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Einige Zitate von mir:

Kontaktmöglichkeit

Wir müssen nur noch die Tore aufstoßen und die große Reise kann beginnen - Nathan Methusalem




"aufgerafft ihr Suchenden und gemeinsam vorwärts zum Lichte der Erkenntnis empor" (N.M)

Desillusionierung und Kritik als Antrieb und erster Schritt für Aufbruch und Neuanfang (J.J)







Einleitung (J.J):

 

"Der radikale Konstruktivismus zeigt auf, "dass jede menschliche Wahrnehmung ausnahmslos subjektiv ist" und genau darin liegt seine Radikalität. Nun bildet sich ein jeder Erdenbürger seine Weltanschauung, verzerrt Tatsachen zu seinen Gunsten, verdreht harte reale Bestandteile menschlichen Lebens als Schutzmechanismus vor Instabilität seiner Lebensführung. Nun liegt die Tragik dieser radikalen Anschauung in der Aussichtslosigkeit ihrer harten Kritik - sie untersagt dem Menschen die Fähigkeit, die Wirklichkeit in seiner existierenden Form zu erfassen. In diesen Realitätsverformungen gibt es jedoch eine Vielzahl an Abstufungen, Illusionen entstehen, Flucht vor Tatsachen werden gefördert und ein jeder baut sich seine Wirklichkeit auf. Diese aufgebaute Wirklichkeit ist oft durch Methoden, Prinzipien und Meinungen jedoch so stark verankert, dass sie als Hemmnis für tiefere Gedanken und Wanderschaften in das Weltengebäude darstellt und die menschlichen Fähigkeiten in ihrer Suche einschränkt. 

Die süßen Lügen die wir uns bewusst oder unbewusst als Fundament unseres Lebens kreieren, sind genau die Bausteine die uns an Wandlung, Entdeckung und Bewusstwerdung hindern. Kritische Stimmen werden gerne überhört, alternative Perspektiven abgeschmettert und "Neues" sowie "Unbekanntes" sehr oft als Feind und Gegner betrachtet. Nun birgt der radikale Konstruktivismus vordergründig Ohnmacht gegenüber diesen menschlichen Mechanismus von Konstruktionen und Illusionen, und dennoch bietet er Raum einer der Wirklichkeit näheren Auffassung näher zu kommen, da es sehr wohl Abstufungen zwischen Unwahrheiten gibt. Aufbruch und Neuanfang sind immer nur dann möglich, wenn sie scharfe Selbstkritik, offene Sinne, helle Ohren und weite Blicke begleiten. Diese Wege sind oft von einem harten Schmerz aber auch einer tiefen Sehnsucht geprägt, und  da in unserem Leben nicht nur das Erreichen von fixen Zielen eine Freude darstellen soll, sondern auch vor allem der bunte und tiefe Weg dorthin, wünsche ich allen Freunden der Suche nach der Liebe, dem "Weltgeist" und dem Sein, die Kraft und Passion - die sie für diese Reise brauchen werden.


In den folgenden Zeilen meines geschätzten Freundes Nathan Methusalem, wird er eine solche Reise scharf skizzieren, den Umriss von Kritik, den Unbehagen der Wahrheiten, und den Toren die nur darauf warten aufgestoßen zu werden, sprachlich wunderbar abstecken. Diese Zeilen sollen nicht in erster Linie die vorhandenen Werte des Lesers zerschmettern, sondern erweitern, vertiefen und eine Aufbruchstimmung erzeugen.


Jeremias J. 


Gedanken von Nathan Methusalem: 



"Ist Liebe eine Illusion unter dem Deckmantel eigennütziger biologischer Fortpflanzungsmechanismen?"

Was wenn die Liebe nichts anderes wäre als ein - materialistisch gedeutet - chemo-elektrisch ausgelöster, gefühlssteuernder Impuls "egoistischer" Gene oder psychoanalytisch betrachtet, eine Erbschaft des kollektiven Unbewussten, welche dem Bewusstsein zwecks Weitergabe der genetischen Information an Nachkommen vorgaukelt es gäbe so etwas wie eine "Liebe an sich" und dabei nur grausamen Schabernack mit dem Ich treibt, indem es die Geschlechter zur Produktion von Nachkommen zueinander treibt ? Was wenn "die Liebe" nichts anderes wäre als ein nur mühsam kaschierter Sexualtrieb, der sich ein emotionales Mäntelchen umgehängt hat um dem Bewusstsein die scheinbar das "Gewissen",d.h. dem konstruierten Über-Ich erleichternde, vielmehr aber täuschende Empfindung als Pseudo-Gewissheit einzugeben, sie, "die Liebe", käme aus höheren Sphären als quasi "erhabene" Legitimation für ganz ordinären,biologisch vollzogenen Geschlechtsverkehr ? Was wenn alle platonischen Definitionen der Liebe sich als nichts anderes als hohle Idealisierungen, nicht unbedingt eines irrealen Phantoms 

aber als Missdeutungen eines ganz anders zu begreifenden menschlichen Wesenszuges erwiesen ?



"Was wäre wenn Liebe nur ein Konstrukt eines menschlichen Traumes ist?" 

Bräche nicht für viele Menschen ein feingesponnenes Netz sehr romantisierender und betörender Gedanken zusammen, welche als ein mentales Rettungsnetz vor den als atavistisch empfundenen Instinkten des eigenen selbst,aufgespannt wurde! Was wenn also der gesamte menschlich konstruierte Überbau kultureller,sprachlicher und philosophischer Deutungen der Liebe sich als nichts anderes als einen Popanz, eine Chimäre herausstellte und alles nur eine schnöder materiell-biologischer oder ideell-immaterieller Mechanismus wäre zur menschlichen Reproduktion, erzeugt und in die Menschen implantiert durch Evolution,Gott,Natur? Zugegeben, der Gedanke ist nicht neu aber von permanenter Aktualität, weil m.E. noch unbeantwortet.

 



"Die Angst vor innerer Instabilität als Hemmnis für den Weg von Wandlungen zu einer tieferen Wahrheit"

Es sei an dieser Stelle erlaubt zu spekulieren, dass so einer erschütternden Erkenntnis dialektische Wendungskraft liegt indem es sowohl einerseits droht dem Erkennenden den Boden unter den Füßen wegzuziehen, andererseits auch als Chance für eine bessere Weltsicht, zur Befreiung von Illusionen und Selbsttäuschungen, d.h. zur Chance einer realistischen Selbstakzeptanz genutzt werden könnte. Je nach innerer Stabilität des Individuums würde die eine oder andere Seite dieses Janus-Gesichtes erscheinen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, das sich viele Menschen beharrlich davor zurückscheuen - eben aus Angst vor der von solchen Erkenntnissen und Gedanken ausgelösten inneren Instabilität - sich überhaupt mit solchen Fragen zu beschäftigen.


"Das Unbehagen führt zur Denkverweigerung - die menschliche Angst vor einer "härteren Wahrheit"" 

Das Unbehagen führt zur Denkverweigerung und diese wiederum zum Aufschub- aber was wahr sein könnte, was als Möglichkeit einer alternativen Wirklichkeitserkenntnis evtl. a priori im Sein angelegt ist - würde sich umso machtvoller aufstauen,auftürmen gar-und irgendwann mit der Gewalt einer Flutwelle den Ignoranten fortreißen. Es sei denn, dieser "Ignorant" stellte sich als gar nicht so ignorant heraus und baute seinem Selbst ein imaginäres "Gedanken-Ventil"  ein, welches ihm erlauben würde,peu-a-peu,Tropfen für Tropfen, diese 

Gedanken denken zu können um sich schlussendlich einem Resultat annähern zu können.


 

"Die Wahrheit ist oft "hartes Brot" - die süßen Lügen "Nektar und Ambrosia". Lüge als Form von Selbstbetrug"

Mit anderen Worten : hin und wieder sich mal mit dem beschäftigen, was dem Nachdenkenden reichlich Unbehagen statt wonniger Gefühle beschert, wo man sich durch "hartes Brot" durchbeißen muss anstatt "Nektar und Ambrosia" zu schlürfen - dem darf man nicht ausweichen, will man im  Erkenntnisgewinn voranschreiten.Dieses wird sich womöglich auch als eine sehr schlüssige,mentale Überlebensstrategie des Selbst erweisen, denn : es mag zwar viele Wahrheiten geben welche die unterschiedlichst geformten Fundamente abgeben können - niemals aber kann die LÜGE und der selbstbetrug ein Fundament sein, denn dieses stürzt, wie die historische Erfahrung lehrt - trotz aller Höhenflüge -letztendlichdoch immer wieder in sich selbst zusammen.

 



"Der Weg ist das Ziel - Ein Aufbruch ohne Dogmen als tieferer Schritt in weitere Welten"

Damit soll aber nicht vermittelt werden,dass eine der genannten Deutungen der Liebe, insbesondere die materialistisch-evolutionäre, nun der Weisheit letzter Schluss sein muss. Es kann ja auch sein,dass die idealistische, gar religiöse Deutung der Liebe, sich als der Wahrheit nahe heraus stellt, dass sie aus dem Schwebenden, dem Numinosum, kommendes ist. Es kommt eben darauf an, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen- wie immer wenn es um Erkenntnis geht. Bei diesem Aufbruch sind irgendwelche seit Jahrhunderten ex ante verkündeten "ewigen Wahrheiten" aller Religionen nichts anderes als das Denken beschwerender Ballast, der über Bord geworfen werden muss. Also dem Aufbruch geht ein Bruch mit religiösen Dogmen, welcher Natur und Herkunft auch immer, stets voraus. Ob wir dann diese gesuchte Wahrheit jemals finden werden können, steht auf einem anderen Blatt, dass erst - wenn überhaupt - in der Zukunft beschrieben werden könnte- von wem auch immer. Diese Ungewissheit sollte auch niemanden davon abhalten sich auf den Weg zu machen, denn auf dem Wege der Suche nach Erkenntnis liegt wahrscheinlich die Erkenntnis selbst und sei es auch nur, dass erkannt wird, dass es eben überhaupt keine ultimative Erkenntnis geben kann, weder über die Liebe noch über das Sein als solchem, sondern womöglich nur die schon lange von vielen Denkern geahnte Einsicht : der Weg ist das Ziel ! All´diese Anstrengungen bedeuten auch nicht, das Rad zum zweiten mal zu erfinden, sondern stellt nur die Anregung dar, nicht nur bereits gedachte Gedanken anderer zu konsumieren, sondern - gemäß dem von Horaz zuerst gedachten "sapere aude",  welches Immanuel Kant zum Motto der Aufklärung machte - die eigene Vernunft zu gebrauchen um sich selbst dem anzunähern, was als Wahrheit definiert werden könnte, ohne diese - wie schon betont - wohl je vollständig erkennen zu können.

 

"kultureller Verfall, ein Besinnen auf neue Werte - die Frage nach dem "Weltgeist" und dem SEIN"

Es verhält sich bei der Frage nach dem Wesen der Liebe wohl wie mit der Frage nach dem "Weltgeist" oder der Frage nach dem Sein als solchem. Hölderlin sagt, dass der "Genius" von Land zu Land wandert und auch Madame de Stael meinte dereinst, dass der Weltgeist wandert und mal in jenem und mal in diesem Lande verweilt. Zu ihrer Zeit glaubte sie in Deutschland diesen Geist gefunden zu haben (sh.a. ihr epochales Werk "de l´Allemagne"). Aber Besagter ist wohl mittlerweile vor den abstoßenden kleptokratischen Figuren der  "enrichez-vous"Mentalität, korrupten und sozial wie menschlich verhärteten Politikern, Pissoirs, Porno-Kinos, Döner-Buden und dem ranzigen Frittenfett der Currywurst-Tröge, aus diesem Lande geflohen - aber wohin ? Ins Schlaraffenland der von feinen Düften umschmeichelten Brüsseler Luxushotels und Nobel-Restaurants der obszön-pervers höchst überbezahlten Eurokraten ? Dorthin ? Nein - eher ist zu vermuten, dass der Weltgeist heimgekehrt ist zum mythischen Sitz der Mnemosyne, jener hohen Titanide und Mutter der 9 Musen, Tochter des Uranos, deren Reich und Gestalt - als ethnokulturell-archetypische Metapher der hellenisch-antiken Kultur gedeutet, wohl als der transzendentale Aufenthaltsort der Gedanken gedeutet werden kann - wo sollte Besagter auch sonst noch Heimstatt finden ? Dort müssen wir ihn aufsuchen und befragen, wenn wir weiter voranschreiten wollen.

 

"Wir müssen nur noch die Tore aufstoßen und die große Reise kann beginnen"

So schließt sich der Kreis! Wir begannen unsere Wanderschaft durch diese Gedankenlandschaft bei der Frage nach dem Wesen der Liebe und stehen nun vor den Toren eines noch größeren Abenteuers, welches uns direkt zum Wesen des Seins als solchem führen könnte.Wir müssen nur noch die Tore aufstoßen und die große Reise kann beginnen. Wenn wir Glück haben werden die Weg-und Marksteine dieser Odyssee, die Begegnung mit dem Wesen der Liebe, dem Sinn des Lebens und der Ursache alles dessen was ist, der uralten Frage nach der ἀρχή (Arché) sein ! Dafür brauche wir weder des sehr seltsamen Dr.Heuers hart umstrittenen Large Hadron Collider(LHC) im CERN ,welcher an die in einem berühmten Kubrick-Film erwähnte "Weltuntergangsmaschine" erinnert, noch frankensteinische "Hirnforscher" die uns weismachen wollen das "cogito ergo sum" nicht mehr gilt und dabei doch wohl nur selber neuro-psychiatrische Hilfe benötigen - sondern - dafür brauchen wir uns nur selber und die Hilfe jener strahlenden Dichter und Denker, die mit ihren Gedanken und Worten uns den Weg zum Ziel hin erleuchten.

 

"Darum - aufgerafft ihr Suchenden und gemeinsam vorwärts zum Lichte der Erkenntnis empor : per aspera ad astra !"


Copyright: Nathan Methusalem (blauer Text) / Überschriften, Einleitung und Schlusswort Jeremias J.


Kommentar:

Der alte Mann, der in seiner Starrheit verharrte

Kafka meets Nathan Methusalem (J.J)


Diese tiefen Aussagen meines Freundes mit dem Wink eines Tores, das geöffnet werden will, haben mich spontan an die Türhüterparabel von Franz Kafka erinnert. Die Legende aus dem Buch "Der Prozeß" welches von dem einen oder anderen aus der Schule verhasst oder auch geliebt in Erinnerung blieb, eine Parabel die sich in düsteren Worten nur sehr schwer verständlich ausdrückt. Auf die Frage was Kafka mit dem "Gesetz" meinte, folgen im Internet viele hunderte Interpretationen. Die Parabel handelt von einem Mann vom Lande, der um Eintritt in das Gesetz verlangt. Der Türhüter sagt: "Das wäre möglich, jetzt aber nicht". Die Türe ist durch einen schmalen Spalt geöffnet und der Türhüter mahnt, dass er es zwar probieren könnte trotz seinem Verbot durchzugehen, doch er wäre erst der erste Türhüter und viele weitere - wobei der eine mächtiger als der Vorherige sei - würden ihn erwarten und hindern. Der Mann entscheidet sich für das gleichgültige hinsetzen und warten, er wartet bis er dem Tode nahe als alter Mann all seine Gedanken zu einer Frage formt: „Alle streben doch nach dem Gesetz,“ sagt der Mann, „wieso kommt es, daß in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat"?. Worauf der Türhüter antwortet: „Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.“Jeder von uns muss sich selbst die Frage stellen, was Kafka mit dem "Gesetz" meint. Ist es Gott, Gerechtigkeit, Gewissen oder vielleicht Erkenntnis und Sein. 


Das Wort Gott wird oft als alles umfassendes Wort betrachtet, selbst dieses Wort umfasst den menschlichen Konstruktivismus, in dem jeder sich seine Wahrheit von der Bedeutung "Gott" für sich zurechtschneidert. Nehmen wir einmal an, der alte Mann vom Lande bittet um Einlass in die Erkenntnis, er will erfahren, erspüren, was Liebe, Sein und der "Weltgeist" sind. Der Türhüter sagt ihm, es ist möglich, jetzt aber nicht (da der Mann vom Lande nicht bereit ist, sich selbst so zu hinterfragen und seine Illusionen zu zerstören, damit er klaren Auges erkennt - dass nur er selbst sich durch fehlenden Mut im Wege steht). Statt mutig zu sein, die Augen zu öffnen und das Abenteuer zu wählen, sich doch durch die Türen zu wagen, aus denen das Licht zu ihm scheint (in den Notizen von Kafka steht, dass aus dieser Türe Licht strahlt, das nahezu blendet). Er entscheidet sich für den leichteren aber fatalen Weg, unterstellt sich demütig den autoritären Anweisungen des Türhüters  (wobei wir hier wieder die Gesellschaft, oder die dogmatische Kirche einsetzen könnten) - eine Entscheidung die ihn in ein frustrierendes Warten auf ein Wunder - welches nicht eintritt -stößt .


Welche Abenteuer des Lebens hätte der Mann vom Lande erlebt, wenn er seinen Mut und seine Beine und seinen Verstand in die Hand genommen hätte um in das Gesetz (die Erkenntnis, die Liebe, das Sein), tiefer einzutauchen, anstatt sich von den Hindernissen (dem fehlenden Mut, den autoritären Regeln) zu unterwerfen. 


Natürlich ist diese ganze kleine Geschichte von Kafka tausend Interpretationen unterworfen und meine kleine nur ein Versuch diese zu deuten. Nathan Methusalem hat uns einen Weg gezeigt, der durch scharfe Kritik an der Illusion, den Weg über Unbehagen, harte Wahrheiten bis hin zu Erkenntnis zu gehen führt, dass dort Tore sind - die nur darauf warten entdeckt und geöffnet zu werden.  


Nathan Methusalem würde vermutlich zu dem Mann vom Lande aus Kafkas Türhüterparabel sagen: " Wir müssen nur noch die Tore aufstoßen und die große Reise kann beginnen" - und mit diesem  essenziellen Satz endet mein Kommentar.


Nathan Methusalem (Text in Blau)

Jeremias J. (Text In Grün)


16.2.2010




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