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2000 - wie geht es weiter?

Der Blick auf die Geschichte der Dörfer und der Landwirtschaft in den letzten knapp 200 Jahren zeigt eine komplexe Entwicklung. Sie war weder "einfach" in dem Sinn, daß es dem ländlichen Raum in den vergangenen beiden Jahrhunderten grundsätzlich besser ging als heute, noch war sie "einfach" im Sinn einer geradlinigen Entwicklung.

Die Agrarreformen des 19. Jahrhunderts haben zwar viel gemeinsam mit einigen heutigen Modernisierungsmaßnahmen, aber sie unterscheiden sich gleichwohl in einigen Punkten von diesen. Ebenfalls taugt "die" Industrialisierung nicht grundsätzlich als Feindbild für negative Entwicklungen im Bereich der Landwirtschaft. Zwischen beiden gab es vielmehr eine lange Symbiose, die erst in den 1950er Jahren aufbrach. Wenn wir nach dem "alten" Dorf fragen, so ist es dieses Dorf der Industrialisierung vor 1950 oder vor 1940, auf welches sich Leitbilder beziehen, nicht das Dorf vor den Agrarreformen.

Mittlerweile hat es wichtige strukturelle Brüche vor über einer Generation gegeben, sie spielen damit im Erfahrungshorizont einer jungen Generation keine größere Rolle mehr. Damit wird auch der Frage nach der Zukunft des Dorfes eine neue Bedeutung zugewiesen. Die alten Bilder und Leitbilder verblassen allmählich, stereotype Bilder vom "alten" Dorf hoffentlich auch. Das schafft neuen Gestaltungsspielraum für den ländlichen Raum, in dem dann – vielleicht – auch eine veränderte, nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaft ihren Platz haben kann.

© Karl H. Schneider 1999