DIEK Capelle – wichtiges Thema, wenig Resonanz

veröffentlicht um 29.09.2016, 00:22 von Heiko Theis   [ aktualisiert: 29.09.2016, 01:03 ]
Seit gut vier Monaten „läuft“ nun schon der DIEK-Prozess (Dorfinnenentwicklungskonzept) Capelle, ein Prozess der das Ziel hat zu beschreiben, wohin die „Reise“ in unserem Dorf in der Zukunft gehen soll, ein Prozess, in den sich jede/r Capeller Bürgerin und Bürger aktiv einbringen kann. Am 27.09.2016 war ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die von verschiedenen Arbeitskreisen erarbeiteten Vorstellungen zu den unterschiedlichsten Themen sollten vorgestellt und in ein gemeinsames Konzept „gegossen“ werden. Eigentlich ein Thema, das alle Capeller Bürgerinnen und Bürger angeht, das aber letztlich nur von einem sehr kleinen Häuflein Interessierter in der Veranstaltung „beackert“ wurde.

Es drängte sich ein wenig der Eindruck auf, dass die Zahl der „Offiziellen“ (Gemeindeverwaltung, VertreterInnen des Büros PlanInvent und der Presse) die Mehrzahl der Erschienen stellte, wohingegen die Zahl der BürgerInnen bescheiden blieb. Dies tat aber dann der Diskussionsfreude und der Entwicklung neuer kreativer Ideen keinen Abbruch.

Dr. Bröckling von PlanInvent gab nach den Eröffnungsworten von Bürgermeister Dietmar Bergmann zunächst einen Überblick über das bisher im Prozess Geschehene und über die anstehenden weiteren Schritte. Danach gehörte das Feld den BürgerInnen.

Und die begannen gleich mit einer neuen, einfachen und erfolgversprechenden Idee: Der Mitfahrerbank!

„Mitfahrerbank – wat is dat dann?“, war die übliche Frage des typischen Münsterländers (selbstverständlich auch der typischen Münsterländerin). Eine sehr einfache, aber dafür um so genialere Idee zur Verbesserung der Mobilität – gefunden auf – äh... im landwirtschaftlichen Wochenblatt. Wie schreibt die ZEIT zu/über diese Idee: „In vielen Dörfern wird es leer. Der Job, die Ausbildung und der dürftige öffentliche Nahverkehr treiben die Menschen verstärkt in die Städte. Um sich den Alltag zu erleichtern, werden Dorfbewohner immer häufiger selbst aktiv. In der Eifel und Nordhessen haben Bürger passgenaue Mobilitätskonzepte für ihre Gemeinden entwickelt. Vieles davon beruht auf dem Prinzip: teilen und einander helfen.

Das gilt auch für die Mitfahrerbank aus der Eifel. Seit zwei Jahren steht die türkisfarbene Sitzgelegenheit vor dem Rathaus in der Gemeinde Speicher. Mit Klappschildern neben der Bank stellen die potenziellen Mitfahrer ihr Fahrtziel ein.

"Die Bank ist nicht als Massenverkehrsmittel gedacht", sagt Ursula Berrens. "Sie ist eine kleine Ergänzung, die eine Lücke schließt."“ (ZEIT vom 23. Februar 2016, von Andrea Reidl, http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-02/mitfahrbank-land-mitfahrgelegenheit-pedelec)

Die Idee ist so gut, so überzeugend, dass sie gleich in den Ideenfundus des DIEK-Prozesses aufgenommen wurde. Wer mehr über die Idee lesen möchte, findet hier entsprechende Informationen: https://www.caritas.de/magazin/kampagne/stadt-land-zukunft/loesung/spontan-und-sicher-von-a-nach-b-kommen-d 

Danach wurden weitere Projekte im Detail vorgestellt – und dabei zeigte sich dann doch, dass viele Menschen sich aktiv in diese Projekte eingebracht haben. Stellvertretend seien hier nur zwei genannt:

Dorfpark Capelle 

Der praktisch in seinem Wesenskern nicht mehr nutzbare (und auch entsprechend nicht genutzte) Dorfpark soll – wie es neuhochdeutsch so schön heißt – revitalisiert werden, oder auf gut deutsch: Es soll ihm das Leben wiedergegeben werden. 

Das heißt, erst einmal aufräumen und vorhandene Anlagen wieder instand setzen – was zu einem großen Teil im Rahmen der Aktionstage Dorfpark Capelle schon geschehen ist. 

Danach soll die Infrastruktur im Park verbessert werden, damit Jung und Alt Aufenthaltsmöglichkeiten und Aufenthaltsqualität vorfinden und auch die Gelegenheit haben, den Dorfpark aktiv zu nutzen, sei es zum Treffen und Reden, sei es um sportliche Aktivitäten zu entwickeln, aber auch zum gemütlichen Beisammensein einschließlich des beliebten Grillens. Auch hier kann nach den Aktionstagen schon bei einigen Elementen ein „grüner Haken“ an den Aufgaben angebracht werden.

Ein besonderes Thema wird noch das „Wasser im Park“ sein, wobei es darum geht, den Capeller Bach zu entschlammen und mittelfristig zu renaturieren, ebenfalls mittelfristig einen „Dorfteich“ anzulegen und ein Wasserspiel zu installieren. Das Wasserspiel ist ein eigenes DIEK-Projekt, weil es hier nicht um ein bloßes gestalterisches Element geht, sondern Wasser gerade für Kinder erlebbar gemacht werden soll, also um die konkrete Umsetzung des Regionale2016-Projekts: „Vom Dach in den Bach“.

Die Bürgerinnen und Bürger, die an diesem Thema gearbeitet haben, stellten auch einen Zeitplan vor:

2016

  • Pavillon bauen
  • Platzgestaltung Pavillon
  • Anbindung Pavillon an das Wegesystem
  • Grundrenovierung
  • Entschlammung Bachlauf

2017

  • Anlegen Grillplatz
  • Anlegen Bouleanlage
  • Anlegen Wasserspiel

2018

  • Anlegen eines Dorfteichs

Ein ambitioniertes Vorhaben – aber die Aktionstage haben ja gezeigt: Wir CapellerInnen schaffen das!

Dorfgemeinschaftshaus Capelle

Schon die Auftaktveranstaltungen zum DIEK-Prozess machten schnell eines klar: Es gibt kein kontroverseres Thema als das Dorfgemeinschaftshaus (DGH). Es gibt glühende Befürworter ebenso wie es Menschen gibt, die mit gleicher Leidenschaft den Standort und die Idee des eines Objektes ablehnen. Es würde die Aufgabe dieses Artikels sprengen, sollte der Vorschlag im Detail hier komplett dargestellt werden – und die Inhalte der sich daran entzündenden Diskussion. Deshalb wird darauf verwiesen, dass sowohl die Projektskizze als auch die Präsentation der Arbeitsergebnisse auf den Seiten des Dorfvereins Capelle veröffentlicht sind und dort nachgelesen werden können.
 
Da damit ja aber nur die BefürworterInnen eines DGH an einem Standort zu Worte kämen, ist hierzu ein weiterer Beitrag im Internetauftritt des Dorfvereins Capelle: "Dorfgemeinschaftshaus – ein Dialog, der nicht zustande kam" geplant.

Zusammenfassend darf aber auch hier festgestellt werden, dass die überwiegende Mehrzahl der Erschienenen dem Projekt positiv gegenüber stehen und auch dieses Projekt weiter vorangetrieben wird.

Und nun?

Nun geht der Prozess weiter:
  • Ende Oktober wird es einen Projektrundgang durch Capelle geben, bei dem alle Projektstandorte besichtigt werden und der nochmals die Chance zum Diskurs bietet.
  • Danach wird PlanInvent den Entwurf des DIEK Capelle erarbeiten – ein Werk, das aufgrund der Erfahrungen aus anderen Dörfern sowohl als auch sein Gewicht hat.
  • Der Entwurf des DIEK Capelle wird in die politischen Beratungen des Rates und seiner Ausschüsse eingebracht – und hoffentlich vom Rat der Gemeinde Nordkirchen formell beschlossen werden.
  • Danach geht es an die Umsetzung – und selbstverständlich auch an das Buhlen um Geld aus Brüssel, Berlin und Düsseldorf, damit die Projekte auch finanzierbar werden.
  • Der Prozess ist damit aber nicht am Ende, nein er ist auf Dauerhaftigkeit angelegt. Es wird ein Gremium innerhalb des Dorfes Capelle gebildet werden, dass sich um die Durchführung der Projekte kümmert, als Ansprechpartner für die Capeller BürgerInnen zur Verfügung steht, neue Ideen aufnimmt und ggf. für eine entsprechende Fortschreibung des DIEK sorgt und gelegentlich die Frage beantwortet: Wo stehen wir heute (2020, 2030...).
Es gibt noch viel in und für unser Dorf zu tun – packen wir es wie bei den Aktionstagen einfach an.
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