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Die SL Naturenergie GmbH hat einen Antrag zur Errichtung und Betrieb von insgesamt vier Windkraftanlagen in Reusrath beim Kreis Mettmann eingereicht

Auf Anfrage bei der Stadtverwaltung zum Stand der Pläne zur Errichtung von Windkraftanlagen (WKA) durch die SL Windenergie GmbH erhielten wir am 1.6.2016 eine Einladung, an der Planungs- und Umweltausschusssitzung am 2.6.2016 teilzunehmen.

Unter dem Tagesordnungspunkt 6 teilte die Stadtverwaltung den Sitzungsmitgliedern und Bürgern mit, dass am 23.5.2016 eine mündliche Information seitens der Kreisverwaltung aus Mettmann über einen Bauantrag von insgesamt 4 WKA eingegangen sei. Am 30.05.2016 wurde der Antrag bei der Kreisverwaltung schriftlich eingereicht. Die Stadtverwaltung hat nun einem Monat Zeit um Stellung zu nehmen.

Der Leiter des Referates für Stadtplanung in Langenfeld, Stephan Anhalt, berichtete über den beantragten Bau und späteren Betrieb von insgesamt vier WKA im westlichen Teil der Konzentrationszone in Reusrath. Alle Anlagen stammen von dem Windkraftanlagenhersteller ENERCON GmbH. Zum Einsatz kommen sollen zwei neue Anlagen vom Typ E-70 und zwei gebrauchte Altanlagen des Typs E-58. Der Typ E-70 besitzt einen Rotordurchmesser von 70 m und soll mit einer Nabenhöhe von 64 m errichtet werden. Die Anlagen des Typs E-58 besitzen einen Rotordurchmesser von 58 m und eine Nabenhöhe von 70,5 m. Somit haben die Anlagen eine Gesamthöhe von 99 m und 99,5 m und liegen unterhalb der für die Windkraftkonzentrationszone gültigen Höhenbegrenzung von 100 Metern. Zu der Aufstellung der WKA wurde auf der Ausschusssitzung eine ähnliche Grafik wie die folgende gezeigt.

WKA in der Konzentrationszone Reusrath

Abbildung 1: Quelle Andreas Lobb

Westlich der Konzentrationszone (schwarz eingerahmte Fläche) soll eine Versorgungsstation für die WKA entstehen.

Am Ende des Vortrags teilte die Stadtverwaltung den Zuhören mit, dass die Stadtverwaltung keine Einwände gegen die Vorhaben der Firma SL Naturenergie GmbH bezüglich der 4 beantragten WKA unter 100 Metern Höhe hat und diese Bewertung im Rahmen der vorgegebenen Frist an die Kreisverwaltung abgeben wird.

Wenn man ein wenig im Internet recherchiert, wird man sehr schnell feststellen, dass es sich bei den zwei Altanlagen um aufgearbeitete Anlangen aus dem sogenannten Repowering von anderen Standorten handelt. Die Firma ENERCON hat inzwischen insgesamt 6 Versionen von WKA entwickelt. Der Typ E-58 entstammt der ersten Reihe. Zwischen 1999 und 2006 wurden insgesamt 225 dieser Anlagen gebaut und betrieben. Seit 2006 ist keine weitere ans Netz gegangen. Dies bedeutet für Langenfeld, dass beide Anlagen mindestens 10 Jahre alt sind und sich hinsichtlich des Wirkungsgrades und der Funktion nicht mehr auf dem Stand der Technik befinden. Das Lebensalter dieser Anlagen ist zu mehr als der Hälfte abgelaufen.

Im Juni 2016 hat die Bundesregierung eine Novellierung des Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) beschlossen. Bezüglich der Windkraft sollt mehr Marktwirtschaft und Transparenz stattfinden. So werden öffentliche Ausschreibungen eingefordert. Es erfolgt eine Kostenbegrenzung durch Deckelung der EEG-Subventionen. Der Zubau weiterer WKA ist auf 2.500 Megawatt (ca. 50% des derzeitigen Ausbaus) begrenzt.

Wir befürchten, dass aufgrund dieser neuen Fakten in Langenfeld noch schnell alte Subventionen abgefangen werden sollen und möglicherweise eine Plattform für ein späteres Gewerbering mit WKA mit einer Höhe von mindestens 150 m Höhe erstellt werden soll [1].

Sicherlich werden Sie schon entsprechende Berichte aus der örtlichen Presse gelesen haben. Wie bereits in der Vergangenheit wird dort nahezu ausschließlich positiv über den Antrag berichtet. Alles sei in trockenen Tüchern und reine Formsache.

Richtig ist, der Antrag der Firma SL Naturenergie GmbH ist bei der genehmigenden Behörde, der Kreisverwaltung Mettmann, im Mai 2016 eingegangen. Zur Bearbeitung steht der Verwaltung nun ein Zeitraum von 3 Monaten zur Verfügung. Es ist also fünf Minuten vor Zwölf!

Wir haben als Bürgerinitiative inzwischen bei der Kreisverwaltung einen Antrag zur Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz eingereicht. Nach Vorlage der von dem potentiellen Betreiber SL Naturenergie GmbH eingereichten Unterlagen werden wir diese unter anderem auch hinsichtlich der Berücksichtigung des Artenschutzes (Aktualität und Neutralität der Gutachten) sichten und prüfen. Rechtliche Schritte werden wir uns offen halten. Für unsere Überprüfung des Artenschutzgutachtens bitten wir die Reusrather Einwohner, uns zu unterstützen und uns Fotos sowie Dokumentationen über schutzwürdige, windkraftsensible Vogelarten im Umfeld der Windkraftkonzentrationszone zur Verfügung zu stellen. Näheres hierzu und Foto-Beispiele siehe folgenden Beitrag auf unserer Homepage!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

Nachtrag:
Nach unseren ersten Recherchen stellen sich folgende Abstände zur Wohnbebauung:
Entfernung WKA 100 m zur Wohnbebauung

Abbildung 1: Quelle Andreas Lobb

Wie Sie erkennen können befinden sich die nächsten Häuser auf der Steinstraße. Der kürzeste Abstand beträgt ca. 355 m. Zwei weitere Häuser befinden sich in einem Abstand von ca. 410 m. Ein weiteres mit ca. 450 m Abstand. In nördlicher Richtung sind die neugebauten Doppelhaushälften auf der Rennstraße in einer Entfernung von ca. 485 m. Westlich der Konzentrationszone befinden sich erste Ansiedlungen in einem Abstand von ca. 490 m und ca. 520 m. Zur Vergrößerung der Grafik, können Sie diese, wie auch die anderen, anklicken und so vergrößert darstellen.

Wie Sie unter anderem auch der Abbildung 2 entnehmen können findet sich in den Übersichtsplänen eine fünfte Position einer möglichen WKA. Für diese WKA wurde momentan noch kein Antrag zur Errichtung und Betrieb im Kreis Mettmann eingereicht.


[1]  Die Firma SL Naturenergie GmbH hat am Oberverwaltungsgericht in Münster Beschwerde, gegen das Urteil vom Verwaltungsgericht in Düsseldorf zum Bestand der Höhenbegrenzung von 100 m für die Windkraftkonzentrationszone, eingereicht.