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Donna Lupa

Martin Schmid

Als kämen sie geritten
vom Dach durch das Kamin,
da standen sie und grätschten
sich breit und drohend hin.

Sie aber, Duonna Lupa,
ragt hoch im Flammenschein,
sie rührte ihre Kessel,
mischt' Salz und Kräutlein drein

Ein Leichenmahl zu rüsten
dem Völklein lieb und wert,
das in der Kirche feiert,
schafft sie seit früh am Herd.

Nicht bange klopft ihr Busen,
nicht heisser schiesst ihr Blut.
Fängt endlich an der erste,
der mit dem Eisenhut:

„'s ist Krieg, Weib, gell, müsst's wissen,
Ihr braucht's ein Leckermahl,
nah san schon die Tiroler
mit Spiess und blankem Stahl!“

Der zweite lüpft die Deckel,
- ein Riesenkerl aus Pfunds -
und Wasser schiesst sein Froschmaul!
Sie lacht: „Ei-ja, dschambuns!“

Im Kessel rechts die Kugeln
aus körnig-goldnem Mais,
gestreift mit Birnenschnitzen,
links kocht der schneeige Reis.

Sie lacht und zeigt dem dritten
die Würste, Speck und Pleins:
„Heute ist grosse Gastung
in unserm lieben Schleins.

Es nahn die Eidgenossen,
wohl tausend Mannen gut,
so wird gebraut, gebraten,
gezapft das Rebenblut.“

Die standen wie begossen
und glotzten dumm darein;
sie aber, Duonna Lupa,
stand gross im Flammenschein,

gerusst der Nasenzipfel,
die Kelle in der Hand,
die Haube auf dem Scheitel
mit lustigem Flatterband.

Und wie die drei gekommen,
so stoben sie nun weit;
sie eilt ins kühle Kirchlein,
die machten sich bereit.

Hei, war da Jast und Jagen,
wie blitzten Spiess und Schwert!
Und mancher Österreicher
ist nicht mehr heimgekehrt.

Und als die Sterne glommen,
gellt Sieg das Horn hinaus,
es musizierten die Pfeifer
vor Duonna Lupas Haus.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Donna Lupa
© Marco-ni 2010
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