Herbert: Projekt Forsythie

Projekt Forsythie - oder wie das Unheil begann 
 
Eines meiner größten Projekte ist derzeit eine Forsythie die ich im März 2010 ausgegraben habe.
 
 

In unserem Ort sollte ein neuer Baumarkt gebaut werden. Dazu sollte in den nächsten Tagen der gesamte Baumbestand gefällt und das Grundstück mit einem Bagger platt gemacht werden.
Auf dem Grundstück stand auch ein wunderschöner ca. 40 Jahre alter und 2 Meter hoher Forsythienstrauch.
Der war eindeutig viel zu schade um unter den Bagger zu kommen.

Also bin ich im März mit einem Spaten losgezogen um die Heimholung zu beginnen.
Links auf dem Bild ist die Forythie die ich glaubte schnell ausgraben zu können.
 
 
 
Naja, so war der gelbe Riese wohl etwas zu groß für den Kofferraum meines PKW´s.

 
Also Baumschere und Säge raus und ratzfatz ein bissl kleiner gemacht. Er soll ja auch keine zu großen Umstände machen. Schlussendlich ist mein Kreuz ja auch nicht mehr das jüngste.
Danach locker und lässig den Spaten aus dem Auto und rein in den Boden damit. Uii, sh ..t, da geht gar nix. Der Boden war noch gefroren. Normalerweise würde ich ja jetzt eine oder zwei Wochen warten, jedoch war für die nächsten Tage der Bagger bestellt um das Gelände zu planieren.


So wie es ausschaut muss da unbedingt schwereres Gerät her. Dem Kerlchen werden wir schon zeigen wer da am sprichwörtlich längeren Ast sitzt. Einen schweren Pickel, eine massive Schaufel, eine Axt und eine Brechstange aus dem Keller geholt und wieder hin zur Forsythie.

Ich sag euch was, der Pickel ist wie ein Gummiball ungefähr wieder auf Schulterhöhe zurückgesprungen als ich ihn in unter Einsatz meiner lächerlichen 70 Kilo mit voller Kraft in den Boden wuchtete.

Nach drei Stunden arbeiten bei Minustemperaturen war ich nass als hätte ich einen schönen Saunanachmittag verbracht und meine Oberarmmuskeln taten weh. Es hat mich einigermaßen verwundert, dass auch nur ansatzweise vorhandene Muskeln weh tun können.
Aber ich hatte einen Graben von ungefähr 1 Meter Durchmesser und 30 cm tief um die Forsythie gebuddelt.
 
 

So das war´s du Luder!! (glaubte ich zumindest).


Komisch ich dachte ich hätte alle armdicken Haltewurzeln bereits abgesägt. Der gelbe Riese rührte sich, aber ich bekam ihn nicht aus der Grube. Nach einiger Zeit bin ich draufgekommen dass das Monster wegen der gefrorenen Erde so ein enormes Gewicht hatte, dass ich ihn nichtmal anheben und schon gar nicht in den Kofferraum meines PKW´s wuchten konnte.

 
 
Mit Hilfe eines zufällig vorbeikommenden Passanten habe ich das Ungetüm dann ganz an die Grundgrenze geschleppt. Erst musste die gefrorene Erde etwas auftauen damit ich den Wurzelballen nochmal reduzieren kann ohne die Feinwurzeln zu sehr zu beschädigen. In gefrorenem Zustand hätte ich sie alle abgerissen.

Die nächsten 4 Tage war es etwas wärmer und der Wurzelballen ist aufgetaut. Ich habe die gesamte Erde entfernt und alle Wurzeln die der Baum nur irgendwie entbehren konnte entfernt. Es ist mir gerade gelungen die Forsythie anzuheben und in den Kofferraum zu wuchten. Dabei habe ich aber leider mein Kreuz ein bissl beleidigt.

2 Tage war ich danach ausser Gefecht. Den Baum habe ich in den Garten gelegt und zum Schutz der Wurzeln etwas Erde draufgegeben. Nachdem meine Frau mich zwei Tage massiert und mit allen möglichen Salben eingeschmiert hat, konnte ich der Fossy endlich wieder auf den Pelz rücken.



 

Da lag sie nun wie ein Marienkäfer auf dem Rücken. Fertig für die finale OP.
Es lag nämlich noch eine kleine OP vor uns, da die einzelnen Stämme unter der Erde zu einem großen Stamm zusammengewachsen sind. Der Umfang betrug rund 50 cm und die Höhe des Ballens waren noch beachtliche 30 cm. Sooooo hat die niemals in einer vernünftigen Schale Platz.



Aber ich hab da ja meine große und scharfe Bügelsäge. Damit wird das wohl ratzfatz gehen - dachte ich mir.

Leider hatte ich nicht damit gerechnet dass Steine in den Wurzelballen eingewachsen waren. Die waren teilweise so vom Holz überwallt dass man sie gar nicht sehen konnte.

Eineinhalb Stunden später war meine Säge endgültig stumpf. Damit kann ich vielleicht noch Styropor schneiden. Aber - immerhin ich habe den Wurzelballen auf ca 10 cm Höhe gekürzt.

 

 

 

So einfach jedoch läßt sich eine Forsythie nicht unterkriegen. Meine bis dato größte Schale war leider etwas zu klein für den gelben Riesen.

 

Daher habe ich einen Plastikuntersetzer mit Tragegriffen gebastelt, weil mit Substrat würde ich die Forsythie sonst nicht mehr bewegen können.

 

 

 

 

 

 

Da kann sie sich jetzt einmal etwas entspannen und an die neue Umgebung gewöhnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Mai habe ich dann eine Schale in der Größe einer Kinderbadewanne gekauft. 90 x 60 cm und 17 cm hoch.

Noch im selben Jahr habe ich sie da hineingesetzt. Ich muss dazusagen dass an dem restlichen Ballen ein ganzer Kranz an aktiven Feinwurzeln war und ich somit das Risiko einer Exhumierung aus dem suboptimalen Plastikuntersetzer eingehen konnte.

2010 hat die Forsythie schön durchgetrieben.
So schaut sie heute im März 2011 aus.

 

 

Servus Euer

Herbert Aigner

 

 

 


 

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