Mitternachtsbrauchtum im Detail

Schleiertanz

Auch dieser beliebte Brauch wird in aller Regel um Mitternacht durchgeführt. Der Braut wird der Schleier entfernt, z.B. durch die Trauzeugen, die Brautjungfern oder unverheiratete Gäste. Der Schleier wird an allen vier Ecken dann hochgehalten und darunter tanzt das frischgebackene Ehepaar – Braut und Bräutigam sind sie seit Mitternacht ja nicht mehr – zunächst zusammen. Gegen eine Geldspende, die in den aufgespannten Schleier geworfen wird, hat dann jeder weibliche Gast Gelegenheit, mit dem Bräutigam zu tanzen und jeder Mann, mit der Braut das Tanzbein zu schwingen – so lange, bis er oder sie durch eine weitere Geldspende vom nächsten Gastes abgelöst wird. Das gesammelte Geld dient dann als Taschengeld für die Flitterwochen.

Brautschuh- oder Strumpfbandversteigerung

In einer amerikanischen Versteigerung – das letzte Gebot gewinnt – werden ein Brautschuh oder ein Strumpfband der Braut versteigert. Wer bietet, zahlt einen vorher festgelegten Obolus, der je nach Finanzkraft der Gäste z.B. bei 2 oder 5 Euro liegen kann, in ein bereitgehaltenes Gefäß. Wird der Brautschuh versteigert, sollte man darauf achten, das letzte Gebot dem Bräutigam zu überlassen, denn sonst hat man ab diesem Moment eine hinkende Braut. Wählt man das Strumpfband, so kann jeder die Auktion gewinnen und darf u.U. – das ist Geschmackssache - als besonderes „Schmankerl“ anschließend das Strumpfband selbst der Braut entfernen.

Brautstrauß werfen

Ein am Niederrhein weit verbreiteter Brauch, der oft um Mitternacht durchgeführt wird. Die Braut versammelt alle unverheirateten Damen im heiratsfähigen Alter hinter sich und wirft dann, ohne sich umzusehen, den Brautstrauß in deren Richtung. Die Dame, die den Strauß fängt, soll, glaubt man dem Brauch, als Nächste aus der Runde heiraten. Wer seinen Brautstrauß nicht opfern will (weil der vielleicht getrocknet werden soll), kann durchaus auch ein anderes Blumengebinde verwenden.

Brautentführung

Hoffentlich um Mitternacht längst beendet: Die Braut wird von einem oder mehreren nahestehenden Freund/en von der Gesellschaft weg in eine andere Lokalität gebracht. Der Bräutigam muss sie, begleitet von anderen, meist männlichen Gästen, dann suchen. Bei jeder Einkehr in einem Lokal ist dann eine „Runde“ fällig, bis er seine Braut gefunden hat. Er löst sie aus, indem er ihr einen besonderen Wunsch erfüllt, zum Gaudi der mitgekommenen Gäste ein Liebesgedicht aufsagt oder nochmals auf das junge Glück und das Wiederfinden anstoßen lässt.

Doch Vorsicht: Eine zu lange Suche stört die Feier erheblich, denn die im Ausgangslokal verbliebenen Gäste langweilen sich in der Regel. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass das Brautpaar mit extremem Alkoholpegel erst nach Stunde zurückgekehrt ist und die Feier nicht fortsetzen konnte.

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