"Evensong"

„Evensong“: Konzert der Illuminationen


„Chorisma Cannstatt“ taucht Liebfrauenkirche in Licht und Dunkel – Altus als Solist
Am 25. Oktober um 19 Uhr wird das junge Vokal-Ensemble „Chorisma Cannstatt“ unter dem Titel „Evensong“ sein diesjähriges großes Konzert in der Cannstatter Liebfrauenkirche geben. Nach dem Erfolg des Vorjahres in Liebfrauen, als Chorisma mit dem Konzert „Best Time of Year“ einen beachtlichen Erfolg feierte, wird sich der Chor im Oktober dem Thema „Abend – Nacht – Licht“ zuwenden – und das nicht nur musikalisch.
Unter der Leitung von Kirchenmusiker Ulrich Hafner wird „Chorisma Cannstatt“ bei diesem Konzert auf ein etwas anderes Repertoire als bei den vergangenen Auftritten zurückgreifen:
In erster Linie werden deutsche und englische Lieder aus dem 19. und 20. Jahrhundert vorgetragen, allesamt aus der populären, neueren Kirchenmusik.
Als Kantor tritt der berühmte Countertenor Albert Frey (Füssen) auf. Als „Altus“ wird er in der Höhe einer Frauenstimme singen. Die aus früheren Chorisma-Konzerten bekannte Pianistin, Organistin und Musik-Lehrerin Birgit Wiedemann (Stuttgart) wird Chor und Solisten begleiten.
Während des Konzerts wird die gesamte Kirche durch verschiedene Illuminationen abwechselnd in Licht, Schatten und Dunkelheit getaucht. Dadurch nimmt das Konzert eine alte Tradition aus der anglikanischen Vesper auf. Das Spiel des Lichts unterstützt die einzelnen Teile der liturgischen Handlung und damit der Konzerthandlung. Dabei wird die traditionelle Liturgie modernen Liedern gegenübergestellt.
Besondere Highlights dieses Konzerts sind mehrere Werke der beiden berühmten englischen Gegenwarts-Komponisten John Rutter und Carl Jenkins, die die sakrale Gegenwartsmusik in den letzten Jahrzehnten maßgeblich bestimmten. Jenkins war darüber hinaus „Pate“ des ersten großen Konzerts von „Chorisma Cannstatt“, das unter dem Titel „Der fremde Mönch“ vor drei Jahren das Publikum begeisterte. Daneben werden Stücke u. a. von Dvorak, Janssens und der Lobgesang des Simeon (aus der russisch-bulgarischen Liturgie) aufgeführt.
Der Eintritt ist frei. Es wird um eine Spende für den guten Zweck gebeten: Der Reinerlös des Benefiz-Konzertes kommt der gesanglichen Weiterentwicklung des gesamten Ensembles zugute.
 
 
 

Leuchtender Chorgesang

Ulrich Hafners "Chorisma Cannstatt" beglückt mit dem "Evensong" in der Liebfrauenkirche

Weil am Morgen die Uhren zurückgestellt worden waren, begann am Sonntagabend die "Stunde der Chormusik" in der Liebfrauenkirche gefühlsmäßig noch tiefer in der Nacht, als es am Vortag der Fall gewesen wäre. Das passte recht gut - denn die "Geborgenheit im Dunkel" war das eigentliche Thema der musikalischen Besinnungsstunde, die Ulrich Hafner nach anglikanischem Vorbild als "Evensong" angelegt hatte. Unterstützt wurde er liturgisch von Karl Böck, dem Pfarrer von St. Rupert. Auch aus dessen

Gemeinde kommen einige Mitglieder von "Chorisma Cannstatt", dem jungen Chor, der zunehmend

ambitionierte Kirchenchorsänger aus ganz Stuttgart anzieht. Schwarz und rot gekleidet standen sie auf den Stufen zur Apsis, die 34 Sängerinnen und Sänger, einfühlsam begleitet von Birgit Wiedemann am Klavier. Sie zeigten eine Stunde lang, wie vielfältig die Komponisten des 20. Jahrhunderts es verstanden, musikalischen Wohlklang und spirituelle Tiefe zu verbinden. Um den ganzen Kirchenraum in das Erlebnis einzubeziehen, ergänzten farbige Lichteffekte an Mauerwerk und Säulen den Gesang; vor allem aber erklangen die antiphonischen Strophen des Kantors stets von anderswoher aus den Seitenschiffen oder von der Empore und durchwehten eindringlich den wundervollen Klangraum der Liebfrauenkirche. Die fast überirdisch klare Stimme des Countertenors Albert Frey aus Füssen war es, die dem vielstimmig irdischen Chorgesang aus dem Dunkel antwortete. Das alles verband sich mit den Worten des Priesters zu einem intensiven geistig spirituellen Erlebnis, beginnend mit John Rutters hell aufschwellendem Lob der Schönheit der Erde bis zur fein abgestimmten Energie im "Segen" desselben Komponisten, der mit einem jubelnden Amen ausklang. Im Mittelpunkt aber standen drei Vertonungen der Psalmen, dieser Zeugnisse des geistigen Lebens Israels, deren Schwung als erstes die Interpretation von Eugene Butlers "God has gone up" fortführte. Danach stimmte der Chor Bernd Draffehns Gotteslob machtvoll an und ließ sein "Halleluja" mühelos aufsteigen, um anschließend das "I will bless the Lord" von Frank Hernandes beinahe

kapriziös verspielt anzugehen, es aber schließlich zum überzeugenden Bekenntnis werden zu lassen. Karl Böck erinnerte bei der Lesung an die brennende Lampe aus dem Evangelium, mit der wir ausharren

sollen, als geistige Positionsleuchte zur Orientierung in der Welt. Chorisma Cannstatt zeigte, wie hilfreich

dabei die Musik sein kann, wenn sie so abwechslungsreich und eindringlich dargeboten wird, wie bei Graharn Kendricks "Shine, Jesus, shine", dem herrlichen Jubel Marias von Peter Jansens oder dem Lobgesang des Simeon, der wie göttlicher Klang die vielen gebannten Besucher des "Evensongs" berührte.

Wieder einmal hatte es Ulrich Hafner verstanden, mit geschickter Hand für seinen engagierten Chor ein anspruchsvolles, vielschichtiges Programm zusammenzustellen, es mit ihm präzise vorzubereiten und mit Begeisterung zur Erbauung der Gemeinde erklingen zu lassen.

(Cannstatter Zeitung)