"Karl Jenkins - Stella Natalis"

„Stella Natalis“ in Liebfrauenkirche

Explosion von Musik und Stimmung

Chorisma Cannstatt brilliert mit selbst inszenierter Cannstatter Weihnachtsgeschichte

Bad Cannstatt. Eine Weihnachtsgeschichte schon am 1. Advent? Etwas früh zwar, aber es funktioniert. Das bewies Chorisma Cannstatt, das Vokal-Ensemble aus dem Herzen Bad Cannstatts, mit seinem großen Jahreskonzert „Stella Natalis“ am 29. November in der Lieb-frauenkirche. Die 40 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Kirchenmusiker Ulrich Hafner, begleitet von der Band Caprice und der Sopranistin Sonja Müller-Felkel, zeigten ein-mal mehr, dass sich der Chor mit seinen konstant hochklassigen Leistungen inzwischen auch über Stuttgarts Grenzen hinaus ein profundes musikalisches Renommee erworben hat.

Erste Konsequenz des hohen Ansehens war eine überfüllte Kirche. Alle Kirchenbänke waren besetzt und die Menschen drängten sich in Quer- und Seitengängen. Die Aufführung musste also mit Verspätung beginnen. Doch die Geduld lohnte sich: Denn was die über 500 Besucher dann erlebten, war eine bis dahin in Liebfrauen nicht gekannte, einzigartige Explosion von Mu-sik, Licht und Stimmung – und das alles durchwoben von der brillanten Inszenierung einer Cannstatter Weihnachtsgeschichte. Dies war ein weiterer Qualitätszuwachs im Chorisma-Repertoire.

Eine durchdachte und stimmige Licht-Choreographie von Thorsten Schlese begleitete die wie gewohnt bis ins Detail ausgefeilten musikalischen Leistungen. Mit der Aufführung einer eige-nen, alternativen Weihnachtsgeschichte erhielt das Konzert 2015 sein gelungenes Plus. Die Geschichte, die Thomas Wilk eigens für die Aufführung geschrieben hatte, basiert auf den Songs des Albums „Stella Natalis“ des walisischen Komponisten Karl Jenkins. Darin erzählt Wilk das Drama um die junge, alleinerziehende Mutter Anne, die vor Sorge um ihr schwer-krankes Baby Stella weder ein noch aus weiß.

Durch die sanfte Inszenierung von Stela Katić, die auch Regie führte, erhielten Musik und Sto-ry eine ungeahnte Intensität und schlugen das Publikum in ihren Bann. Katić, als Schauspiele-rin der Württembergischen Landesbühne und des Theaterhauses Stuttgart einem breiten Pub-likum bekannt, verkörperte bei der Aufführung in der Liebfrauenkirche überzeugend die junge Mutter.

Ulrich Hafner ist mit seinem neuesten Projekt ein stimmiger Dreiklang aus Musik, Weih-nachtsgeschichte und Inszenierung gelungen. Das bewies der tosende Beifall am Ende des Abends.

Weihnachten am 1. Advent – es hat funktioniert.