Petra: Ohne Moos nichts los?

 

Moose sind kleine grüne Pflanzen. Und das ist auch schon alles was viele über sie wissen. Und warum ist das so? Die Antwort habe ich schon gegeben: Sie sind klein und grün. Sie sind nicht so eindrucksvoll wie ein alter Baum, und sie tragen keine bunten Blüten. Doch jeder will sie in der Bonsaischale. Und dennoch: wenn man sich nur die Mühe macht und genau hinsieht, entdeckt man, dass es sich um schöne Pflanzen handelt, die eine derartige Missachtung eigentlich nicht verdient haben.

Wenn auch Du  noch nie ein Moos aus der Nähe angeschaut hast, dann solltest Du noch ein wenig genauer das Moos in Deiner Bonsaischale betrachten und ein Wunderwerk der Natur entdecken.
 

Am Anfang ging es mir wie den Meisten – es war immer ein Zufall welche Art von Moos sich in der Schale entwickelte. Oft habe ich mir die Haare gerauft, weil schon wieder dieses lange Leskea polycarpa in meiner Schale sich breit und lang machte. Ich bewunderte wie jeder Besucher auf einer Bonsaiausstellung, dass schöne, kurze, gepflegte Moos und wunderte mich, wie um Gottes Willen die das denn so hinkriegen.
 
Bis - ja eines Tages, es mir zu BUNT wurde – dauernd das falsche Moos – wie auch manchmal im wirklichen Leben. Nun ja, ich schnappte mir ein Bestimmungsbuch über Moose und Farne und entdeckte eine wunderbare Welt, eine grüne Welt, und war über deren Vielfalt mehr als erstaunt. Ein Grüner Dschungel mit einer ungeheuren Artenvielfalt – „nehmt eine Lupe, geht in den Wald, in Feuchtgebiete, ins Gebirge und ihr werdet eure Moose in einem neuem Licht sehen“.

Nach langem überlegen, vielen Versuchen, hier und da mal Moos auflegen – kam der Moment der Erkenntnis. Warum kultiviere ich nicht das Moos das ich brauche? Mit kurzen Blättern und saftigem Grün!!! So begann ich Moos zu sammeln und nicht direkt auf die Bonsaischale zu legen – wo blöde Vögel sich auf das schöne Grün stürzen.

 

  • Diese Theorien, dass Moos in kleine Streifen zu schneiden – völliger Quatsch, es vertrocknet nur.
  • Moose sind physiologisch anders – sie sind nicht wie die Pflanzen mit Wurzeln.
  • Die ganze Nährstoffversorgung erfolgt über die Blätter = also das Wasser von oben.
  • Der Boden = Untergrund wird nur zum Festhalten gebraucht.
  • Und der Standort sollten angepasst sein = also ein Waldmoos nicht direkt in die Sonne pflanzen
  • Die meisten Moose mögen keine Dauerfeuchtigkeit = auch sie müssen regelmäßig abtrocknen.
  • Die Kultivierung ist im Herbst am Besten = weil hohe Luftfeuchtigkeit vorherrscht
  • Die Photosynthese funktioniert nur bis ca. 25°C
  • Und das Wunder der Natur: Moos wächst im Winter unter dem Schnee weiter
 Also jetzt im Herbst anpflanzen, es ist die beste Zeit dafür.
 

Meine Moose haben sich inzwischen prächtig entwickelt. Ich kultiviere auf zwei verschiedenen Untergründen.

  • Flusssand und darauf ein Papiertuch
  • Seramis

Beides speichert Wasser und dieses verdunstet langsam = somit habe ich eine gleichmäßige Feuchtigkeit. Nächstes Jahr wird dann das Moos auf meine Bonsaischalen großflächig (ca. 2/3 der Schalenfläche) aufgepflanzt.

 

Viel Spaß beim Entdecken.
Petra
 
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