Frachtschiffreise von Auckland nach Bintulu

Ein Bericht von Hans J. Rhyn


Einschiffung und Pazifische Inseln

Der Hafenmeister meinte ich solle doch schon am 14.5. am Morgen einchecken. Doch  meine Bitte zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags an Bord zu gehen entsprach er sofort. So hatte ich genügend Zeit von Taupo nach Auckland zu fahren und das Auto zurück zu geben, wobei mich die Autovermieter gleich noch zum Hafen fuhren!

Mein Gepäck wird von einem Philippino die steile Gangway hinauf getragen, ein Purser zeigt mir meine Doppelkabine zum Eigengebrauch: Schlaf- und Wohnzimmer mit je einem Fenster, genügend Sitzgelegenheiten, einen Schreibtisch, TV, DVD, Wasserkocher, Biskuits und Teebeutel sind schon bereit gelegt. Dann geht nichts mehr, die Mannschaft ist im Stress, mit Hochdruck wird geladen, denn die Abfahrt ist vor Mitternacht geplant. 

   

Um 1800 ist Nachtessen in der Offiziersmesse. Zu meinem Erstaunen sind noch acht Mit-Passagiere an Bord und sogar drei russische Stewardessen sind uns zugeteilt. Einen so hohen Standard habe ich noch auf keinem Frachtschiff gesehen. Eine Tages-Menü-Karte wird präsentiert, das Essen ist gut und üppig, da muss ich aufpassen, dass ich mir nicht zu viele Kalorien einvernehme. Meine Dampfnudeln werden hier nicht gefragt sein, denn es gibt reichlich Desserts.

Die Passagiere haben eine eigene Lounge, eine Bar mit Videogerät, Büchern, und sogar einen Computer zur Verfügung um kurze e-mails zu senden und empfangen, Internettüchtig ist dieses Gerät nicht, denn auf hoher See geht sowieso alles via Satellit und da hat der Schiffsübermittlungsverkehr Priorität.

Im Schiffsbauch steht auch ein Schwimmbad zur Verfügung, dieses sieht aber gar nicht gemütlich aus, ich werde dann eher mal die Sauna benützen! In einem kahlen Raum hat es Sportgeräte wie ein Laufband oder zwei Velos, diese als Ersatz fürs Verbot auf dem vorderen Deck herum zu laufen. Scheinbar haben wir in den vordersten zwei Containern explosives Material geladen und da will der Kapitän kein Risiko eingehen, dass etwas geschehen könnte. Zudem sind die Laufplanken wie die Geländer so ölig und schmutzig, dass es mich nicht anmacht dort herum zu wandern. Wir werden ja in den verschiedenen Häfen genügend Auslauf haben.

Wegen einem Motorenschaden liegen wir noch am folgenden Tag im Hafen, dürfen nachmittags einen Spaziergang machen in Auckland. Abends wird gewerweisst wann wir auslaufen werden, die Pessimisten meinten erst morgen Abend… Doch um 2205 Uhr werden die Motoren angelassen und wir werden aus dem Hafen gelotst, ich schlafe wunderbar ein zum stampfenden Geräusch der Motoren.

 

Das Schiff und seine Akteure

Das Schiff ist uralt, scheinbar aus dem Jahr 1984, sehr rostig und abgetragen, hat schon einige Besitzer und Namen gewechselt, der letzte Name war „Teignbank“. Gebaut wurde das Schiff in Turku (Finnland) für die Russische Marine. Es hat Star Bord (rechts) hinten ein riesiges Tor mit Laderampe, auf der sogar Panzer ins Schiff fahren können. Trotz des Alters hat es einen Lift, was ich auf meinen bisherigen Fahrten auf den Frachtschiffen noch nie sah. Wahrscheinlich wird das Schiff bald einmal abgetakelt, somit lohnt sich ein Unterhalt nicht mehr. Die Passagierräume sind aber in gutem Zustand, heisse Duschen fehlen nicht wie auch die Klimaanlage. Meine Kabine “Apia“ hat zwei Fenster, eines im Wohn- das andere im Schlafzimmer. Ein Kühlschrank ist eingebaut, ebenso hat es einen Fernseher für DVD und einen Radio.

   
Die Kabinenchefin hat mir eine Früchteschale aufs Tischchen gestellt, zudem drei Schachteln Biskuits, Teebeutel, Zucker und Kaffee bereit gelegt, im Elektrokrug kann man Wasser kochen.

Ein sehr junger russischer Kapitän befehligt das Schiff, Eduard Sarvilin, 35, zu seiner Seite hat er noch drei Offiziere, den englischen Chef Maschinisten mit seinen 5 Untermaschinisten und Helfern (alle sind sie Russen), 11 Philippinos sind als Matrosen an Bord, 4 Kadetten aus England wollen das Seemannsgarn spinnen helfen, für die Küche und Bedienung zuständig sind zwei russische Köche, drei Stewardessen und der irische Purser scheint sich überall etwas einzumischen. Jedenfalls spricht er ein so schnelles Irisch (sollte eigentlich englisch tönen), dass ihn niemand versteht.

Die Französin Yvonne ist schon in Dünkirchen (Frankreich) eingestiegen, nun zwei Monate unterwegs und wird noch bis Hamburg an Bord bleiben, rund um die Welt. Sie ist froh mich an Bord zu wissen, sonst kann sie sich fast mit niemandem verständigen, denn ihr englisch ist noch nicht so gut und die Australier nehmen sich nicht die Mühe ihren Dialekt zu vergessen und ein richtiges Englisch zu sprechen. Der New Yorker Ed ist seit Tahiti an Bord, ein unglaublich komplizierter und doch sehr netter älterer „Universitäts-Professor“ oder „Oberbefehlshaber“, er gibt den Ton an. In Auckland sind mit mir noch Neuseeländer und Australier eingestiegen. Die Neuseeländerinnen Anne, sie macht auf jung ist aber doch schon 71, recht aufgestellt und weitgereist; die 60jährige Anthea, ihr Mann ist vor einem Jahr gestorben und sie war noch nie so weit in den Ferien, fährt um die ganze Welt mit diesem Schiff um Abstand zu gewinnen, ein neues Leben anzufangen. Ken ist ebenfalls Neuseeländer, ein netter Typ etwas jünger als ich, sehr kleinwüchsig. Etwas mollig und will abnehmen, was er auch versucht mit dem Treppensteigen und den Fitnessgeräten in der Folterkammer, athletisch ist er aber ganz und gar nicht. Rob, ein grobschlächtiger warmherziger Australier (Känguruh-Insel), war noch nie auf so einer grossen Tour, er erholt sich von einer Operation und frisst die Teller leer. Weiter sind noch Ron und Trenton aus Australien zugestiegen, Ron, der Vater 74, Trenton 43. Ron erzählte mir von seinen Segelschiff-Fahrten in der Andamansee, Phuket, Langkawi und wo sonst überall, er ist ein richtiger Skipper, immer eine Flasche Bier in der Hand. Trenton, sein Sohn, ein etwas undurchsichtiger Typ, sei Manager in ihrem Familienhotel südlich von Brisbane; auch die beiden fahren per Schiff rund um die Welt. Vier Passagiere sind jünger als ich, vier älter. Was die Passagiere über mich tuscheln entzieht sich meiner Kenntnis… 

   
  
Neu Kaledonien

Als erste Insel, erster Anlaufhafen für mich, kommt Neu Kaledonien in Sicht. Am Montag, 19. Mai, legen wir um 0815 im Hafen von Nouméa an. Yvonne und ich haben abgemacht ein Auto zu mieten, Ed schliesst sich uns noch an. Mit etwas Mühe finden wir im Zentrum der kleinen Innenstadt eine Autovermietung und in Windeseile sitzen wir in einem kleinen Peugeot 107 und fahren durch die Vororte auf die Autobahn. Noch vor der Zahlstelle informieren wir uns in der Shell Tankstelle – und da nimmt sich unser der Besitzer so nett an, übergibt uns Broschüren und Karten, gibt Yvonne sogar noch ein T-Shirt. Bestens ausgestattet mit Kartenmaterial fahren wir über Bergstrassen zum Yaté-Lake und weiter über eigenartig geformte Bergzüge, wahrscheinlich frühere Vulkane. Plötzlich sehen wir aufs Meer hinunter und meinen Yaté zu sehen, nach der Karte sollten wir das Dorf sehen. Wir fahren die Serpentinen hinunter, nichts von Dorf, nur einzeln verstreute Häuser. Wir haben Hunger und biegen bei einem Schild von der Strasse ab zu einem Gite und haben Glück, es gibt etwas zu Essen. Ed sitzt hinten im Auto und hat immer etwas zu nörgeln, Yvonne und ich beschliessen ihn nie mehr mit zu nehmen, er geht uns auf die Nerven.

   
Die Besitzerin des Restaurants rät uns ab die Küstenstrasse zu befahren, nach dem vielen Regen sei die Strasse nicht einfach zu befahren. So fahren wir zurück zum Yaté-See und gegen den Madeleine Wasserfall, dann über wirklich abenteuerliche Strassen mit acht zu durchquerenden Wasserfurten zur Prony-Bay und über Plum zurück nach Nouméa.

Morgens habe ich mit Peter Zedi (Bruder von Silvia Candinas) telefoniert und abgemacht ihn abends zu treffen. Um 1730 schauen wir uns um beim Gare Maritime und plötzlich läuft ein Mann neben uns vorbei, schaut etwas komisch und ich haue ihn an: ja, es ist Peter. Er zeigt uns die Strände im Abendlicht und ennet der Baie des Citrons gehen wir in ein Restaurant essen und plaudern. Peter lebt schon 28 Jahre in Kaledonien und wird sicher nicht mehr in die Schweiz zurück reisen, es gefällt ihm zu gut hier im Inselreich des Pazifik.


Vanuatu

Mit mehr als sechs stündiger Verspätung sind wir in Nouméa ausgelaufen, müssen dann irgendwo auf dem Meer 8 Stunden warten, da der Hafen besetzt ist, und kommen am 22.5. um 0600 in Port Vila auf der Insel Efate (Vanuatu) an. Der Landgang ist nur kurz, so wandern Yvonne und ich ins Zentrum der kleinen Stadt, die früher Franceville hiess. Marsch auf den kleinen Hügel, Ausblick auf die Lagune, Marktbesuch, kurz ins Internetcafé, ein Erfrischungsdrink mit Strassenblick, dann wieder zurück Richtung Hafen und Boularibank.

 
Der zweite Hafen von Vanuatu liegt auf der Insel Espiritu Santo und heisst Santo oder Luganville. Es ist nur eine Ansammlung von einigen Häusern, wir durchsuchen die paar Läden nach Tiger Balsam und Souvenirs, die Yvonne ihren Freunden nach Hause bringen möchte. Zuerst heisst es wir würden nur 5 Stunden hier sein, doch dann werden es zwei Nächte! So wurde vom Purser sogar eine Rundreise organisiert mit Aufenthalt am Champagne Beach und im Blue Hole. Aus Santo heraus ist die Strasse nur 5 km lang asphaltiert, dann gehts 50 km über eine Schüttelbecherstrasse durch grüne Wälder und Kokosplantagen. Mittags baden wir an diesen herrlichen Stränden, weisser pulvriger Sand, südseeblaues Wasser, blauer Himmel, grüne Wälder, eine super schöne Kulisse, wie ein Postkartensujet.
   
Auf unserem Schiff wird während unserer Abwesenheit tonnenweise Copra (getrocknete geräucherte Kokosnussstückchen) geladen und Kokosöl eingefüllt, die geöffneten Lucken geben einen Blick frei in den tiefen Schlund des Schiffs, durch die ganze Nacht soll weiter geladen werden und die Behälter aufgefüllt sein, damit wir weiter nach Honiara fahren können. Mittags, 25. Mai, ist es so weit, 1500 Tonnen Copra sind eingefüllt worden, ein schöner Verdienst für die Einheimischen, wird ihnen doch pro Tonne ungefähr 500 US$ ausbezahlt, so werden für unsere Fracht über 750'000 $ ausbezahlt. In Dumaguete (Philippinen) soll diese Copra wieder ausgeladen werden.
 

Solomon Islands, Honiara auf der Guadalcanal Insel

Am 27. Mai vor dem Mittagessen fahren wir in den Hafen von Honiara ein. Das Manöver braucht einige Zeit, da das Schiff gewendet werden muss. Um 13 Uhr sind wir dann endlich angedockt – und wer weiss wie lange der Aufenthalt dauern wird? Jedenfalls dürfen wir an Land, mit Yvonne gehe ich etwas bummeln, wir schauen uns den Yacht Club an (nichts besonderes), gehen Geld wechseln und im Plaza Shopping ein Internetcafe suchen. Die sind hier noch weit entfernt von moderner Kommunikation, die Geräte sind nicht auf dem neusten Stand, so erstaunt es nicht, dass ich lange auf den Download der Mails warten muss und auch die Telefonverbindung mit Skype immer wieder unterbrochen wird. Doch ich kann Chai mitteilen, dass es mir gut geht.

   

Fürs Dinner sind wir wieder an Bord, da gibt’s das Neuste zu vernehmen: Morgen Mittwoch bleiben wir hier. Also heisst es für uns nach dem Frühstück: Wanderung zum Botanischen Garten. Nach starken Regenfällen in der letzten Nacht ist alles durchnässt, aber die Temperatur ist angenehm unter den tropischen Bäumen. Von den in den Broschüren beschriebenen Orchideen ist nichts zu sehen, der ganze Park ist in sehr schlechtem Zustand, während den Unruhen im Jahr 2002 ist Vieles zerstört worden.

Nachmittags geht’s noch auf den sehr sehenswerten Markt, es hat Unmengen von Leuten, ein farbenfrohes Spektakel. Kurz vor einem erneuten Wolkenbruch sind wir wieder auf dem Schiff, es schüttet wie aus Kübeln, die Beladung des Schiffes wird wieder unterbrochen. Beim Sonnenuntergang erleben wir einen besonders eindrücklich schönen Regenbogen, doppelt ist er und in den stärksten Farben. Yvonne und ich gehen ins Mendana Hotel, trinken einen Aperitif in der Lobby und dann führe ich Yvonne ein im japanischen Restaurant, sie geniesst die Sashimi und das Teppanyaki, ihre falschen Vorstellungen von schlechtem japanischen Essen sind verflogen.

   

Als Frachtschiffpassagier muss man wirklich flexibel sein und sich auf Verspätungen gefasst machen. Auch am Donnerstag ist eine Abfahrt noch in weiter Sicht. So spazieren wir in die Höhen über dem Hafen, bestaunen die Vielfalt der Pflanzen und Bäume, die herrlich farbigen Blumen und Orchideen. Ein Gartentor öffnet sich und eine quirlige Frau begrüsst uns, bittet uns hinein in ihren Garten, zeigt uns ihre Orchideen und offeriert uns Wasser und Bananen, so eine nette Gastfreundschaft haben wir hier nicht erwartet. Die Leute sind viel freundlicher, grüssen alle auf englisch und sind gar nicht aufdringlich. Ganz anders als es in den Reisehandbüchern beschrieben wird. Aber vielleicht hat sich dies auch geändert seitdem die Unruhen vorbei sind.

Wo wollen wir hingehen zum Nachtessen, frage ich Yvonne – und sie sagt sofort „zum Japaner“. Sie nimmt sich vor mit den Stäbchen zu üben, dass sie später mal in Paris mit ihren Freunden essen gehen kann, sie ist ganz hin von der Japanischen Küche.

  

Papua Neu Guinea, Rabaul du hässlicher Ort!

Die Hafenarbeiter beladen langsam, machen viele Pausen. So gibt es wieder Verspätung und die Meldung geht durch, dass wir Lae nicht anlaufen werden um etwas Zeit aufholen zu können. Endlich nach mehr als vier Tagen in Honiara laufen wir am 31. Mai aus nach Nordwesten, nächstes Ziel ist Rabaul auf der Insel New Britannia in Papua Neuguinea.

Am 2. Juni nachmittags kommen die Vulkane in Sicht und wir geniessen die spektakuläre Einfahrt in den alten Krater dieses Vulkangebietes, wo sich der einzige Tiefseehafen befindet. Rabaul und seine Menschen mussten oft leiden: im ersten Weltkrieg wurde viel zerstört, es gab Tote, dann im Jahr 1937 der ganz grosse Ausbruch der Vulkane (etwa 500 Tote), im zweiten Weltkrieg wieder Schlachten zwischen Japanern, Australiern und Amerikaner (Kriegsfriedhof im nahen Kokopo), 1994 erneut eine grosse Eruption der Vulkane, die Menschen wurden vorher evakuiert und es gab keine Toten. Es folgten noch ein Tsunami, Erdbeben und kleinere Vulkanausbrüche. Rabaul ist immer noch bedeckt mit einer Asche- und Staubschicht, viele Hausruinen zeugen von einer prosperierenden Stadt, die Strassen kann man noch erkennen, wenn auch unter hohen Ascheschichten. Eine verwüstete, hässliche Stadt, deren Anblick ich nie vergessen werde.

 
Als Trost für die Verspätungen organisiert die Schifffahrtslinie eine Ausfahrt für uns neun Passagiere: Per Minibus und einer Reiseführerin fahren wir ganz in die Nähe des rauchenden Vulkans, das Farbenspiel Vulkan, Himmel und Meer ist herrlich, all die wechselnden Grün- und Blautöne, doch die Landschaft sieht trostlos aus, alles mit grauer Asche überdeckt, hier lugt noch eine Ruine hervor, dort vermutet man eine Strasse, auch die ehemalige Flugpistenschneise ist erkennbar inmitten der mit Staub bedeckten Palmen, die Piste unbenutzbar unter einer hohen Schicht Asche. Beim Aussichtspunkt der vulkanologischen Station haben wir einen herrlichen Ausblick auf die ganze Bai im alten Vulkankrater mit einem Durchmesser von mindestens 12 km, leider aber auch werden wir von einem Wind mit unangenehmen Ascheregen (fühlt sich an wie Eisgraupelregen) überrascht, im Nu sind wir fast schwarz überdeckt vom Schmutz.
   
Auf der andern Seite der Caldera grünt und spriesst es, wir fahren bis Kokopo wo heute der Flugplatz und die Regierungsgebäude sind. Rabaul wird nur noch wegen dem Hafen benützt, in Kokopo können die Schiffe nicht anlegen wegen dem untiefen Wasser. So wirkt Rabaul wie eine Geisterstadt, die aber doch irgendwie lebendig ist vor allem der sehr netten und freundlichen Bevölkerung wegen. Nirgends auf dieser Welt wurde ich freundlicher begrüsst als hier, man scheint hier als Tourist schon Freund zu sein.

Kimbe

Kimbe am nächsten Abend ist noch etwas kleiner als Rabaul, ein schönes Hotel lädt ein zum verweilen, mit Yvonne geniesse ich dort ein feines Dinner.

Das Gerücht geht um wir werden zurück nach Rabaul fahren, da Fracht vergessen wurde einzuladen, obwohl wir dort schon Tonnen von Kakaobohnen und andern Waren und hier in Kimbe nun 1700 Tonnen Kokosöl gebunkert haben, Platz scheint es immer noch zu haben auf unserm Lastkahn. Am 5. Juni wird das Gerücht wahr und erklärt, wir fahren mittags ab Richtung Rabaul, mit halber Kraft, damit wir kurz vor dem Sonnenaufgang ankommen werden, die Hafenarbeiter also nicht allzu fest stören müssen… Die Frachtgesellschaft hat heraus gefunden, dass ein Tanker auf dem Weg nach Kimbe ist und dass dieses Schiff das einzige Pier dann für drei volle Tage blockiert hätte. So orderten sie den lokalen Agenten an unser Schiff sofort auf den Weg nach Kimbe zu schicken, damit wir vor dem Tanker dort wären. Alles hat geklappt, wir waren eher!

   
Leider ist die Informationspolitik auf diesem Schiff bedenklich schlecht, wir müssen die Informationen immer auf dem Latrinenweg zusammen suchen, so entstehen eben dann auch Gerüchte. Der russische Kapitän sagt nichts, der irische Purser mit seiner unverständlichen Aussprache zeigt sich morgens überhaupt nie und wenn er mal etwas gefragt wird ergiesst sich ein nervöser Wortschwall mit Geschichten aus seinem ganzen Leben – nur die richtige Info gibt’s nicht.

Doch herrlich Abendstimmungen, Sonnenuntergänge, Gewitterwolken, Vulkaninseln in der Ferne am Horizont, grüne Inseln die aus der Ferne wie herrliche Badeinseln aussehen, entschädigen uns, auch das Essen ist gut, wobei die Portionen nicht grösser sein könnten, sie reichen gut aus um die ganze Mannschaft zu ernähren!.

 

Madang, schönster Ort der Südpazifikinseln

Einfahrt in den Hafen von Madang am 8. Juni 2008. Mit Yvonne laufe ich zum Hotel Madang in Hafennähe. Alles ist übersichtlich, ausserordentlich grün und recht gut gepflegt. Der Hotelgarten macht einem Botanischen Garten Konkurrenz. Wir nehmen uns ein Tageszimmer und ich versuche sofort im Internet meinen Flug Singapur-Bangkok zu verschieben. Leider sind diese Kommunikationsmittel in Papua Neuguinea noch in den Kinderschuhen, die Verbindungen ganz schlecht. Doch nach einigen Versuchen habe ich meine Transaktion gemacht, der Flug ist umgebucht auf den 28. Juni. Hoffentlich muss ich nicht nochmals umbuchen!

   
Nach einem kleinen Snack wandern wir durch diesen schönen Ort, üppig blühen die tropischen Blumen, Palmen und Casuarinas säumen die breiten Strassen. Tausende von Fliegenden Hunden (eine Art Fledermäusen) hängen und lärmen in den Bäumen. Über den gepflegten aber menschenleeren Golfplatz spazieren wir bis an die Meerpromenade. Welch ein Gegensatz zur Hauptstadt Port Moresby, die nach den Schilderungen eines französischen Ehepaars in diplomatischen Diensten so gefährlich sei, dass sie sich nicht aus dem Haus wagen könnten.

Statt im Madang Resort das Büffet Dinner zu kosten laufen wir ins Coastwatcher Hotel und essen auf einer schönen Terrasse ein sehr nett serviertes Nachtessen, Yvonne rühmt den Lobster Thermidor, ich das feine Rindsfilet. Doch das Dessert (Crèpes mit Bananen) ist dem Koch total daneben geraten. Der Hotelbus bringt uns durch die stockdunkle Nacht zurück zum Hafen und zu unserer Boularibank.

 

Sechs Tage auf hoher See

Am 9. Juni, natürlich wieder mit 10 Stunden Verspätungen heisst es um 1745 Leinen los, wir laufen aus dem natürlichen Hafen von Madang aus Richtung West-Nord-West, Kurs 292° auf die Philippinen zu, die wir am 15. Juni erreichen werden. Sechs ganze Tag auf See, was nun? Die Zeit geht so schnell vorbei, Programmpunkte sind die drei Mahlzeiten um 0730, 1200 und 1800, sonst sind die Passagiere in den Kabinen oder auf Deck zu sehen, Sonnenliegen mit Auflagen an einem schattigen Plätzchen, Bücher werden gelesen, Kreuzworträtsel oder Sudoku gelöst, die herrlichen Stimmungen, vor allem während dem Sonnenuntergang genossen.

Eigentümlich ist auch das Überfahren von Untiefen, man ist sich absolut nicht bewusst, dass wir über Tiefen von bis zu 5700 Metern gefahren sind. Bei seichteren Gewässern wie durch die Basilan-Strasse oder zwischen Borneo und den Philippinen wird man durch die Hektik im Steuerhaus aufmerksam, da muss exakt gefahren, Kurs eingehalten werden, so dass man nicht auf einer Sandbank auffährt.

Die Matrosen sind beschäftigt Schäden auszubessern, da wird geschmirgelt und gemalt, geschweisst und geschrubbt, doch der alte rostige Kahn kann nicht mehr auf Hochglanz gebracht werden. Die Philippinos (alles Matrosen) freuen sich schon auf den 15.6., da geht ihr Vertrag zu Ende und sie können von Dumaguete aus wieder vom Schiff und zu ihren Lieben zurück kehren - und sich um einen neuen Vertrag bemühen. Das Leben an Bord ist hart für diese Arbeiter, ich beneide sie nicht um ihren Job.

 

Dumaguete auf der Insel Negros Oriental, Philippinen

Alle freuen sich auf die Philippinen, die Passagiere auf die etwas zivilisierteren Orte, die Matrosen vor allem, weil sie aussteigen und auf Heimurlaub gehen können. Ich war genau vor 25 Jahren mal auf Negros, entdeckte die Schönheiten der Palmen umsäumten Küste. Viel hat sich nicht geändert, die Jeepneys sind etwas moderner geworden, aber der Markt präsentiert sich immer noch gleich, ebenso die Menschen mit ihrem Lächeln und ihrer Neugierde Fremden gegenüber.

  

Mit Yvonne fahre ich zum El Dorado Resort, einer schönen Bungalow-Anlage unter Schweizer Leitung. Da hat ein Landsmann wirklich etwas Schönes aufgestellt, es ist der einzige Ort auf dieser Reise, der mir auf Anhieb gefällt, hier könnte ich zurück kommen.

Am 18. Juni ist Vollmond, wir sind schon wieder 19 Stunden auf See und geniessen den Sonnenuntergang mit den üppigen Kumuluswolken und im Osten der aufsteigende Vollmond. Yvonne offeriert ihren mitgebrachten Whisky, dazu essen wir die mit den letzten philippinischen Pesos gekauften Erdnüsschen.

   

Vorbei geht’s an den Küsten von Borneo, Sabah und Sarawak; vor dem Sultanat von Brunei kreuzen wir südwärts mitten in der Nacht. Überall bekommen wir Ölbohrplattformen mit ihren Abgasfackeln zu Gesicht. Hier liegt das Öl, das Brunei so reich gemacht hat und von dem auch Malaysia profitiert. Am 20. Juni sind wir einige Meilen vor dem Hafen von Bintulu, Ost Malaysia. Doch eine schlechte Nachricht erreicht uns vor dem Einlaufen: der Hafen ist überfüllt, wir müssen drei Tage warten! Drei Tage zum nichts Tun verdammt, zum dümpeln ohne Wind, vor Anker, Zeit tot zu schlagen. Zudem haben die Matrosen angefangen, die Oberdecks zu Sandstrahlen. Dieser Heidenlärm vertreibt uns in die Kabinen. Mir ist der Lesestoff ausgegangen, zum Glück gibt’s in der Schiffsbücherei noch einige Schmöcker und Videos mit uralten Filmen.

Mit drei Tagen erneuter Verspätung sehe ich meinen Flieger in Singapur schon davon düsen; ich entschliesse mich in Bintulu auszusteigen und einen Inlandflug nach Johore Bahru/Singapur oder Kuala Lumpur zu buchen. So endet meine Schiffsreise mit der MV Boularibank in Bintulu (Ost Malaysia) und nicht wie vorgesehen in Singapur. Aber eigentlich bin ich froh, denn die letzten Tage verliefen ereignislos, etwas langweilig; ich freue mich wieder auf Hua Hin.

Bintulu ist eine boomende Oel- und Naturgasstadt, 180'000 Einwohner, breite Strassen, alles sehr begrünt, in der Stadtmitte die üblichen einfachen malaysischen und chinesischen Läden, am frühen Morgen sind sie schon recht belebt. Yvonne und ich gehen in ein Internetcafé und ich buche mir auf Air Asia neue Flüge von Bintulu nach Kuala Lumpur und Bangkok. Zum Mittagessen sind wir wieder auf der Boularibank, es heisst Abschied nehmen. Der nervöse Purser öffnet eine Flasche neuseeländischen Champagner und überreicht mir eine alte „Teignbank“ Krawatte (so hiess das Schiff früher). Um 1400 bringt mich ein Schifffahrtsagent zum 42 km entfernten Flugplatz, statt um 1615 werden die Türen der Air Asia A320 schon um 1545 geschlossen, die Maschine ist voll ausgebucht, und eine halbe Stunde zu früh landen wir um 1745 in Kuala Lumpur. Im Flughafenhotel „PanPacific“ bekomme ich ein äusserst ruhiges Zimmer zu einem günstigen Swissair-Discountpreis, mein alter Ausweis wird immer noch honoriert! Und anderntags, am 24.6. fliege ich mit Air Asia nach Bangkok.