricht. Die Kommentarpartikel leider und die Agenslosigkeit im Hauptsatz unterstreichen zusätzlich die Aussageabsicht, dass bei objektiver Betrachtung an der Feststellung nahezu völliger Willkür kein Weg vorbeiführt.

3.  Die beanstandete „Beliebigkeit“ von Möglichkeiten ist bei mir allerdings dadurch eingeschränkt, dass es sich dabei (vorausgesetzt, ich interpretiere den Fokus von Zwierleins Kritik halbwegs richtig) um untergeordnete – und im Rahmen meiner Hypothese gleichwertige – Varianten einer einzigen, von der Bibelwissenschaft ohne zulängliche Gründe missachteten Möglichkeit (Hypothese) handelt, nämlich der, dass der (Haupt)autor des Philipperbriefs ein pseudepigraphisch schreibender Imitator war, welcher 2Thess, Rm, 1Thess, 1Ko, Apg und Gal kannte. Falls diese Hypothese zutrifft, wäre nicht zu erwarten, dass sich das literarische Vorgehen des Imitators Perikope für Perikope jedes Mal in allen Einzelheiten nachzeichnen lässt. Es muss unter der Imitations-Hypothese z.B. immer wieder offengelassen werden, ob ein bestimmter Passus des Philipperbriefs, der markante sprachliche oder sprachlich-inhaltliche Parallelen in zwei anderen der genannten Vergleichstexte hat, allein bzw. mehr von dem einen Vergleichstext oder allein bzw. mehr von dem anderen oder von beiden annähernd gleich stark beeinflusst worden ist. Ein Zeichen von Beliebigkeit wäre es, zwischen diesen Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen, obwohl sich Anhaltspunkte für diese Entscheidung nicht beibringen lassen.

4. Ein Vergleich: Bei Obduktionen geht es oft um die Entscheidung, ob die Verletzungen, die ein Leichnam aufweist, zu einer oder zwei der folgenden Möglichkeiten besser passen als zu der bzw. den anderen: Unfall ohne Fremdeinwirkung, Selbstmord, Tod durch Fremdeinwirkung. Hinsichtlich der dritten Möglichkeit wird weiter geprüft, ob die Merkmale des Leichnams eher auf Unfall durch Fremdverschulden oder auf ein Gewaltverbrechen deuten oder ob sie diese Entscheidung nicht zulassen. Angenommen, ein Gutachter begründet, warum er ein Gewaltverbrechen für gut möglich hält, und schildert anhand der Leichenmerkmale mehrere denkbare Varianten des Tathergangs. Für die alternative These „Es war höchstwahrscheinlich ein Unfalltod“ (oder gar: „Es war sicher ein Unfalltod“) könnte dann nicht als Argument geltend gemacht werden, dass der Gutachter nicht sagen kann, in welcher Reihenfolge der angenommene Täter dem Opfer die Verwundungen zugefügt hat, sondern verschiedene Szenarien für denkbar hält.  Ebenso wenig als Argument eignete sich sein Unvermögen, anzugeben, welche der schweren (und eng beieinanderliegenden) Wunden zum Tod geführt habe.

5. Das Vergleichsmaterial, das von mir gesammelt und analysiert worden ist, besteht aus neutestamentlichen Parallelen zum Philipperbrief. Eine Möglichkeit, das Zustandekommen mindestens des Großteils davon zu erklären, ist die Hypothese (H 1), dass Php, Rm, 1Thess, 1Ko und Gal von ein und demselben Autor stammen, während die Parallelen des Philipperbriefs zum 2Thess und zur Apg entweder auf Zufall bzw. einer den Urchristen gemeinsamen Ausdrucksweise beruhen oder darauf, dass die Autoren von 2Thess und Apg den Philipperbrief gekannt haben – oder darauf, dass teils Ersteres, teils Letzteres zutrifft.

6. Eine andere Erklärungsmöglichkeit ist die Hypothese (H 2), dass es sich mit dem Philipperbrief ganz ähnlich verhält, wie es für den Kolosserbrief bereits von vielen Paulusbriefforschern angenommen wird: Dass er im Wesentlichen aus einem pseudepigraphen Mosaik von assoziativ aneinandergereihten Reminiszenzen an andere „Paulusbriefe“ besteht.

7.  Der Kolosserbrief steht im begründeten Verdacht, pseudepigraph zu sein und literarisch unter anderem von Php, Rm, 1Thess, 1Ko und Gal abzuhängen (siehe Outi Leppä, The Making of Colossians: A Study on the Formation and Purpose of a Deutero-Pauline Letter, Göttingen 2003 (Publications of the Finnish Exegetical Society; 86) und Halbband A, 210–214; 225–232). Outi Leppä vermutet darüber hinaus auch eine literarische Abhängigkeit zwischen Apg und Kol und vermutet in der Apg den abhängigen Text. Ich habe die Gründe genannt, weshalb ich es für wahrscheinlicher halte, dass Kol von Apg abhängt (215–225, bes. 223 ff.).  

8.  Die Möglichkeit, dass der Philipperbrief von Rm, 1Thess, 1Ko, Gal und Apg literarisch und pseudepigraphisch vom Kolosserbrief abhängt, ist somit keine, deren Formulierung sich meiner Willkür verdankt. Es handelt sich um ein potentielles literarisches Szenario, für das es im NT mit dem Kolosserbrief sehr wahrscheinlich einen Präzedenzfall gibt. (Damit soll nicht gesagt sein, dass der Kolosserbrief älter als der Philipperbrief ist.) Außerdem ist ein unter einem Verfassernamen überlieferter Text bei einer echtheitskritischen Untersuchung ohnehin zunächst einmal so zu studieren, als wäre er anonym überliefert, und dasselbe gilt für die Vergleichstexte. Die vielen Parallelen des sogenannten Philipperbriefs zu den anderen sogenannten protopaulinischen Texten (und zur Apostelgeschichte) rücken dann neben der bisher von der Mainstream-Forschung stets favorisierten bzw. vorausgesetzten Möglichkeit, dass der Philipperbrief von derselben Hand wie die anderen "Protopaulinen" stammt, automatisch auch die bisher noch nicht gründlich erforschte Möglichkeit in den Blick, dass er von einer anderen Hand als jene stammt und von ihnen literarisch abhängt. 

9. Für H 1 habe ich nicht lediglich die auffällige, an einen Cento gemahnende Dichte von Parallelen zu 2Thess, Rm, 1Thess, 1Ko, Apg und Gal angeführt, sondern auch:

(a) Das Muster der Reihenfolge der Berührungspunkte von Römerbrief und Php 1,3–20 (siehe Halbband A, 248–268, bes. 263 ff.). Dieses wirkt auf mich weder zufällig noch so natürlich, dass es besser mit derselben Autorschaft als mit einer literarische Abhängigkeit der Verse Php 1,3–20 vom Rm erklärt zu sein schiene.

(b) Das Muster der Anordnung vieler Berührungspunkte von Philipperbrief und Galaterbrief (Halbband A, 316–328, bes. 317 f.) Dieses scheint mir ebenfalls eine literarische Abhängigkeitsbeziehung nahezulegen, auch wenn sich, soweit ich bisher sehe, aus diesen Parallelen allein keine Anhaltspunkte für die Beantwortung der Frage ergeben, in welche Richtung die vermutete Abhängigkeit verläuft.

(c) Die Möglichkeit, dass der Philipperbrief literarisch von der Apostelgeschichte abhängt (Halbband A, 303–314), was ihn (oder zumindest die betreffenden Passagen) der Unechtheit überführen würde. Warum mir diese Abhängigkeitsrichtung wahrscheinlicher vorkommt als die umgekehrte, habe ich unter anderem mit vier Stellen des Philipperbriefs begründet, an denen Ausdrücke verwendet sind, die in den restlichen „Protopaulinen“ nicht vorkommen, in der Apostelgeschichte aber zweimal bzw. dreimal, siebenmal, achtmal (S. 314):

·     {λαλέω + τὸν λόγον} in Php 1,14: achtmal in der Apg, nie in den übrigen „Protopaulinen“.

·     {ἐξαυτῆς + πέμπω} in Php 2,23: zweimal in der Apg, sonst nie im NT. Das Adverb ἐξαυτῆς ist schon für sich betrachtet typisch für die Apostelgeschichte: es steht dort insgesamt viermal, im restlichen NT dagegen nur noch einmal (Mk 6,25).

·     {κατά + νόμον} in Php 3,5: nie im übrigen Corpus Paulinum, dreimal in der Apg, dazu noch eine Variante in Apg 22,3.

·     {καταντάω + εἰς} in Php 3,11: siebenmal in der Apg, sonst im NT nur noch in Eph 4,13.

Zu bedenken ist hier auch: Die Anklänge der Apostelgeschichte an den Kolosserbrief, der von ihr wahrscheinlich literarisch abhängt (Halbband A, 215–225, bes. 223 ff.), betreffen durchweg Paulusreden der Apostelgeschichte. Die Anklänge der Apostelgeschichte an den Philipperbrief stehen fast alle im letzten Drittel der Apg und dort in – oder doch zumindest in engem Zusammenhang mitPaulusreden. (vgl. Halbband A, 312–313). Diese Beobachtung scheint mir ebenfalls in die Richtung zu weisen, dass der Philipperbrief ein literarisches Konstrukt ist, das ganz ähnlich wie der Kolosserbrief hergestellt wurde.

(d) Die Möglichkeit, dass der Philipperbrief literarisch auch von dem unechten zweiten Thessalonikerbrief abhängt, was den Philipperbrief (oder zumindest die betreffenden Passagen) der Unechtheit überführen würde. Meine Einschätzung, dass zwischen diesen beiden Texten eine literarische Abhängigkeitsbeziehung besteht, und dass die Priorität des 2Thess wahrscheinlicher als die des Philipperbriefs ist, habe ich ebenfalls nicht willkürlich in den Raum gestellt, sondern ausführlich begründet (Halbband A, 232–237; 241–248).

10.  Bei 1Thess und 1Ko (Halbband A, 268–289; 290–303) habe ich gezeigt, warum deren Parallelen zum Philipperbrief der Hypothese einer literarischen Abhängigkeit des Philipperbriefs von diesen beiden Texten zumindest nicht widersprechen. Dies reicht, um auch in Bezug auf diese Texte die Begründetheit meiner mit H 2 verbundenen Leitfrage zu belegen, unter die ich meine Philipperbrief-Studie gestellt habe (209):

 „Welche Merkmale der Berührungspunkte zwischen dem Philipperbrief und den übrigen „Protopaulinen“ (sowie des 2Thess und der Apg) geben jenen Bibelwissenschaftlern, die die Echtheit des Kolosserbriefs bezweifeln bzw. bestreiten, die Sicherheit, dass der Philipperbrief auf eine wesentlich andere Art als der Kolosserbrief abgefasst worden ist? Warum kann nicht ebenso gut der Philipperbrief von einem (bzw. mehreren) unbekannten Autor(en) stammen, der/die „paulinische“ Texte so gut wie auswendig im Kopf hatte(n) und seine/ihre Reminiszenzen assoziativ verknüpfte(n)? – Es geht im Folgenden also um die Widerlegung der Ansicht, die sprachlichen und inhaltlichen Gemeinsamkeiten, die der Philipperbrief mit den anderen „Protopaulinen“ hat, wiesen eindeutig auf die Echtheit des Philipperbriefs. Diese (von den meisten Bibelwissenschaftlern mindestens implizit vorausgesetzte) Eindeutigkeit ist nicht gegeben, und eben das wird jetzt aufgezeigt. Die Möglichkeit, als Ursache für das gesamte „protopaulinische“ Parallelenmaterial zum Philipperbrief einen einzigen Urheber dieser sieben Texte anzunehmen, bleibt davon unberührt und sei allen traditionell ausgerichteten Bibelwissenschaftlern ausdrücklich zugestanden. Wer jedoch zu einem philologisch abgesicherten Echtheitswahrscheinlichkeitsurteil über den Philipperbrief gelangen möchte, wird an einer gründlichen Auseinandersetzung mit all jenen Merkmalen, die zur gegenteiligen Möglichkeit passen oder diese sogar nahelegen, interessiert sein."

11. Die Parallelen von erstem Thessalonikerbrief und Philipperbrief deuten für die traditionelle Bibelwissenschaft auf die gleiche Autorschaft dieser beiden Schriften. Falls sie mit dieser Einschätzung recht hat, müsste m.E. in Zukunft schon allein aus diesem Grund die Echtheit des Philipperbriefs für fragwürdig gelten. Alle bisherigen Argumente für die Echtheit des 1Thess sind nämlich, wie in Halbband B (17–51; zum Argument, die Sprache des 1Thess sei paulinisch, ausführlich 51 ff.) nachgewiesen, Scheinargumente. Zugleich sind die Indizien für die pseudepigraphische Abfassung des 1Thess durch Lukas oder einen Lukaner zahlreich und in der Summe gewichtig (ebd., passim). 

12.  Falls es so wäre, dass die Indizien nichtig sind, aufgrund deren ich mich beim Vergleich des Philipperbriefs mit Rm, Apg und 2Thess jeweils für die größere Wahrscheinlichkeit der genannten Abhängigkeitsrichtung gegenüber der umgekehrten entschieden habe, wäre allein dadurch die Möglichkeit, dass sich die z.T. sehr markanten Berührungspunkte der Abhängigkeit des Philipperbriefs von diesen Texten verdanken, noch nicht unwahrscheinlich gemacht. Wer gegenüber dieser Möglichkeit an der Echtheit des Philipperbriefs vorbehaltlos festhält, den bitte ich die Verfahrensweise darzulegen, mit der er zur Erkenntnis gelangt ist, dass die vielen Berührungspunkte von Philipperbrief und Rm, 2Thess, 1Thess, 1Ko, Gal und Apg (nahezu) eindeutig auf die Richtigkeit von H 1 weisen.


9. Juni  2013

Am 3. Juni habe ich an Otto Zwierlein per E-Mail unter Hinweis auf diese Webseite die folgende Anfrage gerichtet:

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir auf die folgenden Fragen antworten. Zugleich bitte ich Sie um die Zustimmung zur Wiedergabe Ihrer Antwort auf meiner Website.  

1. Wäre für Sie, wenn der Philipperbrief anonym überliefert wäre, anhand seiner Parallelen zu Rm, 1Thess, 2Thess, 1Ko und Gal und angesichts der vermutlichen centoartigen Machart des Kolosserbriefs klar entscheidbar, dass es sich bei Php um einen Text desselben Autors handelt, der auch Rm, 1Thess, 1Ko und Gal verfasst hat? Wenn ja, woran? („Wenn wir keine Verfasserangaben zu den Thessalonicherbriefen hätten, würden wir sie kaum dem Paulus des Galater- und Römerbriefes zuschreiben“, urteilte der Neutestamentler J. Jervell 1998; vgl. Halbband A, 40).

2. Worin sehen Sie das stärkste Argument für die Orthonymität des Philipperbriefs? (Begründungen für die übliche Gewissheit, dass Php orthonym ist, sind in der modernen Fachliteratur selten anzutreffen, und wo doch, handelt es sich in der Regel um den Hinweis auf den allgemeinen Konsens und auf die angeblich gute Bezeugung des Php in der frühchristlichen Literatur.)

3. Was genau meinen Sie im Hinblick auf meine Seiten 207–328 (§§ 2.1 – 2.12) mit Ihrer Kritik, ich hätte beinahe beliebige Möglichkeiten durchgespielt?  

Er antwortete am 4. Juni sinngemäß, darüber nicht diskutieren zu wollen, weil er bald 74 Jahre alt sei und sich drängenderen Aufgaben widmen müsse. Die Thematik "Petrus und Paulus in Rom" sei für ihn abgeschlossen. 


5. 

Scott Charlesworth bespricht den Band: Peter Arzt-Grabner, Christina M. Kreinecker (Hg.): Light from the East. Papyrologische Kommentare zum Neuen Testament. […] Wiesbaden 2010 in Review of Biblical Literature 07/2013. Auf den Seiten 4–5  referiert er kurz den Aufsatz Eine echtheitskritische Frage zum Stil und Inhalt von 1Thess 1,5–8.


6.

David Trobisch bespricht die Echtheitskritische[n] Untersuchungen zu den vier kleineren Paulusbriefen. Teil 1 / Band 1 / Halbbände A + B  in Review of Biblical Literature 08/2013Aus dem Resümee:
  

Although Schwab achieved his goal of questioning interpreters’ uneasy consensus to treat Philemon, Philippians, Galatians, and 1 Thessalonians as authentic writings of Paul, more may be needed to change that prevailing assessment.



7.

Dirk Jongkind 

hat i

m Journal for the Study of the New Testament 35 (5), August 2013, p. 101 

 

die folgende Kurzbesprechung der beiden Halbbände veröffentlicht: 


[1*] In these wordy and somewhat meandering tomes the question of authenticity of Philemon, Philippians, Galatians and 1 Thessalonians is addressed. [2a*] For most of these letters the author's thesis is not primarily that they are inauthentic, [2b*] but that it is 

possible to raise serious doubts. [3a*] This is partly achieved by pointing out the element of uncertainty that remains in the arguments for the positive case, [3b*] but mostly by a close analysis of vocabulary, syntax and expressions. [4a*] Parallels in established non-Pauline letters (2 Thessalonians, Ephesians, Colossians, 1 Timothy, 2 Timothy, Titus) [4b*] but also in the other letters could indicate the source that might have provided an author with the material to forge a letter in Paul's name. [5*] Likewise, there are elements in Philippians that could indicate dependence on 2 Thessalonians and Acts. [6a*] The autobiographical section in Galatians might also be dependent on Acts, [6b*] and 2 Thessalonians raises the possibility that its pseudonymous author regarded 1 Thessalonians as a falsification. [7*] In a work of this length there is remarkably little attention given to the justification of method. [8*] Everything is possible, but when does something become likely? [9*] When are parallels accidental, when do they indicate a common author, when do they relate to borrowing? [10*] In addition, in a rather uncritical move, Schwab takes the text of NA27 as the source of his inquiry, but comparisons and scrutiny take place on such a detailed level that text criticism is important. [11a*] Hidden in the introduction is an interesting discussion of levels of authenticity, [11b*] making a distinction between authentic material in its unaltered form and [11c*] authentic material that has been brought together into a new work, [11d*] which can hardly be called a falsification.

25. Oktober 2013:

Jongkinds Rezension enthält eine Reihe irreführender Aussagen:

1.  3a* klingt, als wären auch in meinen Augen die bisherigen Echtheitsargumente stark, nur eben nicht so stark, um stringent genannt werden zu können; d.h.,  als begnügte ich mich bei der Besprechung der Echtheitsargumente damit, das Fehlen einer letzten Sicherheit zu betonen. So entsteht der falsche Eindruck, meine Bewertung dieser Argumente decke sich im Resultat mit der herkömmlichen apologetischen; abweichend davon sei lediglich meine Fokussierung auf das kleine Restrisiko. In Wirklichkeit halte ich alle bisherigen Echtheitsargumente teils für sehr schwach, teils für völlig gewichtlos (cf. die Einleitung in A (11–83) und bes. A 96–167; 349–361; B 21–64). 

2.  4* erweckt den falschen Eindruck, als liefe meine These hauptsächlich (cf. "mostly" in 3b* und die Voranstellung der "established non-Pauline letters" vor "the other letters" in 4*) darauf hinaus, die bisherige Ansicht, dass die sogenannten protopaulinischen Texte Phm, Php, Gal und 1Thess älter als die sogenannten deuteropaulinischen sind, sei genau verkehrt: In Wirklichkeit seien Texte wie der Epheserbrief, Kolosserbrief und die Pastoralbriefe älter als Php, 1Thess und Gal. Dass ich in Wirklichkeit diese Meinung so gut wie gar nicht teile, geht z.B. aus den Seiten A 82 (Überblick) und 225–232 (Begründung der These, dass Kol literarisch eher von Php abhängt als umgekehrt) hervor. Eph halte ich für jünger als Kol;  keine Stelle in meinen Büchern kann das Gegenteil suggerieren. Auch habe ich nirgends angedeutet, ich würde zur Ansicht neigen, Eph, Kol und die Pastoralbriefe seien älter als 1Thess oder der in Kapitel 3 behandelte autobiographische Teil des Gal. Ich neige zur gegenteiligen  Ansicht.  Ein Großteil von Jongkinds Lesern aber wird aus seiner Rezension zur Voreinschätzung kommen, meine Methode bestehe hauptsächlich darin, so gut wie alle etablierten Meinungen über die relative Chronologie dieser Texte einfach auf den Kopf zu stellen, und für dementsprechend abwegig und uninteressant  werden sie die rezensierten Bücher halten.

3.  6b* ist die einzige Aussage, die sich allein auf das vierte und letzte Kapitel meiner Untersuchungen, d.h. auf den Inhalt von Halbband B bezieht (5* bezog sich auf das zweite Kapitel, 6a* auf das dritte; beide stehen in Halbband A). In diesem vierten Kapitel möchte ich (wie man bereits auf der Rückseite des Bucheinbands lesen kann) zeigen, dass es eine Fülle von Indizien dafür gibt, dass 1Thess vom dritten Evangelisten (oder einem seiner Schüler) verfasst worden ist. Diese Indizien stelle ich auf den Seiten 66–329 vor. (Das Buch hat ohne die Bibliographie 370 Seiten). Offenbar verstieß es gegen Jongkinds wissenschaftliches Gewissen, diese These bekannt zu machen. Er zog es vor, seinen Lesern zu suggerieren, Halbband B widme sich hauptsächlich dem Verhältnis von 2Thess zu 1Thess. Darum geht es dort zwar auch, aber nur auf den Seiten 25–30.  


4.  [7*] "In a work of this length there is remarkably little attention given to the justification of method." Dieser Satz ist zunächst einmal deshalb irreführend, weil die Methode, mit der die Paulusbriefforschung ihre Echtheitsurteile über Phm, Php, Gal und 1Thess gerechtfertigt hat, mit im Zentrum meiner Untersuchungen steht und darin kontinuierlich kritische und detaillierte Beachtung findet; cf. insbes. die Seiten 14–19; 33–39 („Die äußere Bezeugung der „Protopaulinen“ als Scheinargument für ihre Echtheit“) und 41–75 („Der Umgang der Einleitungswissenschaft mit dem Prinzip des wissenschaftlichen Zweifels“) der Einleitung (A); und im Kapitel zum Phm bes. die Seiten 90–131 und den Vergleich der Parallelen des Phm zum Kol (135–152). Dort schließe ich mich der Frage von E.P. Sanders an: „The question is, what is the significance of such parallels“, und zeige, dass die Paulusbriefforschung sie nicht ergebnisoffen beantwortet, sondern die Abhängigkeit des Kol vom Phm vorausgesetzt hat. Und ich behaupte nicht einfach, sondern begründe, warum die Abhängigkeitsrichtung zwischen Kol und Phm keineswegs so eindeutig ist, wie es gemäß der vorherrschenden Echtheitssicherheit der Fall sein müsste.

Spätestens die Worte, die auf S. 89 meiner Untersuchung des Philemonbriefs voranstehen, müssten Jongkind bewusst gemacht haben, dass es im Folgenden um das Problem der Rechtfertigung seiner einleitungswissenschaftlichen Methode geht: 
  
"Die folgenden Ausführungen widmen sich dem Problem der Zuverlässigkeit einer bestimmten Aussage  über den Philemonbrief, die sich schon im Philemonbrief findet: Dass dieser Text vom Apostel Paulus stamme. Die Beschäftigung mit dieser Frage hat mich zur Ansicht geführt, dass die heutige allgemeine Sicherheit, der Philemonbrief sei echt, nicht zulänglich begründet worden ist. Eben dies – und nicht etwa die Unechtheit des Philemonbriefs – ist das Beweisziel der vorliegenden Untersuchung. Der Philemonbrief kann echt sein. Eine rationale Rechtfertigung des Echtheitswahrscheinlichkeitsurteils steht aber noch aus."  (A 89; cf. 79).


Im Unterschied zu Jongkind vertrete ich bezüglich des Philemonbriefs und der übrigen "Protopaulinen" keine Gewissheit. Meine Methode, mit den herkömmlichen dezidierten Echtheitsurteilen über diese Schriften umzugehen, besteht darin, nach ihrer Begründung zu fragen. 

Anscheinend hält Jongkind es für die klügste Reaktion, sich im Blick auf seine eigene Position und Methode weiterhin kein Problembewusstsein anmerken zu lassen und meine Zweifel und kritischen Anfragen pauschal als zu wenig methodisch gerechtfertigt auszugeben.


 

Meine Zweifel an der Echtheit des Phm habe ich unter anderem mit den Nachweisen gerechtfertigt, dass die Namen "Philemon" und "Onesimus" sowie der Inhalt des Briefes allegorisch ausdeutbar sind, und dass der Parallelenbefund mindestens so gut zu einer literarischen Abhängigkeit des Phm von Kol passen würde als zu der Abhängigkeit des Kol von Phm (letztere nehmen viele Mainstream-Forscher an).


Diese Nachweise hätten als Rechtfertigung meines Echtheitszweifels ausgereicht. Darüber hinaus habe ich auf vier Seiten (A 140 ff.) am Wortlaut von Phm 6 begründet, weshalb mir der Parallelenbefund, der sonst keinen Hinweis auf die Abhängigkeitsrichtung gibt, mir hier doch etwas stärker auf die Abhängigkeit des Phm vom Kol zu deuten scheint als auf die umgekehrte. Phm 6 zeigt als einziger Vers des Phm den für den Kol typischen Stil, und zugleich wird der Sinn der dortigen dunklen und vieldiskutierten Formulierung  παντὸς ἀγαθοῦ durchsichtig, wenn man den in mehrerlei Hinsicht parallelen Vers Kol 1,10 mit seiner Formulierung ἐν παντὶ ἔργῳ ἀγαθῷ zur Erläuterung heranzieht. 


Nun wäre es an Jongkind und seiner Disziplin, in Hinblick auf diese Parallelen zu erklären, wie sie Frage 8* dahingehend beantworten können, dass die mögliche Unechtheit des Phm als ungleich unwahrscheinlicher denn seine Echtheit zu beurteilen ist.


Mein Kapitel zum Philipperbrief richtet an die herkömmliche Paulusbriefforschung und somit auch an Jongkind die Frage:


„Welche Merkmale der Berührungspunkte zwischen dem Philipperbrief und den übrigen „Protopaulinen“ (sowie des 2Thess und der Apg) geben jenen Bibelwissenschaftlern, die die Echtheit des Kolosserbriefs bezweifeln bzw. bestreiten, die Sicherheit, dass der Philipperbrief auf eine wesentlich andere Art als der Kolosserbrief abgefasst worden ist? Warum kann nicht ebenso gut der Philipperbrief von einem (bzw. mehreren) unbekannten Autor(en) stammen, der/die „paulinische“ Texte so gut wie auswendig im Kopf hatte(n) und seine/ihre Reminiszenzen assoziativ verknüpfte(n)?" Weiter schrieb ich: "Es geht im Folgenden also um die Widerlegung der Ansicht, die sprachlichen und inhaltlichen Gemeinsamkeiten, die der Philipperbrief mit den anderen „Protopaulinen“ hat, wiesen eindeutig auf die Echtheit des Philipperbriefs. Diese (von den meisten Bibelwissenschaftlern mindestens implizit vorausgesetzte) Eindeutigkeit ist nicht gegeben, und eben das wird jetzt aufgezeigt.

Die Möglichkeit [cf. Jongkinds Vorhaltung 8*!], als Ursache für das gesamte „protopaulinische“ Parallelenmaterial zum Philipperbrief einen einzigen Urheber dieser sieben Texte anzunehmen, bleibt davon unberührt und sei allen traditionell ausgerichteten Bibelwissenschaftlern ausdrücklich zugestanden." (A 209)

Weil Jongkind in seiner Rezension nicht durchblicken lassen wollte, dass meine Ausführungen zum Php gerade dazu dienen, seinem Fach bezüglich der Parallelen zu den anderen "Protopaulinen" sowie zu Kol, 2Thess und Apg die Fragen 8*–9* zu stellen, suggeriert er seinen Lesern, ich hätte der in 8*–9* angesprochenen Problematik "bemerkenswert wenig Aufmerksamkeit" gewidmet. 

( Jongkinds Bestreben, ‚den Spieß einfach umzukehren‘, also meine Kritik, die etablierte Paulusbriefforschung habe die Echtheitsfrage der "Protopaulinen" unkritisch behandelt, einfach mit "Selber unkritisch!" zu entkräften, zeigt sich in dem Vorwurf, ich hätte meinen Forschungen die (damals) neueste kritische Ausgabe des Neuen Testaments (NA27) zugrunde gelegt. Auf diesen  Vorwurf werde ich mich erst einlassen, wenn der, der ihn erhebt, konkret gezeigt  hat, dass und wo NA27 einen unwahrscheinlichen Wortlaut druckt [warum Letzteres meiner Ansicht nach in 1Thess 2,7c der Fall ist, habe ich in B 203, Anm. 838 begründet; cf. B 15] und inwiefern meine Übernahme dieses Wortlauts den Beweiswert meiner Indiziensammlung nennenswert beeinträchtigt.)

Ähnlich wie bei meinen Argumentationen zu Phm und Php steht es mit meinen Ausführungen  zu der „autobiographischen“ Schilderung des Galaterbriefs; sie konfrontieren den Leser mit der

 "Frage, woran sich erkennen lässt, dass sie nicht von der Apostelgeschichte abhängt. Das Paulusbild der Apg könnte das Angriffsziel des Autors gewesen sein." (A 79) 

Zur Rechtfertigung dieser Frage ist dem Kapitel Folgendes zu entnehmen: Die Fülle, Reihenfolge und Spezifität (cf. A 404–405) der sprachlichen, inhaltlichen und sprachlich-inhaltlichen Parallelen zwischen Galaterbrief und Apg spricht gegen Zufall, nötigt vielmehr zum Verdacht auf ein literarisches Abhängigkeitsverhältnis. Aufgrund ihrer oft gegenläufige inhaltliche Tendenz (cf. A 405) sowie der unterschiedlichen Theologie des Paulus der Apg und des Paulus des Gal können diese Parallelen nicht gut mit gleicher Autorschaft erklärt werden. Weil  der Autor von Gal 1–2,16 viele Affirmationen der Apg negiert, und zwar meist in derselben Reihenfolge, in der sie in der Apg begegnen, hängt eher Gal 1 – 2,16 von Apg als umgekehrt. "Ockhams Rasiermesser" und einige in Gal 1 – 2,16, aber nicht in den übrigen "Protopalinen" begegnende Lukanismen (cf. A 405–406 [und die Corrigenda auf dieser Website]) lassen mir auch die Möglichkeit zweifelhaft erscheinen, Apg und Gal 1 – 2,16 hingen gemeinsam von einer dritten Quelle ab (A 406).  

Im Kapitel zum ersten Thessalonikerbrief stelle ich hinsichtlich der Parallelen zwischen 1Thess und Lk/Apg  die folgenden Fragen:

 "I.Stünden mehr oder andersartige Textmerkmale als die aufgezählten zu erwarten, hätte der (Haupt)verfasser des lukanischen Doppelwerks eine oder mehrere „paulinische“ Vorlagen benutzt, um die jeweils in Rede stehende Perikope des 1Thess zu verfassen? 

II: Angenommen, der 1Thess wäre anonym überliefert oder hätte im Urchristentum allgemein als Text des Lukas gegolten, den er für ein geplantes Werk über Pauli pastorale Praxis verfasst hatte: Aus welchen sprachlichen Merkmalen und Aussagen des 1Thess müsste man trotzdem schließen, dass die Verfasserschaft des Lukas unwahrscheinlich und die des Paulus viel wahrscheinlicher ist?" (B 137)

 Der Grund, warum die sprachlichen, inhaltlichen und sprachlich-inhaltlichen Parallelen zwischen dem ersten Thessalonikerbrief und Apg schlecht mit Zufall erklärt werden können, sondern den Verdacht auf ein literarische Abhängigkeitsverhältnis nahelegen, ist wiederum ihre Fülle, ihre Reihenfolge und ihre differenzierte Struktur (Spezifität). Der Grund, warum, wenn es sich beim Autor der Apg und beim Autor des 1Thess um zwei verschiedene Autoren handelt, viel eher  1Thess von Apg abhängt als umgekehrt, ist, dass es sich bei den meisten Parallelen um dezidierte Lukanismen und lukanische Anklänge handelt (meistens ohne Entsprechung in den übrigen "Protopaulinen"), während "Paulinismen" auch in einem unechten Paulusbrief zu erwarten sind (cf. B 53; 110–111; 329 ff.).  Der Grund, warum ich bei 1Thess und Apg gleiche Autorschaft für wahrscheinlicher als verschiedene Autorschaft & Abhängigkeit des 1Thess von Apg halte, liegt darin, dass es sich bei den Parallelen eben nicht nur um Wörter und Wendungen handelt, sondern oft um eigentümliche, weder in den anderen "Protopaulinen" noch bei den Synoptikern begegnende syntaktische Strukturen, und zwar auch dort, wo die Thematik, von der die verglichenen Sätze handeln, unterschiedlich ist (cf. B 136 und die dortigen Verweise; oder B 158 ff.)


5.  Die Formulierung 11d* schließlich ist geeignet, den Lesern zu suggerieren, ich würde im Falle einer Zusammenfügung von authentischem Material in eine neue Form schlicht von Fälschung sprechen, was den Eindruck verstärkt, meine Vorgehensweise zeichne sich durch Undifferenziertheit und den Hang zu extremen Bewertungen aus. In Wirklichkeit spreche ich in dem von Jongkind gemeinten Fall nicht von Fälschung, sondern von "Echtheit zweiter Klasse":

„Verschiedene Texte eines Autors, oder Texte verschiedener Autoren, können von fremder Hand zur vorliegenden scheinbaren Einheit verbunden worden sein. Ersterer Fall ist jener, den manche Forscher beim 2Ko und Php, seltener beim 1Ko annehmen: Alle Teile des jeweiligen Briefes, von allfälligen kleinen Einschüben abgesehen, gingen auf Paulus zurück und seien insofern authentisch. Sie behandeln jeden dieser drei „Briefe“ wie eine reaktionelle Sammlung echter Briefe oder Briefexzerpte, die, obgleich 1Ko, 2Ko und Php dann in ihrer tradierten Gestalt nicht wirkliche Briefe gewesen wären, nicht das Prädikat ‚unecht‘ verdiene. Auch ich vermeide es, in Bezug auf diesen Fall von ‚Unechtheit‘ zu sprechen; es handelt sich dabei sozusagen um eine ‚Echtheit zweiter Klasse‘.“ (A 76)


6. Drei seiner irreführenden Aussagen(teile) hat Jongkind also in einer Weise formuliert, dass sie für sich betrachtet richtig sind; zu Irreführungen werden sie durch den Kontext:  

a) Es ist richtig, dass (für die überwiegende Mehrheit der heutigen akademischen Paulusbriefforscher) "2 Thessalonians, Ephesians, Colossians, 1 Timothy, 2 Timothy, Titus" zu den "established non-Pauline letters" gehören (4a*). Nun ist aber  Jongkinds Rezension in einer Fachzeitschrift erschienen; ihre Leser gehen davon aus, dass Jongkind davon ausgeht, dass seine Leser keine detaillierte Erläuterung darüber benötigen, welche Briefe heute gemeinhin zu den pseudepigraphen Paulusbriefen gerechnet werden. Dass sich Jongkind in einer sehr kurzen Rezension trotzdem den Raum nimmt, die sogenannten Deuteropaulinen einzeln aufzuzählen, wird also, muss der Leser vermuten, nicht etwa damit zu tun haben, dass Jongkind glaubt, ihn mit dem heutigen Forschungsstand vertraut machen zu müssen, sonder damit, dass eben laut Schwabs These alle genannten Briefe als Vorlagen für Phm, Php, Gal und 1Thess zu verdächtigen seien. 

4* wäre übrigens auch dann eine Irreführung, wenn sich der Satz ursprünglich allein auf mein Kapitel zu Phm hatte beziehen sollen (da 5*–6* von Php, Gal und 1Thess handeln, könnte es sein, dass Jongkind in 4* eigentlich nur von jenem Kapitel hatte sprechen wollen und es zum jetzigen Wortlaut aus einem Versehen gekommen ist): Nirgendwo äußere ich den Verdacht, dass Phm von Eph, 1Tim, 2Tim oder Tit abhängt (und die Möglichkeit, dass Phm von 2Thess abhängt, erwähne ich nur einmal am Rande (A 117)). 

b) 6b* ist für sich betrachtet eine zutreffende Aussage — in dem Sinn, dass sie sich in der rezensierten Publikation findet; aber siehe das oben unter Punkt 3 Bemerkte. 

c) 11d* "
which can hardly be called a falsification"
 mag, wenn man vom Kontext abstrahiert und diesen Nebensatz nur auf 11c* bezieht, für richtig gelten. Da 11d* aber das Schlusswort einer Rezension ist, wird der Leser fälschlich annehmen, das rezensierte Werk spreche in dem in 11c* genannten Fall von einer "falsification" (siehe oben, Punkt 5). 

Jongkind hardly was unaware of the fact that in reviews the expression „can hardly be called“ (11d*) is a common element of a critical remark by the reviewer. For example, he himself, in another review, likewise uttered his dissent by means of the expression „can be hardly called“:

„This overview of the usage of αὐτος is good, by the way, but I am just wondering if clarity is really served when the emphatic usage is illustrated by the two subcategories „divine αὐτος“ and „christological αὐτος“; these can be hardly called syntactical categories any longer.“ Dirk Jongkind, Review of Lino Cignelli and Rosario Pierri: Sintassi di greco biblico (LXX e NT), Quaderno 1.A: Le concordanze. Jerusalem: Franciscan Printing Press, 2003, in: RBL 06/2004, p. 3 ( < http://www.bookreviews.org/pdf/3205_3587.pdf >).

Since Jongkind’s sentence „Hidden in the introduction [etc.]“ (11*) is preceded by critical remarks, and since he already has pointed out that my method doesn’t come up to his critical standards, readers will all the more be tempted to believe that he wrote the words „which can hardly be called a falsification” (11d*) in order to express criticism. This means that they will be tempted to believe that I call, or tend to call, the bringing together of authentic material into a new work falsification. In the best case, the reviewer’s wording will leave readers in doubt about my stance in this matter. But t
he passage Jongkind is referring to makes it clear enough that I don’t call the aforesaid literary procedure a falsification (see above, point 5).  

If we suppose that Jongkind really intended to inform his readers unambiguously that I do not speak of falsification in this case, the question arises: Why should he have wanted to end his review with this piece of information? Isn’t my not using the term "falsification"  for this kind of hypothetical redaction an outright negligibility – as compared, for example, with the main content of half-volume B, which Jongkind didn’t make mention of (see # 3 above)?  Isn’t 
my not using it
 an outright triviality, especially since the many proponents of partition–theories likewise don’t call such kind of hypothetical redaction a falsification?  
Fitting Jongkind’s preceding insinuation that my investigations suffer from methodological capriciousness, readers of his review will therefore tend to think that the reviewer wants to convey the nontrivial information that I hypercritically spoke of falsification even in the ‚harmless‘ case mentioned in 11c*. Thus, this type of misleading the readers is analogous to that in 4a*.


8
.

In his book Early Christianity in the Lycus Valley (Leiden, Boston 2013), Ulrich Huttner engages with my investigation on Philemon and its possible dependence on Colossians in a brief and simple way.  He first states the lack of a “cogent historical explanation for the background or cui bono of a fictive Epistle to Philemon“ (81): 

81: "It is generally assumed that two epistles of the Pauline corpus were addressed to Colossae, namely the Epistle to Philemon and the Epistle to the Colossians. The church of Colossae is mentioned (alongside Laodicea and Hierapolis) only in Colossians; there is no place name in Philemon, but the epistle mentions a whole series of people who also appear in Colossians. In addition, the commentary of Theodoret on the Epistle to Philemon points to a living tradition in Late Antiquity that localized Philemon in Colossae: his house could even still be seen there. Initially, then, there can hardly be any doubt that Philemon lived in Colossae. Nevertheless the observation that Pauline authorship of Colossians must be rejected on the basis of numerous philological and theological arguments creates a delicate problem. This problem goes hand in hand with the difficulty of determining the Sitz im Leben 

of Colossians and using it in turn to determine the position of the Epistle to Philemon. – Quite recently, furthermore, Günther Schwab’s dissertation has challenged the consensus of New Testament scholarship, using detailed analysis of the Greek of the Pauline corpus to emphasize the insufficient evidence for the authenticity of the Epistle to Philemon and even raising the possibility of its dependence on Colossians. But there is no cogent historical explanation for the background or cui bono of a fictive Epistle to Philemon [fn. 6], so that it probably retains its place among the proto-Paulines."



Then he brings forward allegations which exactly correspond to the consensus opinion challenged by me, so as if those allegations were "cogent" arguments against both my general and my concrete reasons for doubt:


81–82, fn. 6: "Schwab 2011, pp. 152–156 suggests reading the epistle as an exhortation to wealthy members of the Christian community to lend support (including material support) to the | [82:] church authorities. But the case of Onesimus is a challenge to historical analysis precisely because the concrete background was familiar to the addressees. It cannot serve as an illustration bearing on a general problem."


86 [my emphasis, G. S.]: "The focus of the Epistle to Philemon is the figure of Onesimus, the nature of whose dependency on the addressee needs to be clarified. All that is clear from the start is that Paul would like to see him released from this dependency." Here (fn. 45) Huttner refers to Phlm 13 and 16.

 


103 [my emphasis, G. S.]: "[Colossians] must undoubtedly be dated after Philemon." 

For „proposed contextualizations“  he refers (fn. 171) to Larry J. Kreitzer, Hierapolis in the Heavens: Studies in the Letter to the Ephesians, London 2007, 93–106, i.e. Kreitzer’s chapter  „Living in the Lycus Valley: Earthquake Imagery in Colossians, Philemon and Ephesians“.
 

9.

Thomas Bergholz: Rezension von Lukas Bormann, Der Brief des Paulus an die Kolosser (Leipzig 2012), in: Review of Biblical Literature 01/2014, S. 3:

Bormann schließt deshalb, dass man den Brief entweder für echt oder für eine „gewagte Fälschung“ halten müsse, was insbesondere im Lichte von Kol 3,9 eine gewisse Unverschämtheit sei. Die klassischen Argumente der Befürworter einer Pseudonymität diskutiert Bormann an dieser Stelle überhaupt nicht; und ob seine Anwendung der Genetteschen „Fiktionalitätsindices“ bzw. die Feststellung, dass eben keine derartigen Marker auffindbar seien, der antiken Pseudepigraphie gerecht wird, möchte ich bezweifeln. An dieser Stelle muss unbedingt auf die 2011 erschienene Studie „Echtheitskritische Untersuchungen zu den vier kleineren Paulusbriefen“ des Wiener [richtig: Salzburger, G.S.] Altphilologen Günther Schwab hingewiesen werden, in der dieser mit dem Handwerkszeug der klassischen Philologie zu dem Schluss kommt, dass wir eventuell allen Paulusbriefen weitaus kritischer gegenüberstehen müssten. Am Ende des Kapitels habe ich als Leser jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass Bormann eher bereit ist, eine Autorschaft des Paulus anzunehmen.

 


10.

 

Martin Hüneburg rezensierte die beiden Halbbände in: 

Theologische Literaturzeitung 139, 2014 (Nr. 7/8), 894–897.

Schlusswort (Sp. 897): 
"Die Arbeit weist eine Fülle von sprachlichen Beobachtungen auf, die für die weitere Arbeit an den Paulusbriefen unbedingt Beachtung verdienen. Aber kann die Kumulation von Möglichkeiten schließlich Wahrscheinlichkeit ausreichend begründen? Ob der Vf. sein Ziel erreicht hat, die Sicherheit der Echtheitsbehauptung für die vier bisher von ihm bearbeiteten Briefe zu erschüttern und eventuell sogar eine andere Lösung ins Gespräch zu bringen, kann noch nicht abschließen beurteilt werden. Dazu stehen zu viele Antworten aus, die erst im zweiten Band gegeben werden sollen."

 
11.

 

Lars Aejmelaeus rezensierte die beiden Halbbände in: 

The Journal of Theological Studies 66 (1), 2015, 419–422. 

Schlusswort:
 "When I first began to read Schwab’s two-volume work, I had the impression that the project was a mission impossible. There are so many powerful, general facts that speak in favour of the old consensus and cannot be shaken that it would be a miracle for Schwab to succeed in making his argument. In particular, the interpretation of Acts as the source for 1 Thessalonians and Galatians and not vice versa seems to me to be incorrect. Nevertheless, Schwab’s study is very useful in showing, through an enormous collection of material, how dependent the Pauline texts and Acts are on one another. In many cases I think Schwab exaggerates the literary connections, but whatever the truth of the relationships, all of the arguments are set forth here so that readers can evaluate the issues for themselves. In this regard the study belongs in the hands of all who are interested in questions of literary dependence between the Pauline letters and Acts. Schwab is continuing to work in this area. We can thus expect further stimulating and provocative theses from him."

 


12.

Rainer Reuter rezensierte die beiden Halbbände in: Filología Neotestamentaria 26, Nr. 46, 2013, 176–179.


Schlusswort: 

"Wie immer man die Hypothesen Schwabs im Einzelnen beurteilt, das bleibende Verdienst seines Werkes besteht in jedem Fall im Aufweis, dass die Echtheit der protopaulinischen Briefe innerhalb der Neutestamentlichen Wissenschaft in der Regel vorausgesetzt, aber wenig bis gar nicht methodisch begründet, geschweige denn in methodisch reflektierter Weise wahrscheinlich gemacht wird. Hier besteht ganz offensichtlich ein dringendes Desiderat neutestamentlicher Einleitungswissenschaft."









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