Evern

Sehnde: Evern | Das OKOK Team ist unterwegs im kleinen Dorf Evern am Billerbach. Seit fast 38 Jahren zur Stadt Sehnde zugehörig war Evern im Landkreis Burgdorf bis 1974 noch selbständige Gemeinde. Vor dieser Reform gab es Bestrebungen, sich mit den Nachbarorten Rethmar, Dolgen, Haimar und Harber zu einer Samtgemeinde zusammenzuschließen, was allerdings aufgrund der nötigen Einwohnerzahl nicht zustande kam. Doch die Bürgerinnen und Bürger von Evern, heute sind es ca. 570, schreiben selber von sich auf Ihrer eigenen Homepage, das die Dorfbewohner in dem seit 1117 erstmalig erwähnten Ort auch schon im Mittelalter „ihren eigenen Kopf hatten“. Das Dorf wechselte häufig den Besitzer und wurde periodisch dem katholischen Bistum Hildes­heim und dem evangelischen Fürstentum Lüneburg/Celle verpfändet. Die Lehnsherren bestimmten aber die Konfession ihrer Untergebenen, So wurde Evern in kurzen Abständen evangelisch und dann wieder katholisch.

Das Dorf wirkt an diesem Samstag Mittag im Jahr 2011 etwas verschlafen, doch „das ist nur Täuschung“ entgegnet uns ein Ehepaar die uns zunächst für ein Team von „Google Street View“ halten. Es gibt hier ein vielfältiges Dorfleben. Tradition hat der Theaterverein (Kinderzirkus), die Junggesellschaft Evern von 1890, der Schützenverein, Jagdverein, die Freiwillige Feuerwehr, die seit 1924 bestehende Feuerwehrmusikkapelle und die unterhaltsame Dorfführungen die angeboten werden. Wenn die Menschen hier zusammenkommen, werden gern auch die typischen Ortsgeschichten erzählt.
So gibt es zum Beispiel die Anekdote, wie die ehemalige Dorfkneipe Fasanenkrug zu ihrem Namen kam. In einer Sommernacht, so wird berichtet, saß eine kleine Gesellschaft noch spät abends bei geöffneter Tür beim Bier. Ein Lichtstrahl fiel auf die dunkele Gasse und lockte einen Fasan an, der sich auf die Damentoilette verirrte. Nachdem der Vogel seine Freiheit wieder hatte, wurde die Kneipe umgetauft.

Obwohl es für Evern eine tagesgenaue Erwähnung gibt in der durch großzügige Spenden an das Bistum Hildesheim der Graf von Haimar am 11. Mai 1117 das Kirchrecht für Evern erwerben konnte, ist so wirklich viel an altem Gebäudebestand nicht zu entdecken. Zumal Funde aus der Bronzezeit am nahegelegenen Leierberg davon zeugen, das hier einer sehr frühen Besiedlung bereits stattgefunden hatte.

Evern war bis zu einem verheerenden Großbrand ein typisches altsächsisches Haufendorf. Am 15. Juni 1825 wurde fast das gesamte Dorf (42 Wohnhäuser und 40 Nebengebäude inkl. Schule und Kirche) durch einen Brand verwüstet und nur 16 Reetdach gedeckten Häuser blieben stehen. Die in den folgenden 18 Monaten neuerrichteten Häuser und Höfe mussten jetzt Mindestabstände zu den Nachbarn haben; die Straßenführung wurde großzügiger gestaltet. Im Dorf wurde allgemein mehr Platz geschaffen und einige Einwohner von ihren bisherigen Grund und Boden am Ortsrand neu angesiedelt. So wurden aus den mittelalterlichen Gassen moderne breite Straßen.

Besonders für den Ort ist, dass er am 31. August 1898 an das elektrifizierte Überlandstraßenbahn-Netz angeschlossen wurde. Die Straßenbahn fuhr vom Nachbarort Haimar über Evern bis nach Hannover. Der Fortschritt hielt Einzug in Evern, denn nicht nur eine schnelle Verkehrsanbindung, sondern auch eine sehr frühe Versorgung mit elektrischem Strom veränderte das Leben sehr positiv. Neben dem Personenverkehr wurde auch der Güterverkehr über die Schiene abgewickelt. Die Straßenbahnlinie wurde jedoch im Jahre 1935 durch einen Busverkehr ersetzt. Evern hat sein heutiges Gesicht aus dem 19. Jahrhundert bewahrt und durch die Siedlungen im südlichen Eichenkamp (1960er Jahre) und am Sportplatz (1980er Jahre) erweitert. Heute bildet Evern mit Dolgen und Haimar einen gemeinsamen Ortsrat.

Diesen Fotobericht haben Susanne Schumacher und Lars Schumacher zusammengestellt.