"Thomas aus Hessen über Liebe", Sex und die Affinität

"Thomas aus Hessen" ist ein Synonym für einen 56-Jährigen mit dem ich einen interessanten und leidenschaftlichen E-Mail verkehr führe, er ist in meinen
Augen ein Mentor und Wegweiser.

Ich möchte auf dieser Seite einige Aussagen aus seinen E-Mails veröffentlichen, die es Wert sind darüber nachzusinnen:

"Thomas aus Hessen" über das Wesen der Liebe:

1. Essenz – Liebe ist reines Sein

Ontologisch gesehen ist Liebe die schöpferische Urkraft schlechthin. Sie ist ewige Glut, die dem Kosmos, der Welt, dem Menschen voraus ist und ihnen inne wohnt. Nennen wir sie die göttliche Kraft oder die Essenz des Universums, die Wesenseigenschaft alles Geschaffenen. Als die Urkraft des Universums und die formgebende Substanz aller existierenden Wirklichkeiten ist die Liebe natürlich voraussetzungslos, unbedingt, absolut. Sie ist pures Sein und existiert völlig unabhängig von Reaktionen, Beziehungen, Antworten.

 

2. Inkarnation - Liebe geht ein in Welt und Menschen

Die Liebe sucht immer neue Möglichkeiten und findet sie auch manigfalt, sich aus der oben geschilderten metaphysischen Ebene heraus zu materialisieren, zu inkarnieren, und vielfältige Formen und Gestalten anzunehmen. Das Universum in seiner scheinbaren zeitlichen Unendlichkeit und räumlichen Unbegrenzheit, seiner Unermesslichkeit im Makrokosmos ebenso wie im Mikrokosmos, seinen Akzidenzien in Materie, Geist und Lebensformen, das Hervortreten der Arten und die lebendige Vielfalt alles Gewordenen ist vitaler Erweis für die absolute Größe und Göttlichkeit der Liebe. Zugleich zeigt die Liebe darin auch ihre unbegrenzten Fähigkeiten sich als geistige Urkraft zu materialisieren. Die Liebe geht in die Welt ein, nimmt schließlich Fleisch an und offenbart sich sichtbar, fassbar, erfahrbar in der Welt und in den Menschen.

 

3. Relation – Liebe tritt in lebendige Beziehungen

Als göttliche und schöpferische Urkraft sucht die Liebe ihren Ausdruck in Beziehungen. Sie teilt sich mit, offenbart ihr inneres Wesen, ihr pures Sein, ihre bedingungslose Selbstverströmung. So wird sie für Menschen erfahrbar und erlebbar. Und sie sucht die spontane und nachhaltige Antwort, die Erwiderung, die Gegenliebe. Aber sie ist niemals davon abhängig! Sie ermutigt zum freien Aufschwung des Herzens, des Geistes, der Seele. Sie verleiht Flügel und lässt uns Menschen schweben und entführt uns in himmlische Sphären. Sie macht uns ebenso leidens-fähig und hilft uns, Stürme, Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Schrecklichkeiten, Krankheit, Leiden und schließlich den Tod zu ertragen und zu bewältigen. Ihre Beziehungsfähigkeit erstreckt sich in alle Dimensionen hinein, zur unbelebten Materie, zur vernunftlosen Vegetation und zur geisterfüllten Kreatur. Es gibt keinen Bereich, den die Liebe nicht erreichen kann. Sie erhebt uns mit ihrer Leichtigkeit schwungvoll in die Welt der Phantasie. Sie fasziniert uns mit ihrer Göttlichkeit geistdurchtränkt in der Ekstase des Himmels. Und sie verankert uns mit ihrer Erdverbundenheit bodenständig in der real existierenden Wirklichkeit.

 

4. Kreation – Liebe ist schöpferische Kraft

Die Liebe existiert uns voraus. Aus Liebe sind wir Menschen geschaffen und durch sie treten wir ins Dasein. Aus der Liebe, dem bedingungslosen Ja von Mann und Frau, und ihrer vorbehaltlosen Selbst- und Ganzhingabe im Akt der Vereinigung, entsteht neues Leben, wird der Mensch gezeugt und später geboren. Die Liebe der Eltern geht der Liebe ihrer Kinder voraus (und begleitet sie hoffentlich auch ein Leben lang). Der Liebe wohnt eine im wahrsten Sinn des Wortes kreative - schöpferische - Kraft inne, die ihre Wirkung körperlich, geistig und seelisch als göttliche Kraft entfaltet. Die Liebe zu suchen, zu entdecken, zu finden, sich anzueignen, aus ihrer schöpferischen Kraft zu leben, bleibt lebenslange Reifungsaufgabe eines jeden Menschen.

 





Thomas aus Hessen über Liebe und Sex und die darin enthaltene Affinität:


Im Ringen darum, das Erlangte zu bewahren und das Erstrebte zu gewinnen, vergisst der Mensch leider allzu oft, für die Freude des Augenblicks dankbar zu sein. Freude ist Zustimmung zu Welt, zur Schöpfung, zur eigenen Existenz. Und sie kann sich im freien Aufschwung des Herzens steigern zum Jubel und zur Ekstase.

Man kann Liebe und Sex unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Neben der Eigenständigkeit und dem Eigenwert gibt es zweifellos auch eine innere Hinordnung, Entsprechung und Ergänzung. Unter Affinität verstehe ich die gegenseitige Anziehung und Neigung zwischen Liebe und Sex. Die Liebe kann platonisch, emotional, sinnlich, physisch (und noch mehr) sein, im Sinn ihrer Selbstgenügsamkeit. Und gleichzeitig sucht sie als geistige Kraft immer auch Inkarnation, Fleischwerdung, Menschwerdung. Dabei kann Menschenliebe und soziales Engagement eine genau so gültige Verwirklichung der Liebe sein, wie die körperliche Vereinigung von zwei Liebenden. Im Idealfall (diese Betrachtungsweise ist mir sehr wichtig!) ist Sex der ganzheitliche Akt einer gegenseitigen leiblich-geistig-seelischen Hingabe und Verschmelzung und damit ein authentischer Ausdruck der Liebe! Ich gebe Dir recht, dass diese begehrte gleiche Qualität von Liebe und Sex zwar ein berechtigter Wunsch des Menschen ist, aber gleichzeitig auch reine Phantasie und Illusion bleibt, die fast nie Realität wird. Ideal und Wirklichkeit stimmen selten überein!

 Gibt es eine Synthese von Liebe und Sex, oder ist sie nur eine Selbsttäuschung des Menschen? Für mich ist die Synthese von Liebe und Sex (im Idealfall!) die Ekstase! Wenn eine große, wahre Liebe

vermittelt durch emotionale Erotik ihren wahrhaftigen Ausdruck in der leidenschaftlichen Vereinigung beim Sex findet, können die Liebenden zur Ekstase gelangen! So gesehen kann man die Ekstase auch als eine Synthese der Trias Liebe, Erotik, Sex verstehen. Ist Ekstase als Einheit aus dem Gipfel der Liebe und dem Gipfel des Sex nur Vorstellung, Illusion, Trugbild, Selbsttäuschung? Richtig ist, dass ein gleichzeitiges Zusammentreffen von einem erfülltem seelischen Freudentaumel und dem körperlichen Höhepunkt der Lust sich nur sporadisch ereignet. Das ändert aber meines Erachtens nichts daran, dass die Ekstase das höchste Erleben der Harmonie und Einheit ist!

Ein Aspekt von Sex ist ohne Zweifel der animalische, das wilde Tier in unserem Inneren. Wenn wir nicht aufpassen, holt uns dieser lauernde Dämon aus der Freiheit luftiger, himmlischer Sphären und zerrt uns gewaltsam ins Gefängnis stickiger, höllischer Abgründe. Wenn der Mensch beim Sex seinen animalischen Trieben folgt und sich hemmungslos der Gier nach Fleischeslust ausliefert, scheint ihm das im ersten Augenblick der verlockende Weg zur ersehnten Befriedigung zu sein. Tatsächlich aber wird er dadurch gewaltsam den harmonischen Symphonien der Liebe entrissen und brutal in die zerstörerischen Dissonanzen der Unmenschlichkeit gestürzt. Du hast leider recht, dass im Sex nicht nur das himmlisch-göttliche, sondern auch das irdisch-teuflische als potentielle Kraft vorhanden ist. Und diese dunkle Seite des Sex ist nicht nur in sich abartig (schlecht und böse), sondern sie hat auch eine brutale und Menschen verachtende Wirkung auf labile Familien und eine dekadente Gesellschaft.

"Thomas aus Hessen" -Sein entsteht im Sein“-

 


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