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Igel

Im Herbst herrscht unter Igeln ein reges Treiben, denn sie haben viel vor:
Bis zum Wintereinbruch müssen sie sich soviel Gewicht anfuttern, dass sie den Winterschlaf gut überstehen. Manche Igel, besonders Jungtiere, brauchen Hilfe, manche aber auch nicht. Hier gibt viel zu beachten, damit man den Tieren nicht mehr schadet als nutzt.

Igel gehören zu den ältesten wild lebenden Säugetieren

Igel sind dämmerungs- und nachtaktive Jäger, die in Europa, Asien und Afrika verbreitet sind und zu den besonders geschützten Wildtieren gehören. In Westeuropa lebt der Braunbrustigel (Erinacaeus europaeus), in den osteuropäischen Ländern der Weißbrustigel (Erinacaeus roumanicus).


Sie gehören zu ältesten Säugetieren und existierten bereits in der Kreidezeit, also noch vor den Mammuts. Igel bewohnen Wälder, Felder, Steppen, Auen und Gärten und halten sich gerne in Gebüschen, unter Hecken, in hohlen Bäumen oder in Felsenklüften auf. Sie nutzen auch verlassene Tierbauten oder graben sich selbst kurze Höhlen in die Erde.
 
 

Igel sind dämmerungs- und nachtaktive Jäger

Mit flinken, trippelnden Schritten geht der Igel, wenn es dunkel wird, weitläufig auf Futtersuche und gilt als äußerst geschickter Jäger. Während ihrer abendlichen Nahrungssuche legen Igel oft mehrere Kilometer zurück. Sie gehören zwar zu den Insektenfressern, aber ihr Speiseplan umfasst weit mehr als nur Käfer, Insektenlarven, Würmern, Spinnen, Schnecken und andere Kleintiere. Oft zählen auch Jungtiere von Mäusen oder Maulwürfen zu seiner Nahrung. Selbst Aas verschmähen sie nicht. Dagegen sind Früchte und Gemüse weniger beliebt. 

So wittern Igel ihre Nahrung

Hört der Igel etwas Verdächtiges, bleibt er stehen, lauscht und wittert. Angeblich weiß man aus Beobachtungen, dass Igel eine Raupe aus etwa zwei Metern Entfernung am Blatt nagen hören. Seiner perfekten Nase entgeht nichts, aber der Stachelheld sieht ziemlich schlecht, und auch das farbliche Sehen ist eingeschränkt.

 

Hauptsächlich orientiert sich der Igel mit Tasthaaren seiner Schnauze und mit seinem guten Geruchssinn. Als zusätzliches Sinnesorgan besitzt der Igel das Jacobson-Organ (Anmerkung: im Internet habe ich weder Jacobsches Organ noch Jacobsonsches Organ gefunden / bitte noch einmal überprüfen lassen)- ein spezielles Geruchsorgan im Gaumendach. Sobald ein Igel ein für ihn unbekanntes Objekt wittert oder ankaut, beginnt er, schäumenden Speichel zu produzieren, der zu den Sinneszellen im Jacobson Organ befördert wird. Nachdem das unbekannte Material geprüft wurde, reinigt der Igel dieses spezialisierte Organ. Meist schmiert der Igel den Schaum seitlich in seine Stacheln oder auf den Bauch.

Die Fortpflanzung des Igels

Igel paaren sich etwa von April bis September und gebären nach circa 30 bis 35 Tagen meist vier Igelbabys, die zwischen Juni und Oktober geboren werden. Die meisten kommen im August zur Welt und ihr Geburtsgewicht beträgt zwischen 12 und 25 Gramm. Dieses Anfangsgewicht müssen die jungen Igel bis zum Beginn des Winterschlafs auf etwa 500 bis 700 g erhöhen.

 

Schon nach sechs Wochen sind junge Igel selbstständig und verlassen endgültig die Nähe der Igelmutter. Nach rund neun bis elf Monaten ist der Nachwuchs geschlechtsreif. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege, sondern sucht kurz nach der Begattung neue Weibchen auf.
  

Gewöhnlich leben Igel als Einzelgänger und finden sich nur in der Paarungszeit zusammen. Sie sind nicht revierbezogen, aber dennoch an einen festen Ort gebunden. Ihr Bewegungsumkreis umfasst etwa 100 Hektar. Hier legen sie auch mehrere Bauten an, wo sie ihren fünf bis sechs Monate langen Winterschlaf (von Oktober oder November an) verbringen.
 

Der gesunde Igel ist ein Wildtier, er gehört nicht in Menschenhand

Ab etwa dem 25. Lebenstag begeben sich junge Igel ohne den Schutz der Mutter allein auf Futtersuche. Dies wird vielen zum Verhängnis, denn die kleinen Stacheltiere werden häufig für hilfsbedürftig gehalten, obwohl sie es gar nicht sind.

Ohne Not werden die Tiere in Schachteln mit Laub gesperrt und mit Katzenfutter versorgt und auf diese Weise in guter Absicht, aber ohne jegliche Sachkenntnis todgepflegt. Andererseits werden im Sommer verletzte oder kranke Igel, weil sie ja mit ihrem Körpergewicht über den berühmt berüchtigten 600 g liegen, nicht beachtet, sie versterben elendig.
 

Bitte beachten Sie: Laut Gesetz dürfen Igel nur dann der Natur entnommen werden, wenn sie tatsächlich verwaist, verletzt, krank und oder aus sonst einem Grund hilfsbedürftig sind. Nur dann dürfen sie gepflegt, gefüttert bzw. gesund gepflegt werden.

 

Tipp: Sollten Sie einen Igel tagsüber sehen, beobachten Sie ihn zunächst aus sicherer Entfernung. Nur verwaiste Igelsäuglinge, verletzte oder kranke Igel sind wirklich hilfsbedürftig. Kranke oder verletzte Igel erkennt man sofort daran, dass sie am Tag herumliegen, mager sind und sich apathisch verhalten.

Wichtig: Für den Zeitpunkt des Winterschlafs ist nicht der Monat entscheidend, sondern die Außentemperatur. Igel, die noch bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke draußen herumlaufen, sind meist krank oder geschwächt. Oft handelt es sich um Jungtiere, die zu spät geboren wurden, um sich noch ein ausreichendes Winterfettpolster anzufressen.


Welcher Igel braucht Hilfe? 

Merkmale des gesunden Igels:

  • Er ist in der Dämmerung und in der Nacht aktiv.
  • Seine Form ist tropfenförmig, vorne spitz hinten rund.
  • Er hat halbkugelförmige schwarze Knopfaugen.
  • Seine Nase ist feucht.
  • Er rollt sich bei Annäherung fest zusammen und erst wieder aus, wenn die Gefahr vorbei ist.
  • Seine Stacheln stellt er kreuz und quer auf.
  • Wenn er meint, dass die Zeit reicht, flitzt er hochbeinig und schnell in Sicherheit.
  • Der Kot gesunder Igel ist ein dunkles geformtes Würstchen.
     

Merkmale des kranken Igels:

  • Kranke und verletzte Igel werden meist am Tag gefunden, oft ohne jegliche Deckung liegend.
  • Die Form kranker Igel ist walzenförmig.
  • Sie haben oft eine auffällige Nackenfalte.
  • Die Augen liegen tief in den Höhlen, werden oft nur schlitzförmig geöffnet.
  • Die Nase ist meist trocken.
  • Die Körpertemperatur kann kühl sein.
  • Der Gang kranker Igel ist langsam, mehr wackelig oder sie liegen und stehen nicht auf.
  • Kranke Igel rollen sich kaum ein und schnell wieder aus, wirken zahm.
  • Die Stacheln liegen an und werden kaum aufgestellt.
  • Der Kot kranker Igel ist weich, manchmal grünlich schleimig oder blutig.
     

Das muss vor der Aufnahme eines Igels in Menschenhand untersucht werden:

Liegen Verletzungen vor? Dazu bitte Kopf, Bauchseite und Beine überprüfen.

 

Ein gesunder Igel rollt sich bei der kleinsten Berührung sofort zusammen. Macht der Igel das nicht, deutet dies auf ein gestörtes Allgemeinbefinden hin. Aber: Krankheiten können nur von einem Tierarzt festgestellt werden.
  

Das Gewicht des Igels sollte ebenfalls überprüft werden. Igel, die im November noch deutlich unter 500 Gramm wiegen, haben ohne Bereitstellung von zusätzlichem Futter kaum eine Überlebenschance.
  

Ist die Bauchseite des Igels deutlich kälter als die eigene Hand, deutet dies auf eine Unterkühlung hin. Man legt eine handwarme Wärmflasche, in ein Frottee-Handtuch eingewickelt, in einen hochwandigen Karton und setzt den Igel dort hinein, um ihn aufzuwärmen.

Parasitenbefall: Zecken und Flöhe sind bei Igeln normal. Nimmt man einen Igel auf, sollten die Flöhe natürlich zum eigenen Schutz entfernt werden. Igel haben in der Regel auch einen inneren Parasitenbefall. Es herrscht bei einem gesunden Igel ein Gleichgewicht zwischen „Wirt“ und „Parasit“. Idealerweise sammelt man vor dem Tierarztbesuch Kot für eine Untersuchung, der Aufschluss über die Menge und Art der Darmparasiten und über bakterielle Infektionen.
 

Faustregel:

Handelt es sich bei den aufgefundenen Igeln um Igeljungen, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, so haben die Tiere ihre Mutter verloren und brauchen dringend Hilfe. 

Pflegeprotokoll anlegen

Nimmt man einen hilfsbedürftigen Igel bei sich auf, ist das Anlegen eines Pflegeprotokolls sinnvoll. Man sollte festhalten, wann und wo (Fundstelle) man den Igel gefunden hat. Denn Igel sind ortsgebunden und sollten auch an der Fundstelle wieder ausgewildert werden. Zusätzlich sind das Gewicht und der Gesundheitszustand festzuhalten. Um eventuelle Krankheiten festzustellen, sollte man einen Tierarzt aufsuchen.

Ein Igelgehege mit Schlafplatz einrichten

Wenn möglich, bietet man dem Igel im Garten eine Unterkunft an.   Eine Obstkiste wird mit der Öffnung nach unten aufgestellt und ca. 15 cm x 15 cm große Löcher reingeschnitten. Dann bedeckt man die Kiste mit Laub oder Stroh und Zweigen. Man kann auch im Garten eine Ecke für Wildtiere „unaufgeräumt“ belassen. Ein paar Brennnesseln, ein paar Zweige bzw. Reisig, viel Laub und evtl. etwas Stroh können schon ein Winterquartier für einen Igel sein.

Die richtige Fütterung

Für die Fütterung des Igels eignen sich Obst (Bananen, Äpfel, Birnen), Igelfutter aus dem Fachgeschäft, Katzentrockenfutter, Katzen- oder Hundenassfutter und eine kleine Schüssel mit Wasser. KEINE MILCH ANBIETEN! Milch ist für Igel nicht geeignet: Die Tiere trinken sie, aber bekommen Durchfall. Bitte auch KEINE ROHEN EIER verfüttern! Die Futterschüsseln sind ständig sauber zu halten.

 

Nach der Auswilderung braucht der Igel noch Hilfe

Nach der Überwinterung in Menschenhand ist es Zeit, den Igel wieder in die Freiheit zu entlassen und man wird sehen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Denn es wird weniger Schädlinge im Garten geben. Nach der Auswilderung sollte man dem Igel noch circa zwei Wochen lang Futter zur Verfügung stellen.

ACHTUNG
Wer ein krankes Tier anfasst, muss auf besonders gründliche Handhygiene achten, denn Krankheitserreger wie z. B. auch Eitererreger oder Salmonellen sind auf Menschen übertragbar
  

Verfasser des Artikels: Tierschutzverein München




BN gibt Tipps zum Igel

Igelschutz: Einfach aber wirkungsvoll

Jetzt, in lauen Sommernächten, sieht und hört man sie recht häufig: Laut schnaufend und schmatzend stöbern Igel durch Grünanlagen und durch Gärten. An milden Abenden überschneiden sich die Aktivitätszeiten von uns Menschen mit denen der dämmerungs- und nachtaktiven Stachler. Außerdem herrscht noch Paarungszeit, weshalb die männlichen Igel oft stundenlang hinter einem Weibchen her sind und es im sogenannten „Igelkarussell“ umkreisen.

Damit die Igel sicher im Grünen durch ihr Revier streifen können und möglichst selten auf Straßen ausweichen, müssen insbesondere Gärten für die Tiere durchlässig sein. Mit wenig Aufwand kann der Mensch hier helfen.

„Draht- oder Gitterzäune sollten 5 - 10 Zentimeter über dem Boden enden und keinesfalls in den Boden eingegraben sein. Zaunlatten sollten einen Abstand von etwa 8 Zentimetern zueinander haben, damit Igel zwischen ihnen durchschlüpfen können. So bleiben Zäune für die possierlichen Tiere passierbar und wir Menschen können uns über Igel als Gäste im Garten freuen. Mit wenig Aufwand ist viel für den Schutz der Igel erreicht.“ erklärt Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BUND Naturschutz in München (BN).

 Auf seiner Homepage
www.bn-muenchen.de bietet der BN in München weitere Tipps an, um den Tieren zu helfen:

- Bei der Gartenpflege nicht mit Rasenmähern, Rasentrimmern oder Motorsensen unter Hecken und Sträucher mähen.
Hier verstecken sich oft Igel, die durch den Einsatz der Geräte verstümmelt werden.

- Igelfallen entschärfen: Teiche mit senkrecht abfallenden Rändern oder Schwimmbäder benötigen eine Ausstiegshilfe, sonst ertrinken
hineinfallende Tiere. Ein schräges Brett an der Seite des Beckens reicht zum Hinausklettern. Neben Igeln freuen sich auch Katzen, Eichhörnchen,
Amphibien und viele weitere Tiere über diese Hilfe. Auch Kellerschächte, Lichtschächte etc. sollten eine Ausstiegshilfe bekommen oder vor einem
Hineinfallen gesichert werden.

- Ein naturnaher Garten, in dem keine Gifte eingesetzt werden, bietet Igeln ein gesundes Lebensumfeld und ist gleichzeitig Lebensraum für viele weitere Tier- und Pflanzenarten. So wird ihr Garten zu einer Oase für die Natur.

- Schon jetzt können im Garten stille Ecken ausgesucht werden, in denen Strauchschnitt und im Herbst Laub liegenbleiben können. Mit etwas Glück
sucht sich ein Igel den Platz dann zum Überwintern aus.
- Igel sind Wildtiere und keine Haustiere! Sie sind bestens an das Überleben in der freien Natur und zwar zu allen Jahreszeiten angepasst.

Bitte daher gesunde Igel nie ins Haus oder in die Wohnung nehmen!

 
Igel benötigen abwechslungsreiche Lebensräume mit Versteckmöglichkeiten in Hecken und Gebüschen und einem reichhaltigen Nahrungsangebot. Als
Insektenfresser leben sie v.a. von Käfern, Schmetterlingslarven und Würmern. Aber auch Schnecken verspeist der Igel, weshalb er gerne in
Gärten gesehen ist.

Die Tiere leben als Einzelgänger, verteidigen ihren Lebensraum aber nicht gegen Artgenossen. In freier Landschaft erstreckt sich das Revier eines Igelmännchens über bis zu 100 Fußballfelder, Weibchen beanspruchen mit bis zu 30 Fußballfeldern etwas weniger Platz. In der Stadt sind die Reviere natürlich erheblich kleiner, trotzdem reichen sie weit über die Stelle hinaus, an der man auf einen Igel trifft.

Jede Maßnahme für die Igel verbessert ihren Lebensraum und hilft darüber hinaus einer Vielzahl von anderen Tierarten in unseren Gärten und Grünanlagen. Bereits von einem Ast- oder Reisighaufen profitieren z.B. Erdkröten und Springfrösche, die sich gerne dort verstecken, während der Zaunkönig darin viele Insekten als
Nahrung findet.

 

Ansprechpartner für Rückfragen:
BUND Naturschutz, Kreisgruppe München, Martin Hänsel, Tel. 089 / 51 56 76 76