10 / 13. - 15. Sept.

Nach dem ich das gestrige Abendrot fotografiert hatte, blieb meine Kamera für runde 60 Stunden in der Tasche. Auch die Bilder die hier stehen, wurden später aufgeommen, und hier nur herein gestellt, da sie zu diesen Tagen gehören.
 
Angefangen hat der Tag, in dem ich durch Stimmen vor meinem Zelt wach wurde. Ich öffnete den Zelteingang und hielt meinen Kopf nach draußen. Keine drei Meter von mir entfernt standen zwei Männer mir den Rücken zukehrend, locker eine Flinte in jeweils einer Armbeuge und redeten mit einander. Ich machte mich bemerkbar, beider drehten sich um.
 
Ich versuchte es mit Schwedisch, was sie wohl verstanden, aber beide wohl dabei heraushörten, dass es nicht meine Heimatsprache war. Einer von ihnen fing von alleine an deutsch zu sprechen. Er war der Koch der Nedalhytta und die beiden waren auf Schneehuhnjagd. Er sprach perfekt deutsch, wenn man mal von einem leichten süddeutschen Dialekt absah, so dass ich vermutete, er war hier her ausgewandert. Kurz bevor die beiden sich in die Büsche schlugen, um zu jagen, sagte der Koch noch, dass das Wetter besser weden würde, was ich sehr begrüßte.
 
Ich kochte mir was zu essen, und fing gemütlich an zu packen. Ungefähr eine Stunde nach der Wetterprognose des Kochs, schaute ich, während ich mein Rucksack packte, nach Westen. Von dort quoll eine dunkelgraue Wand, von Himmel bis zum Boden reichend, langsam auf mich zu. Das war kein "besseres Wetter".
 
Ich packte schnell zu ende, und machte mich auf den Weg nach Osten. Die Wolke hatte mich inzwischen eingehüllt, und hatte schon angefangen zu regnen, als ich mein Zelt noch zusammen packte. Ab nun regnete es den ganzen Tag, während ich in der Wolkensuppe Richtung Ekorrdörren ging, dass ich selbst aber nicht zu sehen bekam, da alles in einer grauen Wolkensuppe lag. Daher auf dieser Seite als erstes Foto die Ekorrdörr, wie sie im STF Lättläst guide über das Jämtlandfjällen abgebildet ist.  Erst als ich hinter der "Tür" an der Schutzhütte ankam, hörte es auf zu regnen, und das Tal Richtung Helags war sogar richtig zu sehen.  Da das Wetter nun wirklich besser zu werden schien, machte ich mich daran, hinter dem linken "Türrahmen" bergauf zu gehen, da der Sommerweg nach Helags erst einmal Richtung Norden ging. Ich war schon fast oben, da schaute ich zurück, und eine dunkle Wolke zog mit großer Geschwindigkeit durch das Tal, aus dem ich gekommen war, und auch vom Berg links von mir, quoll eine dunkle Masse,fallend in meine Richtung, über mich her. Was solls, jetzt war ich schon hier oben, und kämpfte mich an den Wintermarkierungen (die Sommermarkierungen waren in den Wolken nicht mehr zu sehen, weiter nach Norden. Westlich vom Sylskalsöten sollte etwas abseits vom Weg ein Bach beginnen. Regen und Wind hatten sich so verstärkt, dass ich mir dort einen Zeltplatz suchen wollte. Ich setzte dort meinen Rucksack ab, und ging zum Bach, in der Hoffnung, dass in dieser Felsenlandschaft wenigtens eine kleine Moosfläche zu finden sei, auf der ich mein Zelt aufbauen konnte. Ich fand auch eine und ging zurück zu meinem Rucksack, um diesen zu holen.Als ich ihn hoch hob stellte ich fest, dass er sehr wacklich war, Bei genauer Betrachtung stellte ich fest, dass das Gestell gebrochen war. Das musste gerade eben, beim absetzen passiert sein. Da ich ihn aber nicht hart abgesetzt hatte, musste der Riss, von mir nicht bemerkt, bereits älter gewesen sein, und hier nur den letzten Rest bekommen haben. Ich schaute mich um. In dieser öden Gegend, auf Geröllhalden, wollte ich mir keine Gedanke machen, wie ich den Rucksack wieder reparieren konnte. Außerdem wollte ich nicht morgens, ich brauchte morgens immer so zwei Stunden, bis ich beim Laufen in Schwung kam, mit steifen Beinen auf dieser Geröllhalde, mit einem wackligen Rucksack auf dem Rücken laufen. Mit ein paar Spannbändern fixierte ich das Gestell notdüftig und lief daher doch noch weiter. Ich wollte soweit kommen, bis ich in tiefere Gegenden kam, und dort einen etwas freundlicheren Platz zum übernachten bekommen würde. So ging ich, den Wind und Regen hart von links gegen mich prallend, bis ich an einem Bach kam der vom Kläppen herunter floss, und die Gegend doch etwas besser geeignet war zum zelten. Ich baute mein Zelt auf, während der Sturm noch einmal zulegte, und ich richtig Mühe hatte, das Zelt im Sturm aufzubauen, da es wie wild in der Luft flatterte. Endlich stand das Zelt, ich schmiss meine Sache unter die Apsis, kroch ins Zelt, packte den Schlafsack aus, und mich in ihn hinein, und schaute von dort auf das Zelttuch, dass im Sturm ziemlich hin und her schlug. Ungefähr zwei Stunden später, ich war gerade in einen Halbschlaf gefallen, merkte ich, dass der Wind gedreht hatte. Jetzt kam der Wind direkt von der Seite und drückte das Außenzelt und Innenzelt so weit zu Boden, dass es direkt auf meinen Schlafsack drückte. Dadurch kam es zu einer Kapilarbildung. Das Wasser ging durch beide Zeltwände, die sich stramm auf meinen Schlafsack pressten, direkt auf meinen Schlafsack. Es dauerte nicht lange, und dieser war am Rücken klitsch naß. Da das Zelt nicht ganz eben war, samelte sich am Fußende das eindringende Wasser zu einem kleinen See, den ich erst bemerkte, als mein Fußende vom Schlafsack auch klitschnaß war. Von der Seite drückte der Wind das Zelt gegen mein Kopf und Rücken, und am Fußende gab es einen See. In Embryostellung, versuchend mich auf die Mitte des Zeltes zu beschränken, schaute ich mit einigem Zweifel auf das Zelttuch, da das ganze Zelt hin und hergerissen wurde, und auch auf die Zeltstange, die (siehe Zeichnung) ganz neue Formen annahm. So wartete ich auf den nächsten Morgen, in der Hoffnung, dass der Sturm aufhören würde. Mit der Windrichtungsänderung hatte auch der Regen sich sehr  verstärkt, und peitschte regelrecht gegen das Zelt. Am nächsten Morgen hatte ich eher das Gefühl, dass der Sturm noch weiter zugenommen hatte, als abzuflauen. Als ich mal kurz raus schaute, sah ich nur eine Wolkenmasse am Zelt vorbeifegen, und ein Mischmasch aus Regen, Schnee und Eisregen, das in der gleichen Geschwindigkeit wie die Wolken vorbei raste. 
 
Die Sylarna Fjällstation war nur ca. eine 3/4 Stunde Fußmarasch (bei normalen Wetter) von mir entfernt. Allerdings würde ich im Sturm kaum aufrecht gehen können, kaum einen Weg finden, und da der Sturm von vorne kommen würde, war es hoffungslos, selbst wenn ich meinen ganzen Kram, zusammenpacken wäre bei dem Sturm sinnlos gewesen, hier zurück lassen würde.
 
Mit blieb nur im Zelt zu bleiben, hoffen das Zelttuch und Zeltstange nicht kaputt gehen würden, ab und zu den See am Fußende mit einem T-Shirt nach draußen bringen, und wenn meine Beine einschliefen, sie etwas  strecken, was gleich bedeuten würde, dass ich in den total naßen Teil meines Schlafsacks kommen würde.So lag ich da und lauschte ob Sturm und Eis-/Schneeregen vielleicht doch bald weniger werden würden. Aber den Gefallen taten sie nicht. Den ganzen Tag ging es mit unvermindeter Kraft weiter. Erst in der neuen Nacht, so gegen drei Uhr morgens, hörte der Schneeregen auf, und das Zelttuch wurde nicht mehr ganz so stark hin und her gerissen, wie die 30 Stunden vorher. So gegen 5:30 kroch ich aus meinem Schlafsack, zog mich im Zelt an, schmiss dann meine Sachen vor das Zelt, baute das Zelt im Sturm ab, packte es zusammen, zog dann meine Handschuhe an, und kämpfte mich 1,5 Stunden durch den Sturm bis Sylarna-Fjällstation. Onbwohl ich Handschuhe anhatte, spürte ich kaum meine Hände. Durch die Zeit, als ich ohne Handschuhe meine Sachen und das Zelt zusammen packen musste, waren sie wie abgestorben. In Sylarna-Fjällstation musste ich warten, da noch kein Zimmer frei war, Ich konnte aber meine Sachen schon in den Trockenraum aufhängen, und in der Küche mir etwas warmes zu Essen machen. Nass war an mir alles, auch die Sachen im Rucksack waren zumindest feucht. Kaum hatte ich ein Zimmer, nahm ich die trocknesten Sachen vom mir aus dem Trockenraum, zog meine naßen Klamotten aus, und stellte mich erst einmal unter die warme Dusche. Nach 36 Stunden im Zelt, davon gute 32 Stunden im nassen Schlafsack, war die warme Dusche etwas herrliches. Danach legte ich mich erst einmal in das trockene Bett und schlief eine Runde. Abends reparierte ich dann mit Verbandszeugklebeband und Zeltheringen die Bruchstellen des Rucksackgeselles, und zog mit Verpackungsriemen die waagerechten Aluverstärkungen so zusammen, dass das Gestell auch dadurch Stabilität bekam. Als das erledigt war, setzte ich mich gegenüber der Rezeption in ein Sessel, schnappte mir aus dem Regal ein Buch, und blieb dort bis zum Abendessen. Danach ging es wieder ab ins Bett.
 
 
 
Auch wenn der Rucksack nach der OP  ziemlich stabil aussah, würde wohl eine weiter Wanderung über Helags und Gåsen wohl hinfällig sein. Aber durch meine Stürme hatte ich sowieso einige Tage verloren, so dass ich alles sowieso nicht mehr geschafft hätte.
 
Was meine Hände betrifft spürte ich noch fünf Tage später ein Kribbeln, wenn ich mit den Fingerspoitzen gegen etwas kam. So ein Kribbeln, was man hat, wenn ein Bein oder Arm eingeschlafen ist, und langsam wieder aufwacht. Und noch vier Wochen später war in den Fingerspitzen ein leicht taubes Gefühl, wenn ich dagegen rieb.
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