20 Jahre Dortmunder Islamseminar!

DORTMUND - "Erfolgsgeschichte", "Vorbild für unsere Stadt und unser Land": dickes Lob, wie hier von Integrationsminister Guntram Schneider, gab es für das Dortmunder Islamseminar beim Festakt seines 20-jährigen Bestehens.
Ahmad Aweimer vom Zentralrat der Muslime erinnert sich noch gut an die Anfänge. Nach den Brandanschlägen von Mölln und Solingen kündigte sich im Juni 1993 ein solidarischer Besuch in der Abu-Bakr-Moschee an. „Es war eine sehr gemischte Gruppe von 150 Personen, nicht unbedingt alle religiös, die da kamen.“ Trotz der Dankbarkeit über das Zeichen der Solidarität wurde auch klar: „Wir lebten im wahrsten Sinne des Wortes total nebeneinander und keiner sprach mit dem anderen.“

Das ist mittlerweile – zumindest etwas – anders geworden. Denn Solingen und Mölln waren auch der Auslöser für die Gründung des Islamseminars. Schon längst ist es zu einem Dialogforum geworden, das monatlich Veranstaltungen zu unterschiedlichen gesellschaftlichen und religiösen Themen anbietet. Sein Ziel ist es, den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen zu intensivieren, um Ängste und Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen. In der ersten Zeit standen überwiegend Themen zu Grundfragen islamischer Theologie und islamischen Lebens im Vordergrund. Obschon die Bezeichnung „Islamseminar“ beibehalten wurde, öffnete es sich zu einem Forum des christlich-islamischen Dialogs. Gegenseitige Besuche und Gespräche auch über kontroverse Themen gehören ganz selbstverständlich zum Dialogalltag. Kontakte und Freundschaften sind entstanden, die sich auch in Konfliktsituationen bewährt haben. Rückblickend urteilt Johannes Willenberg, einer der Mitbegründer des Islamseminars: „Wir sind Menschen begegnet, die ihren Glauben darstellen und andere Sichtweisen kennen lernen wollten. Nicht, um sich gegenseitig von der eigenen Position zu überzeugen, sondern um Ängste vor dem Unbekannten abzubauen und dem die Möglichkeit zu geben, sich auf Grund fundierter Informationen und vielleicht mehr noch durch unmittelbares Erleben mit seinen Mitmenschen auseinanderzusetzen.“

"Integration ist für mich Chefsache"

Seinen Geburtstag feierte es am 16. November im Rathaus unter Beteiligung vieler Freundinnen und Freunde seiner Arbeit. "Integration ist für mich Chefsache", bekannte dort OB Ullrich Sierau. 170.000 Menschen aus 180 Nationen würden in Dortmund zusammenleben. Hier werde "Integration jeden Tag gelebt: in den Stadtteilen und Quartieren, in Vereinen und Organisationen, Schulen und Kindergärten." Die Religionsgemeinschaften seien aufgefordert, so Propst Andreas Coersmeier, "ihren Beitrag zu einer friedlichen Stadtgesellschaft zu leisten." Möglicherweise ist das in Dortmund einfach, denn "das Besondere an Dortmund sind seine Menschen, die eine unglaubliche Offenheit haben", sagte VKK-Vorstandsvorsitzender Superintendent Paul-Gerhard Stamm. "Wir haben genügend Gemeinsamkeiten", so Ogün Arpaci vom Rat der Muslimischen Gemeinden in Dortmund, "um friedlich miteinander leben zu können." Anwesend beim Festakt war auch der türkische Konsul Mete Zaimoglu.
Ein christlich-islamisches Gespräch machte – so sein Titel – deutlich, „wie der Dialog den Glauben und das Leben von Christen und Muslimen bereichern kann.“ Für die musikalische Unterhaltung sorgten David Orievski (Geige), Bernd Rosenberg (Akkordeon) und Jürgen Schröder (Klarinette).

Der Trägerkreis des Islamseminars besteht aus der Evangelischen Kirche und dem Katholischen Forum, der Yeni Moschee Bachstraße (VIKZ), dem Türkisch-islamischer Kulturverein Hörde (DITIB)  und der Abu-Bakr-Moschee (Islamischer Bund Dortmund). Kooperationspartner sind die Volkshochschule Dortmund, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Auslandsgesellschaft NRW und verschiedene evangelische und katholische Gemeinden.

Uwe Bitzel / UK / VKK Dortmund / Bilder Stephan Schütze

 

 

 

 

Die Festschrift zum Jubiläum!

 
 

20 Jahre Dortmunder Islamseminar

 

 
ą
Hans Steinkamp,
09.08.2013, 02:06