FRAKTALE ZUSTÄNDE AUF TRALFAMADORE

 


Der Planet Tralfamador ist die Erfindung Kurt Vonneguts. Tralfamadore wird allerdings in jedem seiner Bücher anders beschrieben, man darf sich also Freiheiten nehmen in der Gestaltung dieser Welt.  Folgend Tralfamadore, wie er in "Die Sirenen des Titan" beschrieben wird:

 

Es waren einmal vor langer Zeit Geschöpfe auf dem Tralfamadore, die waren alles andere als Maschinen. Man konnte sich nicht auf sie verlassen. Sie waren nicht effizient. Man wußte vorher nie, was mit ihnen passieren würde. Sie hielten sich nicht lange. Und diese armen Geschöpfe waren von der Idee besessen, daß alles, was existierte, einen Sinn und Zweck haben müsse, und das mancher Sinn und Zweck von höherer Bedeutung sein müsse als manch anderer Sinn und Zweck.

Diese Geschöpfe verbrachten die meiste Zeit damit, herauszufinden, was ihr Sinn und Zweck war. Und jedesmal, wenn sie etwas entdeckten, das aussah wie ein Sinn und Zweck, fanden sie diesen so unbedeutend, daß Ekel und Scham sie erfüllte.

Und anstatt nun einem so unbedeutenden Zweck zu dienen, stellten die Geschöpfe eine Maschine her, die diesen Zweck erfüllen sollte. Nunmehr waren die Geschöpfe frei, höheren Zielen zu dienen. Aber immer, wenn sie ein höheres Ziel gefunden hatten, war das Ziel nicht hoch genug.

Also wurden Maschinen hergestellt, die auch höheren Zielen dienen konnten.

Und die Maschinen führten all ihre Aufgaben so gut und kundig aus, daß man ihnen schließlich die Aufgabe übertrug, herauszufinden, wie denn wohl der höchste Sinn, der höchste Zweck für die Geschöpfe beschaffen sein mochte.

Die Maschinen berichteten in unverblümter Ehrlichkeit, daß die Geschöpfe wohl kaum irgendeinen Sinn und Zweck hätten.

Daraufhin begannen die Geschöpfe einander abzuschlachten, denn zwecklose Dinge waren ihnen über alles verhaßt.

Und sie entdeckten, daß sie sich nicht einmal besonders gut zum Abschlachten eigneten. Deshalb betrauten sie die Maschinen mit dieser Aufgabe. Und die Maschinen entledigten sich dieser Aufgabe schneller, als man „Tralfamadore“ sagen kann.

 

Aus: Kurt Vonnegut,  "Die Sirenen des Titan", Aus dem Amerikanischen von Harry Rowohlt. Goldmann 1991

 
 
 

  

W A S    W I R K L I C H     G E S C H A H :

     Eines Tages kam unsere Katze Missy zurück von einem Ausflug in die Wüste von Joshua Tree und behauptete ein außerirdisches Raumschiff bei der Landung beobachtet zu haben. Wir waren etwas misstrauisch, denn Missy hat uns schon alles Mögliche erzählt. (Z.B., dass sie die letzte überlebende Katze der Zarenfamilie sei und entsprechend mit "Hoheit" angesprochen werden möchte.) Mittels Hypnose gingen wir der Sache auf den Grund und zu unserer größten Überraschung beschrieb Missy das Raumschiff so genau, dass wir im Computer eine Simulation und ein Modell konstruieren konnten, welches wir zu Deinem Vergnügen hier abgebildet haben. Natürlich konnten wir es nicht hierbei belassen und bauten anschliessend das reale Raumschiff draußen in der Wüste und -- es funktionierte tatsächlich wie beschrieben!

    Wir verstanden folgendes: Der Zugang zu anderen Welten findet mittels so genannter "Wormholes" statt. Wormholes kann man da aufspüren, wo die Wirklichkeit eine fraktale Struktur annimmt -- d.h. wenn immer kleinere Wiederholungen desselben Musters sich spiralförmig zusammenbauschen -- immer kleiner, bis ein winziger Riss in der Wirklichkeit zu erkennen ist, durch den hindurch man... z.B. nach Tralfamadore reisen kann. Da solche fraktalen Formationen in der Natur selten sind, kann man auch ein Raumschiff bauen, dessen Funktion ist, ein fraktales Wormhole erschaffen. Seit wir diese Maschine haben sind wir die meisten Wochenenden nicht mehr erreichbar...

 

W I E   D I E   B I L D E R   E N T S T E H E N :

 

Das Design der Bilder beruht auf fraktalen Formeln, die es erlauben dreidimensionale Objekte zu erschaffen -- natürlich nur im Computer und wirklich dreidimensional sind sie der Entstehung nach auch nicht, sondern -- sagen wir mal 2 1/2 D. Nur der Computer kann die infinitesimalen Einzelheiten ewig wiederkehrender Variationen eines Objekts in einer akzeptablen Zeit konstruieren. Nach endlosem herumprobieren und vielen Probedrucken entsteht dann so etwas wie ein Prototyp, den ich  im gewünschten Format auf Leinwand drucken lasse, um dann schließlich das Bild ganz konventionell fertig zu malen. Ich male auf Leinwand, weil die Leinenstruktur mir hilft nicht zu tief ins Detail zu versinken… Wie viele Schichten Öl und Acryl ich addiere, liegt am Bild – gedruckte Farben haben leider etwas Flaches an sich und sie lassen auch die Leuchtkraft vermissen, die erst durch mehrere Schichten transparenter Farben erzeugt wird.

So habe ich das Vergnügen nach vielen Jahren, statt mit der Maus, wieder mit Leinwand und Pinsel zu arbeiten und darf so auch wieder den Geruch von Terpentin und Leinöl genießen.

 

Brummbaer 2010

 

 

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Missy and the Earth-Lander

Ze Model and ze Painting