Otze

Burgdorf-Otze | Hertha, Swin Golf, Wellblechpalast, Gasthaus ohne Bahnhof und Seims Back sind Begriffe die mit dem heutigen Burgdorfer Ortsteil Otze fest verbunden sind aber dennoch zum Nachdenken anregen.

Möchte man sich sportlich betätigen, gibt es zum einen den als Breitensportverein gut aufgestellten und über einhundertjährigen Verein Hertha Otze und zum anderen die Freizeitsportanlage „Swin Golf - Golf für Jedermann “ auf dem Hof Lahmann. Zum Essen ausgehen kann man in Otze im griechischen Gasthaus Parga, im Wellblechpalast und im Gasthaus ohne Bahnhof. Bei dem Wellblechpalast handelt es sich um eine Nissenhalle, eine Art Flugzeug-Hangar die bereits 1977 gebaut wurde und bis zu ihrer heutigen Nutzung als gastronomischer Betrieb als Maschinengarage für Mähdrescher, Trecker, und als Kartoffellager und Abpackhalle diente. Jürgen Sievers übernahm vor fast 45 Jahren das Gasthaus am Bahnhof in Otze als Gaststätte mit Festsaal. Als in den frühen 80ér Jahren der DB Bahnhof von Otze in kürzester Zeit abgetragen wurde, überklebte der Gastronom das Wort „am“ mit dem Wort „ohne“ und hatte dennoch viel Spaß bei Besuchen und Feiern im „Gasthaus ohne Bahnhof“.

Otze liegt in nördlicher Richtung ca. 3 Kilometer von Burgdorf entfernt an der K121, B3 und an der Bahnstrecke Lehrte–Celle, die von der S-Bahn Hannover bedient wird. Die rund 1800 Einwohner schätzen die exponiert gute Verkehrsanbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr hoffen aber auch darauf, dass der Verkehr durch eine geplante Y-Trasse im Bahngüterverkehr nicht explosionsartig zunimmt. Es ist ein gut gewachsener Ort der immer wieder Bürger eine Neuansiedlung ermöglicht und seine langen Geschichte und Tradition pflegt und bewahrt. Zu den ältesten Kapellen am Südrand der Lüneburger Heide zählt die sehenswerte Kapelle in Otze. Die Kapelle mit dem hölzernen Glockenturm wurde um 1350 erbaut. Der Altarraum ist 16 Meter lang und 6 Meter breit und durch eine schwere alte Eichentür an der Nordseite zu erreichen. Die teils im gotischen Stil errichtete Kapelle ist innen mit Malereien und Schnitzwerken reich verziert und enthält u. a. einen geschnitzten spätgotischen Flügelaltar. Bereits im Jahre 1461 wurde die Glocke für Otze mit der Inschrift „Maria bin ick geheten, de von Ocese hebben mi laten geten, Nicolaus anno dom. MCCCCLXI.“ gegossen.

Auch wenn Otze erstmals 1321 in einem Güterverzeichnis des St. Michaelisklosters in Hildesheim erwähnt wird, so geht man davon aus dass der Ort seit über 1000 Jahren besteht und die Gegend hier aufgrund von archäologischen Fundstücken bereits seit insgesamt 4000 Jahren besiedelt ist. Im Mittelalter gehörte Otze zu den neun Freibauerndörfern der „Grafschaft über dem Moore“ um Burgwedel. Sie unterstanden dem Schutz und der Aufsicht einer Sondergerichtsbarkeit des Landesherrn, dem Freiengericht. Dieses Gericht verhandelte und richtete nur kleinere Delikte, wie Körperverletzungen, Diebstähle, Weidevergehen. Das Freiengericht tagte in der Regel zweimal im Jahr reihum in den einzelnen Dörfern, in Otze letztmals am 10. September 1661. Heute findet ein ähnliches Zeremoniell in Erinnerung daran als öffentliche Ortsratssitzung anlässlich der Otzer Woche im September auf dem Lindenbrink im zentralen Ortskern statt. Die einst mächtige Linde an diesem Platz wurde durch drei Eichen ersetzt. Der Löwe als Zeichen des Freiengerichts sowie die in der Otzer Kapelle gemalten Apostel- und Weihekreuze wurden 1957 Teil des Otzer Wappens.

Für Eheschließungen in einem besonderen Ambiente bietet Otze in einem alten, liebevoll restaurierten Fachwerkgebäude, dem ‚Seims Backs' genannten alten Speicher. Das Gebäude hat eine lange und wechselvolle Geschichte. 1643 erbaut, diente es zuerst als Backhaus, später als Speicher. Der Verein ‚Arbeitsgemeinschaft Dorf e.V. Otze' baute das Gebäude 1982 am alten Standort ab und errichtete 1989 das ‚Seims Backs' an seinem heutigen Standort in der Straße ‚Am Speicher' in Otze.

Der Kartoffelmarkt innerhalb der Otzer Woche ist als Ortsfest mit Tradition weit über die Grenzen hinaus bekannt und ein Anziehungspunkt im gesellschaftlichen Leben. In diesen Tagen ist der langjährige Ortsbürgermeister Carl Hunze Motor, Manager und Moderator bei vielen Programmpunkten dieser Veranstaltungswoche im Ort die seit 1982 jedes Jahr im September stattfindet. Auf dem Lindenbrink werden verschiedene Gerichte rund um die Kartoffel wie z.B. Folienkartoffeln, Kartoffelpuffer und Pommes Frites sowie frisch geernteten Kartoffeln zum Einkellern angeboten. Besonders begehrt ist der Otzer Kartoffelschnaps, der neben der "Schlehenglut" ein besonderes Markenzeichen des geselligen Festes ist. Neben den Gaumenfreuden wird auch ein Flohmarkt, ein Kartoffelschälwettbewerb und musikalische Unterhaltung jeglicher Art geboten.

Für diese Impressionen war das OKOK Team an mehreren Tagen in Otze unterwegs und wurde immer herzlich aufgenommen. Den vielen Informationen und tollen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern im Ort gilt unser besonderer Dank. Gern geben wir die Empfehlung diesen Ort selbst zu entdecken und die „Otzer“ selbst einmal kennen zu lernen.

Das OKOK Television Team ist im Burgdorfer Land unterwegs um die Spuren der Vergangenheit zu entdecken und sie gegenwärtig in Fotografien weiter zu geben.