Hansjürg Rhyn - Reisebericht 12.Sept.-13.Okt.2011

Thailand-Kanada-Japan

Zuerst ein Flug mit China Airlines, anschliessend zwei Wochen unterwegs mit einem Motor Home in Kanada, als Hauptgang die Traverse des Nord Pazifiks auf einem grossen Containerschiff und als Dessert ein Onsenbesuch in Japan

Montag 12. September ist ein Doppeltag für uns, wir überfliegen die Datumsgrenze!

Um 1130 fahren im Panorama ab nach Hua Hin, parkieren unsern Camry im Baan Sansaran, und um Punkt zwölf Uhr fährt uns Tawan (in Nongs Auftrag) in schneller und sicherer Fahrt auf den Flughafen Bangkok, schon um 1430 stehen wir am Schalter der China Airlines. Nette Abfertigung, mit einem Fast Track Coupon begeben wir uns an den speziellen Schalter der Pass- und durch die Sicherheitskontrolle. In der Dinasty Lounge verbringen wir unsere Wartezeit mit dem Geniessen einiger kleinerer Snacks und dem Schreiben von e-mails.

Exakt um 1705 wird unsere A330-300 zurück gestossen, Abflugbereit. Wir sitzen auf 3AB, offensichtlich in einer ganz neuen Maschine, Bordeauxrote Ledersitze mit den neusten Einrichtungen, alles elektrisch gesteuert, Schalensitze mit guter Beinfreiheit und einem ausgeklügelten Inflight Entertainment System, sogar mit Google Maps kann man die Flugroute mit dem jeweiligen Überflugsort verfolgen. Aber es hat Wolken, wir sehen nichts, doch dafür begrüssen uns nette Hostessen überaus freundlich: Mr. Riin oder Mr. Räin, fragt die Chinesin und begrüsst dann auch Chai mit Mr. Rhyn. Ein Aperitif wird serviert, dann eine feine Thai Vorspeise und Schweinsschultern mit Kartoffelstock und Gemüse als Hauptgang. Ein feiner Riesling für mich, Chai nippt an einem Glas Chianti.

Im Nu ist dieses Teilstück des langen Pazifikfluges zu Ende und ich wünschte mir wir wären schon in Vancouver gelandet...

Zudem muss ich mein Vorurteil (und das einiger meiner Bekannten) revidieren und sagen: China Airline ist vorbildlich in der Safety, die Flight Attendants sind strickt mit dem verstauen von Gepäck, keine Handtasche wird unter den Vordersitz gelegt geduldet, alles muss im Hatrack verstaut werden.

In Taipeh haben wir fast zwei Stunden Aufenthalt, hier entpuppt sich die Dinasty Lounge als nicht so schön und überfüllt mit Fluggästen, wir greifen nicht einmal nach einem Drink und Snacks, denn beide sind wir übervoll...

Wiederum sehr pünktlich ist die A340-300 Abflugbereit, nach 10 Stunden und 45 Minuten sollen wir in Vancouver landen, am gleichen Abend, dem 12. September 2011.

In dieser Maschine sind die Business Class Sitze noch luxuriöser, kommen aber noch nicht an den Standard der Swiss oder Singapore Airlines heran.  36 Sitze gibts in der vordersten Kabine, keine Erste Klasse, es sind 3 Flight Attendants zuständig für des Wohl der Passagiere. Auch hier wieder persönliche Begrüssung mit Namen, es gibt Pantoffeln wie auf dem vorherigen Flug, grosse angenehme Kopfhörer und auch da die super Auswahl an verschiedensten Filmen und Musik. Man kann den Flug also richtig geniessen. Chai und ich entscheiden uns zu schlafen während ein Late Supper serviert wird. Die Sitzposition mit dem gestreckten W ist natürlich nicht optimal, aber ich schlafe doch etwa 7 Stunden mit Unterbrüchen, denn vier Stunden nach Abflug bricht schon der neue alte Tag an (nochmals der 12. September, den wir in Thailand schon mal gelebt haben). Und dieser Tag bringt es nur auf etwa 6 Stunden, kurz nach Sonnenuntergang landen wir in Vancouver. Vor der Landung wird noch ein vorzügliches Frühstück serviert. Was mir schon in Taipeh aufgefallen ist und auch hier in Vancouver gleich ist: keine Polizei und Sciherheitskräfte bei der Ankunft des Flugzeuges, nicht wie in Zürich oder andern europäischen Destinationen, wo die Polizei nach suspekten Personen Ausschau hält; unglaublich nettes und freundliches Personal in Taipeh wie Vancouver, der Passportkontrolleur ist sogar zu einem Spässchen bereit, wünscht uns eine gute Reise in die Rockies! Wo habe ich wohl das letzte Mal so nette Beamte gesehen? Die Einreise in Kanada entpuppt sich auch für Chai von bester Seite, alles klappt und alle sind freundlich.

Mit dem Shuttle Bus fahren wir ins Delta Vancouver Hotel, ein alter Kasten in unmittelbarer Nähe, das richtige nach einem langen Flug. Ein heisses Bad und dann kurz ins Restaurant Pier 57, wobei dort der Service ausgesprochen langsam ist und die Spaghetti Bolgnese Chai gar nicht schmecken, dafür geniesse ich die Gnocchi umso mehr.

Wir sind so durcheinander nach diesen zwei Tagen 12. September unterwegs! Müssen uns einige Male vergewärtigen, dass es in Thailand schon der 13. ist, 14 Stunden Zeitdifferenz. Zum Glück habe ich einen freien Tag eingeplant nach unserer Ankunft in Vancouver und dieser entpuppt sich als bewölkt, regnerisch, richtig also zum ausruhen. Auf mein „das Wetter hier in Vancouver sei aber kalt“ antwortet die Empfangsdame im Hotel: „oh, it’s such a lovely warm day today“. Da wurde mir bewusst, dass ich wirklich nicht mehr an die kalten Temperaturen gewöhnt bin.

  

Trans Canada - Canadream

Am 14. September werden wir um 1130 von einem Chauffeur abgeholt und zur Trans Canada Camper Vermietung gebracht, übernehmen ein grosses Mobile Home von Canadream. Eingewiesen wird auf Deutsch, sie hätten sehr viele Gäste aus der Schweiz und Deutschland. Kurz vor zwei Uhr starten wir das Riesending, eine ganz andere Sicht aus dieser Fahrerkabine hinaus auf die Strasse – ich komme mir vor wie in einem Lastwagen! Chai schaut auf die Landkarte und lotst mich so auf den Kanada Highway Nummer 1. In Chilliwack zweigen wir ab zu einer Tankstelle, mit grossen Augen sehe ich dass da fast zweihundert Liter Benzin eingefüllt werden können und die Rechnung dementsprechend hoch ausfällt – aber es geht ja mit der Kreditkarte, da merkt man es gar nicht...

  

In Hope suchen wir einen RV-Campinplatz und schliessen uns am Strom an, so können wir auch die warme Dusche benutzen und den Mikrowellenofen. Bald steht etwas Gluschtiges Thai auf dem Tisch und nach einigem Töggelen im Notebook löschen wir die Lichter und lassen den Tag ausklingen.

Am andern Morgen ist es finster im Tannenwald, es tröpfelt etwas und wir fahren nicht gerade so freudig ab. Es geht Berg auf nun auf dem Highway 5 Richtung Merritt. Wir sind erschüttert wie die Tannenwälder aussehen: dürre Gerippe, schwarze Nadeln, riesige abgeholzte Flächen – uns wird nachher erzählt dass ein unerwünschtes Insekt die Wälder verseucht habe, alle Bäume am absterben seien.

Vor Peachland/Kelowna kaufen wir ein, auch Blumen für unsere Visite bei Franz und Dona, er als mein Nachbarsbub aufgewachsen, schon lange in Kanada lebend. Natürlich ist die Freude des Wiedersehens gross, wir plaudern über früher und geniessen den Wein und das feine Abendessen. Sie lassen uns in ihrem sehr schönen Haus schlafen, meinen wir könnten dann noch genug in unserer kleinen Kabine des Motor Homes schlafen...

 

Okanagan Valley

Jetzt wird die Laune noch besser, eine strahlende Sonne weckt uns und begleitet uns nach dem Frühstück auf die Fahrt dem Okanagansee entlang Richtung Osoyoos (an der Grenze zu den USA gelegen), von dort aus fahren wir richtig Berg und Tal nach Osten bis zum Christina Lake. Hier heisst der Übernachtungsort Cascade RV-Park. Zum Glück ist es schon Nebensaison, die Plätze sind nicht mehr so gut belegt, man kann noch auswählen. Auch hier hat WiFi Einzug gehalten und wir schauen unsere neusten Mails an. Aber um 1950 sind meine Augenlider so schwer, dass ich förmlich grad einschlafe, dafür um 3 Uhr morgens wieder hell wach bin. Aber auch Chai steht um 4 Uhr auf, wir schalten die Heizung ein, es ist in der Nacht empfindlich kalt geworden.

  

Kootenay Gebiet

Ehemaliges Indianderland, wie Osoyoos auch, wird heute durchfahren, über den 1550m hohen Bonanzapass und den 1774m hohen Kootenaypass nach Cranbrook wo wir wieder einmal 109 Liter Normalbenzin einfüllen und auch für uns Lebensmittel besorgen.

Kurz vor Cranbrook weist uns eine Tafel am Strassenrand darauf hin die Uhren eine Stunde vor zu stellen, hier ist Mountain Time, nicht mehr Pacific Time. Also ist unser Tag wieder einmal um eine Stunde kürzer geworden.

  

Statt eine angenehme Tagesetappe von 250km fahren wir heute 410km durch bis Fairmont Hot Springs, hier gibts einen tollen Campingpark mit heissem Quellwasser, der Übernachtungspreis ist auch dementsprechend hoch: 44.80CA$, verglichen mit dem günstigen Platz gestern, wo uns 28.80CA$ abgenommen wurden.

Warum gibt es in Menschengruppen, die zusammen reden, immer eine oder einer mit einer durchdringenden Aussprache? Auf dem Nachbarplatz sitzen sie beim Aperitiv zusammen und eine Männerstimme dröhnt so laut zu uns herüber, ich würde ihm gerne die Kehle zuschnüren gehen... Dafür fliegt gerade ein Specht an den Baum vor unserm Camper und vor Bären wird gewarnt.

  

Banff

Bedeckt ist der Himmel und ein eisiger Wind bläst, in der Höhe scheint Schnee zu fallen. Die Strassen sind super, gut unterhalten und breit, heute hat es etwas mehr Verkehr, ob es wegen dem Sonntag ist oder wir nun in den bekannteren Gebieten Kanadas sind. Wir kommen gut vorwärts und sind um die Mittagszeit schon in Banff. Ein herziges Städtchen mitten in diesen riesigen Tannenwäldern, umgeben von schroffen Bergen. Die Sonne kommt etwas heraus und gibt den Häusern einen warmen Anstrich, die Menschen flanieren herum, alle Geschäfte sind offen.

Im Tunnel Mountain RV-Park bekommen wir die Nummer 52 zugeteilt, ein Platz mit etwas Aussicht, elektrischem Anschluss und Wasserleitung in der Nähe. Wir bringen unsere Leibwäsche in eine Coin Laundry und spazieren während die Maschine wäscht, der einsetzende Regen uns aber zurück treibt.

Ein Glas „Naked Redwine“, nicht im Eichenfass gelagerter Rotwein, und Pommes Chips vor dem Znacht, das Chai wiederum im Nu zubereitet hat und sehr gut schmeckt. Heute gibts hier keine Internetverbindung, das heisst wir können mal lesen und Tagebuch führen.

  

Regen und Schnee

Sonntagmorgen ists und gewittrig, starker Regen weckt uns, nicht gerade ein Aufsteller. Aber trotzdem fahren wir von Banff weg Richtung Jasper und wir haben Glück, schon auf dem Bow Valley Highway wirds heller und in weiter Ferne sehen wir die ersten Flecken blauen Himmels. Aber die Schneefallgrenze ist herunter gekommen, auf dem Bow Summit sind die Parkplätze verschneit. Es beginnt sonnig zu werden, bald sind fast alle Wolken verschwunden und wir sehen die Gletscher, die majestätischen Berge, frisch verschneit und dahinter der tiefblaue Himmel. Die Sunwapta und Athabasca Wasserfälle ziehen natürlich alle Touristen an, tausenfach wird hier fotografiert.

  

 

Jasper

Im Jasper Touristenbüro fragen wir nach Campgrounds: nur noch der grosse Campingplatz im Nationalpark ist offen, 4 km entfernt, ohne WiFi, Internetanschluss scheint es nur in Restaurants und der Bücherei zu geben... Jasper hat 5000 Einwohner, in der Touristensaison seien es 20'000, liegt nur auf 1050 m Höhe und ist mit vielen kleinen tiefblauen Seen in herrlichem Waldgebiet gelegen.

Welche Überraschung: dieser einzige Campingplatz ist voll besetzt, wenigstens die Plätze mit Stromversorgung, so bleibt uns nichts anderes übrig als einen einfachen Platz zu nehmen, dieser entpuppt sich dann als super schön mitten in den Tannen- und Espenwäldern gelegen. Die Sonne wärmt uns noch beim Nachtessen, doch dann wird es kalt. Ohne Strom, das heisst auch ohne Heizung, gehen wir früh in die Federn und erwachen auch sehr früh wieder schlotternd, auch Chai hat das erste Mal kalt. Das Gras ist gefroren, Chai ruft aus als er einen gefroren Teich sieht, unmöglich meint er, in so kurzer Zeit.

Wir wärmen uns dann bei einem Lauf vom Pyramidenlake auf, 2 Stunden Marsch auf einem schönen Waldpfad mit zum Teil super Aussicht auf Jasper und die Berge.

Am Nachmittag fahren wir mit dem Tramway auf den 2040m hohen Mt.Whistler, es ist wolkenlos, vielleicht 5° an der Bergstation und es hat Touristen wie auf dem Jungfraujoch! Sogar Berner sind darunter! Der Wind weht eisig, auch hier machen wir einen kurzen Marsch gegen den Berggipfel zu, ziehen es aber vor wieder mit der Gondel ins wärmere Tal zu fahren. Aus der Gondel erspähen wir drei kleinere Bären und auf unserm Campingplatz grasen einige Elche.

  

Icefield Highway und Lake Louise

Leicht bewölkt ist es am Mittwoch als wir unser Motor Home bereit machen (Abwasser an der vorgesehenen Stelle ablassen, Frischwasser auffüllen) und von Jasper aus über den fast 200 km langen Icefield Highway blochen. Auf dem Bow Pass an einem blauen See stoppen wir für die Mittagsrast und checken kurz vor 1300 im Campground Lake Louise ein. Anschliessend fahren wir zum Fairmont Chateau um von dort aus dem Lake Louise entlang zu laufen, ein grosser blaugrüner See, im Hintergrund die Berge und herabhängenden Gletscher. Chai kehrt um und ich laufe noch bis auf 1900m hinauf, doch eine kalte Bise kommt auf und ich mache wieder kehrt.

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Das Wetter schlägt wieder um, so entschliessen wir uns weiter zu fahren, wieder westwärts bis zum Emerald Lake kurz nach Field auf der Kicking Horse Strasse. Hier umrunden wir den grün-blauen Bergsee in 1.05 Stunden, frische Luft und der Duft des Moores, der verschiedenen Moosarten, vermodernder Bäume vermischen sich.

  

Golden

5 km südlich von Golden finden wir den Eco Adventure Campingplatz, da ausserhalb der Nationalparks hat es fast keine Gäste hier. Wir sind früh dran, können uns heute einmal ausruhen. Mit dem Notebook laufe ich durch den Wald und übers Feld zum Office, dort habe ich WiFi, kann meine mails wieder mal aufladen und senden. Und die Wetterprognose konsultieren, die nichts Gutes verheisst, noch zwei Tage schön, dann wieder eine Woche Regenwetter... Wenns stimmt!

Über den Rogers Pass (1330m) fahren wir nach Canyon Hot Springs, wieder mal ein heisses Bad mit super Aussicht auf die Bergwelt, ein kurzer Spaziergang (Boardwalk) unter den Redwoodtrees um anschliessend in Revelstoke auf ca. 600m Höhe anzukommen, mitten in einem tiefen Tal umgeben von Tannenwäldern.

  

Williamson Lake

heisst der Campground, den wir heute ansteuern. Nichts Spezielles, einfach ein normaler offener Grasplatz mit einem idyllischen Seelein, sicher im Sommer ein grosser Anziehungspunkt für Familien mit Kindern. Jedenfalls haben wir sehr guten Internetempfang, sind froh über die Coin-Laundry und die sauberen Toiletten/Duschen.

Samstagmorgens erwachen wir im dichten Nebel der sich bald lichtet, oben im Dorf scheint schon die Sonne und ein wolkenloser Himmel ist mit uns den ganzen Tag. Mit einer Eintrittsgebühr fahren wir die 26 km hoch hinauf auf 1950m auf die Meadows of the Skies im Revelstoke National Park. Die Tannen sind hier in Kanada viel schlanker als im Schwarzwald, höher, dichter wachsen sie nebeneinander, alles wirkt strenger mit diesen Stelzenbäumen. Was in der Schweiz lieblicher ist an Bergen und Alpen ist hier wuchtiger, grösser, mächtiger. Stundenlang sieht man einfach Tannenwälder, keine Dörfer, über den Wäldern die schneebececkten Bergkuppen, die nicht so majestätisch wirken wie die Berner Alpen.

 
Revelstoke sei jeden Winter mit Schnee bedeckt, sagt uns die Serviertochter im Isabella’s Restaurant, manchmal bis zu zwei Metern hoch. Ein schönes Dorfzentrum mit Bauernmarkt. Ich kaufe mir einige Zwetschgen, wann habe ich wohl die letzten frischen Zwetschgen gegessen – süss-säuerlich, mit schöner Farbe. Ein Zwetschgenkuchen wäre jetzt auch nicht zu verachten, aber wir essen mal eine Pizza.

  

Traue der CNN Wetterprognose nicht

Schon zum zweiten Mal auf dieser Reise sind die Wetterprognosen von CNN total daneben. Ein paar Regentropfen sind gefallen heute Morgen, aber anschliessend war das Wetter bestens, die 370 km lange Fahrt gingen vorüber, wenn auch mit Staus und zu vielen Rotlichtern in Kelowna, es schien dass alle Autofahrer unterwegs in die vielen Shoppingcenters seien. Jedenfalls haben wir auf der ganzen Reise nie so viele Autos aufs Mal gesehen.

Das Okanagantal wird gerühmt wegen seiner milden Lage, die kahlbraunen Hügel, die vielen verbrannten Waldflächen und der dunkle See machen mir zwar nicht gerade den Eindruck eines lieblichen Tales. Von Penticton aus geht es wieder in die Täler hinein, es wird grün (wo es Wasser hat) und wir sehen unglaublich viele Obstplantagen, Früchteverkaufsstände am Strassenrand.

In Penticton zweigen wir in den Municipal Campground ein, auf 800 m Höhe gelegen. Der Besitzer ist freundlich und erzählt wie es im Winter 1-3 m Schnee haben könne, früher als er in die Schule laufen musste seien es noch viel mehr gewesen.

  

270 Kilometer Regenfahrt

Als Abschluss der Rundreise fahren wir am Montag 26. September 270 Kilometer im Regen. Kurze Rast in Chilliwack, hier geniessen wir ein Kanadisches Zmittag mit einem grossen Steak und Pommes Frites.

An die Grenze zu den USA geschmiegt liegt der letzte RV Pacific Border Campground. Fast voll besetzt mit Dauermietern, die Besitzerin klärt mich auf: das seien alles ältere Leute die den Sommer hier verbringen, an den nahen Strand gehen würden. Ich würde keinen Tag länger hier bleiben, wir sind froh über die Sauna, das Innenschwimmbad, die gute Infrastruktur, so können wir am andern Morgen unser Motor Home noch sauber machen, die restlichen Esswaren der Besitzerin übergeben – sie hat gleich heraus gefunden, dass unsere Reise zu Ende geht und uns gebeten Esswaren ihr zu bringen, sie würde sie an eine ärmere Familie weiter geben – auch das ist Kanada.

Am Dienstag müssen wir vor zehn Uhr morgens das Motor Home abgeben, nach 2843 km langer unfallfreier Fahrt. Mit einem Büsschen werden wir ins Delta Vancouver Hotel chauffiert und können schon um 1030 Uhr ein Zimmer beziehen. Chai hat keine Lust mehr in die Stadt Vancouver zu fahren: er will nicht mehr laufen, schaut lieber TV. Mit dem gratis Shuttle fahren wir zum Zmittag auf den Flughafen, dort hats viele kleine Restaurants. Abends fliegt Chai zurück nach Bangkok und ich organisiere meinen Transport fürs Einschiffen auf das Containerschiff TOSCA, das mich in zehn Tagen über den Nordpazifik nach Yokohama, Japan, bringen wird.

  

TOSCA

Nach einigen Telefonaten bekomme ich die klaren Instruktionen per e-mail, wo das Schiff liegt und wann ich einsteigen könne. Ich fahre mit einem Taxi nach Delta Port Terminal (35 km) in der Nähe der Tsawwasen Fähre und ohne grosse Kontrollen werde ich von einem Sicherheitsmann mit dem Auto an die Gangway geführt. Kein Kreuzfahrtschiff, kein Tamtam, selber suche ich den Weg hinauf aufs Schiff die steile Treppe hinauf, sehe einen Matrosen, der mir die Türen öffnet. Ich werde registriert, fotografiert und es wird mir gesagt, dass noch zwei weitere Passagiere mitfahren werden, Schweizer!

  

Die Kabine auf dem F-Deck ist sehr gross, zwei Fenster Richtung Bug, so sehe ich über die Container in die Ferne. Ein Schreibtisch, Sofa, Stühle, künstliche Orchideen in einer Krippe, ein grosses Bett, Dusche und WC. Und erstauntlich ist dann das super gute Dinner, man merkt dass das Schiff einer französischen Gesellschaft gehört, Tischwein gibts so viel man will, eine gedruckte Menükarte liegt auf dem Tisch, Vorspeise, Hauptgang und Dessert – auch die beiden Schweizer, Karin und David, sind begeistert, für sie ist es die erste Frachtschiffreise. Sie beide sind ungezwungen,  ans Reisen gewöhnt, denn sie sind auf einer Weltumrundung. Via Südamerika und Kuba sind sie nach Kanada gelangt, wo sie ausgiebige Wanderungen machten und jetzt die Ruhe auf dem Schiff, die programmlosen zehn Tage geniessen.

  

Am zweiten Tag herrscht immer noch emsiges Treiben mit entladen und beladen, im Minutentack werden Container verschoben, riesige Kranausleger heben die tonnenweise Fracht. Wir sind zum Nichtstun auf dem Schiff, Treppen hinauf und hinunter, 8 Stockwerke hoch mit je 14 Treppenstufen. Schlussendlich sind ungefähr 3600 grosse Container geladen, 4500 haben Platz. In Kanada haben wir Eisenbahnzüge mit 75 Waggons gesehen, auf jedem doppelstöckig Container geladen, das ergibt 150 Container pro Zug, somit müssten 24 Züge im Hafen einfahren, wenn da nicht noch viele Container per Lastwagen hingebracht würden.

Um 1930 Uhr werden die Leinen los gemacht, schade, dass es schon dunkel ist, nur die stark beleuchtete Hafenanlage erhellt noch den Abendhimmel. Ruhig gleiten wir in die Nacht hinaus und erwachen morgens schon weit vom Land entfernt im pazifischen Ozean, weit ausserhalb der Küste der Victoria Islands geht es nordwestlich Richtung Alaska und den Aleuten zu. Die See ist ruhig, es schlingert wenig, die Sonne begleitet uns den ganzen Tag.

 

Nachmittags ist Notfalldrill für die Besatzung, wir Passagiere müssen uns mit dem Notanzug vertraut machen. In jeder Kabine hat es einen Notanzug, ähnlich einem Taucheranzug, der in 30 Sekunden angezogen werden müsste, sollte das Schiff in einer Notlage sein und wir es verlassen müssten.

David und ich machen uns behelmt auf den Rundgang ums Schiff, alles modern und gut angeordnet, keine Treppen um die Reeling herum, fast 600m ein Rundgang, ein Spaziergang gegenüber dem  Treppensteigen vom Parterre in den 9. Stock mit je 14 Stufen, da kann man sich das Nachtessen abverdienen. Die Tosca ist ungefähr 340 m lang und 43 m breit, hat 14 m Tiefgang und Motoren, die ein ganzes Städtchen mit Strom versorgen könnten. Der Maschinenraum reicht ungefähr 4.Stockwerke in die Tiefe.

Die Besatzung ist lässig und nett, Kapitän und Chefkoch, einige Offiziere und sogar eine junge weibliche Maschinistin, sind Franzosen, die andere Hälfte der Crew kommen aus Rumänien und 4 Matrosen (Maler) aus Indien.

Schon in der zweiten Nacht auf See werden die Uhren um eine Stunde zurück gestellt. In zehn Tagen müssen die Uhren um 8 Stunden zurück gestellt werden. Und auf der Datumsgrenze mitten im Pazifik überspringen wir einen ganzen Tag.

 

Von Walen und Baren

Am vierten Tag fahren wir durch die Meerenge der Aleuten, im Norden die Alaska Insel Unimak, ungefähr auf dem 54. Breitengrad. Hier strömen die Wasser der Beringsee und des Nordpazifiks zusammen und zu dieser Jahreszeit tummeln sich viele Wale in dieser Gegen. Von der Brücke aus sehe ich einige auftauchen, auch wenn die Wale schwer zu orten sind bei diesem Wellengang mit den vielen weissen Schaumkronen.

Auch die Baren auf dem Schiff sind stark frequentiert während der letzten zwei Tagen. Die Maschinistin Clothilde feiert ihren 25. Geburtstag, sie verwandelt sich in die Barmaid und kredenzt allen ihren gewünschten Drink, anschliessend während dem Dinner fliesst der Rotwein. Mit vollem Bauch ziehe ich mich in meine Kabine zurück, während Karin und David bis weit nach Mitternacht mit einigen Besatzungsmitgliedern weiter festen und mit einem Kater zum Sonntagslunch kommen. Für dieses feine Mittagessen wrrden wir an den Kapitänstisch geladen, alle erscheinen festlich gekleidet mit ihren weissen Uniformhemden, richtig sonntäglich.

 
  
Eine zweistündige Führung durch die Maschinenräume beeindruckt uns natürlich sehr. Eine ganz andere Welt, lärmig und heiss kann es in diesen Räumlichkeiten werden, vor allem wenn das Schiff durch tropische Gewässer pflügt. Der jünste Maschinist, ein Nachfolger Tschingis Khans aus Rumänien führt uns durch sein Reich, zeigt uns die starken Motoren und die mehr als 20m lange Antriebswelle, weit unter dem Wasserspiegel sehen wir wie sich diese Welle pro Sekunde ungefähr einmal dreht. Und wie das Ruder computergesteuert jede Windböe ausgleicht.

Das Materiallager ist sehr gross, Leuchtstoffröhren, Schrauben, Ersatzteile, alles ist vorhanden – genau so wie das Vorratslager für die Küche, von 100 Kisten mit Baguettes über Butter, Früchte und Salat, Boursin und andere Käsesorten, Fleisch und Wurstwaren und eben auch Getränke, Rot- und Weisswein, Pernod, Suze und Whisky.

 
Karin fragte den Koch ob sie mal in der Küche mithelfen dürfe, er willigte ein. Jetzt geht sie dran eine Rüeblitorte zu backen und vielleicht noch eine Mandeltorte. Ein herzliches Danke schön an die Besatzung!

Leider sind die Temperaturen auf dem Nordpazifik kalt, in meiner Kabine ists immer um die 19°, Meerwasser und Luft sind so zwischen 8-10°. Das heisst an die frische Luft, zu Rundgängen auf dem Schiff kann man nur mit Winterkleider gehen. Erst ab Höhe Hokkaido steigen die Temperaturen auf 15-25°. Meine nächste Passage sollte ich also wieder im Aequatorgebiet buchen, wo man draussen sitzen und ein Buch lesen oder die Sonne geniessen kann. Diese Frachtschiffreise war das letzte Segment einer Weltumrundung in Etappen, verwöhnt mit dem guten Essen an Bord der Tosca werde ich mir gut überlegen nochmals wieder mit einem Frachter unterwegs zu sein.

  

Yokohama, Japan

Bis zu unserer Ankunft am Minami Honmoku Terminal in Yokohame werden wir ungefähr 4244 Seemeilen zurück gelegt haben oder 7860 Kilometer, 8 Zeitzonen durchquert, 228 Stunden unterwegs gewesen sein mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von ungefähr 34 km pro Stunde.

Einfahrt in die Bucht von Tokyo ist zwischen 0600 und 0900 am 10. September, Lotsen kommen an Brod, sie sind verantwortlich, dass das Schiff auf dem richtigen Kurs an die Anlegestelle geleitet wird. Um 0915 ist das Anlegemanöver abgeschlossen, der Kaptän verabschiedet uns auf der Brücke. Wir müssen noch auf die Immigrationsbehörde warten, um 1130 verlassen wir das Schiff und fahren mit dem Zug nach Tokio.

 

Als Dessert Japan

Das Tüpfchen aufs i ist natürlich Japan als Dessert. Wie unterschiedlich ein Land doch sein kann. Immer wieder beeindruckend, auch nach hundert Ankünften ist dieses Land immer wieder sehens- und bewundernswert. Schon das Gewusel in Tokio mit seinen unzähligen Eisenbahnen, auf die Minute genau fahren die Züge, Vorortszüge, Shinkansen, normale Züge, alle auf parallelen Schienensträngen, eine Bahngesellschaft in Konkurrenz mit der andern, überholen, fahren neben einander, alles bewegt sich und an den Bahnhöfen ergiesst sich tagtäglich ein Menschenschwall durch die Ein- und Ausgänge. Ameisenhafte und unerklärliche Wege gehen die Menschen.

  

Erstaunlich auch dass die Billetpreise in den letzten Jahren gesunken sind. Zahlte ich vor 16 Jahren für eine Fahrt mit dem Tobu Spacia von Asakusa nach Kinugawa Onsen 2900 Yen sind es heute noch 2800 Yen. Auch die nachfolgende Fahrt mit dem Bus nach Meotobuchi ist heute 500 Yen billiger. Wie immer, wenn ich eine Übernachtung im Hatcho Noyu Onsen gebucht habe wartet der Shuttlebus auf mich und um 1530 werde ich in diesem ländlichen Ryokan willkommen geheissen.

  

Sie haben ausgebaut, einige Blockhütten sind neu, leider ist das Wasserfallrotemburo durch einen Felssturz zerstört worden, doch die andern Bäder sind immer noch um die 40° heiss und jetzt vom herbstlichen Wald umgeben leuchten sie im Sonnenschein in den malerischsten Farben.

 

Hier auf 1300 Metern Höhe ist es kühler als in Tokio, 14° am Nachmittag, morgens um die 7°, Zum Glück stellen sie Gasöfelchen in die Zimmer, die Japaner scheinen die Kälte besser ertragen zu können... Jedenfalls bin ich froh, dass ich meine Gebeine in der heissen Quelle erwärmen und anschliessend ein ursprüngliches japanisches Nachtessen geniessen kann. Als einziger Ausländer und 32 Einheimischen in ihren Yukatas falle ich schon ein bisschen auf, vor allem weil es mir nicht gelingt im Schneidersitz auf der Tatamimatte auszuharren. So wird ein Dinner fast zu einer Tortur.

  

Essen, heisses Thermalwasser, schlafen, wieder ein heisses Bad, frühstücken, und los gehts zu Fuss durch den herrlichen Wald am Bach entlang in 1.15 Stunden zur Bushaltestelle Meotobuchi.

Die zweistündige Busfahrt könnte nicht schöner sein, an drei Stauseen entlang, durch viele Tunnels, Kurvenreich, gehts durch die herbstlichen Wälder, der blaue Himmel leuchtet.

Das war mein Highlight, so oft ich schon in diesem Tal war, jedes Mal ist es wieder anders – Japan, ich komme wieder!

 

Weitere Reiseberichte:


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Hans J.Rhyn, Panorama Pool Villa 57, Moo 1, Pak Nam Pran, Pranburi 77220, Thailand

hansrhyn@gmail.com